Bayern München war für eine mit einer sehr anständigen Leistung ihr Bestes probierende Borussenmannschaft am heutigen Mittwochabend der nicht zu bezwingende Gegner und verhinderte durch einen um einen Treffer zu hoch ausgefallenen 3:1-Erfolg vor eigenem, ausverkauftem Haus eine Achtelfinalteilnahme der Borussia in diesem Wettbewerb in der laufenden Spielzeit. Nach einer torlosen ersten Spielhälfte brachte der Italiener Luca Toni die Mannschaft des ehemaligen Borussenspielers Marcell Jansen nach der Halbzeit mit 2:0 in Führung, ehe Marcel Ndjeng die Borussia vorübergehend noch einmal in Schlagdistanz bringen konnte.

Mit lediglich einer Veränderung im Vergleich zum Spiel bei der Spielvereinigung Greuther Fürth am vergangenen Freitag trat die Borussia in München bei den favorisierten Bayern an. Für Johannes van den Bergh rückte wieder Marko Marin auf die linke Mittelfeldposition, ansonsten blieb die Formation Jos Luhukays unverändert.

Infolge einer vorübergehenden Anpassungsphase zu Beginn der ersten Spielhälfte bekamen die Gastgeber in den ersten zehn Spielminute zwei Gelegenheiten aus der Distanz, doch beide Male waren sie nicht erfolgreich. Die Borussia, die schon in der ersten Minute einen durch eine Abseitsposition zunichte gemachten Angriff initiiert hatte, hatte jedoch bereits vor einem dritten Distanzversuch der Hausherren, der in der 12. Minute stattfand und von Schweinsteiger ausgeführt wurde, ihre nötige Struktur und Sicherheit erlangt und war folgerichtig nicht nur klar mit dem Ball kombinierend in Erscheinung getreten, sondern auch als torgefährlich. Marko Marin war es, der in der 17. Spielminute aus der Distanz ein ernstzunehmendes Warnsignal abfeuern konnte, jedoch Pech hatte, dass der Ball knapp am Tor der Münchener vorbeistrich.
Bereits als in der 20. Spielminute, infolge eines Fehlpasses von Tobias Levels, Roel Brouwers in der Abwehrbewegung der Borussia ein taktisches Foul an Luca Toni begehen musste und dafür richtigerweise die Gelbe Karte erhielt, schien es den Hausherren schon nur noch schwerlich zu gelingen aus dem Spielverlauf in die gefährlichen Zonen der Borussenhälfte vorzudringen und so verdingten sich die Münchener anschließend damit Standardsituationen in der Nähe des Borussenstrafraums zu gewinnen; dies gelang ihnen mitunter und obgleich daraus keine Torgefahr entstand, der bemühte Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte gut zehn Minuten damit zu tun die Fouls und Vergehen von den Fallern und den Provokationen zu trennen, die insbesondere durch Akteure wie Luca Toni und Hamit Altintop in den Spielverlauf eingestreut wurden und manchmal doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirkten. 

In die Nachwehen dieser Versuche das Spiel dahingehend für sich zu beeinflussen, gebrauchten die Bayern in der 34. Spielminute eine erste Glanzparade ihres Oliver Kahn vertretenden Torstehers Michael Rensing, um bei einem von Lucio abgefälschten Distanzversuch Patrick Paauwes nicht in Rückstand zu geraten. Der anschließende Eckball allerdings offenbarte einen taktischen Fehler auf Seiten der Borussia, die beim Stand von 0:0 im Stadion des Favoriten als Underdog mit derart vielen Spielern bei einem Standard am gegnerischen Sechzehnmeter auf den hereingebrachten Ball lauerte, dass sie nicht ausreichend viele Akteure hinter dem Ball stehen hatte und dies beinahe mit einem Gegentor bezahlt hätte. Der von Ndjeng getretene Eckball wurde von den Münchenern noch im Stadion abgewehrt und dann zu einem Tempogegenstoß über Lukas Podolski umgemünzt. Eine starke Reaktion von Christofer Heimeroth und der Eigensinn des Nationalspielers mit Kölner Vergangenheit ermöglichten die Borussia allerdings diese Situation des unaufgefordert zugelassenen Fehlers unbeschadet zu überstehen.

Diese Möglichkeit blieb die größte des in elf Erstligapartien der aktuellen Spielzeit noch unbezwungenen süddeutschen Etatriesen in der ersten Hälfte und der turmhohe Favorit konnte gar noch froh darüber sein, dass ihn Torwart Rensing in der 43. Spielminute mit seiner zweiten Glanztat des Abends vor dem Pausenrückstand bewahrte. Die überlegt kombinierende Borussia hatte Marko Marin in Ballbesitz gesehen und der U21-Internationale hatte den Ball im richtigen Moment auf den am Strafraum steil startenden Oliver Neuville durch die Bayernabwehr hindurch gefädelt. Neuville wollte das Tempo des Balles nutzen und tat gut daran, doch den dabei in der Luft liegenden Treffer konnte der Bayernschlussmann soeben noch vereiteln.

Auch in der zweiten Spielhälfte benötige die Borussia zu Beginn eine Anpassungsphase. Hierbei stellten sich die Hausherren jedoch allerdings findiger an als während der der ersten Spielhälfte. Vermeidbar war schon der Ballverlust, der Podolski zum Konterversuch in der 47. Spielminute eingeladen hatte, doch richtig ärgerlich war dann, dass Christofer Heimeroth zwischen den Borussenpfosten den auf den ersten Pfosten geflankten Ball nicht ad hoc sichern konnte. Somit rutschte das Leder an den zweiten Pfosten durch, wo der vor Saisonbeginn für 11 Millionen Euro und ein vergleichbar stattliches Jahresfixum aus Italien verpflichtete Luca Toni den Ball zur Bayernführung über die Linie zu drücken vermochte.

Mit der Führung im Rücken kombinierte es sich für den Erstligisten in den folgenden Minuten sichtlich leichter, hatte aber schon Sekunden nach dem eigenen Führungstor in Persona seines Torstehers Rensing das Fortune, dass Christopher Heimeroth in der geschilderten Situation fehlte. Ein bemerkenswerter individueller Fehler des selten filigran sein Handwerk verrichtenden Martin Demichelis in der Bayernverteidigung gab Oliver Neuville für die Borussia die Gelegenheit allein auf Rensing zu zu laufen. Routiniert suchte der Borussenkapitän in der Situation auch den Abschluss und wäre dann nicht Rensing mit seinem Körper noch abfälschend wirksam geworden, das Spiel wäre nicht mit einem Eckball für die Borussia fortgesetzt worden, sondern hätte wieder ein ausgeglichenes Resultat vorgewiesen; spätestens in der 54. Minute hatte auf der Gegenseite Borussias Schlussmann seinen Schnitzer von vor dem 1:0 dann jedoch wieder gutgemacht, als er gegen den von dem unbedrängt werkelnden Lucio eingesetzten Toni in höchster Not zur Ecke klärte.

Wäre die Borussia in der 35. Minute schon beinahe durch einen gedanklichen Schnitzer (zu viele Leute in der Vorwärtsbewegung) Rückstand geraten, in der 57. Spielminute wiederholte sich dieser beim Stande von 1:0 für Bayern in einem Maße, der dem Italiener Toni den unhaltbaren Treffer zum 2:0 ermöglichte. Zu viele Mitspieler befanden sich bei einem Ballverlust auf Höhe der Mittellinie in der Vorwärtsbewegung. Und insofern vor dem Ball. Dies führte bei zügig zum Heimerothschen Tor spielenden Hausherren dazu, dass die verbliebenen Borussen den unmittelbar Ballführenden nicht gänzlich direkt attackieren konnten. Der Ball landete über Podolski schlussendlich am Strafraum bei Toni, der Heimeroth mit einem satten Versuch keine Abwehrchance ließ.

Das Spiel schien entschieden, gleichwohl war es noch nicht vorüber. Für Patrick Paauwe schon. Der Niederländer, der nach einem Zusammenstoß in des Gegners Strafraum kurzzeitig benommen schien, wurde zur Vorsicht gegen Sebastian Svärd ausgetauscht und auch Soumaila Coulibaly (für Marko Marin) erhielt nunmehr seine Bewährungschance. Die folgenden cirka fünf Minuten zeigten dann auch am deutlichsten den von der Papierform festzustellenden Klassenunterschied. Die Borussia hatte so in der 68. Spielminute Glück, dass Luca Toni einen tornahen Kopfball nicht platzieren konnte und somit nicht zu seinem dritten Tor kommen konnte.
Der Leerlauf im Borussenspiel fand dann jedoch in der 70. Minute ein abruptes Ende. Ballführend im Mittelfeld, und bereits gut fünfzehn bis zwanzig Meter innerhalb der Spielhälfte der Gastgeber, nahm Marcel Ndjeng Maß und knallte den Ball auf direktem Wege zu einem von gut 7.000 mitgereisten Borussenfans frenetisch umjubelten Anschlusstreffer in den von ihm aus linken oberen Winkel des Bayerntores.

Das Spiel war durch den in der 75. Minute Miroslav Klose weichenden Toni vorher vielleicht vorentschieden gewesen, nunmehr war die Borussia wieder in Schlagdistanz in dieser Partie zumindest eine Verlängerung zu erwirken. Und sie hatte ihre Chancen dazu. In der 75. Spielminute köpfte Sascha Rösler horizontal knapp am Tor vorbei, in der 82. Spielminute flutschte ein Stoß des nicht immer präzisen Soumaila Coulibaly knapp rechts am rechten Außenpfosten des Bayerngehäuses durch. Und auch Michael Rensing im Bayerntor, der anschließend für Spielverzögerung eine Verwarnungskarte bereitwillig in Empfang nahm, hatte noch diverse kleinere Möglichkeiten seine Ambitionen auf einen Stammplatz im Bayerntor zu untermauern. Allerdings blieb es seinen klassenhöher angesiedelten Gastgebern vorbehalten durch Miroslav Klose (85.) das Spiel mit dem dritten Bayerntreffer endgültig zu entscheiden.

Wie viel Spannung es auch immer bürgen soll, wenn man sich auf einer gänzlich ebenen Asphaltpiste mit einem normal motorisierten Gefährt gegen einen bis zum Gehtnichtmehr getunten Formel-1-Boliden zu einem Wettstreit zu treffen und sich somit zu messen, diese Frage ist keine lebenswichtige. Die Deutsche Fußball hat im Zusammenwirken mit der Fußballöffentlichkeit irgendwann einmal entschieden, dass die auch im Zuge der Fernsehvermarktung entstandenen Budgetunterschiede nicht nur richtig, sondern auch gewünscht und nötig sind. Und, fürwahr, es gibt natürlich Konstellationen, da profitiert(e) und da wird die Borussia auch genau davon begünstigt. Nur eben nicht unter den Voraussetzungen, die im Rahmen der heutigen Partie gegeben waren und gewiss durch weitere Fernsehvermarktungsabschlüsse wider des nationalen Wettbewerbs vor allem auch in Zukunft wohl noch stärker gegeben sein werden. Sich darüber zu beklagen, bei den vorherrschenden Konstellationen im deutschen Fußball wäre das sicherlich falsch. Die Borussia muss bestrebt sein den ohnehin schon seit cirka 20 Jahren nicht mehr zu leugnenden Abstand zu ihrem einstigen Meisterschaftsrivalen nicht noch größer werden zu lassen. Genau daran arbeitet die Borussia derzeit bravourös Spieltag für Spieltag und es hilft sich bei der Nachbetrachtung dieses Pokalspiels gänzlich in Erinnerung zu rufen, dass die in den letzten Wochen bereits uneingeschränkt Freude machende Borussenelf nicht zusammengestellt worden ist um den DFB-Pokal zu gewinnen und dabei in Runde 2 einen als galaktisch empfundenen Gegner auf dessen Platz zu bezwingen, über dessen Ergebnisse gewiss klassenhöher die deutsche Meisterschaft entschieden werden wird: diese Mannschaft ist für eine wesentlich wichtigere Aufgabe zusammengestellt und da erwartet sie in den nächsten 7 Monaten noch richtige Schwerstarbeit.

Nichtsdestotrotz ist ihr für ihre couragierte und sehr anständige Leistung in dieser Partie der 2. DFB-Pokalhauptrunde ein Kompliment zu machen. Diese harmonische Mannschaft hat auch mit ihrem heutigen Auftritt für den Klub wieder ein Stück mehr von dem unehrenhaften Gesamtbild ihrer Vorgängerelf in der Vorsaison richtiggestellt. Selten zwar war die Borussia bei Gastspielen in München auch in den letzten Jahren völlig chancenlos geblieben, angesichts der Tatsache, dass durch Borussias Abstieg und die Investitionswut des alten Rivalen im Sommer die Schere zwischen diesen beiden heutigen Kontrahenten auf den vorläufigen Höhepunkt getrieben worden war, ist am Ende dieser Partie festzustellen, dass die Borussenelf selbst in dieser Partie nicht chancenlos war und durchaus (mit ein wenig Fortune, gewiss) hätte den Sieg davontragen können.
So war der Sieg des FC Bayern unter dem Strich zwar in Ordnung, jedoch nicht den apostrophierten Kräfteverhältnissen vor der Partie entsprechen. Und das wiederum ist ein alleiniger Verdienst einer schon bemerkenswert stilvoll aufeinander abgestimmten Borussenmannschaft, bei der es bisweilen schon eine wahre Wonne ist ihre (in letzter Zeit) äußerst positive Entwicklung kontinuierlich zu verfolgen.

München: Rensing - Lahm (Lell 78), Lucio, Demichelis, Jansen - Ottl, Zé Roberto (van Bommel 70) - Hamit Altintop, Schweinsteiger - Toni (Klose 75), Podolski.

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe (Svärd 63) - M. Ndjeng (Touma 85), Rösler, Marin (Coulibaly 67) - Neuville, Friend.

Tore: 1:0 und 2:0 Toni (47., 57.), 2:1 Ndjeng (70.), 3:1 Klose (83.)

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia): Brouwers, Paauwe

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Zuvor war die Borussia in acht Pflichtspielen ungeschlagen geblieben. Die Live-Übertragung der Partie im ZDF war die erste Live-Übertragung eines Spiels der Borussia im DFB-Pokal seit dem Halbfinale der Spielzeit 2003/2004, einem 0:1 bei Alemannia Aachen.

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