Mit einem leistungsgerechten 1:1 gegen den Tabellenletzten SC Paderborn verabschiedete sich die Borussia heute in die Winterpause. Schon vor dem Spiel mit der Gewissheit einer Tabellenführung zum Weihnachtsfest ausgestattet, ging die Elf von Trainer Jos Luhukay in der 2. Spielhälfte durch Soumaila Coulibaly in Führung, brachte sich dann jedoch durch den Feldverweis Rob Friends um die Früchte dieser Standardsituation, da die Gäste in der Folge ihre numerische Überlegenheit noch zum verdienten Ausgleichstreffer nutzten. Abseits des ermutigenden Zwischenstands in der Tabelle muß sich nach diesem Spiel jedoch das Publikum an der Hennes-Weisweiler-Allee ernsthaft fragen lassen, weshalb es sich nach 13 Spielen ohne Niederlage und der vorzeitigen "Herbstmeisterschaft" durch ein tadelloses Team in einem erwartet komplizierten Spiel zu Pfiffen verleiten lässt, bloß weil es zur Halbzeitpause "nur" torlos Remis steht.

Die beiden zu erwartenden Änderungen in der Anfangsformation wurden von Trainer Jos Luhukay im Hinblick auf das Spiel gegen seinen vorherigen Arbeitgeber auch angewendet. So rückten Eugen Polanski und Soumaila Coulibaly auf die Ersatzbank und Marko Marin und der nicht mehr gesperrte Marcel Ndjeng auf die Flügelseiten des Mittelfelds der Borussia.

Nach dem Anstoß probierten die engagiert zu Werke gehenden Paderborner sogleich den Weg zum Tor der Borussia zu finden und ergatterten, nach einem Bescheid des Schiedsrichters, infolge eines Schusses von de Graef einen Eckball, den Nils Döring auf das Tor der Borussia köpte. Christofer Heimeroth war jedoch zur Stelle und verhinderte, wie elf Minuten später gegen Benjamin Schüßler , eine frühe Paderborner Führung. Auf der Gegenseite konnten sich vor allem die Außenbahnspieler im Mittelfeld nicht entscheidend durchsetzen und so hatte die Borussia zunächst keine wirkliche Torchance aufzuweisen, auch wenn etwa Oliver Neuville einen Rückpaß der Paderborner Defensive beinahe geerbt hätte. Da waren die Gäste wiederum nachhaltiger und hätten durch Ex-Borusse Benjamin Schüßler nach einer guten Viertelstunde, als Resultat eines kultivierten Spielzugs der Gäste, in Führung gehen können; doch der einstmals über Magdburg zur Borussia gestoßene Mittelfeldspieler verfehlte das Tor recht deutlich.

Borussia offenbarte auch nach der Anfangsviertelstunde Schwierigkeiten im Hinblick auf eine konsequente Bewegung zum Gästetor. Dies schuldig blieb sie vor allem weil weder Marko Marin, noch Marcel Ndjeng ihre individuellen Fähigkeiten nachhaltig in die Waagschale werfen konnten. Während sich Marin mitunter im Dribbling verlor, vagabundierte der eigentlich auf der rechten Außenbahn effektive Ndjeng zusehends quer über den Platz. Ihn zog es mehr als gelegentlich vor die Spielmitte um Patrick Paauwe und Sascha Rösler recht nutzlos zu stützen. Der frühere Paderborner fand gegen seine ehemaligen Mannschaftsgefährten eben nicht zu seinem Spiel. Dies hätte sich mit geringerer Deutlichkeit im Ergebnis niedergeschlagen, hätte Mannschaftskapitän Oliver Neuville sich in der 26. Spielminute nicht dazu bewogen gefühlt einen der raren Steilpässe in die Nahtstellen der Paderborner Defensivabteilung aktiv zu verfolgen. Genau dies tat der Nationalspieler aber und machte - aus dem Abseits kommend - mit dieser Bewegung das von dem aufgerückten Roel Brouwers souverän erzielte Führungstor der Borussia in nachvollziehbarer Weise ungültig. Dem Schiedsrichter blieb keine andere Chance als dem Tor die Anerkennung zu versagen.

Für die Borussenspieler war diese Entscheidung von Dr. Fleischer weniger deutlich nachvollziehbar. Schon in der ersten Spielminute beklagte sich Alexander Voigt über eine Tatsachenentscheidung des Arztes aus Bayern und nachdem der Paderborner Gouiffe à Goufan frühzeitig vom Schiedsrichter verwarnt worden war, wollten Sascha Rösler und Oliver Neuville in der Folgezeit auch nicht verstehen, weshalb der seit 1995 im deutschen Profifußball tätige Dr. Fleischer den Mittelfeldspieler bei zwei weiteren klaren Foulspielen gegen einen Mannschaftskollegen nicht mit der sogenannten Ampelkarte frühzeitig des Feldes verwies. Der Unmut Neuvilles etwa entlud sich Mitte der ersten Spielhälfte in einer Schimpftirade in Richtung des Referees und hatte eine Gelbe Karte gegen Neuville zur Folge. Wenig später verwarnte Dr. Fleischer auch Rob Friend, der kanadische Internationale hatte ein zu kurzes Zuspiel Patrick Paauwes im Mittelfeld mit einem Foul gegen den dazwischen spurtenden Paderborner auszubügeln probiert.

Obwohl die Borussia gegen Ende des ersten Spielabschnitts noch einmal deutlicher probierte das bis dato selten unter Beschuß gekommene Paderborner Tor unter Feuer zu nehmen, die Mannschaft von Jos Luhukay ließ sich in dieser Phase in recht unnötiger Weise von den Gästen neutralisieren und hatte bisweilen sogar Fortune, denn die jederzeit agilen Gäste beschränkten sich nicht nur auf ihre Abwehrarbeit und stellten den souveränen Christofer Heimeroth zwischen den Borussenpfosten in achtbarer Weise vor Proben, die dieser jedoch entsprechend bewältigte.
Ohne Tor auf der einen wie anderen Seite gingen die Mannschaften zur Pause in die Katakomben, ein Akt, der nicht ohne hörbare Pfiffe vollzogen wurde. Diese wurden zwar sukzessive von Anfeuerungsrufen bedeckt, jedoch waren sie im mit rund 43.000 Zuschauern gefüllten Stadion hörbar und verleiten selbstverständlich zu der Frage nach der Erwartungshaltung gegenüber einer Mannschaft, die in 13 Spielen in Folge aus 2 Pluspunkten 35 gemacht hatte und in eben diesen Spielen mit teils sehr bemerkenswerten, teils souveränen Darbietungen auch niederlagenfrei geblieben war. Aber mutmaßlich bekommt man die Absichten und Gedanken mancher wohl doch eher unter dem Oberbegriff des „Konsumenten" einzuordnenden Teile des Publikums wirklich noch nicht einmal mit beachtlichen Leistungen einer tadellosen Mannschaft am Stück in den Griff.

Aus der Halbzeitunterbrechung kam die Borussia mit einer Veränderung, Soumaila Coulibaly ersetzte Marko Marin. Der unter der Woche gesundheitlich angeschlagene Nationalspieler Malis war es dann auch, der der Borussia ein bisschen mehr Zielstrebigkeit in Richtung des Paderborner Tores verleihen konnte. Mit einem Distanzschuss über seinen rechten Fuß testete er in der 50. Spielminute die Weiten des Stadionrasens und auch an der Möglichkeit Rob Friend, die Marcel Ndjeng in seiner ersten wirklich zielstrebigen Aktion in Richtung des Gästetores in der 48. Spielminute vorbereitet hatte, hatte der ehemalige Freiburger seinen Anteil. Diese Teilbeteiligungen führte er in der 55. Spielminute, in der der Borussia ein Freistoß aus zentraler Lage zugesprochen wurde, zur Perfektion und vollstreckte mit einem satten Linksschuss zur Borussenführung. Dennoch waren das auch jene Momente, in denen Coulibaly sich bei Christofer Heimeroth dafür revanchieren konnte, dass ihm zuvor (52.) beinahe ein fataler Rückpass unterlaufen war, der Paderborner Koen jedoch nicht zum Torerfolg kam.

Es folgten die Momente, in der die Borussia den Sieg zu deutlich riskierte. Einen Angriff über die linke Seite hatte zur Folge, dass Rob Friend im Paderborner Strafraum in ein Luftduell mit Schlussmann Kruse involviert wurde. Dabei kam der Torwart zu Fall, da Friend seinen Körper zu deutlich eingesetzt hatte und in den tumultartigen Folgesekunden begriff, dass Schiedsrichter Dr. Fleischer nicht gewillt war auch hier die Nachsicht zu zeigen, die er in der ersten Hälfte des Spiels gegenüber dem Paderborner Gouiffe à Goufan bewies. Dieser Platzverweis motivierte die Borussenspieler und das Publikum auf deren Weise (minutenlang schien das Ziel des Spiels, vor dem Hintergrund des Wunsches nach numerischem Ausgleich durch einen Feldverweis gegen Paderborn,  aus den Augen verloren worden zu sein), Holger Fach für Paderborn ermutigte er mit Nebojsa Krupnikovic und Danko Boskovic zwei eher offensivstarke Spieler einzuwechseln.

Und, fürwahr, die Paderborner gewannen jetzt optisch wieder die Überhand. Die Borussia, insbesondere Sascha Rösler, verstrickte sich in dem Versuch die vermeintliche Ungerechtigkeit gegen Rob Friend zu sühnen, Paderborn probierte das Tor von Christofer Heimeroth wieder in das Visier zu nehmen. Noch bevor der bereits ja verwarnte und heute nicht in Topform agierende Neuville Roberto Colautti seinen Platz überließ, hätte der Nationalspieler nach sehenswerter Initiative von Alexander Voigt der Borussia beinahe ein Tor besorgt, doch sein qualitativ hochwertiger Drehschuss aus linker Position im Strafraum war ein Stück zu hoch angesetzt und verfehlte letztlich sein Ziel.

Paderborn mühte sich und kam zu netten Gelegenheiten. Diese konnten sie nicht nutzen und so bedurfte es in der 74. Spielminute eines Freistoßes von Krupnikovic um in Ermangelung der Körperlänge von Rob Friend im Borussenstrafraum durch einen Kopfball Dusko Djurisics zuzuschlagen. Ein ernüchternder Moment aus Sicht der Borussenfans, einerseits, andererseits aber natürlich die verdiente Quittung dafür, dass die Mannschaft ein kompliziertes Spiel, das sie schrittweise in den Griff bekommen hatte, durch einen dummen Feldverweis selbst wieder spannend gemacht hatte.

In den restlichen sechzehn Spielminuten drohte die Borussia diese Partie zum Teil noch zu verlieren. Die Gäste, die fast einmal auch von einem ebenfalls fatalen Rückpass des Filip Daems profitiert hätten, vergaben allerdings ihre verbliebenen Möglichkeiten bis zur 85. Spielminute durchgehend. In dieser 85. Spielminute musste dann Schiedsrichter Dr. Fleischer den Paderborner David Fall für ein rüdes Foulspiel an dem eingewechselten Johannes van den Bergh vom Platz werfen. Der Referee erntete hierfür aus dem Rund des Stadions teilweise höhnischen Applaus, denn die Zuschauer wollten nicht vergessen, dass er dem in der Phase nach dem Feldverweis gegen Friend mannigfaltig durch Unsportlichkeiten in den Vordergrund getretenen Emil Noll auf Paderborner Seite nicht auch bereits vorzeitig die Erlaubnis zur akuten wie verlängerten Winterpause ausstellen wollte. Und teilweise (u.a.bei seinem Schwächeanfall im Borussenstrafraum) konnte man wirklich davon sprechen, dass der Ex-Aachener förmlich darum gebettelt hatte, dass Dr. Fleischer die diesbezügliche Gutmütigkeit ihm gegenüber doch endlich ablegen möge.

Nach dem Platzverweis gegen David Fall und dem erreichten numerischen Gleichgewicht übernahm dann wieder Borussia das Initiativspiel und hatte in den fünf Minuten bis zur Nachspielzeit nicht nur eine Drangperiode, sondern durch den an Torwart Kruse scheiternden Colautti eine Torchance (88.). Schon in der Nachspielzeit benfindlich, bekam so eine für die Paderborner auch Benjamin Schüßler, der dabei Filip Daems verladen konnte und den Ball nur knapp am Tor vorbeisetzte. Es war allerdings nicht der Schlusspunkt unter ein Remis endendes Spiel, denn unmittelbar vor dem Abpfiff des Schiedsrichters fiel der Ball im Strafraum der Paderborner eben Colautti auf den Kopf. Hätte der israelische Internationale das Spielgerät noch führen und nicht lediglich nur berühren können, der Ball wäre womöglich die entscheidenden Zentimeter rechts vom linken Torpfosten eingeschlagen.

Im Nachhinein muss man gewisse Dinge feststellen. Einmal, dass dieses vielleicht schon halb entschiedende Spiel vom Verlauf her von der Borussenmannschaft schlicht nicht zu Ende geführt wurde, sondern durch eigene Unnötigkeiten (s. Platzverweis gegen Friend bzw. das Versteifen auf den Versuch in dieser Folge auch einen Paderborner vom Platz gestellt zu kriegen) wieder spannend gemacht wurde. Einmal, dass die Borussia in der ersten Halbzeit zu viel Zeit damit vergeudete, dass sie ihre individuellen Fähigkeiten im Spiel gegen das Paderborner Tor (Marin, Ndjeng) nicht in eine zielstrebige Spur bekam. Wenn sie dies geschafft hätte, wäre sie viel weniger in die Abhängigkeit gekommen, inwiefern nun Schiedsrichter Dr. Fleischer bei einzelnen Situationen Gnade (oder Ungnade) vor Recht  ergehen hat lassen. So hat sie sich aber in einem komplizierten Match selber auf ein Niveau heruntergezogen, dass nicht ihrem Leistungsbereich entspricht. Und das gilt es - wenn man eine Klage anstimmen möchte - in erster Linie zu beklagen.

Den beiden ihr durch das heutige Remis entgangenen Punkten zum absoluten Trotz, dieses Spiel gegen den SC Paderborn war kein schlechtes. Die Borussia hatte ihre Schwierigkeiten, aber sie steht dennoch auch heute nicht mit leeren Händen da. Und im Gesamtzusammenhang überstrahlt die teilweise wirklich exzellent bestrittene Hinrunde mit der daraus resultierenden Ausbeute und Ausgangsposition für die Restsaison dies ohnehin.
Die Mannschaft, die es verdient hat das Weihnachtsfest mit Punktevorsprung an der Tabellenspitze zu stehen, steht auch an Weihnachten eben genau so an der Tabellenspitze. Das ist die Konsequenz der letzten Wochen und Monate und ein Grund so eine fehlerbehaftete Partie wie die Partie gegen den SC Paderborn eben ohne Murren und rundum vernünftig hinzunehmen. Fußball ist eben zu Recht ein Spiel zweier Mannschaften, bei dem man sich etwas verdienen kann. Dies hat die Hinrunde dieser Mannschaft zur Genüge gezeigt. Das hat diese Mannschaft bei vielen Gelegenheiten in dieser Hinrunde vor allem einmal unstrittig bewiesen.

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng (van den Bergh 82), Marin (Coulibaly 46) - Rösler - Neuville (Colautti 65), Friend.

Paderborn: Kruse - Fall, Djurisic, Döring, de Graef - Sinkala (Boskovic 62), Gouiffe à Goufan - Koen (Krupnikovic 62), Schüßler, Noll - R. Müller (Krösche 82).

Tore: 1:0 Coulibaly (55.), 1:1 Djurisic (74.).

Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer (Sigmertshausen)

Zuschauer: 43.610 (80,73 %)

Gelbe Karten (Borussia): Rösler, Neuville

Gelb-Rote Karte: Robert Friend (58.)

Rote Karten
: David Fall (85., übertriebene Härte)

Besondere Vorkommnisse: Beide Klubs trafen sich zum ersten Mal zu einem Pflichtspiel, wobei mit Holger Fach (Paderborn) und Jos Luhukay beide Trainer auf ehemalige Arbeitgeber trafen. In Fachs Falle war dies sein 2. Auftritt als Gästetrainer in Mönchengladbach, in der Saison 2005/06 erreichte die Borussia gegen den von ihm damals betreuten VfL Wolfsburg in den Schlußminuten ein 1:1. Borussia ist mit dem eingetretenen Ende der Hinrunde seit nunmehr 14 Punktspielen (10 Siege, 4 Remis) ungeschlagen und hat aus diesen 14 Partien neben 34 Punkten eine Torbilanz von 34:13 Toren erzielt. Damit ist sie einerseits Tabellenführer und als solcher der sogenannte "Herbstmeister" ihrer Liga, andererseits auch die aktuell am längsten ungeschlagene Elf im deutschen Profifußball. Insgesamt bestritt sie im Kalenderjahr 2007 34 Partien und holte in diesen in Liga 1 und 2 zusammen 47 Punkte bei 46:39 Toren. Der Platzverweis von Robert Friend war Borussias 2. Feldverweis der laufenden Spielzeit. Torwart Christofer Heimeroth kassierte erstmals seit Sandor Torghelles Tor am 12. Spieltag wieder einen Gegentreffer an der Hennes-Weisweiler-Allee, Heimeroth ist neben Feldspieler Patrick Paauwe auch der einzige Akteur des Kaders, der in jedem der bisherigen 17 Pflichtspiele immer stets über die volle Spieldauer mitgewirkt hat.

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  • RT @MichaelCUISANCE: Danke fur allés, es its nur der anfang 🙌🏼🐎 @borussia
  • @Neun_Drei Auch verletzt?
  • Während jeder Raffaels Tore feiert, sollte man auch den Jüngsten sehr loben. Bravo, vous avez bien fait, @MichaelCUISANCE! #bmgvfb
  • @Neun_Drei Was fehlt?
  • Milliarden Chinesen, die am Wochentag nachts um 0.30 Uhr 2 Stunden deutsche Bundesliga gucken, sind die Zielgruppe dieser Anstoßzeit #bmgvfb
  • @jarkoh Siegtor Max Eberl.
  • Wenn das so kommt, wie es sich liest, sind morgen Dirk Bremser, Max Eberl & Uwe Kamps im Kader. #BMGVFB

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