Zum Teil entstehen innerhalb einer Saison Parallelen, die auf dem ersten Blick mit nüchternem Blick schwer zu greifen sind. Man schrieb die 71. Minute im BorussiaPark, als Alexander Baumjohann einen Sololauf über 60 Meter startete, diesen mit dem 3:0 abschloss und damit den vorläufigen Höhepunkt einer Partie setzte, in der Borussia den amtierenden Vize-Meister aus Bremen phasenweise regelrecht dominierte. Am gestrigen Samstagnachmittag, zwei Wochen später, zeigte die Uhr auf der Anzeigetafel erneut circa 20 Minuten Restspielzeit an, als Markus Rosenberg im fernen München das zwischenzeitliche 5:0 seiner Bremer in der Münchener AllianzArena erzielte. Eine Parallele, die auch Herthas Trainer Lucien Favre auf der Pressekonferenz nach dem Spiel als unterstreichendes Argument für die Bedeutung dieses Sieges heranzog. Dumm nur für Borussia, dass zwischen diesen beiden Ereignissen insgesamt acht Gegentore liegen. Nach der 0:1-Heimniederlage gegen allenfalls mittelmäßige Berliner Gäste steckt Borussia Mönchengladbach tief im Tabellenkeller.

Lucien Favre muss ein sehr höflicher Mann sein. Anders sind seine Worte vor und nach dem Spiel seiner Berliner Mannschaft gegen Borussia nicht zu deuten. Sowohl im Vorfeld der Partie als auch in den Interviews danach wurde der Schweizer nicht müde zu betonen, wie glücklich er sei, in Mönchengladbach gewonnen zu haben. Immerhin habe diese Gladbacher Mannschaft gegen Werder Bremen „mit 3:0 geführt. Das heißt schon was!". Er hätte prinzipiell auch sauer sein können, dass seine Mannschaft es verpasste, gegen einen schwachen und über weite Teile des Spiels uninspieriert auftretenden Gastgeber nur knapp gewonnen zu haben. Hannover 96 hatte es vor einer Woche vorgemacht. Und in der Tat: Mit ein bißchen Glück wären die Punkte durchaus im BorussiaPark geblieben, doch wie schon beim ersten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ließen Rob Friend und Oliver Neuville selbst beste Gelegenheiten, teils mit Pech, liegen. Jos Luhukay zeigte sich nach der Partie allerdings gewohnt beschwichtigend: „Ich kann weder Rob noch Oliver einen Vorwurf machen. Beide haben in der Vergangenheit schon so viele Tore geschossen für Borussia." Das ist formal richtig, bringt aber aktuell keine Punkte.

Immerhin zeigte sich der Niederländer mutig. Oliver Neuvilles Genesung bewog ihn, wieder auf das klassische 4-4-2 zurückzugreifen. Dazu agierten mit Matmour, Marin und Bradley, der den kurz vor der Partie ausgefallenen Paauwe ersetzte, insgesamt fünf Offensivkräfte. Die Abwehrreihe erfuhr ebenso und zum wiederholten Male eine Änderung. Alexander Voigt, der in dieser Saison einzig den Blick von der Tribüne aufs Spielfeld kannte, stand zur Überraschung vieler Beobachter in der Startelf, Filip Daems wieder in der Innenverteidigung.

Der Ankündigung, Wiedergutmachung für die 1:5-Klatsche in Hannover betreiben zu wollen, schienen die Gastgeber in der Anfangsphase mit Vehemenz nachkommen zu wollen. Aggressive Zweikampfführung und passables Passspiel sorgten für Druck auf Herthas Abwehr, doch es dauerte bis zur 30. Minute, ehe die erste zwingende Torchance zu verzeichnen war. Rob Friend scheiterte hierbei freistehend aus kurzer Distanz an Berlins Keeper Drobny, nachdem er mustergültig von Oliver Neuville mittels Flanke bedient wurde und Gegenspieler Kaká (nicht der Mailänder!) sich kurzfristig entschied, dem Kanadier ausreichend Raum zur Ballannahme und Torabschluss zu geben. Zu diesem Zeitpunkt wiesen die Anzeigetafeln im BorussiaPark allerdings schon einen Berliner Treffer aus, der bereits nach elf Minuten und wie aus dem Nichts heraus fiel. Gojko Kacar wurde zentral vor dem Tor angespielt, wackelte einmal mit der Hüfte und stand mutterseelenallein im Strafraum, um die Führung für sein Team zu erzielen. Filip Daems, neben Gal Alberman der beste Gladbacher Spieler gestern, rückte (zu spät) aus der Abwehr und ließ sich (zu schnell und zu einfach) von Kacars Körperfinte austanzen.

Es ist dieser Umtand, dass selbst die sonst souverän spielenden Daems, Alberman oder (in anderen Partien) Patrick Paauwe immer wieder kurze Aussetzer haben, die in der Bundesliga leider sofort bestraft werden. Mindestens ein grober Schnitzer in der Defensive, dazu Pech und Unvermögen in der Offensive. Das Ergebnis: Abstiegsplatz nach fünf Spieltagen. Die Frage nach der aufkommenden Unruhe im Mönchengladbacher Umfeld wurde jedem Borussen - journalistisch sorgfältig - gestellt. Alex Voigt konstatierte, dass es innerhalb der Mannschaft keine Unruhe gebe. Wohl aber, laut Filip Daems Worten, kein Selbstvertrauen.

In einem waren sich alle Beteiligten nach dem Spiel allerdings einig. Dass man schon kommenden Dienstag in Cottbus ran muss, empfand jeder als positiv. Stichwort: direkte Wiedergutmachung. Aber das hatten wir ja schonmal, nach Hannover. In zwei Wochen kommt der ebenso kriselnde 1.FC Köln in den BorussiaPark. Bediente man sich der Rechnung Lucien Favres, ist die Sache schon jetzt klar. Borussia schlägt Bremen, Bremen schlägt Bayern und die gewannen vergangene Woche souverän in Köln. Wer freut sich da nicht aufs Derby?

Borussia: Heimeroth - Ndjeng, Callsen-Bracker, Daems, Voigt - Bradley (Baumjohann, 65), Alberman - Marin, Matmour (Touma, 76) - Friend, Neuville (Rösler, 65).

Hertha BSC Berlin: Drobny - Friedrich, Kaká, Simunic, Stein - Kacar (Lustenberger, 62), Cícero - Nicu, Raffael (Piszczek, 75) - Voronin, Pantelic (Chahed, 85).

Tore: 0:1 Kacar (11.)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer: 43.193 (79,8 %)

Gelbe Karten (Borussia): -

Besondere Vorkommnisse: Mit insgesamt vier Niederlagen in den bis dato 5 Saisonspielen hat die Borussia in dieser Saison genauso oft verloren wie in der gesamten letzten Spielzeit über 34 Spiele. Auch die zwei Heimniederlagen (Stuttgart, Hertha BSC), die sie bis jetzt kassieren musste, hatte sie in der vergangenen Saison über 34 Spieltage gesammelt. Damals verlor sie ihr Heimspiel gegen Mainz 05 und gegen den SC Freiburg. Michael Bradley absolvierte sein erstes Pflichtspiel für die Borussia, er war Ende August vom SC Heerenveen zur Luhukay-Elf gestoßen.

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