TSG Hoffenheim 1899Im neunzehnten Saisonspiel kassierte die Borussia am heutigen Sonntagnachmittag ihre zweite Saisonniederlage und durfte sich am Ende der Begegnung beim ambitionierten Aufsteiger aus Hoffenheim vor allem an die eigene Nase fassen. Zur Halbzeitpause hatte die Mannschaft von Trainer Luhukay noch mit zwei Toren Unterschied in Führung gelegen, doch 25 vollends pomadig wie selbstgefällig absolvierte Spielminuten zu Beginn des zweiten Abschnitts sorgten dann für die erste Niederlage seit dem Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05. Nachdem die Elf schon an den vorangegangenen Spieltagen in fast anmaßender Manier leichtfertig Führungen verspielt hatte, rächte sich dieses Verhalten nunmehr auf ganzer Ebene; vor diesem Hintergrund bleibt nicht erwähnt, dass ihr im zweiten Spiel in Folge ein korrekt erzieltes Tor vom Schiedsrichtertrio unrichtigerweise aberkannt wurde.

Aufgrund der Spielsperre des Sascha Rösler und der Erkältung von Marcel Ndjeng und Sebastian Svärd war Trainer Jos Luhukay vor dieser Begegnung zu Umstellungen genötigt. Ohnehin musste der Venloer ohne die weiterhin nicht zur Verfügung stehenden Steve Gohouri (Afrika-Pokal), Robert Fleßers, Johannes van den Bergh, Roberto Colautti (jeweils Reha) und Roel Brouwers (Trainingsrückstand) auskommen. Er entschied sich in der daraufhin veränderten Anfangsformation für Marko Marin und Soumaila Coulibaly, im Angriff kehrte Rob Friend an die Seite von Oliver Neuville zurück.

In einer nur sehr geringfügig temporeichen ersten Spielhälfte blieb zunächst der ebenfalls ersatzgeschwächte Gastgeber von Trainer Ralf Rangnick spielbestimmend, die Borussia verlegte sich während großer Teile der ersten Spielhälfte auf eine konzentrierte Defensivdarbietung, die ihrerseits mit sporadischen Angriffen auf das Tor der Gastgeber garniert wurde und insofern von Erfolg gekrönt blieb, weil die Elf aus dem Kraichgau in ihrem Defensivverhalten zweimal unachtsam war. So führte der von Thomas Kleine per Abstauber infolge einer Eckballsituation zum 1:0 vollendete Borussenangriff in der 23. Spielminute einen Hoffenheimer Flüchtigkeitsfehler, Torwart Özcan konnte den darob gefährlichen Schuß Rob Friends noch gerade so um den Außenpfosten zu der erwähnt folgenschweren Ecke drehen. Es führte rund fünf Minuten vor der Halbzeitpause ferner ein Hoffenheimer Ballverlust im eigenen Spielaufbau zu einem blitzschnellen Zuspiel auf den in den Strafraum durchstartenden Soumaila Coulibaly. Dieser wurde kurzerhand von dem von der Torlinie geeilten Torwart der Gastgeber zu Fall gebracht und folgerichtig erkannte Schiedsrichter auf Strafstoß für die Luhukay-Elf. Einen Elfmeter, den Oliver Neuville zum vermeintlich vorentscheidenden 2:0 für die Borussia verwandelte.

Anders als die Borussia vermochten nach dem Ende der Halbzeitunterbrechung jedoch die Männer aus dem Kraichgau einen nötigen Tempowechsel zu vollziehen. Während sich die Borussia nun immer selbstgefälliger präsentierte, und dabei in den ersten sechs Spielminuten nach Wiederbeginn zwei herrliche Situationen für den zielgerichteten Tempogegenstöße in fahrlässiger Manier verspielte (u.a. Neuville), suchten die auf zwei Positionen verändert aufgestellten Hoffenheimer zielgerichtet den Abschluss. Etwas, womit die Borussenmannschaft aufgrund gedanklicher Gemächlichkeit zusehends Probleme bekam und so beispielsweise schon vor dem Anschlusstreffer durch Teber (55.) ein Dankesschreiben an ihren Torwart Heimeroth hatte verfassen dürfen, der etwa in der 54. Spielminute einen gefährlichen Hoffenheimer Versuch geistesgegenwärtig parierte.
In der 55. Spielminute konnte dann jedoch auch Christofer Heimeroth nicht verhindern, dass sich Tobias Levels im Zweikampf vor dem Strafraum wesentlich zu ungestüm verhielt und der Schiedsrichter den Gastgebern daraufhin jenen Freistoß zuerkennte, den Selim Teber ausführte und Soumaila Coulibaly unhaltbar in die eigenen Tormaschen abfälschte.

Der Borussenfreund im Stadion wartete zu diesem Zeitpunkt vergebens auf ein Zeichen aus der Borussenelf, die angesichts des Gegentreffers ihre zu Beginn der zweiten Spielhälfte angefangene Schläfrigkeiten eben nicht aufzugeben bereit war. Die wesentlich aggressiveren Hoffenheimer, die weiterhin zielgerichtet agierten, hätten bereits drei Minuten nach dem Anschlusstreffer den Ausgleich markieren können, doch Jaissles Kopfball infolge einer Standardsituation verfehlte das Borussengehäuse. Sechs Minuten später hatte die inaktive Borussia zum wiederholten Mal Glück, dass Teber bei einem Schussversuch aus der zweiten Reihe die sich dabei selbst entblößende Borussia nicht bereits mit dem fälligen Ausgleichstreffer bestrafte; dieser fiel nur unwesentlich später, wieder war der Ball dabei für Torwart Heimeroth von einem Borussenspieler bis zur Unhaltbarkeit abgefälscht worden (66.).

In Folge des daraufhin erfolgten Wiederanstoßes durch die Borussia hätte Oliver Neuville beinahe eine Fahrlässigkeit der Hoffenheimer Abwehr zum erneuten Führungstor für Borussia genutzt, doch der Mannschaftskapitän bugsierte den als Volleyschuß angesetzten Versuch aus kurzer Entfernung über das Tor - dies sollte indes bis in die Schlussphase hinein der einzig nennenswerte Angriff der Borussia sein, die sonst nur noch einen jämmerlich aus der Distanz vorgetragenen Freistoß von Soumaila Coulibaly auf der Habenseite verbuchen durfte.

Die bereits erwähnte Schläfrigkeit, die man bei etwas weniger wohlwollender Betrachtung sicher auch als Arroganz und Überheblichkeit bezeichnen könnte, ergab sich in der Folge dann abermals. So durfte in der 69. Spielminute zunächst Copado an den Außenpfosten köpfen und hernach den von Heimeroth noch parierten ersten Abpraller mit dem zweiten Versuch im Borussentor versenken. Die Borussenmannschaft ließ dies einfach zu und diese gefühlte Gleichgültigkeit hielt auch dann noch an, nachdem der nicht überzeugende Eugen Polanski und der ebenso agierende Tobias Levels ausgetauscht waren. Erst rund zehn Minuten vor dem Spielende riss sich die Borussia gemächlich zusammen und probierte sich strukturiert in Richtung des Tores der Gastgeber zu schieben, derweil Christofer Heimeroth kontinuierlich gefordert blieb den Hoffenheimern weitere Treffer zu verwehren.

In der 83. Spielminute schien sich das Blatt für die mitunter zum Teil erschreckend teilnahmslos wirkende Borussia dann zu wenden. Sie hatte sich zu Angriffen in Richtung Hoffenheimer Tor aufgerafft und war durch Alexander Voigt in der Hoffenheimer Hälfte im Ballbesitz. Gefühlvoll hob der Linksverteidiger den Ball in den Strafraum, unglücklich verlängerte der Hoffenheimer Luis Gustavo diese Hereingabe hinter die eigene Abwehr. Von dort stach Nando Rafael erfolgreich zu und war gerade im Begriff sich für diesen Ausgleichstreffer feiern zu lassen, als der Pfiff von Schiedsrichter Wingenbach dieser juvenilen Freude ein jähes Ende bereitete. Der Schiedsrichterassistent hatte entschieden das Tor annullieren zu wollen und der erst viermal zuvor im deutschen Profifußball aktive Referee ließ sich von dieser Sichtweise schnell überzeugen. Die urplötzlich doch sehr vehementen Borussenspieler protestierten vergeblich, Hoffenheim blieb mit einem Treffer im Vorteil und konnte dieses Resultat in den Schlussminuten durch den Senegalesen Ba noch auf 4:2 ausbauen.

Zusammenfassend ist zu einem nicht unerheblichen Teil auf die sogenannten Herberger-Weisheiten zurückzugreifen. Zunächst einmal dauert ein Spiel nun einmal 90 Minuten, ferner ist auch eine Saison nicht nach 17 Partien beendet. Sie dauert 34 Spieltage und wie in jeder Liga der Welt wird man auch in der 2. Bundesliga keinen Erfolg haben, wenn man nicht über die gesamte Spielzeit und Saison leistungsbereit ist. Außerdem ist, vollends plakativ gesprochen, „der Weihnachtsmann" natürlich „kein Osterhase".
Eine Niederlage in jedem 16. Spiel (!) ist, andererseits, nun wirklich keine zur Gemeinheit ausufernde Unredlichkeit und ihre mitunter glänzend anmutende Ausgangsposition hat die Borussia in nur unwesentlich verändertem Rahmen weiterhin. Dies bleibt bei allem Selbstgefallen und aller Pomadigkeit, die die Mannschaft am heutigen Spieltag bis zur Brillanz vorexerzierte, festzuhalten. Allerdings lässt und ließ die Mannschaft zuletzt einen Schlendrian erkennen, den die Mannschaft in erster Linie selbst verschuldet hat. Die Mannschaft - aus der heute wiederholt Christofer Heimeroth ob seiner konstant ordentlichen Leistungen positiv zu erwähnen bleibt - ist dementsprechend nunmehr aufgerufen etwas dagegen zu unternehmen. Sie muss den seit mehreren Spieltagen aufgekeimten Hang zur fröhlichen Selbstzerstörung wieder vertreiben. Dazu wird sie die Leistungen zeigen müssen, die sie auf ihrem Weg an die Tabellenspitze dieser Liga über viele Wochen gezeigt hatte.

Hoffenheim: Özcan - Ibertsberger (Copado 46), Jaissle, Compper, Löw - Teber, Luis Gustavo - Seitz, Paljic (Ibisevic 46) - Obasi, Ba.

Borussia: Heimeroth - Levels (Lamidi 85), Kleine, Daems, Voigt - Coulibaly, Paauwe, Polanski (Schachten 69), Marin (Rafael 77) - Neuville, Friend.

Tore: 0:1 Kleine (22.), 0:2 Neuville (40., Foulelfmeter), 1:2 Teber (55.), 2:2 Copado (66.), 3:2 Copado (69.), 4:2 Ba (88.).

Schiedsrichter: Markus Wingenbach (Diez)

Zuschauer: 6.350 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia): Kleine, Polanski, Paauwe

Rote Karten: -

Gelb-Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Erstmals trat die Borussia in einem Punktspiel bei der TSG Hoffenheim 1899 an. Diese Partie war Borussias erste Niederlage in der 2. Fußball-Bundesliga nach 15 niederlagenlosen Partien, zuletzt verlor die Borussia am 3. Spieltag (24. August 2007) beim FSV Mainz 05; übrigens ebenfalls mit vier Gegentreffern. Durch seinen Einsatz für die TSG Hoffenheim 1899 ist Marvin Compper der erste Akteur, der in den beiden bisherigen Partien zwischen Hoffenheim und der Borussia bereits für beide Mannschaften jeweils einmal bei diesen Aufeinandertreffen aufgelaufen ist. Anders als beim bislang einzig fällig gewordenen Elfmeter für die Borussia, am 5. Spieltag bei Erzgebirge Aue, verwandelte Oliver Neuville den heutigen Strafstoß.

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