Hans MeyerGut Fisch essen war Borussias Hans Meyer im Sommer 2007 mit Frankfurts Stürmer Nikos Liberopoulos. Heute lud die mittlerweile von Hans Meyer auf das Neue betreute Borussia den neuen Verein von Liberopoulos, Eintracht Frankfurt, ihrerseits zum sonntäglichen Bundesligadiner und musste dabei nach 90 Minuten feststellen, dass mit der Mannschaft vom Main unter Trainer Friedhelm Funkel keinesfalls gut Kirschen essen ist. Infolge eines nützlichen Gastgeschenks von Russ in Form eines Eigentores, das zwölf vergnügliche Borussenminuten beschloss, erzielten Stürmer Fenin in der 16. und Mittelfeldakteur Fink in der 52. Spielminute die zum Frankfurter Sieg entscheidenden Treffer in einem Spiel, in dem die Borussia ihren berüchtigten Intervallfußball aus fremden Stadien vor heimischem Publikum darbot und auch damit wiederholt belegte, dass es ihr als Team im Defensivverhalten massiv an einer für dieses Niveau zwingend notwendigen Reife fehlt.

Im Vergleich zur Startaufstellung im Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg nahm Borussias Trainer vier Änderungen vor. Nachdem Uwe Gospodarek seine Muskelverletzung rechtzeitig auskurierte, brauchte der Cheftrainer auf der Torwartposition nicht auf Christofer Heimeroth zurückzugreifen und konnte den einstigen Reservisten Gospodarek erneut im Tor aufbieten. In der Abwehrformation agierte auf der rechten Seite Tobias Levels, dessen dortiger Vorgänger Sebastian Svärd im defensiven Mittelfeld die Position von Patrick Paauwe übernahm, der für den verletzten Thomas Kleine in die Abwehrreihe rückte. US-Nationalspieler Michael Bradley musste für Alexander Baumjohann weichen, ebenso wie Johannes van den Bergh für Marko Marin. Wobei Marin anders als üblich dieses Mal sehr regelmäßig die Spielseite mit Karim Matmour tauschte, der wie Rob Friend, Gal Alberman, Filip Daems und Alexander Voigt heute die Borussenelf zu komplettieren half.

Energisch begann die Borussia die Partie, insbesondere Marko Marin zeigte sich in den Anfangsminuten im Spiel gegen seinen früheren Verein sehr spielfreudig und versuchte in der Offensive seine Akzente zu setzen. Neben ein paar Fouls mit anschließenden Standardsituationen brachte eine dieser Szenen in der zwölften Spielminute der Borussia die Führung in der Partie. Marin hatte hierbei auf der rechten Seite einen Lauf begonnen und aus diesem in den Laufweg des zentral vor das Tor ziehenden Rob Friend geflankt. Die Flanke sollte den kanadischen Internationalen in der Luft erreichen, dies tat sie nicht. Sie erreichte Frankfurts Innenverteidiger Marko Russ, der fernab der Kommandos seines schon fangbereiten Torhüters Oka Nikolov mit einem Kopfball in das eigene Netz dafür sorgte, dass die Borussia in Führung ging und den Lohn für zwölf Minuten in Empfang nahm, in denen sie in der Tat eindringlich erschien und das Tor der Gäste mehr unter Druck setzte als dies den Gästen auf der Gegenseite mit dem Tor der Borussia gelang.

Allerdings, die Freude über die Führung in dieser Partie währte für die Borussia und ihre Fans nicht sehr lange. Vier Minuten nach dem Eigentor bekamen die Frankfurter der Seite der Haupttribüne einen Einwurf im Bereich des Sechzehnmeterraums der Borussia. Hier gelang es weder Alexander Voigt, noch Gal Alberman und Sebastian Svärd dem Frankfurter Ümit Korkmaz das Spielgerät in einer simplen Drei-Zu-Eins-Situation abzunehmen, stattdessen überrumpelte der österreichische Nationalspieler im Fortlauf der Szene, und bereits im Sechzehner der Borussia, auch den fromm zur Hilfe geeilten Filip Daems mit einem Beinschuss. Von fast der Grundlinie aus war es für den früheren Wiener ein Leichtes des Ball gut getimt in Richtung Elfmeterpunkt weiterzuleiten, von wo aus Martin Fenin den Ball in das Borussentor schießen konnte; der Ausgleich für die Hessen, die in der Folge anfingen - auch über ein Plus an Ballbesitz - der Borussia ihr Spiel aufzuzwingen.

Für die Borussia war der Ausgleich offensichtlich ein Rückschlag von gravierendem Ausmaß. An die guten ersten zwölf Spielminuten konnte die Meyer-Elf nachher und bis zur Halbzeitpause im Grunde gar nicht mehr anknüpfen. Viel, viel zu viel, im Borussenspiel blieb bloßes Stückwerk und nicht oft war Schiedsrichter Florian Meyer auch noch gezwungen das Spiel wegen teilweise banalen Foulspiels zu unterbrechen. Meist immer dann, wenn die Akteure der Borussia ihre schlechte Position zum Ball oder zum Zuspiel ihres Mitspielers mit einem versteckten Regelvergehen zu kaschieren und zu übertünchen probierten. Oftmals während dieser fünfundzwanzig letzten Spielminuten der ersten Spielhälfte wirkten die Borussenspieler so als hätten sie sich erst unmittelbar vor dem Spiel in der Kabine das erste Mal flüchtig miteinander bekannt gemacht.

Wie erwähnt griff zu dieser Zeit die Idee besser, die das Frankfurter Trainerteam seiner Mannschaft für diese Partie mit auf den Weg gegeben zu haben schien. Über eine solide, vor allem funktionierende Abwehrarbeit, versuchten die Gäste vom Main immer wieder gewisse Arten von Nadelstichen zu platzieren und bei mehreren dieser Aktionen waren sie plötzlich torgefährlich als eine Borussia, die sich bei der Erlangung ihrer weiteren Tormöglichkeiten schon auf einen Verzweifelungsakt wie den Distanzversuch von Filip Daems aus der 38. Spielminute verlassen musste und ansonsten nur noch bei der am Frankfurter Torpfosten tückisch vorbeihoppelnden Ballablage von Alexander Baumjohann (44.) wirkliche Gefahr für das von Oka Nikolov betreute Tor der Gäste ausstrahlte.
Auf der Gegenseite genügte allein der Kopfball des Martin Fenin in der 24. Spielminute - der weit sichtbar aus dem Stand angesetzt war und zum Glück für Uwe Gospodarek und seine Borussia nur die Latte des Tores berührte - um zum Zeitpunkt des Halbzeitpfiffs des wenig geforderten Schiedsrichters den Schluss zuzulassen, dass die Frankfurter nicht nur den besseren Eindruck zu machen begannen, sondern im Zweifel eben aufgrund dessen auch eine Halbzeitführung hier eher verdient gehabt hätten.

So zusammenhangfrei wie die letzten 25 Spielminuten der ersten Halbzeit agierte die Borussia auch in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit, in der die erste echte Tormöglichkeit für eine der beiden Mannschaften auch gleich einen Treffer hervorbrachte. Es war ein Zweikampf von Alexander Voigt, der den Frankfurtern aufgrund der unmittelbaren Zweikampfführung des gebürtigen Kölners in der 52. Spielminute nahe der rechten Eckfahne in der Borussenhälfte eine Standardsituation ermöglichte. Aus dieser konnte dann Mittelfeldspieler Michael Fink als Torschütze hervorgehen, weil Borussias Angreifer Rob Friend in jener Szene im Borussenstrafraum ein Zweikampfverhalten in der Defensive an den Tag legte, wie er dies auch schon unter der Woche beim zweiten Wolfsburger Tor gezeigt hatte. Fink konnte darüber nur froh sein, gab ihm Friend damit doch ausreichend Zeit den Ball auch wirklich präzise im Borussentor unterzubringen.

In Rückstand lag die Borussia, jetzt. Für ihr Spiel bedeutete dies keine unmittelbare Veränderung. Sie hatte weiterhin Probleme im Zusammenspiel und verwechselte gern den hingebungsvollen Einsatz mit dem überharten Zweikampf. So wurde der Ballbesitz, der sich zwischen den einzelnen Foulspielen immerhin meist zwangsläufig ergeben musste, übersichtlich gehalten und nicht in geringen Teilen durften die Gäste in dieser Zeit erneut ein Mehr an, eben, Ballbesitz für sich reklamieren. Wenn sich die Borussia schon einmal zu Torgelegenheiten durchrang, so waren dies in nicht geringer Stückzahl Standards. Wie jener Freistoß aus der Distanz von Filip Daems in der 61. Spielminute, den Nikolov noch rechtzeitig für Frankfurt parieren konnte.

Hatte Hans Meyer bereits in der 56. Minute zum ersten Mal gewechselt - Mittelfeldspieler Sebastian Svärd musste für Michael Bradley weichen - in der 63. Spielminute entschied sich der Chefcoach der Borussia zu einem weiteren Wechsel und brachte Mannschaftskapitän Oliver Neuville in die Partie, die auch nach der Einwechselung des 69-fachen Nationalspielers vorrangig eine von Frankfurt bestimmte Begegnung blieb und die in der 68. Spielminute schon Borussias finalen Spielerwechsel erlebte. Alexander Voigt hatte sich noch vor dem Führungstreffer der Frankfurter zu Beginn der zweiten Halbzeit in einem Zweikampf am Knie verletzt und es hernach noch rund zwanzig Minuten mit lädiertem Knie probiert. Doch nach mehr als einer Stunde konnte sich der Linksverteidiger den Schmerzen nicht mehr widersetzen und so musste Meyer ihn zwangsläufig durch Youngster Johannes van den Bergh ersetzen.

Als der Waldnieler satte vier Minuten auf dem Feld war, und bereits in die ersten bisweilen existentiellen Zweikämpfe auf seiner linken Spielfeldseite involviert zu sein begann, erarbeitete sich der nun wieder lebendigere Marko Marin auf der rechten Seite innerhalb der Frankfurter Spielhälfte einen Freistoß in aussichtsreicher Entfernung zum Sechzehnmeterraum der Gäste. Marin führte diesen in der 72. Minute auch aus und brachte ihn aussichtsreich auf den Kopf des am Fünfmeterraum lauernden Michael Bradley, doch der bis zum August beim SC Heerenveen aktive US-Nationalspieler vermochte es nicht den Ball kontrolliert auf das Frankfurter Tor zu bugsieren und so verpuffte die zweite wirkliche Torgelegenheit für eine Borussia, die in der Schlussviertelstunde doch noch einmal ihr Pensum steigern konnte und es dort auch wirklich schaffte das Frankfurter Tor stärker in Gefahr zu bringen als während weiten Teilen der gesamten Begegnung.

Richtig zwingende Torchancen sehen zwar anders aus, aber die Borussia mühte sich wenigstens noch einmal um Torgefahr vor dem Gehäuse des Nikolov. Oliver Neuville gelang es dann auch den Tormann der Hessen zu bezwingen, allerdings erkannte das souveräne Schiedsrichterteam völlig zurecht auf Abseits. Und so zählte der Ball, der von Rob Friend in sechs Metern zentraler Entfernung zur Frankfurter Torlinie in der zweiminütigen Nachspielzeit aus recht plumpe Art und Weise verstolpert wurde (Marko Marin hatte ihn von der rechten Seite dorthin geflankt), schon als die größte Torchance, die die Borussia aus dem Spiel heraus in dieser Partie zu erzielen vermochte.

Es liegt natürlich auf der Hand, dass so etwas nicht ausreicht um ein Spiel für sich zu entscheiden, noch dazu im Existenzkampf der 1. Bundesliga. Fernab der meist noch nicht einmal zu Ende gespielten Standardsituationen, aus denen die Borussia den großen Teil ihrer Tormöglichkeiten zusammenstellte, offenbarte sie in dieser Begegnung neben fehlendem (und obendrein wenig zielstrebigem) Durchschlagsvermögen in der Offensivbewegung jene fatale Defensivschwäche, die die Elf Woche um Woche im Resultat um Kopf und Kragen bringt. Die Art und Weise wie die Borussia ihr eigenes Tor verteidigt, es ist ganz einfach nicht tauglich. Und es ist auch nicht dadurch besser, dass sie es diesmal geschafft hat ohne einen Strafstoß für den Gegner über die Spielzeit zu kommen. Jeder ihrer Gegner bekommt in den Spielen einfach viel zu viel Entfaltungsmöglichkeiten zum Borussentor und die Borussia in jenen Situationen sehr häufig die in Gegentoren zu fixierende Quittung dafür, dass sie sich über den Sommer hinweg nicht gebührend um die wirklichen Brachen in ihrem Spiel gekümmert hat.

Diese Brachen liegen primär im Abwehrverbund, wo wenigstens zwei Positionen ungenügend ausgestattet sind, und sie wurden jüngst positionstechnisch durch die völlig unnötige (und gleichermaßen absurde wie ergebnislose) Wechselei auf der Torwartposition noch auf die Spitze getrieben, womit schon drei Kernaspekte des Saisondilemmas fein säuberlich aneinandergereiht werden. Ergänzend wirken darauf die verhängnisvollen Entscheidungen ein, die zur Folge hatten, dass der Zweitligameister Borussia sogar durch die Bank mit eben ausschließlich bundesligaunerfahrenen Kräften ergänzt wurde. Aber das ist auch wiederum lediglich eine Erkenntnis, die selbst nach dem dritten Spieltag - dem fantastischen Sieg über Werder Bremen - schon klar und deutlich umrissen war; jener Sieg hat darüber hinaus ja gezeigt, was diese Borussia als Mannschaft in dieser Liga auffahren muss, will sie wettbewerbsfähig sein.

Die Borussia steht nach einem Drittel der Saison genau da, wo sie tabellarisch momentan eingeordnet ist. Mit beiden Beinen knietief im matschigen Sumpf. Mit einer Leistung wie gegen Frankfurt heute, sollte es ihr einziges Verlangen sein bis zum Rundenschluss möglichst zumindest zwei noch blindere Mannschaften aufgetrieben zu haben.
Möglich ist das. Einerseits weil halt nicht nur die Borussia Fehler macht und Spiele verliert, andererseits weil die Borussia noch die Zeit und die Möglichkeiten hat selbst die vierte Heimniederlage der laufenden Saison im Endeffekt zu eliminieren: zur Stunde noch exakt dreiundzwanzig Mal.

Borussia: Gospodarek - Levels, Paauwe, Daems, Voigt (van den Bergh 68) - Marin, Svärd (Bradley 56), Alberman, Matmour - Baumjohann (Neuville 63) - Friend.

Frankfurt: Nikolov - P. Ochs, Russ, Galindo, Spycher - M. Fink - Steinhöfer, Ljubicic - Fenin, Korkmaz (Toski 86), Liberopoulos (Tsoumou 87)

Tore: 1:0 Russ (12., Eigentor), 1:1 Fenin (16.), 1:2 Fink (52.)

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)

Zuschauer: 44.773 (82,81 %)

Gelbe Karten (Borussia): -

Besondere Vorkommnisse: Mit dieser Niederlage bezog die Borussia bereits ihre achte Saisonniederlage, im elften Spiel. Es war die vierte Heimniederlage der laufenden Saison. In der vergangenen Saison bezog die Borussia insgesamt vier Niederlagen, zwei davon vor heimischem Publikum.

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