FSV Mainz 05Manche Menschen, den Verfasser eingeschlossen, verwenden ein ausgeklügeltes System, um morgens nicht allzu brutal aus dem Schlaf gerissen zu werden. Zuerst meldet sich, sanft beginnend und nur langsam anschwellend, ein direkt neben dem Bett platzierter Wecker. Vermittels einer Snooze-Taste lässt dieser sich für ein paar Minuten ruhig stellen, auf dass der Schläfer sich noch einmal umdrehen kann, bei Bedarf auch mehrmals hintereinander. Schluss mit lustig ist eine Viertelstunde später, wenn ein einige Meter weiter aufgestelltes Gerät losplärrt, das nur nach Verlassen des Bettes ausgestellt werden kann. So eine Snoozetaste kennen offenbar auch die Borussen. Oft war nach dem Lauternspiel vom Weckruf zur rechten Zeit die Rede war, in Hoffenheim aber stellte sich das Team noch schlafmütziger an. Steht also zu hoffen, dass die vier Gegentore in den Köpfen der Borussen grell genug geschellt haben, damit sich die Mannschaft gegen Mainz endlich ausgeschlafen präsentiert. Wäre schon schade, wenn man den Aufstieg verpennen würde.

 


Borussias Defensive


Selbst der sonst so besonnene Bernd Schneiders hielt es nach den vier Gegentoren vom Sonntag für angezeigt, wortreich Christofer Heimeroth in Zweifel zu ziehen. Dabei war der am Debakel am wenigsten schuld und verhinderte, wie schon gegen Kaiserslautern, durch starke Paraden mehrfach bereits frühere Gegentore. Ansonsten aber könnte man bei jedem einzelnen Gladbacher Defensivspieler eine Pause rechtfertigen, selbst dem in der Hinrunde so starken Patrick Paauwe. Der aber wird schon mangels sich aufdrängender Alternativen sicher wieder spielen. Dagegen spricht vieles dafür, dass mindestens einer der beiden Innenverteidiger seinen Platz für Roel Brouwers wird räumen müssen. Die Kombination Brouwers - Daems könnten dabei die in der Hinrunde gesammelten Erfahrungen ins Feld führen,  während Brouwers und Kleine ein personelles Experiment wäre. Möglich ist natürlich auch, dass Luhukay Steve Gohouri eine neue Chance gibt und damit das ursprünglich für diese Saison avisierte Stammduo wieder einführt.


Filip Daems müsste in diesem Fall nicht zwangsläufig aus dem Team fallen. Zum Innenverteidiger umfunktioniert wurde der Belgier in der Hinrunde ja insbesondere deshalb, weil Alexander Voigt links hinten erfreulich stark agiert hatte. Nachdem Voigt in der Rückrunde an diese Leistungen nicht annähernd anknüpfen konnte, wäre auch eine Rückkehr Daems‘ auf seine ursprünglich präferierte Position denkbar. Rechts in der Viererkette präsentiert sich Tobias Levels zurzeit leider als Unsicherheitsfaktor. Dennoch wäre es überraschend, wenn Luhukay ihn durch Kasper Bøgelund ersetzen würde, denn der Däne konnte in den letzten Testspielen wenig Werbung in eigener Sache machen und ohnehin dürfte Luhukay eine komplette Neubesetzung der Viererkette vermeiden wollen. Schade, dass im Trainingslager zwar Marcel Ndjeng, aber weder Eugen Polanski noch Sebastian Svärd auf dieser Position getestet wurden.

 

Borussias Offensive

 

Offensiv fand die Borussia in Hoffenheim, trotz des sich vorbildlich mühenden Rob Friend, weitestgehend nicht statt. Während im Sturm mit keiner Veränderung zu rechnen ist, werden im Mittelfeld wohl Ndjeng und Rösler zurückkehren. Dass deren Anwesenheit allerdings keine Garantie für erfolgreicheres Mittelfeldspiel ist, hat leider die Partie gegen Kaiserslautern belegt. Marco Marin ließ in Hoffenheim erneut Effizienz vermissen, aber dass Luhukay statt seiner auf den eben erst wieder genesenen Johannes van den Bergh und damit auf eine defensivere Lösung setzt, ist dennoch unwahrscheinlich. So dürfte sich Marin mit Soumaila Coulibaly um den verbleibenden Mittelfeldplatz streiten.

 

Der Gegner aus Mainz

 

In eigenartigem Gleichschritt marschieren Mainzer und Gladbacher durch die Saison. Gemeinsam abgestiegen, kassierten beide früh in der Saison jeweils eine deftige Niederlage (die Mainzer am zweiten Spieltag gegen Fürth), um sich dann aber in oberen Tabellenregionen festzuspielen. Auch ihre erste richtige Krise nehmen sie sich zur gleichen Zeit, wobei die Mainzer Resultate mit nur einem Punkt aus den letzten drei Partien noch magerer ausfallen. Anders als in Gladbach, haben die Mainzer Verantwortliche auch außerhalb des Fußballplatzes manche Baustellen zu bearbeiten. Eine Baustelle davon ist paradoxerweise, dass nicht gebaut werden kann: Gerne würde man die Planierraupen zum Europakreisel schicken, lange Wunsch-Standort des neuen Mainzer Stadions, doch von den 125 betroffenen Eigentümern des Areals wollten fünf nicht verkaufen. Inzwischen wurde die Suche nach Alternativstandorten intensiviert, unter denen das ehemalige Portlandgelände derzeit am aussichtsreichen erscheint. Die Finanzierung der Infrastruktur, insbesondere der Verkehrsanbindung, ist jedoch noch völlig offen, und so entwickelt sich das Projekt Stadionneubau zur unendlichen Geschichte. Gladbachfans werden das nachfühlen können.

 

Der Neubau gilt als dringend notwendig, um die Basis für Profifußball langfristig zu sichern. Die wirtschaftliche Richtungsentscheidung hat denn auch Auswirkungen auf eine sportliche: Um die Zukunft des Trainers, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, ranken sich wöchentlich neue Gerüchte; und eine baldige, positive Entscheidung in Sachen Stadionneubau würde zumindest die Chancen auf einen Verbleib Jürgen Klopps erhöhen. Der Übungsleiter und ZDF-Experte wird aktuell beim HSV als Nachfolger Huub Stevens‘ und neuerdings auch bei Red Bull Salzburg als Nachfolger Giovanni Trappatonis gehandelt. Welche Wertschätzung Klopp inzwischen genießt, belegt zudem eine Äußerung von Uli Hoeneß. Der Bayern-Manager ließ wissen, dass man ernsthaft über Klopp nachgedacht hätte, falls mit Jürgen Klinsmann keine Einigung zustande gekommen wäre.

 

Die Mainzer Verantwortlichen betonen unisono, Klopp in seiner Entscheidungsfindung keinesfalls unter Druck setzen zu wollen. Aber natürlich wissen sie um die medialen Mechanismen: Bei weiterem sportlichen Misserfolg würde in der Presse immer öfter darüber spekuliert werden, inwieweit die Spekulationen um Klopp die Mannschaft belasten. Wenigstens scheint Manager Heidel, der seinen Schicksal lange mit Klopps Weiterbeschäftigung zu verknüpfen schien, inzwischen willig, auch unabhängig von ihm in Mainz zu bleiben. Und so hoffen die Mainzer, dass Präsident Harald Strutz recht hat, wenn er von der „Strahlkraft des Vereins" spricht, die nicht allein von der Person des aktuellen Trainers abhänge.

 

Mainzer Defensive

 

Um Gelassenheit bemüht waren alle Mainzer Verantwortlichen auch am letzten Sonntag, sobald die Sprache auf den Blackout ihres Keepers kam. Kurz vor dem eigenen Strafraum hatte Daniel Ischdonat den Ball zu Neven Subotic spielen wollen. Dabei hatte er erstens Alexander Kotuljac völlig übersehen und zweitens den Ball so schlecht getroffen, dass er direkt vor die Füße des Fürthers hoppelte, der aus 18 Metern lässig einschob. Indes, es wenig dafür, dass die Mainzer ein Torwartproblem haben. Erstaunlicherweise, denn es gibt nicht viele Teams, die den mehrmonatigen Ausfall erst der Nummer eins und dann der Nummer zwei so leicht weggesteckt hätten. Nachdem sich zunächst Dimo Wache - im Abschlusstraining vor dem Hinspiel gegen Borussia - und später auch Christian Wetklo schwere Schulterverletzungen zugezogen hatten, wurde tatsächlich eine Nachverpflichtung in der Winterpause erwogen. Der Ex-Trierer Ischdonat aber löste seine Aufgaben so souverän, dass man hiervon wieder Abstand nehmen konnte, zumal sich auch Amateurkeeper Rainer Adolf im Training als Backup empfahl. Dimo Wache soll zwar am Montag erstmals wieder im Kader stehen. Ob er Ischdonat wird verdrängen können, ist aber durchaus offen.

 

Dass der FSV gegen Fürth ständig unter Druck geriet, hatte letztlich auch weniger mit Ischdonats Patzer als mit den Außenverteidigern zu tun, denen das aggressive Pressing des Gegners schwer zu schaffen machte. In Gladbach wird Klopp hier sicher personelle Konsequenzen ziehen. Rechts hinten dürfte Christian Demirtas seinen Platz zugunsten Tim Hooglands räumen müssen. Der von diversen Verletzungen gebeutelte 22-jährige bestand zumindest den Härtetest im Freundschaftsspiel der Mainzer Amateure gegen Wehen Wiesbaden II. Bei Schalke 04 noch Ergänzungsspieler, ist Hoogland in Mainz zur festen Größe avanciert. Auffällig ist die für einen Außenverteidiger in dieser Form ungewöhnliche Kopfballstärke, die er auch gern in der Offensive zur Geltung bringt: Zweimal traf Hoogland in dieser Spielzeit bereits per Kopf, ein weiteres Mal kurios per Rücken.

 

Ein großes Fragezeichen steht hinter der Besetzung des äußeren linken Gliedes der Viererkette. Definitiv ausfallen wird Stefan Markolf, der um seinen Platz nach enttäuschender Leistung gegen Fürth allerdings ohnehin hätte bangen müssen. Eine Alternative wäre Marco Rose, der indes aus privaten Gründen fehlen könnte: Seine Lebensgefährtin erwartet ihr erstes Kind. Rose hat eine wechselhafte Saison hinter sich: Anfangs verletzt, erarbeitete sich der 31-jährige zunächst einen Stammplatz, um dann gegen Ende der Hinrunde in ein Formtief zu fallen. Denkbar wäre auch, dass Demirtas von rechts nach links wechselt; der für seine Flexibilität gerühmte 23-jährige wurde ohnehin in dieser Saison von Jürgen Klopp fleißig hin- und hergeschoben. Wohl nicht für die Startelf, vielleicht aber als Einwechselspieler in Frage kommt Wellington Santos da Silva. Der Leihspieler von Gremio Porto Alegre hatte anfangs nicht nur sportlich mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen: Jürgen Klopp ließ im Dezember verlauten, er habe dem von deutscher Kälte überraschten Brasilianer erst mal in den Gebrauch der häuslichen Heizung einweisen müssen. Defensiv manchmal noch ungeschickt, hat der gute Flankengeber Wellington seine Stärken in der Offensive. Tatsächlich lieferte er seine bislang beste Saisonleistung ab, als er, zur Pause eingewechselt, gegen Osnabrück auf der linken offensiven Außenbahn das Mainzer Spiel mit ankurbeln konnte.

 

In der Innenverteidigung ist eine Position für Nikolce Noveski fest vergeben. Der mazedonische Nationalspieler kehrt nach abgesessener Rotsperre ins Team zurück. Noveski, vor der Saison heftigst vom 1. FC Köln umworben, ist zweifelsohne einer der stärksten, vielleicht der stärkste Innenverteidiger der Liga. Sein umstrittener Platzverweis gegen St. Pauli schwächte Mainz erheblich, öffnete allerdings eine Tür für einen Gladbacher Bekannten: Für Bo Svensson war die Saison bis dahin enttäuschend verlaufen. Angesichts der Abgänge Manuel Friedrichs und Ralph Guneschs hatte Svensson sich gute Hoffnungen auf einen Stammplatz machen können, als er im Sommer an den Bruchweg wechselte. Eine Achillessehnenverletzung verdammte ihn aber während der ersten sechs Spiele zum Zuschauen, und in der Zwischenzeit hatte sich der 19-jährige, vorher gänzlich unbekannte US-Amerikaner Neven Subotic fest ins Team gespielt. In der Hierarchie nun auf Platz Drei abgerutscht, stand Svensson in der Hinrunde nur viermal in der Startelf. Noveskis Rotsperre bescherte ihm nun zwei Einsätze in Folge, bei denen er sich anständig präsentierte. Interessant wird werden, ob Klopp nach Noveskis Rückkehr wieder auf die Hierarchie der Hinrunde und Svensson auf die Bank setzt, oder ob die Karten in diesem Jahr neu gemischt werden. Erst für die Zukunft eine Option ist Roman Neustädter, Sohn des Mainzer Amateurtrainers.

 

Gegen Fürth, als Jürgen Klopp erstmals auf die im Wintertrainingslage erprobte Mittelfeldraute baute, spielte Milorad Pekovic allein auf der Sechserposition und zeigte sich dabei im Passspiel nicht so souverän wie sonst. Der Montenegriner, der in dieser Saison in ausnahmslos jedem Spiel in der Startelf stand, agierte zuvor zumeist im Tandem mit Daniel Gunkel: In der  sogenannten „flachen Vier" - einer Art Viererkette im Mittelfeld - bildeten dabei beide die zentrale Schaltstelle zwischen Defensive und Offensive.

 

Gunkel wiederum gebührt das unfreiwillige Verdienst, den Wortschatz der Fußballfans um die Vokabeln Spondylolyse und Quaddel-Behandlung bereichert zu haben. Erstere bezeichnet eine Fehlbildung eines Wirbelfortsatzes, die zu Verspannungen und Nervenreizungen führen kann; letztere eine Spritze mit entspannender Wirkung. Bei optimalem Verlauf könnte zwar Gunkel kurzfristig wieder ins Training einsteigen. Letzter Stand der Dinge war bei Redaktionsschluss aber, dass ein Einsatz unwahrscheinlich ist. Als Gladbacher wird man Gunkel ohnehin raten, sich für die Genesung noch ein paar Tage Zeit zu nehmen. In unguter Erinnerung sind noch die zwei Freistöße, die Gunkel in der Hinrundenpartie im Borussentor versenkte. Diesen Treffern ließ er in der restlichen Hinrunde fünf weitere Tore folgen, darunter erneut zwei direkte Freistöße. In der Torschützenliste rangiert er so gleichauf mit Sascha Rösler, in der Scorerliste dank sechs Assists gar hinter Novakovic, Reichenberger und Neuville auf dem vierten Platz. Aber auch als defensiver Stabilisator ist der Ex-Cottbuser eminent wichtig für das Klopp-Team. Übersicht, Ballsicherheit und Ruhe erlauben es ihm dabei, Defizite in Sachen Schnelligkeit zu kompensieren.

 

Wird Gunkel nicht rechtzeitig fit, könnte sich Miroslav Karhan verstärkt in der Defensive engagieren. Der slowakische Rekordnationalspieler, meist auf der rechten Außenbahn eingesetzt, stand in dieser Zeit in 17 von 19 Spielen in der Mainzer Startelf, nachdem er in Wolfsburg in der letzten Saison oft nur Ersatz gewesen war. In Sachen Torgefahr kann er es bei lediglich einem Saisontreffer mit Gunkel zwar nicht aufnehmen, immerhin aber auf vier Assists verweisen.

 

Mainzer Offensive

 

Mit den vermutlich gesetzten Pekovic, Karhan und, rechtzeitige Gesundung vorausgesetzt, Gunkel,  sind im Mainzer Mittelfeld noch ein bis zwei Positionen zu vergeben. Nicht in Betracht kommt für die linke Außenbahn Elkin Soto: Der Kolumbianer, als Kreativspieler schmerzlich vermisst, ist zwar nach Kreuzbandriss und Leistenproblemen wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, soll aber frühestens nächste Woche wieder im Kader stehen. Im linken Mittelfeld spielen könnte dagegen Markus Feulner. Der Ex-Kölner, der in dieser Woche 26 wurde, erlebte eine an Höhen und Tiefen reiche Saison. Sie startete furios mit vier Toren in den ersten fünf Spielen (davon eines gegen die Borussia), plus einem Treffer im Pokal, bevor Feulner die Torproduktion komplett einstellte. Zwischenzeitlich mit Innenbandriss knapp zwei Monate ausgefallen, sucht er noch nach der starken Form des Saisonbeginns.

 

Andere Mittelfeldkandidaten wären Nejmeddin Daghfous, Fabian Liesenfeld, der vielfältig verwendbaren Demirtas und schließlich die Gebrüder Vrancic. Von den beiden Deutsch-Kroaten kam der 22-jährige Damir, in dieser Saison bereits dreizehnmal zum Einsatz kam und erzielte dabei zwei Treffer. Seinem vier Jahre jüngerer Bruder Mario attestiert nicht nur Horst Hrubesch, sein Trainer bei der U19-Nationalelf, großes Talent. Der Linksfuß ist ein Mann für geniale Pässe, in der Defensive aber oft noch zu unbedarft. In der Hinrunde nur selten und fast nur als Joker eingesetzt, dann durch eine Schlüsselbein-OP gebremst, konnte Mario Vrancic im Wintertrainingslager gerade auch durch verbessertes Zweikampfverhalten auf sich aufmerksam machen. Im jüngsten Testspiel der Mainzer Amateure gegen Wehen II war er an allen drei Treffern beteiligt.

 

Schließlich könnte Klopp sich für Chadli Amri entscheiden, vorausgesetzt, der angeschlagene Algerier wird rechtzeitig wieder fit. Kann Amri am Montag auflaufen, dann wird das wohl wieder im offensiven Mittelfeld geschehen. Gegen Fürth konnte er auf dieser Position allerdings wenig Werbung in eigener Sache betreiben. Ohnehin scheint sich Amri, der dann am gefährlichsten wird, wenn er genug Raum hat, um seine Schnelligkeit auszuspielen, im Sturm am wohlsten zu fühlen. Hier tritt er allerdings eher als Vorbereiter (fünf Assists) denn als Torschütze (zwei Treffer) auf.

 

Die Plätze im Sturm dürften allerdings für das Duo Isaac Boakye und Félix Borja reserviert sein. Borja ist mit neun Treffern erfolgreichster Torschütze der Rheinhessen, und wird zudem als Ballverteiler in vorderster Linie geschätzt. Obwohl nur 1,80 groß, besticht der ecuadorianische Nationalstürmer mit Spitznamen „Känguru" durch enorme Sprungkraft. Sein Einsatz am Montag gilt als nicht gefährdet, auch wenn er unter der Woche zwischenzeitlich nur Lauftraining bestreiten konnte. Sein neuer Sturmpartner Isaac Boakye war schon 2003 zum Probetraining am Bruchweg vorstellig geworden, eine Verpflichtung damals aber finanziell nicht realisierbar gewesen. Dennoch sind sich Boakye und Klopp seitdem in gegenseitiger Hochachtung verbunden, so dass die Mainzer nun zugriffen, als sich die Möglichkeit bot, Boakye in der Winterpause aus Wolfsburg auszuleihen. Gegen Fürth konnte Boakye immerhin seinen ersten Treffer im neuen Trikot feiern.

 

Für das Spiel in Gladbach nicht in Frage kommt Petr Ruman, der im Oktober den zweiten Bandscheibenvorfall seiner Laufbahn erlitt. Allenfalls Hoffnung auf einen Platz auf der Bank machen können sich Ranisav Jovanovic, Francis Laurent und Srdjan Baljak. Speziell von Baljak hatte man sich in Mainz vor der Saison viel mehr versprochen. Der weitgereiste Serbe, im letzten Jahr in seiner Heimat noch Torschützenkönig, hätte die Lücke füllen sollen, die Mohamed Zidans Weggang gerissen hatte. Baljak konnte seine Vorschusslorbeeren jedoch zu keiner Zeit rechtfertigen. So kam der 29-jährige zwar auf elf Saisoneinsätze, davon aber nur auf sechs von Beginn an und nur auf einen über die volle Spielzeit. Ein Torerfolg blieb ihm dabei versagt.

 

Schiedsrichter

 

Mit der Erfahrung von 174 Erst- und Zweitligapartien sowie diversen Einsätzen in UEFA-Cup-, Champions League- und Länderspielen, kommt Knut Kircher in den Borussenpark. In der Bundesliga war Kircher bei seinen zehn Spielen mit Gladbacher Beteiligung vor allem auf Partien gegen Bayern München (viermal) oder gegen norddeutsche Vereine (fünfmal) abonniert. In der laufenden Saison pfiff Kircher den 3:2-Sieg der Borussia bei Erzgebirge Aue. Dabei übersah er ein klares Handspiel Alexander Voigts im Strafraum übersah ebenso wie auf der anderen Seite, hier von Assistent Kempter schlecht beraten, die Abseitsstellung Tom Geißlers beim zwischenzeitlichen Auer Ausgleich. Am Montag heißen seine Assistenten Christian Schräer und Marco Fritz.

 

Bilanz

 

Zum dritten Mal tritt die Borussia in ihrer Zweitligageschichte gegen den FSV Mainz 05 an. In bester Erinnerung ist dabei der vorletzte Spieltag, als die Borussia mit einem fulminanten 6:1 nicht nur drei wichtige Punkte holte, sondern auch ihr Torverhältnis nährte und sich dadurch wenigstens noch eine Woche lang Hoffnung machen konnte, Energie Cottbus doch noch vom dritten Platz zu verdrängen. Dabei waren die Gäste nach einer knappen halben Stunde durch den heutigen Wehener Trainer Christian Hock in Führung gegangen. Kurz vor der Pause aber konnte Marcel Ketelaer ausgleichen und ein Doppelschlag durch Chiquino und Igor Demo gleich nach Wiederanpfiff zündete ein Offensivfeuerwerk, in dem noch zweimal van Lent und einmal Marcel Witeczek für weitere Glanzlichter sorgen sollten.

 

Nur wenige Monate später, im September 2000, trennten sich beide Teams im Bökelberg mit 1:1, wobei die Tore durch zwei Elfmeter im Abstand von nur einer Minute fielen. Peter Nielsen war für die Gladbacher, Abderrahim Ouakili für die Mainzer erfolgreich. 1:1 war auch das Standardergebnis in der Bundesliga. Gleich zweimal endete die Begegnung so, wobei der Mainzer Ausgleich jeweils kurz vor Schluss fiel und weiträumige Veitstänze des Mainzer Trainers initiierte. 1:0 schließlich siegte die Borussia im Oktober 2005; eine Heimniederlage gab es gegen Mainz noch nicht.

 

Aufstellungen

 

Borussia: Heimeroth - Levels, Gohouri, Brouwers, Voigt - Paauwe - Ndjeng, Marin - Rösler - Friend, Neuville.

Ersatz: Gospodarek, Bøgelund, Kleine, Daems, Schachten, Fleßers, van den Bergh, Svärd, Polanski, Touma, Baumjohann, Rafael, Lamidi.

Es fehlt: Colautti (verletzt).

 

Mainz: Ischdonat - Hoogland, Noveski, Subotic, Rose - Daghfous, Karhan, Pekovic, Feulner - Borja, Boakye.

Ersatz: Wache, Demirtas, Svensson, Markolf, Wellington, Liesenfeld, D. Vrancic, M. Vrancic, Amri, Baljak, Jovanovic, Laurent.

Es fehlen:Wetklo, Gunkel, Soto, Ruman (alle verletzt).

 

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)

Assistenten: Christian Schräer (Emsdetten), Marco Fritz (Korb).

 

SEITENWAHL-Meinung

 

Christoph Clausen: Ich wünschte, ich könnte den Optimismus mancher Redaktionskollegen teilen. Ich befürchte ein erneutes Gewürge, an dessen Ende wahrscheinlich wieder kein Sieg steht. Mit ganz viel Prinzip Hoffnung ringe ich mich dennoch zu einem 2:1-Tipp durch.

 

Mike Lukanz: Da haben wir ihn: den Salat mit Namen "Fehlstart". Ein Punkt aus zwei Spielen ist nie zufriedenstellend, die Art und Weise, wie dieser mickrige Punkt zustandegekommen ist, macht das Ganze (fast) noch schlimmer. Das ist der status quo, und jetzt kommt Mainz 05. Der ach so sympathische Spaß-Club. Wäre Jürgen Klopp, der Kerner inzwischen ein hartes Duell um die höchste Präsenz im ZDF bietet, nicht im Nebenberuf Trainer der FSV, spielte der Verein in der gleichen emotionalen Liga wie Paderborn, Aue oder Augsburg. In der gleichen sportlichen Liga sind Borussia und der FSV, daher ist ein zweimaliges Aufeinandertreffen unausweichlich. Revanche fürs Hinspiel, Ausrufezeichen setzen für die Konkurrenz: 4:0 für Borussia.

 

Thomas Zocher: Es ist unglaublich wie Borussia in Hoffenheim einen Sieg aus der Hand warf, aber es ist auch bedenklich mit welcher Wut manch Anhänger dies quittierte. Als hätte es 15 niederlagenfreie Spiele und den berauschenden Sturm an die Tabellenspitze der Liga nicht gegeben. Für das Spiel gegen Mainz wird man die Mannschaft nicht sonderlich motivieren müssen, als Motivationsvorlage müsse das Hinspielresultat dienen. Die Borussia gewinnt 3:1.

 

Michael Heinen: Vor dem Lautern-Spiel war man siegessicher. Vor Hoffenheim noch halbwegs zuversichtlich. Vor dem Mainz-Spiel hingegen ist völlig unsicher, was von unserem Dream-Team zu erwarten sein wird. Da der Gegner aber derzeit genauso schwächelt und wir daheim endlich wieder eine Macht werden müssen, tippe ich optimistisch auf einen 2:1-Sieg unserer Borussia.

 

Christian Heimanns: Das saß. Schön mal vier Tore in einer Halbzeit kassiert, das dürfte jeden auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Daher wird Borussia wieder deutlich engagierter auftreten und Mainz knapp aber verdient mit 1:0 besiegen.

 

Hans-Jürgen Görler: Kaum hat die Borussia drei Spiele in Folge nicht gewonnen, schon werden einige unruhig. Dabei hätten sich vor dieser Spielzeit alle mit einem dritten Rang zufrieden gegeben, auch wenn dieser nur durch das Torverhältnis zustande gekommen wäre. Nun stehen wir seit dem siebten Spieltag souverän auf einem Aufstiegsplatz, und trotzdem kehrt keine Ruhe ein. Traurig, traurig, und genauso unverständlich wie die derzeitige Einstellung der Mannschaft, die wohl nach der überragenden Hinserie angenommen hatte, dass alle gegnerischen Teams in der Rückrunde vor Ehrfurcht erstarren und die Punkte freiwillig abliefern. Die Niederlage gegen Wen-interessiert-denn-Hoffenheim kam zur rechten Zeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Weckruf gereicht hat. Gegen den FSV Mainz 05 mit seinem ewig grinsenden Berufsjugendlichen an vorderster Front gelingt einer wie ausgewechselt auftretenden Borussia ein 3:1.

 

Der FSV Mainz 05 im Internet:

Offizielle Homepage

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