Entgegen der Gefühlslage der Fans, ist die Saison noch nicht vorbei für Borussia. Dem 2:2 vom vorigen Spieltag folgte dasselbe Ergebnis im Heimspiel gegen 1860 München, was den Vorsprung auf Rang 4 um einen Zähler auf nunmehr 6 reduziert. Während das Remis in Jena höchst glücklich und unverdient zustande kam, kann man der Mannschaft dieses Mal aber nicht ganz so viel vorwerfen. In der 2. Halbzeit reichte die Kraft nicht mehr aus, den unglücklichen 1:2-Halbzeitstand zu drehen, da man dem extrem hohen Tempo der ersten Spielhälfte Tribut zollte.

Dort begann Borussia von Beginn an offensiv. Vom phlegmatischen, trägen Auftritt in Thüringen war nichts mehr zu sehen. Die Außenbahnen wurden endlich mal wieder klug genutzt, Oliver Neuville spielte eher so etwas wie eine hängende Spitze und vorne war Roberto Colautti in seinem ersten Spiel von Beginn an stets anspielbar. Der Israeli stand anfänglich zweimal bei einem klugen Zuspiel in den freien Raum nur knapp im Abseits. Hier deutete sich an, wie sich in Zukunft Torgefahr heraufbeschwören lassen kann, wenn die Abstimmung besser funktioniert.  

1860 München zeigte sich unbeeindruckt von den Erfahrungen, die die SpVgg Fürth vor drei Wochen im Borussia-Park erleiden musste. So stellten sich die Löwen nicht bedingungslos hinten rein, sondern waren bemüht, das Spiel offen zu gestalten. Ihre Angriffe waren bis dahin aber noch wenig zwingend, denn weder Göktan (4.) noch Johnson (12.) konnten Cristofer Heimeroth ernsthaft in Bedrängnis bringen. Nach dieser zweiten Löwen-Chance, einem zu unplatzierten Kopfball aus 6 Metern, begann Borussias stärkste Phase des Spiels. War man bis hierhin schon feldüberlegen, so wurde es zwischen Minute 13 und 24 drückend. Insbesondere über die linke Seite wurde es gefährlich im Minutentakt. Zunächst wurde Röslers Schuss von der Strafraumgrenze soeben noch zur Ecke abgefälscht. In Minute 14 dann kam ein genialer Pass von Marin in den Strafraum endlich mal regelkonform bei Colautti an, der aus 12 Metern ein wenig in Rücklage geriet und so übers Tor verzog.  

Besser machte es der Stürmer eine Minute später, indem er einen nicht minder brillanten Paauwe-Pass in die rechte Strafraumhälfte annahm und schön auf den frei stehenden Marcel Ndjeng zurücklegte. Dessen Schuss aus wenigen Metern landete an der Latte, prallte zurück zu Rösler, der gleichfalls knapp übers Tor schoss. Die Führung lag jetzt in der Luft und schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. 
 

Drei weitere Minuten mussten die Borussen-Fans nur warten, ehe die gewünschte Antwort erschien. Marin war 25 Meter vor dem Tor zentral gefoult worden, was folgerichtig einen Freistoß bedingte. Oliver Neuville zog ab und hatte Glück, dass sein Schuss von der Mauer dermaßen abgefälscht wurde, so dass Tschauner ihn nur noch ins eigene Tor lenken konnte. Der Bann war gebrochen und die Fans bereiteten sich auf 72 weitere Minuten Aufstiegsparty vor. Die Mannschaft ließ jetzt keineswegs nach, sondern war bemüht, offensiv auf das 2:0 zu drängen. In der 20. Minute war man nahe dran, als Marin dieses Mal Neuville links frei spielte. Der umkurvte den Löwen-Keeper flankte hoch in die Mitte, wo Ledgerwood soeben zur Ecke klären konnte. Auch diese brachte wieder Gefahr, aber Röslers Schuss aus 10 Metern verfehlte gleichfalls sein Ziel.
 

Es war schon verrückt. Wenn man die Effizienz sieht, mit der Borussia in Jena agierte und kaltschnäuzig beinahe jede Großchance nutzte, so war das Glück an diesem Tag bislang nicht so sehr auf ihrer Seite. Statt des 2:0 ergab sich in der 24. Minute auf der Gegenseite eine ähnliche Freistoßsituation wie vor dem 1:0. Thorandts Schuss wurde noch zur Ecke abgewährt, die aber den überraschenden 1:1-Ausgleich bringen sollte. Der seit Spieltag 8 torlose Antonio di Salvo konnte sich von Sascha Rösler lösen und wurde dann von Patrick Paauwe nicht nah genug gedeckt. So setzte er seinen Kopfball gezielt ins kurze obere Toreck, wo er unhaltbar für Heimeroth einschlug. 
 

Ein Schock für Fans und Mannschaft, denn niemand hatte zu diesem Zeitpunkt so eine Gegenreaktion der Gäste für möglich gehalten. Zu dominant war Borussia aufgetreten, man vergaß aber eben mit weiteren Toren den Sack frühzeitig zuzuschnüren. Es dauerte knappe 10 Minuten, ehe sich die Elf von Jos Luhukay von diesem Dämpfer erholte. Zwischen Minute 25 und 35 war es ein abwartendes, ausgeglichenes Spiel, in dem nicht wirklich viel passierte. 
 

Dann aber hatte Borussia sich wieder gefangen und setzte sein engagiertes Angriffsspiel fort. Bezeichnenderweise war es einmal mehr Marko Marin, dessen Ecke Colautti aus 5 Metern per Kopf annahm, um Tschauner erstmals nach längerer Zeit wieder zu prüfen. Kurz darauf die Riesenchance für Sascha Rösler. Einer der zahlreichen Marin-Pässe in den Strafraum erreichte den Ex-Aachener, der urplötzlich 15 Meter vor dem Tor frei auf Tschauner zulief. Doch dieser reagierte prächtig, indem er den Lupfer von Rösler zur Ecke lenkte.
 

Trotz dieser Drangphase sollte es bis zur Pause nicht mehr zur Führung reichen. In der Nachspielzeit kamen sogar noch ein letztes Mal die Gäste in Tornähe. Ndjeng griff Göktan im zentralen Mittelfeld nicht an und rutschte dann sogar noch unglücklich aus. So kam der Löwe aus 20 Metern frei zum Schuss, den er aber relativ harmlos ansetzte. Gefährlich wurde es nur dadurch, dass der Rücken von Filip Daems getroffen wurde, von wo der Ball vorbei am verdutzten Heimeroth ins Gladbacher Gehäuse trudelte. 1860 München führte urplötzlich 2:1, ein Zwischenergebnis, das den Spielverlauf des ersten Durchgangs auf den Kopf stellte. Borussia konnte eine Vielzahl hochkarätiger Gelegenheiten nicht nutzen und wurde für sein extrem hohes Tempo nicht belohnt. Die Gäste hingegen nutzten ihre Chancen eiskalt, wie es ihnen Borussia in der vorigen Woche vorgemacht hatte. 
 

Doch noch war nichts verloren, was sich bereits kurz nach dem Seitenwechsel bestätigen sollte. In der ersten Aktion nach der Pause spielte dieses Mal Neuville gekonnt in den Strafraum auf Rösler, der einen Schritt schneller war als Philipp Tschauner. Der Löwen-Torwart wusste sich nur noch mit einem Foul zu helfen und war mit dem Elfmeterpfiff und der Gelben Karte noch gut bedient. Oliver Neuville bekam die Gelegenheit zu seinem zweiten Tor an diesem Nachmittag, die er mit etwas Glück nutzte. Recht zentral geschossen ging der Ball durch Tschauner hindurch ins Tor zum mehr als verdienten 2:2-Ausgleich.
 

Der „Unfall“ des Halbzeitrückstands war behoben, und jetzt sprach alles dafür, dass Borussia mit Macht auf das nächste Tor und den Heimsieg drängen würde. Doch dem war leider nicht so. In Hälfte 2 entwickelte sich vielmehr ein ausgeglichenes Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften. Borussia war leicht feldüberlegen, musste aber bei diversen Kontern der Gäste höllisch aufpassen. Die meisten Chancen der 60er resultierten zwar aus harmlosen Weitschüssen, die für Heimeroth kein Problem darstellten. Aber auch Gladbach war jetzt nicht mehr so zwingend und dynamisch wie im ersten Spielabschnitt. 


Die erste richtig gefährliche Chance nach dem Ausgleich ergab sich erst in der 74. Minute, als Johnson urplötzlich frei auf das Borussen-Tor zulaufen durfte. Aus 10 Metern setzte er einen gelungenen Schuss an, den Heimeroth in seiner besten Tat des Tages soeben um den Pfosten lenken konnte. Erneut war der ansonsten souveräne und wenig ernsthaft geprüfte Borussen-Keeper in der Lage, eine so genannte hundertprozentige Chance zu vereiteln. 
 

Borussia hingegen war zwar bemüht, das Spiel zu bestimmen, was aber nicht so recht gelingen mochte. Es fehlte die Bewegung aus der 1.Halbzeit, die zweifelsohne viel Kraft gekostet haben musste. Der eingewechselte Coulibaly bemühte sich einige Male und hatte in der allerletzten Spielminute Pech, dass sein 22-Meter-Schuss noch abgefälscht wurde. Zwei Minuten zuvor hatte der eingewechselte Rob Friend die größte Borussen-Chance nicht genutzt, als er aus 6 Metern zum Fallrückzieher ansetzte. Statt ein Tor des Monats zu erzielen, strich der Ball knapp vorbei. Als in der Nachspielzeit dann auch noch Roel Brouwers an einer Marin-Ecke vorbei hechtete, war endgültig klar, dass der Fussballgott an diesem Nachmittag keinen Sieg für uns auserkoren hatte. Nach den Leistungen der 2. Halbzeit war das 2:2 ein leistungsgerechtes Endresultat. Die Überlegenheit in Teilen der 1. Halbzeit hätte einen Borussen-Sieg aber durchaus gerechtfertigt.
 

Bei Borussia war Marko Marin der beste, weil offensivfreudigste Spieler, wenngleich er sinnbildlich für den Kräfteverschleiß nach dem Seitenwechsel stand, als seine Offensivfreude sichtlich nachließ. Noch eklatanter war dies bei Marcel Ndjeng der Fall, der bis zum 1:1-Ausgleich akzeptabel auftrat, danach aber sein Tief aus den letzten Monaten bestätigte. In der Form der Rückrunde hilft er uns leider nur wenig weiter, wenngleich es dennoch ein Unding ist, dass bei seinen Aktionen permanent ein Raunen durch die Zuschauerränge geht. Das hat der Ex-Bielefelder nicht verdient, der in der Vorrunde einen ganz wesentlichen Anteil daran hatte, dass sich Borussia eine so hervorragende Ausgangsposition schaffen konnte. 
 

Das größte Augenmerk wurde auf Roberto Colautti gelegt, der quasi im direkten Vergleich mit Oliver Neuville seine Klasse unter Beweis stellen durfte. Nicht wenige sehen ihn ja in Zukunft anstelle des alternden Nationalstürmers und an der Seite von Rob Friend. Trotz einiger guter Aktionen konnte man aber letzten Endes erkennen, dass in der Gegenwart Neuville noch völlig zurecht gesetzt ist und sich der Israeli zumindest in dieser Saison noch wird gedulden müssen. In den entscheidenden Momenten war es eben der Deutsche, der die beiden Tore markierte und sein Torkonto auf jetzt bereits 13 Treffer hoch schraubte und uns damit das Remis rettete. Colautti baute mit zunehmender Spieldauer immer mehr ab und wird in den letzten Spielen der Saison voraussichtlich in die Rolle des Edeljokers zurückkehren. Es ist ihm aber zu wünschen und zuzutrauen, dass er in seiner Entwicklung in den kommenden Jahren so große Fortschritte macht, damit er bald ein ähnliches Leistungsniveau erreicht, das einen Oliver Neuville seit mehr als einem Jahrzehnt auf höchstem Niveau auszeichnet.
 

Positiv sei neben dem erneut souveränen Heimeroth noch der unermüdliche Alexander Voigt erwähnt, der über links einigen Offensivdrang entwickelte und Marin gut unterstützte. Alles in allem kann man auf eine ordentliche Mannschaftsleistung blicken, die in der 2. Hälfte in der Offensive nachließ. In unserer Situation kann man aber dann auch mal mit nur einem Punkt zufrieden sein. Entscheidend war, dass die Mannschaft nach dem überheblichen Auftritt in Jena deutlich machte, die Saison noch nicht innerlich abgehakt zu haben. In der Folgewoche geht es zu den heimstarken Offenbachern, die auf jeden Punkt im Abstiegskampf angewiesen sind und bei denen ein Sieg alles andere als ein Selbstläufer wird. Geht Borussia dieses Spiel ebenso wie die drei weiteren mit derselben Einstellung an wie die Partie gegen 1860, so wird das Saisonziel Aufstieg souverän erreicht werden.

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe - M. Ndjeng (Kleine 84), Marin - Rösler (Coulibaly 61) - Colautti (Friend 72), Neuville

1860: Tschauner – Johnson, Thorandt, Szukala, B. Schwarz (T. Hoffmann 84) – Wolff (Gebhart 58), D. Schwarz, Ledgerwood, Göktan, Bierofka – di Salvo (Holebas 70)

Tore
: 1:0 Neuville (18.), 1:1 di Salvo (24.), 1:2 Göktan (45.), 2:2 Neuville (46.)

Schiedsrichter: Tobias Christ (Kaiserslautern)

Zuschauer: 50.183 (92,82 %)

Gelbe Karten (Borussia): Neuville

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Borussia blieb im 10. Spiel in Folge ungeschlagen, konnte seine Siegesserie von zuletzt 4 Heimsiegen in Folge aber nicht fortsetzen. Sie steht jetzt 22 Spieltage in Folge auf dem 1. Tabellenplatz der 2. Bundesliga. Durch den Punkt hat die Borussia nach 30 Spieltagen schon mehr Punkte gewonnen, als die Mannschaften, die in der Tabelle derzeit auf den Plätzen 7 bis 18 platziert sind, in allen 34 Spielen dieser Saison holen können. Zwei Heimgegentore gab es zuletzt am 10. Spieltag beim 2:2 gegen Köln (22.10.07). Bei 12 Unentschieden ist man gemeinsam mit den Münchener Löwen der Remiskönig der aktuellen Zweitligasaison. Nach zuletzt 4 Heimspielen in Folge ohne Gegentor, musste Torwart Christofer Heimeroth heute zum ersten Mal seit dem Treffer von Felix Borja am 20. Spieltag gegen Mainz (0:1, 18.02.08) in einem Heimspiel wieder einen Ball aus seinem Netz fischen. Erstmals in seiner Karriere leitete
Tobias Christ aus Kaiserslautern ein Spiel der Borussia, der von ihm verhängte Elfmeter war der erste Elfmeter für Borussia seit dem Elfmeter zum zwischenzeitlichen 2:0 am 19. Spieltag in Hoffenheim (2:4, 10.02.08), damals traf ebenfalls Oliver Neuville. Mit mehreren Aktionen erinnert die Borussia aktuell an den 34. Spieltag der Saison 1977/78, das legendäre 12:0 gegen Borussia Dortmund im Düsseldorfer Rheinstadion. Hierzu hatte sie für das heutige Spiel die Spieler des damaligen Borussenkaders eingeladen; die Stars von einst folgten der "Einladung zum Klassentreffen" nahezu unisono.

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