Zum Glück besitzt die Fußballsprache einige mehr oder wenige sinnvolle Floskeln, die man für nahezu jede Lage bemühen kann. Der 2:0-Heimsieg gegen Erzgebirge Aue wurde demnach von allen Protagonisten recht als schnell als „Arbeitssieg" tituliert. Die Stürmer Oliver Neuville in der ersten und Rob Friend in der zweiten Halbzeit sicherten mit ihren Toren den ersten Pflichtspielsieg 2008 und ihrer Mannschaft den Fortbestand der Tabellenführung. Gegen defensiv agierende, aber mitunter gefährliche Gäste aus Aue reichten eine insgesamt durchschnittliche, aber konzentrierte Leistung zum Sieg. Die Erleichterung war allen Beteiligten auf Mönchengladbacher Seite nach dem Spiel anzumerken und es bleibt zu hoffen, dass die „Krise", die de facto nie eine war, nun auch offiziell beendet ist. 

Die ersten vier Spiele der Rückrunde sind auch an Jos Luhukay nicht spurlos vorüber gegangen. Ein erstes probates Mittel eines jeden Trainers sind Veränderungen der Startelf. So rutschten vor dem Heimspiel gegen die abstiegsbedrohten Gäste aus Aue Kasper Bögelund und Marko Marin für Tobias Levels und Soumaila Coulibaly in die erste Elf, Filip Daems verdrängte Alex Voigt von seiner angestammten Position des linken Verteidigers. Dem aktuellen „FohlenEcho" war es noch eine Meldung wert, dass Voigt der Feldspieler mit der längsten Einsatzzeit in dieser Saison sei. So schnell holt die Aktualität auch die Presseabteilung Borussias ein.

Schon in den ersten Minuten wurde deutlich, wie das Spiel vor knapp 33.000 Zuschauern ablaufen würde. Aue stand wie fast jede Mannschaft, die in den BorussiaPark kommt, sehr tief in der eigenen Hälfte und lauerte auf Konter. Borussia übernahm die Kontrolle des Spiels, die Nervösität, unbedingt ein Erfolgserlebnis erzielen zu wollen, war allerdings deutlich spürbar. Der Einsatz stimmte wie schon in den vergangenen Wochen. Doch auch am gestrigen Abend fehlte in vielen Momenten die nötige Präzision. Das variable und überraschende Spiel der Hinrunde, als das Mittelfeld um Rösler, Ndjeng oder Paauwe viele Torchancen kreieren konnte, war gestern Abend anfangs erneut nicht zu erkennen. So griff der Gastgeber auf das bewährte Mittel der langen Bälle Richtung Rob Friend zurück, der sich wie gewohnt in jeden Zweikampf und Kopfball stürzte. Chancen waren in der ersten halben Stunden jedoch Mangelware. Lediglich in der 15. und der 27. Minute war es der angesprochene Friend, der die Chance zur Führung hatte. Doch in beiden Situationen waren die Anspiele im Strafraum nicht exakt genug, um seinen 13. Treffer der laufenden Saison zu erzielen.

Der Gast aus Aue agierte insgesamt schwach, hatte jedoch nicht ganz unüberraschend einige gute Kontergelegenheiten, die Christofer Heimeroth allerdings souverän vereiteln konnte. So hatte Aue eben nicht das Glück der Mainzer, die mit einem ihrer wenigen guten Angriffe vor zwei Wochen direkt zum Torerfolg kamen. Dass Borussia konzentriert und energisch zu Werke ging, zeigte sich dann in der 33. Spielminute. Aues Kapitän Emmerich verlor den Ball leichtfertig in der Vorwärtsbewegung an Ndjeng, der sofort auf Friend passte. Oliver Neuville startete in die Gasse und wurde von seinem Sturmpartner sprichwörtlich mustergültig bedient. Aus elf Metern in halbrechter Position zeigte der Nationalstürmer seine ganze Klasse, ließ Torhüter Keller mit einem feinen Lupfer gegen die Laufrichtung keine Chance und erzielte das ingesamt verdiente 1:0 für Borussia.

Nach dem Rückstand agierte Erzgebirge Aue keineswegs offensiver, hatten jedoch wenige Minuten nach Neuvilles Tor durch den flinken Skerdilaid Curri eine gute Gelegenheit zum Ausgleich, nachdem ihm der Ball nach einem Missverständnis zwischen Bögelund und Brouwers vor die Füße fiel. Auch hier war Heimeroth zur Stelle und warf sich dem einschussbereiten Curri vor die Füße und konnte klärte.

Auch die erste Szene der zweiten Halbzeit gehörte den Gästen. Leandro Grech überläuft Roel Brouwers bei einem Konter, seinen strammen, aber unplatzierten Schuss klärte Heimeroth erneut sicher. Als Rob Friend dann in der 56. Minute nach dem schönsten Spielzug des Tages zum 2:0 traf, war die Vorentscheidung gefallen. Roel Brouwers leitete den Angriff ein, passte auf Rösler. Der Ex-Aachener steckte durch auf Marin, der - ganz techniker-untypisch - mit großem Einsatz in den Ball grätschte und ihn in die Mitte spitzelte, wo Rob Friend aus kurzer Distanz nur noch einschieben musste. Das Spiel war entschieden, der eingewechselte Touma hatte gar noch die Gelegenheit, per Kopfball auf 3:0 zu erhöhen, scheiterte aber am rechten Torpfosten.

So klein sind mitunter die Unterschiede in den Duellen dieser Zweitligasaison. Gegen den FSV Mainz vor zwei Wochen fehlte das Glück, das gestern Abend vorhanden war. Mainz erzielte mit dem ersten Angriff den spielentscheidenden Treffer, während Borussia 87 Minuten vergebens den Ausgleich zu erzielen versuchte. Auch Aue hatte gute Chancen, vergab diese jedoch teils mit Pech, teils durch Unvermögen. Borussia fand gestern Abend zweimal die Lücke, die gegen in Führung liegende Mainzer schlicht nicht vorhanden war oder sich auftun wollte.

Keine Frage, der Sieg war nicht nur dem Glück geschuldet. Der Wille und der Einsatz stimmten, und diesmal ist Borussia belohnt worden. Durch die Ergebnisse der Konkurrenz konnte man den Abstand wieder ausbauen und kann so beruhigt und ohne unnötiges Krisengerede auf die kommenden Aufgaben schauen. In diesen anstehenden Begegnungen im März - allesamt gegen durchaus schlagbare Gegner - kann Borussia den Grundstein für den so sehr erwünschten Aufstieg legen.

Die Fans in der Nordkurve haben inzwischen ein feines Gespür dafür, den Einsatz der Truppe zu honorieren. „Oh, wie ist das schön" wurde angestimmt, trotz des nicht gerade rauschenden Fußballfestes, das sich Ihnen in den vorangegangen 90 Minuten bot. Doch ist Borussia nach wie vor Tabellenführer, der ewige Erzrivale aus Köln kassierte kurz vor Schluss den Ausgleich in Fürth. Und das ist in der Tat sehr schön.

Borussia: Heimeroth - Bögelund, Brouwers, Gohouri, Daems - Paauwe (64. Voigt) - Ndjeng, Marin (71. Touma) - Rösler (86. Coulibaly) - Neuville, Friend.

Aue: Keller - Kos, Loose, Petrous, F. Müller - Curri, M. Kurth, Emmerich (64. Geißler), Leandro Grech (73. Heller) - Orahovac, A. Nemec.

Tore: 1:0 Neuville (33.), 2:0 Friend (57.).

Zuschauer: 33.451 (61,92 %).

Schiedsrichter: Christian Dingert (Thallichtenberg)

Gelbe Karten (Borussia): Marin

Besondere Vorkommnisse: Erstmals seit dem Auswärtssieg beim SC Freiburg am 16. Spieltag verließ die Borussia das Spielfeld wieder als Sieger. Zuvor hatte sie in vier aufeinanderfolgenden Partien zwei Remis (gegen Kaiserslautern, in Osnabrück) und zwei Niederlagen (in Hoffenheim, gegen Mainz) hinnehmen müssen. Erstmals in der Vereinsgeschichte traf die Borussia in einem Pflichtspiel daheim auf den FC Erzgebirge Aue, der zu Zeiten der ehemaligen DDR Wismut Aue hieß. Das Spiel in Aue in der Hinrunde hatte die Borussia mit 3:2 gewonnen, damals wie nun mit einem Treffer von Rob Friend.

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