Es ist ein Spektakel, wenn diese Mannschaften aufeinandertreffen. Der Münchener Fanblock ist bemüht, hat jedoch gegen die lautstarke Unterstützung der Borussen keine Chance. Auf der Tribüne geben sich zahlreiche Ehrengäste die Klinke respektive die Champagnergläser in die Hand. Die Rollen sind bereits vor Anpfiff verteilt: der souveräne Spitzenreiter trifft auf auf einen in der laufenden Saison insgesamt enttäuschenden Gegner. Doch bevor der Schiedsrichter die Partie freigibt, ertönt nach pathetisch-kitschigem Vorprogramm die Nationalhymne, und ein letztes Mal singen alle Zuschauer gemeinsam. Keine Frage, ein DFB-Pokalendspiel ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Wenn am kommenden Sonntag erneut eine Borussia auf eine Münchener Mannschaft trifft, wird der Rahmen ingesamt etwas kleiner ausfallen. Und beide Mannschaften werden nur diese 90 Minuten Zeit haben, das Spiel für sich zu entscheiden.

Hoffen wir, dass es die Mönchengladbacher Borussia besser macht als ihre kleine Namenscousine aus Dortmund. Sportlich erfolgreicher ist sie allemal und auch ihr Trainer Luhukay hat zurzeit keinen Anlass, eine eher lustig anmutende Wutrede vor versammelter Presse abhalten zu müssen.
Die paar Tage Pause zusätzlich, die das oben angesprochene DFB-Pokalfinale den übrigen 34 Proficlubs am vergangenen Wochenende bescherte, wird vor allem Jos Luhukay benötigt haben. Das äußerst glückliche 2:2 in Jena am vergangenen Spieltag war Wasser auf die Mühlen seiner Argumentation und seiner zurückhaltenden Euphorie. Vor allem nach dem nahezu perfekt verlaufenden 28. Spieltag und dem 3:0-Heimsieg gegen Greuther Fürth, als ein Großteil des Mönchengladbacher Umfelds bereits den Aufstiegssekt orderte und kalt stellte. Während des Spiels in Jena hatte man als Beobachter den Anschein, dass Borussias Akteure von diesem Sekt schon in ausreichendem Maß getrunken haben müssen, so unerklärlich schlecht und unkonzentriert war das Auftreten beim Tabellenvorletzten der Liga. Selbst sonst so souverän agierende Spieler wie Roel Brouwers und allen voran Patrick Paauwe waren kaum wiederzuerkennen. Dass nicht nur die Niederlage in Jena mit viel Glück abgewendet werden konnte, sondern dass Borussia mit diesem schlechten Spiel sogar ihren Vorsprung auf Platz 2 ausbauen konnte, scheint einmal mehr die oft bemühte Floskel zu bedienen, dass derjenige, der oben steht, das Glück auf seiner Seite hat.

Borussias Defensive

Nimmt man lediglich den vergangenen Maßstab als Grundlage für diesen Absatz, so müssten an dieser Stelle von tiefen Sorgenfalten im Stirnbereich geprägte Worte folgen. Bis auf Christofer Heimeroth, der seit Wochen in überragender Form agiert, war der komplette Abwehrverbund einschließlich Patrick Paauwe nahezu ein Totalausfall. Die Kollegen von TORfabrik.de vergeben selten die Note „5.0". Dass sie dies nach dem Spiel gegen Jena gleich dreimal taten - dazu eine 4,5 für Roel Brouwers -, spricht Bände. Tobias Levels wurde bereits Mitte der ersten Halbzeit ausgewechselt, sein Pendant auf der linken Seite, Alexander Voigt, ebenso verdient zur Halbzeitpause. Am meisten beunruhigte jedoch der Auftritt Paauwes. Der Niederländer, sonst selber in schwachen Spielen seiner Kameraden neben ihm immer ein leuchtendes Beispiel an Einsatz und Konzentration, war meilenweit von der Form entfernt, die ihn zu einem der besten Spieler der 2. Bundesliga gemacht haben. Skeptiker warfen unmittelbar nach Abpfiff die Frage auf, ob es am Niveau eines Jan Simaks lag, das Paauwe schlicht überforderte. Bejahte man dies, dürfte dies vor allem Christian Ziege Kopfschmerzen bereiten, denn in der Bundesliga tummeln sich einige Spielmacher von der Klasse Simaks - und besser. Doch, bei aller berechtigen Sorge ob des Auftritts in Thüringen, sollte man auch beim „Iceman" Paauwe die Kirche im Dorf lassen und ein zugegeben sehr schwaches Spiel sei auch ihm zugestanden. Nach wie vor ist er einer der Eckpfeiler der Mannschaft und des Erfolges.

Ob und wieweit der vergangene Spieltag Rückschlüsse auf eine mögliche Startaufstellung gegen 1860 München am Sonntag zulässt, ist an dieser Stelle kaum zu beantworten. Steve Gohouri wird seine Verletzung aus dem Fürth-Spiel bis Sonntag nicht auskuriert haben und da Jos Luhukay selten in Aktionismus verfällt, läuft vieles darauf hinaus, dass er mit der gleichen Formation gegen die „Löwen" beginnen wird, die auch schon in Jena begann. Wenn diese Formation am Ende des Spiels in gleicher Besetzung auf dem Feld steht, wird sie ihren Job ordentlich absolviert haben. Noch schlechter als in Jena geht's ohnehin kaum.

Borussias Offensive

Sicher, die Defensive musste und muss harte Kritik einstecken. Doch spätestens seit Klinsmann und Löw wissen wir doch alle, dass immer die gesamte Mannschaft verteidigt und angreift. Doch um unsere klassischen Absätze zu retten, nehmen wir dennoch eine Unterteilung vor. Was ist also über Borussias Offensive zu sagen? Sascha Rösler hat nun bereits zwei schwächere Spiele am Stück, doch für ihn gilt das Gleiche wie für Paauwe: er ist gesetzt. Wenn Paauwe das Hirn der Mannschaft ist, dann ist Rösler das Herz. Wenn wir an dieser oder andere Stelle in naher Zukunft über die Saison 2007/08 sinnieren sollten, werden - wie einst in Hans Meyers Aufstiegself anno 2001 - einige Namen immer wieder fallen. Röslers Name wird dabei sein.

Marko Marin, das war die positive Überraschung des letzten Spiels, stemmte sich gegen die Niederlage und den Trend der um sich greifenden Lethargie. Seine Form ist seit einigen Spielen auf einem konstant hohen Niveau, zudem waren die beiden Tore gegen Fürth sicherlich ebenso motivationssteigernd. Natürlich darf und wird das Wohl eines gepflegten Offensivspiels nicht alleine vom 19-jährigen Marin abhängen, insofern sind nach dem kleinen moralischen Rückschlag (zur richtigen Zeit?) in Jena wieder alle gefordert. Marin wird spielen, auf dem zweiten Flügel heißt es wie so oft: Coulibaly oder Ndjeng? Sharbel Touma befindet sich zwar wieder im Mannschaftstraining, an einen Einsatz von Beginn an ist jedoch nicht zu denken.

Jetzt hat er also wieder getroffen. Roberto Colautti rettete mit seinen beiden Kopfballtoren den Punkt im Ernst-Abbe-Sportfeld zu Jena. Beim ersten Tor noch mit dem nötigen Quäntchen Glück auf seiner Seite, unterstrich der zweite Treffer seine ganze Klasse. Timing, Körperhaltung und Kraft waren bei diesem Kopfball nach Marins Ecke lehrbuchreif. Regelmäßige Beobachter des Mönchengladbacher Trainings am BorussiaPark schwärmen bereits seit längerer Zeit von der Kopfballstärke Colauttis. Eine Fähigkeit, die man ihm auf den ersten Blick nicht unbedingt ansieht, die ihn aber zu einem kompletten Stürmer macht. Er verbindet die technischen Qualitäten eines Neuville mit der Kopfballstärke eines Rob Friend. Doch, allen Lobeshymnen zum Trotz, zu einem Einsatz von Beginn an wird es erneut nicht kommen. Wenn bis Saisonende nichts mehr Gravierendes passiert, werden Neuville und Friend das Sturmduo sein, das Borussias Aufstieg mit Toren untermauern soll und wird. Colauttis Zeit wird kommen, früher oder später. Für die kommenden fünf Spieltage zählt ohnehin nicht das „Wer", sondern nur das „Ob".

Der Gegner aus München

Zu Beginn der Saison wiederholte sich ein Spiel, das zu diesem Zeitpunkt bereits in seine vierte Runde ging. Als Favorit auf den Aufstieg galt der Traditionsclub aus der bayerischen Landeshauptstadt zwar nicht, aber das Attribut „Geheimfavorit" war ihm sicher. Vielleicht liegt es am berühmten Namen, am Heimatort des Clubs oder an Erinnerungen aus mehr oder minder erfolgreichen Erstligajahren: dass die 60er bereits ihr viertes Jahr in Folge im Unterhaus absolvieren, haben viele noch immer nicht wirklich realisiert. Die Mönchengladbacher Borussen werden dies am ehesten wissen, war der Gegner vom Sonntag doch Ehrengast am 34. Spieltag der Saison 2003/04, als der so geliebte und legendäre Bökelberg zum letzten Mal seine steilen Ränge öffnete. Damals erwiesen sich die „Löwen" als gute und höfliche Gäste, verloren artig mit 1:3, erlaubten Arie van Lent sein Tor im letzten Spiel für Borussia und verhalfen zudem Uwe Kamps zu einem kurzen Comeback zwischen den Pfosten. Dass den Münchenern damals nicht zum Feiern zumute war, hat auf Mönchengladbacher Seite wenige gestört. Borussia war bereits vor dieser Partie gerettet, der Abstieg für 1860 wurde erst an diesem finalen Spieltag besiegelt.

Das Unternehmen Wiederaufstieg in der Saison 2004/05 wurde nur knapp verfehlt, am Ende fehlten vier Punkte auf Eintracht Frankfurt. Ein Wiedersehen mit der Regionalliga Süd, aus der man sich Mitte der 90er zurück in die Bundesliga kämpfte, hätte es dann ein Jahr später fast gegeben. Ein mickriges Pünktchen mehr als Dynamo Dresden rettete 1860 München damals vor dem Abstieg in die Regionalliga. In der vergangenen Spielzeit dann ein Platz im grauen Mittelfeld, das aller Voraussicht nach auch nach Ablauf dieser Saison warten wird. Wohin führt also der Weg der Münchener? Nominell gar nicht schlecht besetzt, erlebt die von Trainer Marco Kurz verantwortete Truppe immer wieder Rückschläge. Die fehlende Konstanz ist das größte Problem in dieser Saison. Immer dann, wenn es galt, einen sogenannten „big point" zu setzen, scheiterten die 60er kläglich und dies mit Vorliebe in der heimischen Allianz-Arena. Nur einmal, da war das Scheitern eher unglücklich als kläglich. Im Viertelfinale des just beendeten DFB-Pokalwettbewerbs verlor man gegen den Stadtrivalen aus München nach 120 Minuten und großem Kampf mit 0:1, als Frank Ribéry in der letzten Spielminute lässig-arrogant einen fragwürdigen Elfmeter verwandelte. Die Niederlage war hoch verdient, das Zustandekommen sicherlich unglücklich, jedoch ein Spiegelbild der Saison. Das große Verletzungspech der laufenden Runde tat sein Übriges dazu. Dennoch: die Mannschaft steht schlechter dar, als sie in Wirklichkeit ist. Borussias größter Vorteil könnte sein, dass die Saison für ihren Gegner praktisch gelaufen ist. Bei elf Punkten Rückstand auf Platz 3 und deren neun auf die Abstiegsplätze wird nichts mehr anbrennen, weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Münchener Defensive

Mit 35 Gegentoren gehört die Münchener Abwehr nicht zu den schlechtesten im Unterhaus, kassierte man damit lediglich fünf mehr als der Tabellenführer und kommende Gegner. Das Problem in dieser Saison sind eher die zu wenig erzielten Tore. Hier konnte man am Niederrhein 17 Tore mehr bejubeln. Die wenigen Gegentreffer haben die Löwen-Fans auch ihren Torhütern zu verdanken, denn Philipp Tschauner und sein Konkurrent Michael Hofmann spielen eine gute Saison. Tschauner war als Nummer 1 in die Saison gestartet, verletzte sich allerdings vor dem Auswärtsspiel in Aachen am Kreuzband, so dass Hofmann ihn ab dem fünften Spieltag vertrat, was er in der Summe mehr als ordentlich tat. Exakt ein halbes Jahr nach seiner Kreuzbandverletzung kehrte Tschauner dann ins Tor der Gäste zurück, eben gegen die Alemannia aus Aachen, wobei er kurioserweise auch von einer Verletzung Hofmanns profitierte. Seit diesem 22. Spieltag vertraut Marco Kurz wieder der Jugend in Person von Tschauner (22 Jahre), der Routinier und treueste 60er-Profi Hofmann (35 Jahre) sitzt auf der Bank.

In der Abwehr ist Gregg Berhalter gesetzt. Der US-Amerikaner ist der Chef der Münchener Abwehr - zumindest bis zum letzten Spieltag, denn beim 2:1-Heimsieg gegen Wehen Wiesbaden saß Berhalter nur auf der Bank. Im für die Münchener schwierigen Auswärtsspiel in Mönchengladbach wird Kurz der Erfahrung Berhalters allerdings vertrauen. Neben dem 34-jährigen Routinier wird Markus Thorandt auflaufen. In Fürth beendete dieser seinen Auftritt bereits vor dem Halbzeitpfiff mittels gelb-roter Karte, gegen Wiesbaden avancierte er dann zum Matchwinner seines Teams. Zum erzielten Führungstor zeigte er zudem eine lupenreine Vorstellung in der Defensive. Links in der Viererkette wird entweder Benjamin Schwarz oder Torben Hoffmann verteidigen, auf der rechten Seite ist Fabian Johnson gesetzt. Beide Außenverteidiger sind junge Talente, dennoch mäßig konstant in ihren Leistungen. Gegebenenfalls wird mit Defensiv-Allrounder Hoffmann die größere Erfahrung auflaufen.

Ein Lichtblick in der Münchener Mannschaft sind ohne Zweifel die Bender-Zwillinge, Lars und Sven. Schon im jungen Alter von 18 Jahren haben sich beide zu festen Größen innerhalb des Teams entwickelt. Dass sie bisweilen gar die wichtige Position vor der Abwehr einnehmen (zum Teil auch nebeneinander), unterstreicht sowohl das Vertrauen des Trainers als auch ihr Potenzial. Fehlerlos agieren beide altersbedingt noch nicht, wirken aber erstaunlich abgeklärt in ihrer Spielweise. Ein weiterer Vorteil: sie sind flexibel im Mittelfeld einsetzbar. Am Sonntag werden sie zudem im BorussiaPark ihren 19. Geburtstag feiern. Herzlichen Glückwunsch vorab! Rein taktisch wird Marco Kurz auf ein 4-5-1 setzen, sollte er sich für die sichere Variante entscheiden. Erfahrungsgemäß hat Borussia mit einem tief stehenden Gegner eher Probleme, auf der anderen Seite haben die Gäste in dieser Saison nichts mehr zu verlieren.

Münchener Offensive

Beim Blick auf die Offensive der Gäste fallen aus Mönchengladbacher Sicht drei Namen besonders auf. Da ist Berkant Göktan, der 1999 für wenige Monate auch das Trikot mit der Raute vom Niederrhein trug, sich aber damals in jungen Jahren noch nicht durchsetzen konnte. Nach Stationen in Bielefeld, bei den Bayern, Galatasaray und Besiktas Istanbul und dem 1.FC Kaiserslautern scheint der inzwischen 27-jährige Türke endlich richtig angekommen zu sein. Zu Beginn der Saison stark gestartet, warf ihn eine Verletzung Mitte der Hinrunde aus der Bahn. Erst am 24. Spieltag, im Heimspiel gegen Mainz 05, feierte Götkan sein Comeback und erzielte seither zwei Tore, was seine Saisonbilanz auf acht erzielte Treffer hochschraubt. Zuletzt mit ansteigender Form.

Ein aus Gladbacher Sicht ebenso geläufiger Name ist natürlich Daniel Bierofka. Der ehemalige Nationalspieler hat eine ähnlich bewegte und wechselhafte Karriere hinter sich wie Göktan. Sein Handspiel gegen Borussia, noch im Trikot von Bayer Leverkusen, wird dabei auf ewig in Erinnerung bleiben. Dazu kann sich Bierofka offiziell "Deutscher Meister" nennen, gehörte er noch in der letzten Saison zum Meisterteam aus Schwaben. Der erfahrene Mittelfeldspieler ist in dieser Saison ein Leistungsträger der jungen Mannschaft. Er ist technisch stark und torgefährlich, neben sieben Torvorlagen konnte er sechs eigene Tore erzielen. Ihn aus dem Spiel zu nehmen wird einer der Schlüssel zum Erfolg für die Mannschaft von Jos Luhukay sein.

Eine Erwähnung wert ist zudem ein Spieler, der am Sonntag verletzungsbedingt gar nicht mit von der Partie sein wird. Markus Schroth, zu Beginn der Saison vom 1.FC Nürnberg an die Isar zurückgekehrt, hat in der laufenden Spielzeit noch nicht eine Minute für seine Mannschaft auflaufen können. Eine Knieverletzung, die er sich im Sommertrainingslager 2007 zuzog, hindert ihn bis heute an einem Einsatz. Doch beim Namen Schroth werden viele Gladbacher ähnlich zucken wie es vielleicht nur die Kölner tun, wenn sie Arie van Lent hören. 61 Tore erzielte Schroth in seiner bisherigen Karriere allein in der Bundesliga, die meisten davon bei seinem ersten Engagement für die 60er aus München. Aus Gladbacher Sicht hat er davon - gefühlt - mehr als die Hälfte gegen Borussia erzielt. Auch wenn wir ihm von dieser Stelle aus gute Besserung wünschen, so darf man auch mal froh sein, wenn ein Spieler des Gegners ausfällt.

Im Gäste-Sturm probierten sich in der laufenden Saison aufgrund der geschilderten Verletzungsproblematik schon einige Akteure. Der ehemalige Rostocker Antonio di Salvo wird am Sonntag sein Glück versuchen und dabei testen, ob er auf eine ähnlich schwache Abwehr trifft, die Jan Simak & Co. große Freude bereitet hat. Bereits am ersten Spieltag erzielte di Salvo drei Tore beim souveränen 6:2 gegen überforderte Augsburger Gastgeber, was damals vor allem den Rostocker Fans die Verwunderung in die Augen trieb. An der Ostsee hatte sich di Salvo das Prädikat „Chancentod" in fünf Jahren redlich und zurecht verdient. Nach acht Spieltagen dieser Saison stieg sein Trefferkonto dann schon auf sieben - was bis heute Bestand hat. Fairerweise muss hinzugefügt werden, dass ihn ein Syndesmoseriss drei Monate außer Gefecht setzte. Mit Schroth, di Salvo und Götkan fielen Trainer Kurz in dieser Saison drei Stammspieler aus, was wiederum Mustafa Kucokovic des öfteren die Ehre erbrachte, von Beginn an auflaufen zu dürfen. Nutzen konnte er die Chance indes nicht. Lediglich drei Tore in 20 Einsätzen sind zu wenig.

Schiedsrichter

Mit der Schiedsrichteransetzung beweist der Deutsche Fußball-Bund eine Portion Mut, entsendet er mit dem 31-jährigen Tobias Christ aus Kaiserslautern zu diesem Spiel einen Referee, der zur Zeit seine erste Saison als Schiedsrichter im deutschen Profifußball absolviert und dessen erst siebter Saisoneinsatz diese Partie ist. Vom TB Jahn Zeiskam kommend und seit 2004 der Schiedsrichterei fröhnend, leitete Christ zuletzt im März beim Spiel Augsburg gegen Paderborn (0:1) eine Zweitligapartie und verwies bei dieser Begegnung während der 2. Halbzeit den reklamierenden Ralf Loose von Augsburg auf die Tribüne. Insgesamt macht der als Redakteur arbeitende Christ in seiner Debütspielzeit einen ordentlichen Eindruck, ist aber vor Fehlern aufgrund mangelnder Erfahrung nicht immer gefeit.

Bilanz

Der Vergleich gegen die Löwen fällt recht ausgeglichen aus. Insgesamt wurden in 35 direkten Duellen 13 gewonnen, bei 10 Unentschieden und 12 Niederlagen. Das 3:1 im Bökelberg-Abschiedsspiel ist in diesem Vorbericht bereits thematisiert worden. Im Kurzzeitgedächtnis verhaftet ist zudem die aus Gladbacher Sicht bittere 3:4-Niederlage in der 2. Runde des DFB-Pokals 2001/02, als man eine 3:1-Führung zur Halbzeit nicht über die Zeit retten konnte und Martin Max (!), Davor Suker und Michael Wiesinger in der zweiten Hälfte für die damaligen Gastgeber trafen. Das Hinspiel in der Allianz-Arena endete torlos.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng, Rösler, Marin - Neuville, Friend
Ersatz: Gospodarek, Bögelund, Polanski, Rafael, Colautti, Coulibaly, Kleine
Es fehlen: van den Bergh, Schachten, Gohouri, Touma, Svärd (alle verletzt, bzw. mit Trainingsrückstand)

1860 München: Tschauner - Johnson, Thorandt, Berhalter, B.Schwarz - D. Schwarz, L. Bender - Wolff, Göktan, Bierofka - di Salvo
Ersatz: M. Hofmann, T. Hoffmann, Szukula, S. Bender, Kucukovic, Gebhart, Holebas
Es fehlen: Eberlein, Burkhard, Schroth, Ghvinianidze (alle verletzt, bzw. mit Trainingsrückstand)

Schiedsrichter: Tobias Christ (Kaiserslautern)
Schiedsrichterassistenten: Torsten Bauer, Raphael Seiwert

SEITENWAHL-Meinung

Thomas Zocher: Es ist schon merkwürdig. Vor einem Jahr ist die Borussia mit Pauken und Trompeten aus der 1. Bundesliga abgestiegen und jetzt möchte mancher Anhänger von der Mannschaft schon für das Remis in Jena eine "Wiedergutmachung" fordern. So absurd wird gern gedacht und es drängt sich dabei der Verdacht auf, dass der, der so denkt, hier enttäuscht wird. Das 2:1 über den TSV 1860 ist mehr in die Kategorie "Arbeitssieg", als in die Kategorie "Galavorstellung" einzuordnen.

Michael Heinen: Für 1860 ist die Saison bereits vor dem Spiel gelaufen. Für Borussia wird sie es 90 Minuten später ebenfalls sein. Mit 2:0 setzt man sich gegen die inzwischen allzu zahmen Löwen durch und ist damit faktisch - wenn auch noch nicht ganz rechnerisch - aufgestiegen.

Mike Lukanz: Das erkämpfte, aber am Ende verdiente 2:0 gegen den TSV 1860 wird nach Schlusspfiff wieder dafür sorgen, dass sich die Fragen der Fans und Teilen der Presse nur nach Datum und Ort der Aufstiegsfeier richten. Aber wer will es ihnen verübeln nach diesen letzten Monaten? Übrigens, an den Leser: am Ende einer Saison (und damit auch des Redaktionstippspiels) werden die Tipps der Kollegen immer ähnlicher, mal darauf achten!

Christoph Clausen: Nach langem Zwischentief schnuppern die Löwen wieder zaghaft am Aufwärtstrend. Falls die Borussia das Spiel mit größerem Ernst angeht als die Partie in Jena, sollten drei weitere Punkte auf dem Weg zurück in die Bundesliga aber dennoch möglich sein. Nach dem 3:1-Sieg wird man sich indes bei Christofer Heimeroth dafür bedanken müssen, dass es bei nur einem Gegentor blieb.

Christian Heimanns: „Eine Mannschaft im gesicherten Mittelfeld kann unbeschwert aufspielen, die sind gefährlich." Dafür sind sie auch nicht so motiviert, ein Spiel über die ganze Länge vollmotiviert durchzuziehen, wenn sie in der ersten halben Stunde konzentriert unter Druck gesetzt werden. Das sollte genügen, um die Münchener mit 2:0 zu schlagen.

Hans-Jürgen Görler: 1860 München - stark angefangen, stark nachgelassen. Nur die Älteren uns erinnern sich noch daran, dass die 60er von Spieltag 1 bis Spieltag 7 auf Platz 1 der Tabelle standen. Derzeit geht der Blick der Münchener aber eher nach unten als nach oben. Trotzdem wird es für die Borussia kein leichtes Spiel. Aber ein 2:1 sollte schon machbar sein.


Der TSV 1860 München im Internet: Offizielle Homepage , Löwenforum
Der TSV 1860 München im SEITENWAHL-Zweitligacheck: TSV 1860 München

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