Durch einen Geniestreich von Marko Marin konnte Borussia das Pokal-Trauma Osnabrück hinter sich lassen und erreichte mit einem 1:0-Sieg die nächste Runde.

Trainer Jos Luhukay hatte sich erwartungsgemäß für ein System mit nur einer echten Spitze entschieden, wobei Taktik-Fetischisten unter sich ausmachen sollen, ob Borussia nun im 4-3-3, 4-2-3-1 oder 4-4-2-System angetreten ist. Vor der Viererkette, in der sich Marvin Compper auf links gegen Voigt  durchsetzen konnte, agierten Sebastian Svärd und Patrick Paauwe als Doppelsechser. Moses Lamidi (rechts) und Marko Marin (links) begannen auf den Außenbahnen, während Sascha Rösler hinter dem vermeintlichen Stürmer Nando Rafael als hängende Spitze platziert wurde. Auf Oliver Neuville verzichtete Luhukay anfänglich mangels Fitness genauso wie auf Rob Friend. 

Das Spiel begann aus Borussen-Sicht ordentlich mit leichter Feldüberlegenheit. Nach 10 Minuten dann die erste große Chance für die Gäste nach einer Standardsituation. Moses Lamidi schlug diese an diesem Nachmittag und war gleich bei seiner ersten Ecke am erfolgreichsten. Die fand nämlich den Kopf des freistehenden Steve Gohouri, der aus 5 Metern alle Zeit hatte, den Ball ins Gehäuse zu bugsieren. Dabei machte er es leider zu genau und zielte auf Andreas Schäfer, der im linken Eck mit dem Kopf klären konnte.
 

Osnabrück war in der Folgezeit defensiv enorm verstört und leistete sich zahlreiche haarsträubende Fehler, die Borussia aber zu wenig konsequent zu nutzen vermochte. Einmal mehr wurde deutlich, wo die Schwächen unseres Teams liegen. So befreiten sich die Gastgeber allmählich von ihrer Nervosität und kamen ihrerseits zu gefährlichen Vorstößen, wenngleich die richtig große Torchance zunächst ausblieb. Ein Reichenberger-Schuß in der 14. Minute z.B. sah im Ansatz schön aus, landete aber doch deutlich am Tor vorbei.
 

4 Minuten später der nächste Aufreger, dieses Mal wieder auf der Gegenseite. Eine weitere Ecke von Lamidi, dieses Mal von der rechten Seite, flog eigentlich recht ungefährlich in den Strafraum. Doch ein Querschläger von de Wit brachte überraschend Nando Rafael in freie Schußposition. Der Ex-Herthaner drehte sich und zog aus 5 Metern ab, konnte Gößling aber nur zu einer Glanztat verhelfen. Es sollte die einzige nennenswerte Szene des erneut enttäuschenden Rafael an diesem Tag bleiben.
 

Gefahr entstand auf beiden Seiten meist durch Standards oder Weitschüsse. So auch nach 25 Minuten, als Pierre de Wit für die langsam stärker werdenden Osnabrücker aus 25 Metern draufhielt und nur knapp links vorbei zog. Ein Unding, dass ein Spieler in dieser Position trotz doppelter Absicherung im defensiven Mittelfeld so frei zum Schuss kommen konnte. Im weiteren Verlauf sollten die beiden Sechser ihr Gebiet aber weitgehend ordentlich im Griff behalten.
 

Borussia fand in dieser Phase kaum noch statt und passte sich in punkto Fehlpässen und Ungenauigkeiten dem mäßigen Niveau der Gastgeber an. Die wiederum kamen nach 30 Minuten noch einmal durch einen Frommer-Schuss ans Außennetz zu einer kleineren Chance, während etwas später Patrick Paauwe Keeper Gößling aus der Distanz nicht überwinden konnte. 
 

Insgesamt verlief die Partie aber bis zur Pause mit ausgeglichenen Spiel- und Chancenanteilen. In der Defensive stand Borussia mit Abstrichen solide, während im Offensivspiel so gut wie nichts zustande gebracht wurde. Lamidi wirkte das eine oder andere Mal überfordert. Rafael deutete einmal mehr an, dass der Profifussball nicht für ihn geschaffen ist. Und auch Marin war bis hierhin weitgehend untergetaucht und wirkte manchmal wie ein schüchterner Schuljunge, der sich nicht so recht traut, gegen die Großen mitspielen zu wollen. Für die Außen, die nach einer knappen halben Stunde die Seite wechselten, war es aber auch ein undankbares Spiel, da sie in der Zentrale keinen Abnehmer für potentielle Flanken oder Vorlagen fanden. Für ein solches System hätte ein Rob Friend in der Sturmmitte selbst bei nur 50% Fitness mehr Sinn gemacht als der völlig uninspirierte Rafael, der einem irgendwann nur noch leid tun konnte.  

Doch auch nach dem Seitenwechsel wurden er und die Borussen-Fans noch nicht direkt erlöst. Beide Mannschaften kamen unverändert aus der Kabine. Doch die Elf von Pele Wollitz schien sich jetzt mehr vorgenommen zu haben. So wurde es in der 53. Minute brenzlig, als Kasper Bögelund seinen Gegenspieler Thomik alleine ließ, um in die ohnehin schon abgedeckte Abwehrzentrale zu rücken. Nico Frommer sah dies und legte auf Thomik, der in halblinker Position frei in den Strafraum ziehen konnte. Sein Schuss aus knappen 15 Metern landete erneut nur am Außennetz. 
 

6 Minuten später erneut der rechte Außenspieler der Gastgeber – dieses Mal auf seiner angestammten Position. Viel zu mühelos konnte er Compper überlaufen und in den Strafraum eindringen, wo ihm aber die Kraft zu einem ordentlichen Abschluss fehlte.
 

Jetzt endlich hatte aber Jos Luhukay ein Einsehen und brachte Oliver Neuville für den wirkungslosen Rafael. Ein Wechsel, der 10 Minuten lang ohne großartige Folgen blieb. Dann aber die Szene des Spiels. Ein Rösler-Schuss wurde abgeblockt und landete an der linken Strafraumgrenze bei Marko Marin. Der Wirbelwind war ohnehin verbessert aus der Kabine gekommen und setzte sich schon in den Minuten zuvor durch erste Dribblings gekonnt in Szene, wobei er aber meist durch Fouls des Gegners gebremst werden konnte. In dieser 69. Minute aber verstand er es, zwei Gegenspieler auszutanzen, indem er in Richtung Mitte zog. Ein wenig wie dereinst Philipp Lahm im WM-Eröffnungsspiel zog er dann aus 20 Metern ab und schlenzte den Ball rechts oben ins Toreck, unhaltbar für Torhüter Gößling. 

Der Bann war gebrochen, die Führung erzielt. Durch diesen Sonntagsschuss sicherlich etwas glücklich, nach den Spielanteilen der Partie insgesamt aber auch nicht ganz unverdient. Auch nach der Führung sollte es nur bedingt der befürchtete Pokalfight werden, da Osnabrück hierfür viel zu harmlos blieb. Zwar waren die Gastgeber bemüht, letztlich in ihren Möglichkeiten aber offensichtlich zu limitiert, um noch größere Torchancen heraufzubeschwören. 
 

Zweimal noch hatte Oliver Neuville die Möglichkeit, die Führung auszubauen. Zunächst als sich Lamidi in der 76. Minute in seiner besten Aktion auf rechts bis zur Außenlinie durchgetankt hatte und in die Mitte flankte. Dort spitzelte Neuville den Ball mit der Fußspitze leider knapp ans Tor vorbei.
 Kurz darauf Aufregung im eigenen Strafraum, als Compper eine weitere Unachtsamkeit unterlief. Sein Abwehrversuch in die Tormitte landete beim eingewechselten Nouri, der aus 20 Metern halbrechts abzog und Heimeroth zu seiner besten Parade zwang.  

In der 87. Minute die tragischste Nachricht des Tages, als sich Neuville bei einem leichten Foul eine Sprunggelenkverletzung zuzog und fortan humpelnd weiterspielte. Er war gerade von seiner Behandlung zurück, als er auch noch auf links geschickt wurde. Mit einer cleveren Täuschung setzte er sich am Strafraum in Szene und zog aus 18 Metern halblinks ab. Der abgefälschte Schuss landete an der Latte, so dass unser Zittern noch zwei Minuten verlängert wurde. 
 

Doch als auch ein weiterer Thomik-Schuss aus 20 Metern sowie die letzte Ecke wirkungslos verpufften, war das Spiel gelaufen und Borussia eine Runde weiter.
 Insgesamt ein ziemlich glanzloser Sieg, der noch viele Fragen offen läßt. Beide Mannschaften werden sich insbesondere bei der Passgenauigkeit steigern müssen, wenn sie in der zweiten Liga bestehen möchten.

Trainer Jos Luhukay lobte nach der Partie zurecht die solide Innenverteidigung, die insgesamt sicher stand, wenngleich sie auch nicht übermäßig gefordert worden war. Auf den Außenbahnen ergaben sich größere Schwierigkeiten. Bögelund deutete an, dass er gegen schnelle Außen, wie den Osnabrücker Manno, seine Schwierigkeiten hat. Marvin Compper sah auch Luhukay mit „einigen Unsicherheiten“, die zwei bis dreimal Torchancen des Gegners hinaufbeschworen. 
 

In der Offensivbewegung wußte sich zum Glück Marin im zweiten Spielabschnitt zu steigern und entschied dadurch letztlich eine Partie, die im Grunde eine Verlängerung verdient gehabt hätte. Neuville war in seinen 30 Minuten zwar noch lange nicht bei 100%, aber trotzdem um Längen effektiver als zuvor Rafael. Rösler war enorm engagiert, entwickelte aber für eine hängende Spitze zu wenig Torgefahr. Zufriedenstellend die Leistung von Svärd und Paauwe, die im Defensivspiel gut harmonierten, wenngleich ihnen für die Offensive außer einigen harmlosen Weitschüssen nicht allzu viel Brauchbares einfiel. 
 

Für ein Kuriosum sorgte der Schiedsrichter-Assistent in der Schlussminute, als er sich zweimal weigerte, den verletzten Oliver Neuville gegen Rob Friend auswechseln zu lassen. Friend kam so um seine Siegprämie, während sich bei Neuville morgen entscheidet, ob die Bänder gedehnt oder gerissen sind und wie lange er mit dieser Verletzung ausfallen wird.

VfL Osnabrück: Gößling - Tredup (Aziz 82), Schuon, Cichon, A. Schäfer - Thomik, Heidrich, de Wit, Frommer (Nouri 75) - Manno (Hennings 64), Reichenberger

Borussia:  Heimeroth - Bøgelund, Brouwers, Gohouri, Compper - Lamidi, Svärd, Paauwe, Marin (Coulibaly 82) - Rafael (Neuville 60), Rösler

Ersatzbank: Gospodarek - Levels, Voigt, Coulibaly, Polanski, Neuville, Friend

Tore: 0:1 Marin (69.)


Schiedsrichter: Georg Schalk (Augsburg)


Zuschauer: 18.000

Gelbe Karten (Borussia): Rafael, Neuville


Besondere Vorkommnisse: Frauenfußball-Nationaltorhüter Silke Rottenberg bescherte bei der Auslosung beiden Vereinen ein schnelles Wiedersehen, beide Vereine hatten in der letzten Saison (2006/07) in der 2. DFB-Pokalhauptrunde in Osnabrück bereits gegeneinander gespielt und der damalige Regionalligist die Oberhand (2:1) behalten. Ein weiteres Aufeinandertreffen im DFB-Pokal gab es in der 3. Runde 1992/93, als Osnabrück gar mit 4:1 siegte. Damals spielte Osnabrücks heutiger Trainer in der Elf der Niedersachsen. Für die Borussenprofis Roel Brouwers, Patrick Paauwe, Sascha Rösler und Soumaila Coulibaly  war die heutige Partie ihr jeweils erster Einsatz für die Borussia in einem Pflichtspiel. In seinem 1. DFB-Pokalspiel erzielte Marko Marin seinen 1. DFB-Pokal-Treffer für die Borussia, gleichzeitig war dies sein 1. Tor für die Lizenzelf der Borussia.
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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
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  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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