Erneut keinen Sieg, sondern durch unglückliche Gegentore und strittge Schiedsrichter-Entscheidungen unnötige Punkte verschenkt. Eigentlich war alles wie gehabt im Jahr 2008 bei Borussia. Mit der Effizienz beim Torabschluss des heutigen Tages hätte man den FSV Mainz am vergangenen Montag locker besiegt. Mit der Entschlossenheit und dem Einsatz des Auftritts gegen Mainz wiederum wären wir in Osnabrück als Sieger vom Platz gegangen. Dass es insgesamt nur zu einem Punkt reichte, ist im Ergebnis tragisch. Dennoch ist die Mannschaft von ihrer Spielweise weit davon entfernt, sich in einer Krise zu befinden. So weit ist man von den Leistungen der Hinrunde nicht entfernt. Während man dort aber in den entscheidenden Momenten das Glück auf seiner Seite hatte, sind es in diesen Tagen abgefälschte Bälle oder unglückliche Entscheidungen, die gegen uns laufen.

Mit einer relativ defensiven Aufstellung wollte Jos Luhukay den heimstarken Osnabrückern begegnen. Für den verletzten Sascha Rösler rückte Filip Daems ins Team. Roel Brouwers verdrängte diesen aus der Innenverteidigung ins linke Mittelfeld, und damit indirekt auch Coulibaly in die Mittelfeldzentrale.  

Das Spiel begann sehr temporeich, da beiden Mannschaften der Wille anzumerken war, das Spielgeschehen in die Hand zu nehmen. Die Gastgeber versuchten sich immer wieder gefährlich über die Außenbahnen, wo man viel zu leichtes Spiel gegen die überforderten Levels und Voigt besaß. Manno, Aziz und Thomik wirbelten in Halbzeit 1 ein ums andere Mal, was sehr schön anzuschauen war, dann aber zu unserem Glück nicht in letzter Konsequenz zuende gespielt werden konnte. So ergab sich die beste Osnabrücker Chance der Anfangsphase aus klarer Abseitsposition, so dass der von Heimeroth gut abgewehrte Thomik-Kopfball aus kurzer Distanz eh keine Anerkennung gefunden hätte.
 
Anerkannt wurde wenig später der einzig unstrittig regulär erzielte Treffer des Tages. Steve Gohouri schlug in der 9. Minute noch aus der eigenen Hälfte einen weiten Pass an die Strafraumgrenze, wo Rob Friend seine ganze Klasse ausspielte. Eine tolle Brustabnahme, eine schöne Drehung halbrechts in den Strafraum, den aufgesetzten Ball aus dieser perfekt abnehmend und schon zappelte der Ball unhaltbar im linken Eck. Besser kann es ein Stürmer nicht machen als der Kanadier, der seine ordentliche Form der letzten Wochen heute endlich auch wieder in Torerfolge umsetzen konnte. 

Doch Osnabrück war nicht gewillt, sich von diesem Treffer schocken zu lassen. Es entwickelte sich in der Folgezeit ein offener Schlagabtausch mit leichten Vorteilen für die starken Lila-Weißen. Immer wieder setzten sie Borussia über Außen unter Druck. Die Flanken gerieten dann aber fast immer zu harmlos und konnten von Heimeroth souverän heruntergepflückt oder von der gut stehenden Innenverteidigung geklärt werden. 
 

In der 15. Minute war es hingegen Tobias Levels, der klären konnte, nachdem er selbst erst die Torgefahr durch einen kapitalen Kopfball in die Beine des Gegners eingeleitet hatte. Doch die Flanke von Thomik an den 5er erwischte der Rechtsverteidiger vor dem einschussbereiten Osnabrücker Stürmer. 5 Minuten später zeigte Heimeroth, was ihn ausmacht. Eine hohe Schäfer-Flanke klärte er etwas unorthodox mit einer Faust, so dass der Ball viel zu kurz vor die Beine von Aziz fiel. Dieser brauchte etwas zu lange, den Ball zu verarbeiten, so dass unser Keeper beim Torschuss schon wieder zurückgeeilt war und auf der Linie gut klärte. Dort ist der Ex-Schalker meist ohne Fehl und Tadel, während er beim Herauslaufen schon die eine oder andere Unsicherheit offenbart. 

Nach etwa 20 Minuten begann das temporeiche Spiel, sich langsam ein wenig zu beruhigen. Es sollte aber die Ruhe vor dem Sturm sein. Denn als man gerade den Eindruck bekommen hatte, Borussia bekäme das Spielgeschehen besser in den Griff, pfiff der kleinlich, aber konsequent pfeifende Schiedsrichter Kempter nach einem leichten Hakeln von Marcel Ndjeng Freistoß aus 30 Metern Entfernung. Schuon zog indirekt ab und erwischte den Rücken von Filip Daems. Von diesem wurde der Ball so unglücklich abgefälscht, dass Christofer Heimeroth ihn nicht mehr erreichen konnte und er ins lange Eck trudelte. Ähnlich wie im Spiel gegen Hoffenheim also ein unglücklicher Ausgleich, der den Gegner wieder ins Spiel zurück brachte. Dass beim Schuss von Schuon Gaetano Manno im Abseits und im direkten Sichtfeld von Heimeroth stand, kann man bemängeln. Solange die Regel hier aber derart uneindeutig definiert ist, ist weniger dem Schiedsrichter als DFB und FIFA ein konkreter Vorwurf zu machen.
 

Borussia musste den Ausgleich zur Kenntnis nehmen, der nach dem bisherigen Spielverlauf verdient war. Bis auf den Führungstreffer konnte sich Borussia keine wirklich zwingende Chance herausarbeiten und man tat zu wenig für den zweiten eigenen Treffer dieser Partie. Und es bedurfte schon einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters, damit dieser fiel. Ein Coulibaly-Freistoß landete im Toraus, wobei das Schiedsrichter-Gespann eine Berührung von Heidrich gesehen haben wollte und auf Ecke entschied. Auch wenn es schwer zu erkennen gewesen sein mag, offenbarte die Zeitlupe, dass eine solche Berührung nicht stattgefunden hatte. Marcel Ndjeng ließ sich davon nicht beirren und flankte schön an den 5-Meter-Punkt, wo Rob Friend in seiner unnachahmlichen Art hochstieg und Gegenspieler Schanda alt aussehen ließ. Das hier bemängelte Stoßen des Kanadiers war wiederum dem Profifussball angemessen, so dass Friend sich zurecht darüber freuen durfte, als der Ball rechts unten im Tor einschlug.
 

Im Folgenden zeigte Osnabrück weiter Moral und war bis zum Halbzeitpfiff vorbildlich bemüht, den erneuten Ausgleich zu markieren. Doch weiterhin waren die finalen Aktionen auf beiden Seiten zu unpräzise, so dass sich kaum wirklich gefährliche Situationen ergaben. Heimeroth hatte mit den Schüssen von Schuon (42.) und Aziz (43.) keine Mühe, nachdem er in der 36. Minute einen harmlosen Aziz-Freistoss unnötig nach vorne abklatschen ließ.  

Zur Halbzeit bot sich so einmal mehr das erfreuliche Bild einer Borussen-Führung, die man sich durch höchst effiziente Spielweise (2 Chancen, 2 Tore) verdient hatte. Bis hierhin war Osnabrück aber ein gleichwertiger Gegner, so dass ein Remis das gerechtere Zwischenergebnis gewesen wäre.
 

In den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel bot sich das gleiche Bild wie zuvor. Osnabrück war bemüht, das Tempo hochzuhalten. Doch echte Torgefahr war nur selten zu erkennen. So war ein abgerutschter Flanken-Versuch von Thomik, der auf die Oberkante der Latte prallte, noch das gefährlichste, was Osnabrück zu bieten hatte. Da wir aber statt Manuel Neuer zum Glück Christofer Heimeroth von den Schalkern verpflichtet haben, wäre der Ball wohl selbst im ungünstigsten Fall eine leichte Beute für unseren Keeper gewesen.
 

Nach 54 Minuten konnte sich endlich auch Oliver Neuville positiv in Szene setzen, der in Halbzeit 1 deutlich im Schatten seines Sturmpartners gestanden hatte. Der Nationalstürmer setzte sich gleich gegen drei Osnabrücker schön durch und passte geschickt in die linke Strafraumhälfte. Patrick Paauwe war hierhin frei durchgestartet und konnte in die Mitte passen, wo sich einmal mehr Rob Friend postiert hatte. Doch dem Kanadier gelang der dritte Treffer leider nicht. Zu nah stand der Torhüter des Gegners, der den Schuss aus 5 Metern übers Tor lenken konnte. 
 

Dies war die mit Abstand größte Chance von Borussia in Halbzeit 2. Ansonsten begnügte man sich damit, das Spiel jetzt immer mehr in den Griff zu bekommen. Osnabrück schien dem hohen Anfangstempo langsam Tribut zollen zu müssen. Auch die zuvor so gelungenen Flankenläufe kamen nun weit weniger zum Tragen. Etwas einfalls- und planlos agierten die Gastgeber, so dass man nur darauf wartete, dass Borussia einen Gang hoch schaltet und dem angeknockten Gegner den entscheidenden Schlag versetzt. Doch der große Sturmlauf auf das 3:1 blieb aus. Die souveräne, abgeklärte Spielweise der Hinserie sollte vermeintlich ausreichen, um die jetzt harmlosen Osnabrücker im Zaum zu halten. So waren die arg sinnlos wirkenden Gewaltschüsse von Coulibaly aus allen Lagen das Auffälligste im Offensivspiel von Borussia.  

Besser machte es der Mann aus Mali in der 72. Minute, indem er einen Freistoß in den Strafraum flankte, wo Brouwers nur knapp verpasste, ehe Gößling zur Ecke klären konnte. Ein weiterer Coulibaly-Freistoss 2 Minuten später hätte beinahe das 3:1 gebracht, denn dieses Mal hatte Brouwers den Ball im Tor untergebracht, nachdem Nando Rafael ihn mustergültig bedient hatte. Doch der Schiedsrichter wollte hier eine Kopfball-Verlängerung von Gohouri erkannt haben, bei der Rafael dann zweifelsohne im Abseits gestanden wäre. 
 

Während diese Entscheidung zu unseren Ungunsten ausfiel, zeigte sich im Gegenzug auf der anderen Seite, was man im Fußballsport unter „ausgleichender Gerechtigkeit“ versteht. Dieses Mal wurde nämlich für den Stürmer gepfiffen, der unglücklicherweise dieses Mal aber im lila-weißen Trikot daherkam. Manno hatte viel zu weit in den Borussen-Strafraum geflankt, so dass die Gefahr eigentlich schon gebannt war. Dummerweise sprang der Ball aber Alexander Voigt ans Hinterbein, von wo er zu Thomas Reichenberger prallte. Der Osnabrücker Top-Torjäger erfasste die Situation schnell und fädelte sich in die Beine des ungeschickt agierenden Alexander Voigt ein. Zum Entsetzen der Borussen-Fans zeigte der Schiedsrichter auf den Elfmeter-Punkt. Völlig unverhofft kamen die Gastgeber so zur großen Chance auf den Ausgleich, die sich Thomas Cichon nicht nehmen ließ. 
 

Auch wenn man schon damit hadern kann, wie einseitig in den letzten Wochen bei strittigen Entscheidungen gegen uns gepfiffen wird, muss die Mannschaft sich die Frage gefallen lassen, wieso man es überhaupt so weit kommen ließ. Wenn man den Gegner so deutlich im Griff hat, muss eine Spitzenmannschaft dazu in der Lage sein, den Sack zuzumachen. Borussia versäumte dies über 30 Minuten im zweiten Durchgang, so dass man sich nicht wundern durfte, dass eine solch blöde Situation doch noch zum Ausgleich führte.
 

In der Schlussviertelstunde waren beide Mannschaften mit dem 2:2 einigermaßen zufrieden. Osnabrück forcierte sein Offensivspiel zwar noch einmal und hätte kurz vor Schluss nach einer etwas zu hoch angesetzten Hennings-Flanke beinahe gar die Führung erzielt. Doch letztlich einigte man sich auf ein am Ende gerechtes 2:2-Unentschieden, mit dem die Osnabrücker besser leben können.
 

Nimmt man das gesamte Spiel, und insbesondere die erste Halbzeit, in der Osnabrück ein richtig gutes Spiel zeigte, so könnte man aus Borussen-Sicht mit dem Punkt einigermaßen zufrieden sein. Nachdem man aber zur Halbzeit 2:1 führte und danach beim Gegner so gut wie nichts mehr zuließ, muss man über dieses Resultat verärgert sein. Ähnlich wie gegen Paderborn und Kaiserslautern ließ man gegen einen (in Halbzeit 2) deutlich unterlegenen Gegner einen Ausgleich zu, und gab weitere sicher geglaubte Punkte aus der Hand. 
 

Positiv war das stark verbesserte Defensivverhalten in der Zentrale zu bewerten, wo bei Gohouri und Brouwers kaum etwas anbrannte. Auf den Außenbahnen müssen sich Voigt und Levels nach den Leistungen der letzten Wochen hinterfragen lassen, zumal mit Daems und Bögelund entsprechende Alternativen auf ihre Chance lauern. Der zuletzt etwas unnötig in die Kritik geratene Heimeroth zeigte eine überwiegend solide Partie, die aber in 2-3 Situationen mit leichten Unsicherheiten garniert war. Paauwe und Daems spielten ihren defensiven Mittelfeldpart souverän, während Coulibaly nicht ganz die Präsenz eines Röslers zu kompensieren verstand. Zudem sollte er endlich einmal überdenken, ob man wirklich unbedingt aus jeder Situation den Torabschluss suchen muss. Marcel Ndjeng war bemüht und hamsterte einen weiteren Assist ein, ohne an seine Form aus dem letzten Herbst vollends anknüpfen zu können. Vorne war Rob Friend der Spieler des Spiels, obwohl ihm auffällig viele Aktionen als Stürmerfoul ausgelegt wurden. Sein Partner Oliver Neuville steigerte sich nach dem Seitenwechsel, ist von seiner Bestform aber weiter um einiges entfernt. 
 

Dank der Ergebnisse der anderen Spitzenmannschaften an diesem Wochenende bleibt Borussia souveräner Tabellenführer. Dieser schöne Schein darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es an der Tabellenspitze verdammt eng geworden ist und wir aus unseren zuletzt ordentlichen Leistungen bald auch wieder die nötigen Punkte holen sollten.


Osnabrück: Gößling – Thomik, Cichon, Schanda, Schäfer – Schuon (Großöhmichen 63), Heidrich, Grieneisen (Hennings 56) – Manno, Aziz (Frommer 74) – Reichenberger.

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Gohouri, Voigt – Paauwe, Daems – Ndjeng (Kleine 88), Coulibaly (Marin 79) – Neuville, Friend (Rafael 67).

Tore: 0:1 Friend (9.), 1:1 Schuon (30.), 1:2 Friend (32.), 2:2 Cichon (76.).

Zuschauer: 17.100 (100 %)

Schiedsrichter: Manuel Kempter (Sauldorf) 
 

Gelbe Karten (Borussia)
: Friend, Coulibaly, Brouwers

Besondere Vorkommnisse
: Borussia konnte zum ersten Mal in dieser Saison fünf Spiele in Folge nicht gewinnen und bleibt damit in der Rückrunden-Tabelle auf einem Abstiegsrang. Der Treffer von Schuon war erst das 6. Gegentor, das Borussia in der 1.Halbzeit kassierte, während Christofer Heimeroth in dieser Saison bereits 20 Tore nach dem Seitenwechsel aus seinem Netz holen musste. Der gegen die Borussia verhängte Foulelfmeter während des heutigen Spiels war der erste Elfmeter gegen die Borussia seit dem 33. Spieltag (12. Mai 2007) der vergangenen Saison, damals verlor die Borussia beim FSV Mainz 05 mit 0:3 und bekam von Schiedsrichter Kinhöfer (Herne) einen von Bögelund an Soto verursachten Strafstoß zugeteilt.

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