Offenbacher FC KickersNach dem Punkt bei 1860 fühlten sich beide Mannschaften als Gewinner. Für den Borussenfan ist es nett zu sehen, dass inzwischen Spitzenmannschaften der zweiten Liga zufrieden damit sind, zuhause einen Punkt gegen uns geholt zu haben. Der Spielverlauf spricht auch für Borussias Selbstsicherheit, denn auch wenn die Münchener in der zweiten Halbzeit mehr Spielanteile hatte, kam nur selten Gefahr vors Gladbacher Tor. Wenn die Härtetests der Liga weiter so aussehen, können wir das Projekt Aufstieg guten Mutes angehen. In diesem Moment sind Borussia und der SC Freiburg die Mannschaften, die fussballerisch den Ton in der Liga angeben, Borussia zudem mit der Möglichkeit, eventuelle Ausfälle mit einem gutbesetzten Kader zu kompensieren.

Das nun folgende Spiel gegen die Offenbacher Kickers ist eines von denen, die Borussia zu Hause als hoher Favorit angeht und bei denen ein Unentschieden schon als Blamage gilt. Das Spiel gegen Jena hat schön deutlich gezeigt, dass sich auch solche Spiele nicht von alleine gewinnen, und dass ohne vollen Einsatz auch gegen vermeintlich kleine Gegner nichts läuft.

Borussias Defensive 

Christofer Heimeroth war zwar im Ganzen solide gegen 1860, erlaubte sich allerdings wieder eine oder zwei Unsicherheiten, die dafür sorgen, dass er weiterhin ein Thema bei Fans oder Reportern bleibt. Wohlgemerkt, nur ein „Thema", ganz sicher kein konkretes „Problem für die Mannschaft" oder sonst etwas in der Richtung, Heimeroth hat in München nämlich gut gehalten. Aber wo sonst keine Probleme zu sehen sind, versucht man eben die schwächste Stelle zu orten, und das scheint bei vielen der Torhüter zu sein. Und wenn der Keeper nicht „das Thema" wäre, dann wäre es jemand anderes, wobei sich jeder seinen eigenen Wunschkandidaten ausdenken darf. Heimeroth sei an dieser Stelle daher Dank ausgesprochen, dass er diese undankbare Rolle freiwillig auf sich nimmt. Dann kann der Rest der Mannschaft in Ruhe arbeiten.

Vor ihm wird die Abwehr in der zuletzt gezeigten Besetzung zur Aufführung gelangen, nämlich mit Voigt, Daems, Brouwers und Levels. Letzterer hatte arge Probleme mit Bierofka, aber nach solchen Einsätzen weiss ein junger Spieler, was er noch alles zu lernen hat. Daems´ Position in der zentralen Verteidigung bleibt weiter eine Tatsache, nachdem Gohouri sich ja selber aus der Mannschaft befördert hat. Insgeheim dürfte Luhukay sich zu Daems´ soliden Leistungen beglückwünschen. Auf diese Weise demonstriert Gohouri jedem in der Mannschaft sehr anschaulich, was passiert, wenn man nicht voll mitzieht, man fliegt nämlich sang- und klanglos raus und bleibt vor allem auch erst mal draussen. Unwahrscheinlich, dass noch mal jemand so drastisch gegen die Disziplinregeln verstösst (oder sich so anfängerhaft dabei erwischen lässt).

Vor der Abwehrreihe zeigt Patrick Paauwe inzwischen seit Wochen, warum er seit 10 Jahren auf höchstem Niveau auf der Position des „Sechsers" agiert. Zweikampfstarke Spieler hatten wir dort schon öfter, aber Paauwes Übersicht in der Spieleröffnung und die Genauigkeit bei den langen Pässen bedeuten einen echten Gewinn. Auch in der Bundesliga gibt es nicht viele solche Spielertypen, die als zurückgezogener Spielmacher fungieren können. 

Borussias Offensive 

Das Prunkstück der Mannschaft mit den meisten geschossenen Toren der Liga hat zuletzt die Drehzahl etwas zürückgenommen. Zweimal Neuville gegen Jena, ohne Tor in München, das scheint ja inzwischen wenig, nachdem das Team schon mal begonnen hatte, seine Fans für die letzte Saison der Leiden zu rehabilitieren. Dabei ist das nicht mehr als der Alltag der zweiten Liga; gegen Mannschaften, die kämpferisch so dagegenhalten wie die letzten beiden Gegner ist nicht jedes mal ein Torfestival angesagt. Konkret geriet die Torproduktion auch deswegen ins Stocken, weil Marcel Ndjeng wirkungsvoller bekämpft wurde als in den Spielen zuvor. Von seinem Durchsetzungsvermögen hängt mittlerweile einiges von unserem Offensivspiel ab. 

Die ganze Formation dürfte auch auflaufen wie zuletzt gewohnt, mit Neuville und Friend vorne, Ndjeng und Rösler dahinter, sowie dem Fragezeichen auf der linken Seite. Dort bekam Sharbel Touma in München eine Chance, die er im großen und ganzen auch nicht schlecht nutzte, mit gelungenen Soli und der besten Chance des Spiels, als er nur den Pfosten traf. Allerdings agierte er dabei praktisch als Linksaussen , was Luhukay wenig begeistert haben dürfte. Nun stehen mit Touma, Marin und Neuprofi van den Bergh drei Leute für diese Position zur Verfügung, von denen Marin wohl die effektivste Option ist; allerdings hat der 18jährige am Dienstag noch ein U21-Spiel gehabt. Wenn auch nur eine Halbzeit, bei Führung von 6:0. Die Tendenz könnte dahin gehen, dass Touma gegen die Kickers beginnt und Marin in der zweiten Halbzeit hereinkommt.

Der Gegner aus Offenbach 

Nach Carl Zeiss Jena kommt wieder ein Verein in der Krise in den Borussiapark. Allerdings löst diese Feststellung in Offenbach keinen großen Alarm aus, denn seit ihrem Aufstieg vor 2 Jahren bedeutete jede Minute in der zweiten Liga Abstiegskampf. In der Liga gab es vor 8 Spieltagen zuletzt einen Sieg, im Pokal kam eine deftige 6:0 Niederlage in Rostock dazu. Dabei hätte die Mannchaft am 7. Spieltag noch auf Platz 1 stehen können, aber die Niederlage in Jena leitete eine Negativserie ein, die Trainer Wolfgang Frank nach internen Hackereien mit seinem Rücktritt quittierte.

Die Suche nach einem neuen Übungsleiter brachte über Frontzeck und Wolf bis hin zu Neururer eine Reihe an Absagen, die wohl weniger mit der Qualität der aktuellen Mannschaft zu tun hatten als mit der Tatsache, dass der OFC finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Am Ende erklärte sich dann Borussias ehemaliger Assistenztrainer Jörn Andersen bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Der Norweger wurde während seiner Auszeit in Zeitungsartikeln als „moderner Trainer" hoch gelobt und brachte sich selber ins Gespräch, als er in einem Interview mit einer norwegischen Zeitung von Kontakten mit Joachim Löw erzählte, der ihn für den Posten des Co-Bundestrainers ins Auge gefasst hatte. Am Bieberer Berg wäre man schon hochzufrieden, wenn er seine Ergebnisse mit Rot-Weiss Oberhausen wiederholen könnte, als er dort fast in die erste Liga aufgestiegen wäre.

Und wenn er diese Saison etwas weniger aufregend gestalten könnte als die vorige, wäre man vermutlich auch zufrieden, denn da gelang dem Club das Kunststück,  mit 36 Punkten so gerade nicht abzusteigen. Das erste Spiel unter Andersens Regie gegen Wehen war dann aber ziemlich trostloser Fussball. In Abwesenheit von Suat Türker sind die Kickers nach vorne einfach viel zu ungefährlich; um so mehr hoffen sie in Offenbach darauf, dass der 31jährige nach seiner Verletzungspause gegen Borussia wieder voll einsatzfähig ist.

Offenbacher Defensive 

Die Abteilung Abwehr war an der haarscharfen Rettung der letzten Spielzeit nicht unschuldig, denn sie kassierte mit 59 Gegentoren die zweitmeisten der Liga. Folgerichtig wurde dort einiges Personal ausgetauscht; Hysky, Cimen und Sichone kamen neu. Dessen Verpflichtung zeigt wiederum die Möglichkeiten der Offenbacher auf dem Transfermarkt.

In dieser Saison begannen die Probleme aber bereits im Tor. Fehler des brasilianischen Stammkeepers Cesar Thier brachten Ersatzmann Daniel Endres eine Chance, die dieser aber nicht überzeugend nutzte. Der damalige Trainer Frank war die Diskussionen leid und verkündete, einer der beiden Keeper werde bis Weihnachten erst mal im Tor stehen, damit dort Ruhe einkehre. Thier, auf den die Wahl fiel, patzte bei seiner Rückkehr gehörig; dennoch scheint er auch unter Andersen erste Wahl zu bleiben.

Die Abwehr wird sich voraussichtlich mit Pinske, Bungert, Hysky und Müller präsentieren, falls der 21jährige Ex-Schalker Niko Bungert fit ist. Dem Tschechen Hysky gelingt es, die Innenverteidigung schon etwas stabiler zu halten als in der letzten Saison. Vor der Abwehr wird wohl Stephan Sieger das defensive Mittelfeld koordinieren, der gegen Wehen noch die gefährlichsten Szenen in der Offensive hatte. Ihm zur Seite könnte Daniyel Cimen stehen, der mit seinen 22 Jahren noch alle Zeit hat, die Offenbacher Fans seine Eintracht Frankfurter Vergangenheit vergessen zu lassen. 

Andersen wird ohnehin noch ein paar Spiele experimentieren müssen, aber auswärts beim Spitzenreiter ist eine Aufstellung mit zwei defensiven Mittelfeldlern nicht unwahrscheinlich, zumal auf den Aussen wohl offensiv ausgerichtete Leute auftauchen werden.

Offenbacher Offensive

Einer von denen ist quasi eine Berühmtheit. Marco Reich, gerne mit seinem Spruch „Als Kind war ich Fan von Borussia Mönchengladbach, aber da hatte ich noch keine Ahnung von Fussball" zitiert, soll in der Anfangsformation auf der rechten Aussenbahn zum Zug kommen. Über Reich könnte man einen gesonderten Artikel verfassen, hier sei nur erwähnt, dass er in Offenbach zuletzt in aller Deutlichkeit zeigte, warum er nie den Durchbruch schaffte: „Suboptimale Defensivarbeit und rudimentäres mannschaftstaktisches Verhalten. ´Man muss ihm immer zurufen, was er tun soll", bestätigt der Trainer, "sonst macht er, was er will´." So putzig steht das in der Online-Ausgabe des „Kicker".  Trotzdem sei noch erwähnt, dass Reich beim seinerzeitigen 4:0 Sieg Borussias 2002 gegen Köln der beste seiner Mannschaft war, der mit seiner Schnelligkeit Markus Münch trotz des klaren Sieges eine Menge Arbeit gemacht hat. Andererseits könnte man Andersens Zitat genauso auf Münch anwenden.

Weniger boulevardberühmt, dafür viel wichtiger für das Offenbacher Team ist auf der anderen Seite Thorsten Judt. Zwar auch schon 36 Jahre alt, aber durchaus in der Lage, mit Türker zusammen ein planvolles Offensivspiel aufzuziehen und dem Stürmer die Tore aufzulegen. Damit sind wir auch beim Hoffnungsträger selber, denn von Suat Türker erhofft sich ganz Offenbach die dringend notwendige Belebung der bisher dürftigen Offensive. Der 31jährige trifft zwar nicht am laufenden Band (14 Tore in der letzten Saison, 11 davor) aber er ist stets gefährlich im Strafraum und kann sich auch gut als Vorbereiter in Szene setzen. Und ausserdem hat man eben keine anderen Hoffnungsträger.

Denn Anastasios Agritis konnte bisher auf dem Platz noch nicht zeigen, warum er ein Länderspiel für Griechenland absolvieren durfte, er trifft erstaunlich konsequent daneben. Sean Dundee laboriert an einer Rückenverletzung und scheint dem Karriereende nähe als einem Comeback. Daher wird wohl Dino Toppmöller den zweiten Platz im Sturm besetzen, und dessen Torausbeute (diese Saison drei Treffer) beweist, warum er in manchen Statistiken auch als Mittelfeldspieler geführt wird.

Schiedsrichter

Mit dem Realschullehrer Frank Willenborg vom SV Gehlenberg hat der Deutsche Fußball-Bund für die Partie zwischen der Borussia und den Kickers einen Schiedsrichter angesetzt, der nach drei Spielzeiten Praxiserfahrung in dieser Saison erstmals im Profibereich Fußballspiele leitet. Der 28-jährige hat in seiner Laufbahn dementsprechend noch keine Partie Borussias geleitet, wie er in der aktuellen Spielzeit in den 13 ersten Pflichtspielwochen ohnehin erst auf eine Erfahrung von zwei vorherigen Einsätzen zurückblicken kann. Zuletzt leitete der weiterhin vorrangig in der Regionalliga Nord eingesetzte die Partie zwischen der TuS Koblenz und der SpVgg Greuther Fürth. Aufgrund seiner Regionalligaeinsätze ist Willenborg indes mit der U23 der Borussia bereits in Kontakt gekommen, so leitete der Osnabrücker in der letzten Spielzeit Borussias 3:0-Auswärtserfolg in Wuppertal beim Wuppertaler SV Borussia. Damals wirkten für Borussias U23 unter Horst Wohlers Christofer Heimeroth, Sebastian Svärd, Marko Marin und Johannes van den Bergh mit.

Bilanz

Das Zahlengrab gibt zu Offenbach nicht viel her. Die letzte Bundesligapartie stammt aus 1984 und in der zweiten Liga gab es bisher nur zwei Begegnungen mit einem Unentschieden in Offenbach sowie einem Sieg am Bökelberg. Dieser datiert vom 14. Mai 2000, als Chiquinho mit seinem Tor zum 1:0-Sieg, dafür sorgte, dass Borussia bis zum Schluss Aufstiegshoffnungen hegen konnte.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Ndjeng, Rösler (Coulibaly), Paauwe, Touma - Friend, Neuville.
Ersatz
: Gospodarek - Bögelund, Gohouri, Marin, Polanski, van den Bergh, Colautti, Rafael.
Es fehlen: Schachten (Reha), Fleßers (Verletzung), Svärd (erkrankt).

Offenbach: Thier - Müller, Bungert, Hysky, Pinske - Reich, Cimen, Sieger, Judt - Türker, Toppmöller.
Ersatz: Endres - Hornig, Baier, Agritis, Mokhtari, Watzka, Epstein
Es fehlen
: Dundee, Sichone, Ogungbure (Verletzungen)

Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)
Schiedsrichterassistenten
: Dittrich (Bremen), Bippen (Hamburg)

SEITENWAHL-Meinung

Hans-Jürgen Görler: Am Freitag gibt es ein Wiedersehen mit Borussias ehemaligem Co-Trainer, Jörn Andersen, der die Offenbacher Kickers vor dem Gang in die 3. Liga bewahren will. Die Borussia wird sich dabei jedoch als Spielverderber erweisen und den O.F.C. mit 3:0 besiegen.

Michael Heinen: Das Spiel gegen Jena hat gezeigt, dass man keinen Gegner unterschätzen darf. Da wir dies jetzt wissen, sollte das Spiel gegen Offenbach entsprechend angegangen werden und zu einem positiven Verlauf führen. Es ist mal wieder Zeit für einen souveränen, ungefährdeten Sieg. Borussia gewinnt also mit 2:0.

Christoph Clausen: Nein, es gibt in dieser Liga keine leichten Spiele; nein, man muss gegen jeden Gegner hochkonzentriert sein. Alles richtig. Dennoch: Zuhause gegen Offenbach wäre alles andere als ein Sieg eine Enttäuschung, und der darf dann ruhig auch mal etwas nervenschonender ausfallen als gegen Jena. 3:0 wäre eine runde Sache.

Mike Lukanz: Ein weiteres Heimspiel der Kategorie "Pflichtsieg". Daher möchte ich an dieser Stelle nicht die gängigen Adjektive "unangenehm" oder "kampfstark" verwenden, um den Gegner stärker zu reden, als er ist. Jos Luhukay wird seinen Mannen die richtige Einstellung mit auf den Weg geben. Auch den Ausfall Sascha Röslers wird man verkraften und das Spiel mit 2:0 für sich entscheiden.

Thomas Zocher: "Es ist ein Spiel, das wir zu gewinnen haben. Es ist auch ein Spiel, das wir nicht verlieren dürfen.", mit dieser Universalweisheit beglückte der ehemalige englische Nationaltrainer Graham Taylor einst die Zitatewelt. Und angesichts der Partie gegen Kickers Offenbach, übertragen auf Borussia Mönchengladbach, ist man fast geneigt diese Floskel zu bestätigen. Alle Welt geht von nichts anderem aus als drei Punkte für Borussia. Und hier liegt wie schon gegen Jena die Tücke für Jos Luhukay und seine Elf. Wenn sie selbst darauf eine souveränere Lösung als im vorherigen Heimspiel findet, dann kann sie diese Partie mit 3:1 für sich entscheiden.

Christian Heimanns: Wenn man sich die Vorhersagen so ansieht, geht es ja nur  noch um die Höhe des Sieges. So einfach wird das sicher nicht gegen einen Gegner, der mit einem neuen Trainer jetzt 2 Wochen Zeit hatte, sich zu sammeln. Mit Mühe wird Borussia 2:1 gewinnen.


Die Offenbacher Kickers im Internet: Offenbacher FC Kickers
Die Offenbacher Kickers im SEITENWAHL-Zweitligacheck: Kickers Offenbach

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