Auch andere Ligen haben ihre schönen Momente. Diese Feststellung ist für Fans von Borussia Mönchengladbach nicht mehr neu, aber die Erinnerung war ein wenig verblasst. Vier Siege in Folge mit 12 erzielten Toren liessen nach dem Spiel in St. Pauli zum ersten Mal wieder Gefühle aufkommen wie weiland in der Ära Hans Meyer, als eine stürmende Borussia mit Siegesserien (auch auswärts) sich den in der ersten Liga verspielten Kredit neu erarbeitete. Auch wenn es gar keinen Zweifel daran gibt, dass Borussia in die erste Liga gehört und alle dort hin wollen, darf man nach sechs Jahren Erstligafussball ohne solche Momente eben diesen geniessen.

Borussia

Die Borussia versetzt ihre Anhänger derzeit in mit ein wenig Rätseln gemischte Freude. Die Rätsel beziehen sich darauf, welchen Leistungsstand die Mannschaft gegenwärtig wirklich hat. Die als Prunkstück vermutete Abwehr wirkt nicht immer sattelfest, die völlig neu aufzubauende Offensivabteilung hingegen überzeugt fast restlos. Und wenn man besonders schwere Spiele vermutet, scheint dem Gegner gerade an diesem Tag gar nichts zu gelingen, wie z.B. in Aue und St. Pauli. Aber da täuscht der Eindruck, gerade Aue hielt im  körperlichen Spiel mit etlichen Fouls mächtig dagegen und dass Borussias Mannschaft den Einsatz der Ostdeutschen so wegsteckte, zeugt von der gelungenen Aufbauarbeit im charakterlichen Bereich.

Borussias Defensive

Nachdem Heimeroth sich gegen Augsburg zum ersten Mal Fehler gestattete, folgte in St. Pauli wieder ein Spiel zu Null. Umstritten ist der ruhige Keeper ohnehin nicht, auch wenn den verdutzten Zuschauern des DSF dies mitgeteilt wurde. Der Viererverbund vor ihm war bisher von der allgemeinen Rotation ausgenommen, zu Wechseln kam es meist verletzungsbedingt. So auch gegen Aachen, wenn Roel Brouwers wegen einer Innenbanddehnung ausfallen wird. 

Man darf annehmen, dass Paauwe dafür wieder in die Innenverteidigung neben Gohouri rücken wird, denn obwohl Borussia über einen großen Kader verfügt, sind die Posten der Innenverteidiger nicht doppelt besetzt. Den rechten Verteidigerposten wird wohl wieder Tobias Levels einnehmen, der sich auf dem für ihn noch ungewohnten Platz ganz gut behauptet. Links avanciert Alexander Voigt zu einer der großen positiven Überraschungen. Defensiv behauptet er sich mit Erfahrung und ausgeprägt körperlichem Einsatz auch gegen bewegliche, wuselige Gegenspieler wie Aues Curri; offensiv ergreift er die Initiative und kommt sogar zu Torvorlagen. 

Wenn Paauwe einen Posten nach hinten rückt, wird seine Stelle im defensiven Mittelfeld vermutlich von Sebastian Svärd eingenommen. Der Däne ist dynamisch und ordentlich im Zweikampf, aber das Spiel von hinten heraus lenken kann er noch nicht so wie Paauwe. 

Borussias Offensive

So ansehnlich die Leistungen von Borussias offensiver Abteilung mit zuletzt 12 Toren in 4 Spielen waren, so variabel waren auch die Aufstellungen. Die hier zu lesende Formation ist also auch nicht mehr als ein Vorschlag mit gewisser Wahrscheinlichkeit.

Wer vor einigen Wochen noch dachte, Marcel Ndjeng sei ein Rechtsaussen im System mit drei Stürmern oder alternativ ein Ersatz für Marko Marin, sieht sich nun angenehm getäuscht. Der Deutsch-Kameruner dankt seinem Förderer Luhukay das Vertrauen mit Laufstärke, elanvollen Dribblings und mit glatten fünf Torvorlagen in drei Spielen, dazu füllte er zuletzt auch noch die Position hinter den Spitzen aus. Es dürfte unwahrscheinlich sein, dass Luhukay ihn aus diesem Lauf heraus auf die Bank setzt. Marko Marin wieder dürfte nun genug Pause genossen haben um wieder von Anfang an zum Zuge zu kommen, allerdings wäre eine Formation mit Ndjeng im rechten und Marin im linken Feld offensiver als bisher von Luhukay gesehen.

Für Marin wäre alternativ ein Platz hinter den Spitzen vorstellbar, wo er mit seiner Pass- und Dribbelstärke gut zur Geltung käme. Allerdings ist Sascha Rösler, der auf diesem Posten heimisch ist, mit seinem Siegeswillen eine Säule der Mannschaft, die der Trainer ungern von da abziehen wird, zumal Rösler gegen St. Pauli auch wieder Kopfballstärke demonstrierte. Und im linken Mittelfeld liefert Johannes van den Bergh überzeugende Leistungen ab, die vor allem auf seinem Einsatz  und seiner Schnelligkeit basieren. 

Im Sturm ist Oliver Neuville gesetzt. Keiner in der Mannschaft kann seine Fähigkeiten im schnellen Dribbling ersetzen und es sieht  nicht wie ein Zufall aus, dass es besser läuft, seitdem er wieder dabei ist. Neben ihm bot Rob Friend als körperlich starker „Stoßstürmer" ordentliche Leistungen, die bisher nicht danach schreien, ihn durch Colautti zu ersetzen. Gelegentlich wünscht man sich von Friend mehr Cleverness im Abschluss, andererseits hat er es auch schon auf drei Tore gebracht. 

Vielleicht sieht ja auch Luhukay nach der souveränen Vorstellung in St. Pauli wenig Grund zur Änderung. Wir lassen uns überraschen.

Der Gegner aus Aachen

Nach einem Jahr 1. Bundesliga ist die Alemannia aus Aachen also auch wieder zurück in Liga zwei. Der Saisonverlauf war fast schon aufsteigertypisch, mit von Euphorie getragenen Siegen zu Beginn und dem Versinken im Abstiegskampf, nachdem die Realitäten der obersten Spielklasse klarer wurden. Das offizielle Ziel für diese Spielzeit ist zwar der Wiederaufstieg, eine Schlagzeile wie „Ein Weltmeister als Trainer" reicht dazu aber nicht so richtig. Die Mannschaft hat im Vergleich zum letzten Jahr an Substanz verloren, vor allem mit Sascha Rösler; und die verschworene Gemeinschaft der Renner- und Kämpfertruppe aus dem Aufstiegsjahr scheint auch noch nicht wieder hergestellt. 

Nach der Niederlage in Fürth kam es dabei zum ersten Mal zu öffentlichem Ärger, als Sportdirektor Schmadtke öffentlich kundtat, kein Spielsystem erkennen zu können. Die Kritik ging inhaltlich zwar gegen den Trainer, sollte laut Schmadtke aber nur gegen die Spieler gerichtet sein.

Aachen Defensive

Aus dem letztjährigen Zweikampf im Tor zwischen Kristian Nicht und Stephan Straub wurde mit der Ankunft von Thorsten Stuckmann ein Dreikampf. Bisher nur mit einem Verlierer namens Nicht, für den Straub wieder den Versuch unternehmen darf, auf Dauer die Nr. 1 zu werden.

Auch Aachens Trainer, der meist als „Weltmeister" apostrophierte Guido Buchwald, rotiert in seinen Aufstellungen tüchtig, sucht dabei allerdings noch nach einer Formation die auf Dauer die gewünschten Ergebnisse liefert. Die Alemannia hatte bis zum letzten Spieltag eine kleine Durststrecke von drei tor- und sieglosen Spielen hinter sich, die vor allem deshalb nicht anhielt, weil man den Tabellenletzten Paderborn zu Hause mit 3:1 besiegen konnte. Auch wenn die Westfalen dabei aus Aachener Sicht unangenehm gut mithielten, wird Buchwald wohl versuchen, auf diese Aufstellung aufzubauen.

Diese würde Nico Casper als rechten Verteidiger sehen, was er in Aachens Aufstiegssaison auch regelmässig gespielt hat. Eine interessante Alternative zu Casper wäre der aus Bremen gekommene Jerome Polenz, der auf der rechten Seite von Verteidiger bis Stürmer alles spielen kann. Die Chancen stehen aber eher gering, dass Buchwald den 20jährigen in Mönchengladbach in die Startaufstellung nimmt. In der Innenverteidigung gibt der kampfstarke Abwehrchef Alexander Klitzpera das Kommando. Der andere Innenverteidigerposten wechselte bisher häufiger den Inhaber, vielleicht findet sich mit Thomas Stehle dort etwas Stabilität ein. Linker Verteidiger bleibt der schnelle Jeffrey Leiwakabessy.

Das defensive Mittelfeld mutierte nach dem Ausfall des ehemaligen Kapitäns Plaßhenrich zum Aachener Sorgenkind. In Pekka Lagerblom hoffte man, den Nachfolger gefunden zu  haben, aber nach einer indiskutablen Vorstellung in Fürth und einer gelb-roten Karte dürfte dessen Platz erst mal auf der Ersatzbank sein. Stattdessen wird Matthias Lehmann spielen, der des öfteren mit seinem harten Schuss den Abschluss aus der zweiten Reihe sucht, sowie Christian Fiel.

Aachener Offensive

Mit Rösler, Schlaudraff und Ibisevic hatten die Aachener schwerwiegende Abgänge zu verzeichnen. Auch wenn der in Aachen zum Nationalspieler gewordene Schlaudraff regelmässig wegen Disziplinlosigkeiten aus dem Kader flog, hätte man ohne ihn nicht mal das Niveau für den Aufstieg gehabt, umso schwieriger stellt sich jetzt der Neuaufbau dar.

Der aus Mainz gekommene offensivstarke Benjamin Weigelt ist im Mittelfeld ebenso im Aufbau wie im Abschluss stark. Alternativ könnte auch Patrick Milchraum zum Zug kommen. Um den technisch starken 23jährigen buhlten vor 3 Jahren auch etliche Bundesligavereine, als er zu 1860 München ging. Ebenfalls aus dem Mittelfeld kommt Szilard Nemeth, slowakischer Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, der gegen Paderborn ein technisch anspruchsvolles Tor erzielte. 

Im Sturm haben sich vorläufig die Torschützenkönige durchgesetzt, der bulgarische namens Todor Kolev und der von Tschechien, Lubos Pecka. Nachdem Marius Ebbers seinen hohen Aufwand wieder nicht mit Toren krönen konnte, dürften die beiden Osteuropäer erst mal ihre Plätze sicher haben. Pecka ist von diesen beiden ein technisch starker Spieler mit gefährlichem Abschluss, der im Strafraum einer sicheren Bewachung bedarf.

Insgesamt ist Aachen weder im Tabellenplatz noch spielerisch da, wo man hinwill. In den ersten sieben Spielen hat die Mannschaft mehr Defizite gezeigt, als ein potentieller Aufsteiger haben dürfte, aber noch ist ja genug Zeit um sich zu finden. Das muss aber noch nicht im Borussia-Park stattfinden. Aachen wird im Derby sicher engagierter auftreten als in anderen Spielen, aber wenn Borussia den Gegner so unter Druck setzen kann wie in den letzten Spielen, bleiben die Punkte in Mönchengladbach. Und da bisher keine von den angekündigten Revanchen für die Niederlage im Pokalspiel stattgefunden hat, wäre es auch an der Zeit.

Schiedsrichter

Am ersten Spieltag der laufenden Saison erreichte die Borussia ein 1:1 beim 1. FC Kaiserslautern ein Remis, der Schiedsrichter der Partie war mit dem Hannoveraner Babak Rafati derselbe Unparteiische, der auch an diesem heutigen Spieltag eine Partie der Borussia leiten wird. Der Bankkaufmann von Niedersachsen Döhren hatte bei dieser Partie den Pfälzer Bugera vom Platz zu stellen, weil dieser in der Schlußphase mit einer Notbremse verhinderte, dass Sharbel Touma für die Borussia alleine auf den Kaiserslauterer Torhüter zulaufen konnte. Davor pfiff Babak Rafati in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit die Heimpartie der Borussia gegen den 1. FC Nürnberg (0:0).

Bilanz

Die Zweitliga-Bilanz gegen Aachen bietet uns je einen Sieg und eine Niederlage, sowie zwei Remisen, die beide am Tivoli stattfanden. Den Borussen ist dabei der 23. Spieltag der Saison 00/01 am angenehmsten im Gedächtnis, der einen 6:1 Sieg für Borussia erbrachte. Ganz so hoch wollen wir unsere Ansprüche für dieses Spiel nicht anmelden, aber es darf einmal die Richtung aufzeigen.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Levels, Gohouri, Paauwe, Voigt - Ndjeng, Svärd, Rösler, van den Bergh - Friend, Neuville.
Ersatz: Gospodarek, Compper, Daems, Bøgelund, Schachten, Polanski, Fleßers, Baumjohann, Coulibaly, Touma, Marin, Rafael, Lamidi
Es fehlen: Colautti, Brouwers (verletzt).

Aachen: Straub - Casper, Stehle, Klitzpera, Leiwakabessy - Nemeth, Lehmann, Fiel, Weigelt - Kolev, Pecka.
Ersatz: Nicht, Stuckmann, Polenz, Vukovic, Krontiris, Özgen, Schmidt, Milchraum, Reghecampf, Ebbers.
Es fehlen: Herzig (verletzt),  Plaßhenrich (Reha)

Schiedsrichter:  Babak Rafati (Hannover),
Schiedsrichter-Assistenten: Christoph Bornhorst (Damme), Marek Preuß (Hamburg)

SEITENWAHL-Meinung


Hans-Jürgen Görler: Wann wohl wird die Siegesserie der Borussia reißen? Nachdem vier Triumphe gegen Mannschaften gelangen, die nicht um den Aufstieg mitspielen, kommt ein anderes Kaliber in den Borussiapark. Aber auch die Alemannia aus Aachen sollte das Team von Jos Luhukay zu schlagen imstande sein. Ein 2:1 wird es werden.

Thomas Zocher: Im einem zeitweise packenden und durchgehend emotionsgeladenen Derby wird der Borussia ein Rückstand wettzumachen verlangt. Ihr gelingt dies und ihr gelingt ein weiterer Treffer, der nach Ablauf der Partie den Ausschlag gibt und die Borussia mit 2:1 siegen lässt.

Mike Lukanz: Langsam wird das hier zu einem wirklichen Problem. Vier Siege sind es inzwischen, nein, nicht in einer Saison, am Stück. AM STÜCK! 12 (in Worten: zwölf) Tore sind hierbei gefallen, fast ausschließlich durch Stürmer. Ich frage mich inzwischen, welche Saison nun die große Verarsche ist oder war: die just vergangene oder die aktuelle? Sei´s drum! Mein rationaler Teil im Hirn schreit: "Tipp bloß Unentschieden, Du Ochse!", mein emotionaler Teil hingegen: "Pah, diese überflüssige Ratio. Aachen, Öcher, Erzfeinde, also hau einen raus!". Nun gut, noch lass ich mich emotional treiben: 6 zu 2 für uns.

Michael Heinen: Nach 4 Siegen in Folge wäre es doch eine Schande, wenn die Serie ausgerechnet gegen die unsympathischen Aachener reißen würde. Borussia gewinnt 3:1 dank zweier Handtore von Oliver Neuville und eines guten Christofer Heimeroth.

Christoph Clausen: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, geht ein Kalenderspruch, "the sky's the limit" ein anderer. Borussias Baum jedenfalls wächst mit einem 2:0 gegen Aachen vorerst noch ein bisschen weiter.

Christian Heimanns
: Serie oder nicht, es ist Derbyzeit. Bitte endlich wieder einen Sieg gegen Aachen! Ich setze darauf, dass Borussia mich dieses Mal erhört und Aachen mit einem 3:1 nach Hause spediert.


Der Gegner im Internet: TSV Alemannia Aachen, IG der Alemannia Fans und Fan-Clubs
Der Gegner im SEITENWAHL-Zweitligacheck: TSV Alemannia Aachen

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