FC Augsburg Schließlich wurde es den Borussen einfach zu blöd. Wer gegen ein massiertes Abwehrbollwerk das erlösende 2:0 erzielt, der hofft darauf, dass der Gegner nun mehr riskieren und damit endlich Räume eröffnen muss. An diesem Freitagabend aber waren die meisten Augsburger offenbar wild entschlossen, die Mittellinie nur in Ausnahmefällen, vorzugsweise bei Standards, zu überqueren. Nachdem daran auch Borussias zweiter Treffer wenig geändert hatte, drehte Sascha Rösler so um die 65. Minute den Spieß einfach um. Gladbachs Mann hinter den Spitzen ließ sich weit in die eigene Hälfte zurückfallen, in deren entvölkerten Weiten sich die Borussen den Ball nun ausgiebig hin und her passten. Die Augsburger indes ließen sich nicht locken, und im Grunde hätte man die letzte halbe Stunde schiedlich und friedlich so bestreiten können : jeder in seiner eigenen Hälfte. Irgendwann aber packte Steve Gohouri der Ehrgeiz: Sein schöner Steilpass erreichte auch Rob Friend, der aber den Ball mit dem Arm annahm und so die Gastgeber wieder zur Teilnahme am Spiel nötigte.


Schon in der ersten Hälfte und vor allem nach der Pause zogen die Gastgeber sich oft weit zurück. Borussia war mit zunehmender Spieldauer immer deutlicher feldüberlegen und setzte die Augsburger durch engagiertes und konsequentes Mittelfeldpressing unter Druck. Nach vorne aber probierte der Tabellenführer es zu oft mit hohen Bällen auf Rob Friend, der gegen den kopfballstarken Benschneider einen schweren Stand hatte. Keine Hilfe war dabei, dass der ansonsten sichere Schiedsrichter Peter Gagelmann in zahlreichen Fällen und oft aus schwer nachvollziehbaren Gründen auf Stürmerfoul des Kanadiers entschied. Es spricht dabei für Friend, dass er auf lautstarke Proteste verzichtete und es bei zunehmend verzweifeltem Kopfschütteln beließ.

Marko Marin So war es vor allem Marko Marin, der für Überraschungsmomente verantwortlich zeichnete. Augsburgs Trainer Ralf Loose mochte etwas hochgegriffen haben, als er nach dem Spiel den Vergleich mit Thomas Häßler zog. Sicher aber zeigte Borussias U21-Nationalspieler seine beste Saisonleistung und narrte Gegenspieler Möhrle ein ums andere Mal. Bereits nach sechs Minuten hätte Marin sich um ein Haar in die Scorerliste eingetragen, als sein inspiriertes Zuspiel Friend frei vor Neuhaus auftauchen ließ, der Augsburger Keeper die Situation aber in letzter Sekunde entschärfen konnte. Chancenlos war Neuhaus dagegen in der zehnten Minute: Marin hatte diesmal vom Tor weggedribbelt und dann aus der Drehung eine exzellente Flanke geschlagen, die Rösler aus sieben Meter ins Tor köpfte. Bei Röslers achtem Saisontreffer, davon dem sechsten per Kopf, hatte indes die Augsburger Innenverteidigung durch eine missglückte Abseitsfalle kräftig mitgeholfen.

Die Gastgeber ihrerseits beschränkten sich bei ihren wenigen Offensivbemühungen zum einen auf zumeist harmlose Distanzschüsse, zum anderen auf ihre Kopfballstärke bei Standards, vor allem von Innenverteidiger Benschneider. Die Borussen taten ihnen dabei den Gefallen, zu viele solcher Gelegenheiten zuzulassen, insbesondere durch einige reichlich überflüssige Fouls in Strafraumnähe. Die beste Ausgleichchance ergab sich denn auch aus einer Freistoßflanke, nur eine Minute nach dem Führungstreffer. Benschneider aber konnte den Ball per Kopf nur touchieren und Hdioudad rutschte im Anschluss knapp vorbei. Borussia wurde ihrerseits erst nach gut einer halben Stunde wieder wirklich gefährlich, als Marin sich mit tollem Trick nahe der Torauslinie durchsetzte, dann aber aus spitzem Winkel an dem heraus eilenden Neuhaus scheiterte. Die erste gute Chance, an der nicht Marin beteiligt war, bot sich nach vierzig Minuten:  Ndjeng hatte mit einem sehr gescheiten Flügelwechsel Neuville steil geschickt, der von rechts in den Strafraum flankte, wo Neuhaus Ball und Friend wegfaustete. Röslers Nachschuss verfehlte das Tor deutlich. Durchatmen musste man auf Gladbacher Seite unmittelbar vor der Pause, als Brouwers ausrutschte und Felix Luz dadurch eine gute Schusschance eröffnete. Augsburgs Stürmer, für Diabang in die Startelf gerutscht, verfehlte das Tor aus 20 Metern nur knapp.

Wer nach dem Seitenwechsel auf vermehrte Augsburger Offensivbemühungen spekuliert hatte, sah sich getäuscht. Daran änderte weder ein positionsgleicher Doppelwechsel (Strauß für Kern, Ledezma für Luz) etwas, noch das zweite Gladbacher Tor in der 59. Minute: Marin hatte gleich drei Gegenspieler beschäftigt und sich dabei zwar letztlich nicht durchsetzen können, sehr wohl aber Räume für seine Kollegen geschaffen. Von Rösler gelangte der Ball nach missratenem Schussversuch etwas glücklich zu Friend, der von der Strafraumkante aus unhaltbar ins rechte obere Eck abschloss.

Die Borussen verwalteten nun entspannt den Vorsprung, ohne spielerischen Esprit zu verbreiten. Da die Augsburger von ihrer Defensivtaktik nur unwesentlich abrückten, blieb das Spiel über weite Strecken aufregungsarm. Strauß fiel nach leichter Berührung Bøgelunds im Strafraum, Gagelmann aber nicht darauf herein. Einzig Mourad Hdioudad kam mit Distanzschüssen in die Nähe des Anschlusstreffers: Konnte Heimeroth eine Viertelstunde vor Schluss Hdioudads Heber noch ohne größere Mühe entschärfen, so verhinderte drei Minuten später nur die Querlatte den fünften Saisontreffer des Marokkaners. Kurz zuvor hätte Neuville nach schönem Zuspiel Ndjengs beinahe das dritte Tor erzielt, kam aber gegen den gut mitspielenden Neuhaus einen Schritt zu spät. Unter dem Strich indes blieb es bei einem ungefährdeten 2:0-Sieg der Borussia. Das Spiel kann man, je nach Stimmung, als souverän oder als über weite Strecken langweilig bezeichnen.

FC Augsburg: Neuhaus - Möhrle, Hertzsch, Benschneider, Wenzel - da Costa, Hdioudad - Kern (Strauß 58), Müller (Küntzel 85) - Luz (Ledezma 58), Thurk.

Borussia: Heimeroth - Bøgelund, Gohouri, Brouwers, Daems - Paauwe - Ndjeng (Touma 86), Marin - Rösler (Coulibaly 74) - Friend, Neuville (Voigt 81).

Tore: 0:1 Rösler (10.), 0:2 Friend (59.)

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)

Zuschauer: 20024

Gelbe Karte (Borussia): Paauwe

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Die Partie war für die Borussia das erste Pflichtspiel im Augsburger Rosenaustadion seit dem 16.09.1970, als man das dorthin verlegte Hinspiel im Europapokal der Landesmeister gegen EPA Larnaca aus Zypern mit 6:0 für sich entschied. Nach Erzgebirge Aue (3:2, 2:0) ist der FC Augsburg der zweite Ligakonkurrent gegen den die Borussia in dieser Saison beide Saisonspiele gewann. In der Hinrunde hatte sie mit 4:2 die Oberhand behalten. Inklusive ihrer beiden Treffer am Freitagabend markierten Rob Friend und Sascha Rösler 18 der 26 Auswärtstore von Borussia in dieser Saison.

... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa
... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed

  • RT @MichaelCUISANCE: Danke fur allés, es its nur der anfang 🙌🏼🐎 @borussia
  • @Neun_Drei Auch verletzt?
  • Während jeder Raffaels Tore feiert, sollte man auch den Jüngsten sehr loben. Bravo, vous avez bien fait, @MichaelCUISANCE! #bmgvfb
  • @Neun_Drei Was fehlt?
  • Milliarden Chinesen, die am Wochentag nachts um 0.30 Uhr 2 Stunden deutsche Bundesliga gucken, sind die Zielgruppe dieser Anstoßzeit #bmgvfb
  • @jarkoh Siegtor Max Eberl.
  • Wenn das so kommt, wie es sich liest, sind morgen Dirk Bremser, Max Eberl & Uwe Kamps im Kader. #BMGVFB

Folge uns auf Twitter