Entgegen der Unkenrufe, die die Borussia im Vorfeld ihrer Partie beim Hamburger SV auf dem Weg in die Hansestadt begleitet hatten, hat die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay mit dem 0:1 (0:1) im Stadion des diesjährigen Europapokalteilnehmers ein achtbares Resultat erzielt und hätte dieses, mit ein bisschen Fortune in der letzten Spielminute, sogar noch in einen Punktgewinn verwandeln können. Letztlich blieb die Borussia, die wenige, aber verhältnismäßig hochkarätige Torchancen hatte, zwar im Spiel auf das gegnerische Tor ohne Durchschlagskraft, bewies hingegen beim Verteidigen des eigenen Tores einen besseren Plan als während einiger vorangegangener Spiele dieser Saison; bedauerlich in der Tat, dass der durch Mladen Petric erzielte Siegtreffer der Hamburger in der Anfangsphase der Begegnung dennoch einer individuellen Unachtsamkeit zuzuschreiben bleibt.

Auch im Hinblick auf die vereinzelt unzulänglichen Darbietungen einiger Borussenspieler in der Pokalbegegnung beim FC Energie Cottbus entschied sich Jos Luhukay für mehrere Umstellungen in seiner Anfangsformation. Hierbei rückte vor allem eine neue Außenverteidigung in die Defensive, spielte neben den Innenverteidigern Callsen-Bracker und Brouwers mit Jean-Sébastien Jaurès und Steve Gohouri ein in dieser Saison so noch nicht zum Einsatz gekommenes Pärchen. Im defensiven Mittelfeld, welches von Marcel Ndjeng und Karim Matmour offensiv flankiert wurde, probte sich neben den im Team verbliebenen Gal Alberman und Filip Daems der genesene Patrick Paauwe und in vorderster Front agierte wieder Rob Friend, der dort Oliver Neuville ersetzte.

Mit der Verunsicherung von zwei Bundesliganiederlagen, zuzüglich dem Pokalaus beim FC Energie in Cottbus am vergangenen Dienstag, angereist, präsentierte sich die Borussia in der Anfangsphase der Begegnung zunächst als vorrangig defensiv eingestimmt. Auch Rob Friend, der sich auch mal bis ins Mittelfeld zurückfallen ließ, und die hinter ihm postierten Marcel Ndjeng und Karim Matmour waren deshalb nicht in der Lage ihr Spiel anders anzulegen. Besonders Karim Matmour hätte seinen Mitspielern über die ersten Minuten hinaus gewiss auch weiter unter die Arme gegriffen, doch dem algerischen Nationalspieler war dies in Folge eines Zusammenpralls mit dem Hamburger Guy Demel nicht mehr möglich. Auf der Trage wurde der frühere Freiburger in der 9. Spielminute angeschlagen vom Feld getragen, nachdem er sich bei besagtem Zwischenfall im Gesicht verletzt hatte; ihn ersetzte Soumaila Coulibaly.

Und Coulibaly war gerade mal eben so auf dem Spielfeld, um sich in sein Aufgabengebiet einzufinden, da schepperte es im Kasten der Borussia. Mit einem Freistoß gingen die Gastgeber in dieser 11. Spielminute in Führung, nutzten es dabei aus, dass sich Gal Alberman beim Zweikampf mit dem späteren Torschützen Mladen Petric kurzfristig aus dem Gleichgewicht stupsen ließ und damit die Sekundenbruchteile unaufmerksam war, die der kroatische Internationale in Diensten der Hanseaten benötigte um sich am äußeren Rand des Fünfmeterraums für die Kopfballabnahme bereitzustellen, die daraufhin am chancenlosen Christofer Heimeroth vorbei zur Hamburger Führung in das Borussentor zischte.

Zum wiederholten Male in dieser Woche kam also die Borussia durch eine Situation ins Hintertreffen, der ein individueller Schnitzer eines ihrer Spieler voraus ging. In Cottbus am Dienstag hatte dies die Borussia komplett aus der Bahn geschmissen und auch in dieser Begegnung am heutigen Nachmittag sah es in den Minuten nach dem Führungstor der Gastgeber nicht viel anders aus. Die Borussia, bei der in der Vorwärtsbewegung im Grunde gar nichts zusammenlief, präsentierte sich verschüchtert und mit wesentlich zu vielen Ballverlusten und hätte in der 21. Spielminute beinahe ein weiteres Gegentor kassiert, doch der frei durchbrechende Ivica Olic im Dress des HSV legte sich das Spielgerät zu weit in den Raum vor und ermöglichte es so dem letzten verbliebenen Feldspieler der Borussia in dieser Szene, Filip Daems, den Ball noch rechtzeitig und akkurat zu entschärfen.

Wie bereits erwähnt, in der Offensive war der Borussia zwar der Willen nicht abzusprechen, die greifbaren Unsicherheiten in ihrem Spiel offenbarten durch die daraus resultierenden Fehlpässe und Stockfehler allerdings die Qualität dieses Offensivspiels. Und die blieb, eigentlich über die komplette erste Spielhälfte hinweg, eher mau und lau. Einzig als Marcel Ndjeng in der 40. Spielminute konnte in einer Situation einmal etwas Torgefahr über den Flügel und mit schnellen Schritten versprühen, doch im entscheidenden Moment traf er den Ball zu ungenau und fand dadurch auch den mit ihm in den Hamburger Strafraum gereisten Rob Friend nicht. Allerdings hätte Ndjeng und die Borussia hier beinahe davon profitiert, dass der Hamburger Abwehrspieler Reinhardt den trudelnden Ball vor den Händen seines Torhüters Frank Rost auch nicht präzise spielte und so aus dieser an sich eher überschaubaren Szene eine Situation entstehen ließ, in der man schon das Gefühl bekommen konnte, dass auch die Defensive des meist den Ball führenden Gastgebers - der sich schon nach einer halben Stunde auf das Verwalten des Resultats verlegt hatte - nicht übermäßig souverän ihre Spielminuten absolviert.

Nichtsdestotrotz unverändert kamen beide Teams aus der Halbzeitpause, doch die Gastgeber hätten in der 47. Spielminute ihrerseits beinahe über ein zweites Tor gejubelt, denn Borussias über München zum HSV gewechseltes Eigengewächs Marcell Jansen bugsierte hier eine Hereingabe von Olic auf das Tor von Christofer Heimeroth. Der Nationalspieler traf den Ball nicht sauber genug, und so flog dieser dann doch eher in Richtung Eckfahne.

Für einen gewissen Zeitraum blieb diese Situation die einzige nennenswerte Szene beider Teams vor einem der beiden Torhüter. Während die Borussia sich mühte den Ball nicht zu zeitig wieder aus dem Besitz zu lassen, griff die Heimelf herzhaft auf das von ihr schon in der Schlussphase der ersten Halbzeit verwendete Stilmittel der Resultatsverwaltung zurück und so entwickelte sich im Grunde ein Spiel von zwei Mannschaften, deren vorderstes Ziel die Vermeidung eines Gegentreffers war. Dass das nicht schön anzuschauen ist, besonders für die Fußballliebhaber auf den Tribünen, dies ist ein Aspekt, der zwar in solchen Fällen gern diskutiert wird, der aber an dem so vorgetragenen Spielverlauf an sich nichts ändern wird. Der Borussia ist es nicht verboten sich ihre zuletzt fehlende Selbstsicherheit im Passspiel zu holen (besser: zu versuchen, das sich dort anzueignen), dem Hamburger SV ist es nicht zu verübeln, dass er den Spatz in der Hand höher bewertet als die Taube auf dem Dach. Dass ihm das 1:0 lieber ist als ein um jeden Preis ansehnliches Spiel, an dem Zuschauer auch seinen Spaß haben kann.

Und so schien die Begegnung auch über die 60. Spielminute hinaus ihrem vorhersehbaren Ende entgegenzupendeln. Die Borussia bekam keine Chance zum Ausgleich, die Hamburger erheiterten sich an Ballstafetten ohne das Spielgerät dabei entscheidend einzubüßen. Erst als Jos Luhukay in der 69. Spielminute Marko Marin für Jan-Ingwer Callsen-Bracker in die Begegnung brachte, erst da begann das sicher auch als langweilig einzustufende Spiel an Fahrt aufzunehmen. Die Zuschauer begannen hernach diesen Mut zum Risiko mit einer direkteren Anteilnahme am Spielgesehen (und nicht vordergründig ausschließlich an den Zwischenresultaten auf der Anzeigetafel) zu goutieren. Der Hamburger SV jedoch büßte beinahe umgehend für die plötzliche Tempoverschärfung, denn als der eingewechselte Marko Marin in der 72. Spielminute mit einem feinen Heber den Ball auf die Torlatte des Hamburger Gehäuses lupfte, da stand der einen Abpraller aufnehmende Jung-Nationalspieler ohne energisch dazwischen gehenden Gegenspieler frei am Hamburger Sechzehnmeter.

Keine Frage, wie das gesamte Spiel, so wirkte nun auch das Spiel der Borussia spritziger und besser anzuschauen. Allerdings profitierte etwa der eingewechselte Marin auch stark von der unmittelbaren Spielsituation. Jetzt, bei fortgeschrittener Spieldauer, war die Borussia irgendwann einfach eben auch gezwungen stärker auf Risiko zu setzen. Die simple Formel, dass ein Marin von Anfang an auch für eine so mächtige Verbesserung des Borussenspiels nach vorne gesorgt hätte, kann man jedenfalls nicht als zutreffend gelten lassen: der oft zum Dribbling neigende 19-jährige hatte in den vorangegangenen Spielen von Anfang an ja unter anderem die Chance zu so einer den Fortschritt bringenden Spielführung, doch verschluckte er sich da zu oft und nahm bei zahlreichen wie teilweise überflüssigen Einlagen manches unmittelbare Chaos in Borussias Hintermannschaft billigend in Kauf.

Auch die Hamburger hätten das Spiel im Schwall der offensiv geführten Schlussviertelstunde derweil mit einem Treffer anreichern können, doch ein vom eingewechselten Trochowski hereingebrachter Freistoß - nach einem Foul von Patrick Paauwe - verfehlte am langen Pfosten auch den letzten Kollegen und so konnte sich die Begegnung zielgerichtet ihrem letzten Höhepunkt entgegen robben. Dieser finale Höhepunkt ereignete sich dann auch, und er hätte der Borussia fast noch den Ausgleich gebracht, doch der von Marin auf den Kopf von Rob Friend geflankte Ball von Borussias rechter Abwehrseite (90.) verfehlte mit dem Kopfball des kanadischen Nationalspielers sein Ziel nur um Nuancen, anstatt rechts neben Hamburgs linkem Pfosten schlug der Ball links neben dem Pfosten auf dem Tornetz ein und verfehlte somit lediglich um Millimeter sein eigentliches Spiel - in einer Verzweifelungsaktion rückte in der Nachspielzeit auch Torwart Christofer Heimeroth bei einem Borussenfreistoß bis in den Hamburger Strafraum, doch brachte der Freistoß allein einen neuen Strich in der Statistik ein.

Somit verliert die Borussia ein Spiel, in dem sie über sehr weite Strecken offensiv harmlos war und keine Torchancen kreieren konnte. Ein Spiel allerdings, in das sie keinesfalls mit der Absicht gegangen war das gegnerische Tor permanent mit Torgefahr einzudecken, sondern in erster Linie probierte der Heimelf nicht so viel Platz in ihrer Hälfte zu erlauben, dass die damit ein tüchtiges Spiel aufziehen hätten können. Dieses Vorhaben ist der Borussia geglückt und egal wie ein Offensivfußball-Liebhaber zu so einer schmucklosen Herangehensweise an ein Spiel steht, es ist schon allein durch die Fußballregeln ausreichend legitimiert. Und wird zudem auch durch Überlegungen gestützt, wonach die Borussia zur Zeit in einer Verfassung befindlich ist, die es ihr ganz sicher nicht erlaubt in einem fremden Stadion herzhaft marodierend über wirklich jede Heimmannschaft herzufallen. Und anerkennen sollte ein jeder mit der Sympathie für den letztjährigen Zweitligameister, dass die Mannschaft im Gegensatz zum Pokalspiel am Dienstag einen verbesserten Eindruck machte. Vor allem auch den Eindruck vermittelte, dass sie es nicht als lästige Pflichtübung sah heute in Hamburg Fußball zu spielen.

Ganz sicher ist die reine Ausbeute für die Borussia auch in diesem Spiel keine andere als in den letzten beiden Bundesligaspielen. Sie beendet auch diese an Reisen reiche Arbeitswoche mit null Punkten und ist in der Tabelle jetzt auch in die akute Abstiegsregion zurückgefallen. Dass dabei (harte) Kritik an den jeweiligen Verantwortlichen laut wird, ist auch ein Teil der Übung. Die Art und Weise sollte man aber einer kritischen Beobachtung unterziehen. Denn bei aller berechtigten Kritik und Argumentation in Richtung der von dem Trainerteam der Borussia ins Auge gefassten strategischen Grundüberlegung, die man hervorbringen kann, macht auch in dieser Sache weiterhin der Ton die Musik. Und so viel Verbesserungspotential die Borussia in den letzten Spielen in der Offensivbewegung gezeigt hat (6 Torchancen und zwei Pfostentreffer in immerhin 180 Minuten Spielzeit), genauso viel Steigerungspotential gibt es wohl auch in mancher sicher vor allem gut gemeinter Erörterung über manchen Verantwortlichen.

Hamburg: Rost - Demel, Reinhardt, Mathijsen, Atouba - de Jong - Jarolim, Jansen (Trochowski 63) - Thiago Neves (Pitroipa 48) - Petric (Alex Silva 89), Olic.  

Borussia: Heimeroth - Gohouri, Callsen-Bracker (Marin 69), Brouwers, Jaurès - Ndjeng (Neuville 85), Alberman, Daems, Paauwe, Matmour (Coulibaly 10) - Friend.

Tor: 1:0 Petric (11.)

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)

Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia)
: Daems (4), Callsen-Bracker, Paauwe

Besondere Vorkommnisse: In ihrem dritten Auswärtsspiel der Saison kassierte die Borussia ihre dritte Niederlage(1:7 Tore), im 105. Erstligaauswärtsspiel seit der Jahrtausendwende ihre 67. Niederlage (84:196 Tore). Borussias Oliver Neuville absolvierte das 300. Bundesligaspiel seiner Fußballerkarriere.

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