Nach 25 Minuten sah es aus wie bei so vielen Auswärtsspielen unserer Borussia in den letzten Jahren. Einer kurzen Phase des Abtastens folgte eine 2:0-Führung des Gegners, der gleich zwei seiner ersten drei Chancen verwerten konnte. Auf der anderen Seite kaum eigene Offensivaktionen, die spätestens vor dem gegnerischen Sechszehner endeten. Im Grunde also war es von hier an pure Verschwendung von Zeit und Emotionen, das Spiel weiterzuverfolgen und auf irgendetwas Zählbares zu hoffen. 

Nach 35 Minuten wurden Erinnerungen wach an die Vorwoche. Wie aus dem Nichts schien die zuvor mausetote Borussia ein 0:2 gegen ein Spitzenteam aufzuholen. Alles wartete darauf, wann man dem leicht verunsicherten Gegner jetzt gar noch den Ausgleich einschenken würde, mit dem man die Krise zu Saisonbeginn endgültig in Vergessenheit geraten lassen könnte. 

Nach 45 Minuten war die Erkenntnis zurückgekehrt, dass es solche Fußballwunder eben doch nicht jede Woche geben kann und dass sich am Ende die höhere Qualität in den allermeisten Fällen durchzusetzen versteht. Es mag in Relation zu vergangenen Auswärtsspielen ein Fortschritt sein, dass man beim Streben nach dem Ausgleich von Schalke 04 im heimischen Stadion ausgekontert wurde. Letztlich entspricht dies aber auch der Naivität unserer bundesligaunerfahrenen Mannschaft, die sich in Halbzeit 1 defensiv viel zu offen präsentierte. 
 

So stand nach 45 wie auch nach 90 Minuten ein verdienter 3:1-Erfolg der Schalker, die in den den entscheidenden Momenten besser gewesen waren. Im kicker-Interview vom vergangenen Montag hatte Schalke Ersatzkeeper Matthias Schober noch über die Unterschiede eines Torwarttrainings bei einem Abstiegskandidaten auf der einen und einem Spitzenklub auf der anderen Seite philosophiert. In Rostock wurde ihm zugeraten, nach einem gehaltenen Ball das Spiel zu beruhigen, während auf Schalke sofort der Gegenangriff eingeleitet werden muss. Sein Vorgesetzter setzte dies nach 45 Minuten eindrucksvoll um. Kaum war ein Baumjohann-Schuss abgewehrt, hatte Manuel Neuer jenen Konter eröffnet, an dessen Ende Borussias Genickschuss stehen sollte. Letztlich waren die Knappen in allen drei wesentlichen Situationen des Spiels in der Lage gewesen, eine Situation zu kreieren, in der Altintop, bzw. Farfan freistehend aufs Tor zulaufen durften. Angesichts einer nominell stark besetzten Borussen-Defensive ein Unding, aber leider Ausdruck unserer offensichtlichen Qualitätsdefizite in diesem Bereich.
 

Festgemacht wurde dies nach dem Spiel besonders an einem Spieler. Tobias Levels gilt bei vielen als Sündenbock für die zahlreichen Unzulänglichkeiten. Und zweifelsohne offenbarte er besonders bei den beiden letzten Toren eklatante Schwächen, als er in Minute 24 zunächst den enteilten Jefferson Farfan arg ungeschickt am Trikot zupfte oder in eben jener 45. Minute viel zu weit von seinem Gegenspieler entfernt stand. Hans Meyer erbarmte sich seiner, indem er ihn zur Halbzeit per Auswechselung vor weiterem Unheil bewahrte.
 Doch es wäre viel zu einfach, die Niederlage allein einem Spieler zuzuweisen, dessen begrenzte Fähigkeiten bereits in Liga 2 allzu oft deutlich zum Vorschein gekommen waren. Die gesamte Abwehr präsentierte sich speziell vor dem Seitenwechsel überfordert. Angefangen vom kompakt besetzten defensiven Mittelfeld, über die jungen Außenspieler bis hin zu den von den Fans oft sehr positiv bewerteten Steve Gohouri und Filip Daems. Letzteren merkt man zwar schon an, dass sie gewillt sind, Verantwortung zu übernehmen. Und angesichts der Konkurrenzsituation führt an ihrer Nominierung in den Stammkader momentan kein Weg vorbei. Doch das mangelhafte Stellungsspiel, dass sie bei den Gegentoren und bei diversen anderen Großchancen (insb. von Kevin Kuranyi) an den Tag legten, darf man nicht unter den Tisch fallen lassen, wenn man einen Levels für seine Fehler brandmarkt.  

Die bislang 31 Gegentore sind ebenso wie die 9 gegen uns gepfiffenen Elfmeter in bislang 16 Saisonspielen ein Beleg dafür, wo Borussias Hauptprobleme liegen. Die Abwehr ist in dieser Formation viel zu fehlerträchtig und es wäre wünschenswert, wenn im Winter gleich zwei Akteure hinzustoßen könnten, die uns dort qualitativ voranbringen.
 Es lassen sich aber auch ein paar erfreuliche Erkenntnisse aus dieser Niederlage mitnehmen. Anders als so oft in der Vergangenheit war Borussia auswärts in der Lage, selbst bei einem hoch überlegenen Gegner ordentlich mitzuspielen und sich einige brauchbare Torchancen herauszuarbeiten. Alexander Baumjohann konnte zwar nicht ganz an die Glanzleistungen der vergangenen Wochen anknüpfen, sammelte aber dennoch weitere Argumente für eine Vertragsverlängerung. Nicht nur wegen seines tollen Passes auf Friend zum zwischenzeitlichen 1:2 in der 30. Minute. Für den Ex-Schalker ist es jetzt wichtig, Konstanz in seine Leistungen zu bringen, was ihm in den letzten drei Partien sehr ordentlich gelungen ist. Mit Marko Marin bildet er ein harmonisches Offensivpärchen, das für einige kreative Überraschungsmomente gut ist, mit denen sich schwächere Gegner leichter aushebeln lassen sollten.  

Rob Friend ist vorne zudem ein dankbarer Abnehmer für ihre Vorlagen. Sein 5. Saisontor verdeutlichte seine hohe Bedeutung und Unverzichtbarkeit für unseren Klub, wenngleich es schön gewesen wäre, er hätte seine Großchance in der 64. Minute zu nutzen verstanden, als er aus 15 Metern plötzlich frei zum Schuss kam und nur knapp verzog.
 Ein Sonderlob sei Christian Dorda in seinem erst zweiten Bundesligaspiel ausgesprochen. Nach dem Seitenwechsel hatte er es mit Spielern wie Farfan und Rakitic zu tun, die ihm natürlich einige Probleme bereiteten. Aber letztlich hielt er seine Seite recht gut dicht und wirkte dabei schon relativ abgeklärt.   

Insgesamt ist an diesem Wochenende nichts Dramatisches passiert, wenn man vom ärgerlichen Bielefelder Sieg absieht, durch den Borussia auf den 15. Tabellenrang abrutschte. Auf Schalke war nicht viel zu erwarten gewesen und das 1:3 war alles andere als eine Schande. Wichtiger wird es sein, das Augenmerk nun auf das kommende Wochenende zu richten, an dem mit Energie Cottbus ein direkter Konkurrent in den Borussia-Park kommen wird. In Bielefeld und gegen Karlsruhe hat sich Borussia zuletzt schadlos gehalten, so dass die Erwartungshaltung der Fans eindeutig auf 3 Punkte ausgerichtet ist. Dieses anzustrebende Unterfangen wird aber selbst gegen den Tabellenletzten kein Selbstläufer. Gegen Mannschaften wie Bayern oder Schalke ist es verhältnismäßig leicht, über Kampf und Einsatz gut auszusehen. Gegen Cottbus hingegen werden ganz andere Qualitäten gefragt sein und gerade unsere Offensive wird diese unter Beweis stellen müssen, um sich gegen kompakt stehende Lausitzer durchzusetzen. Gelingt dies, so wird man aller Voraussicht nach auf einem Nichtabstiegsplatz überwintern dürfen. Eine Aussicht, die noch vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten hätte.
 

FC Schalke 04
: Neuer - Westermann, Höwedes, Bordon (Krstajic 79), Pander - Engelaar (Ernst 69), Jones - Rakitic - Farfan, Halil Altintop - Kuranyi (Asamoah 75) 

Borussia
: Gospodarek - Levels (Matmour 46), Gohouri, Daems - Paauwe - Bradley, Alberman (Colautti 70) - Marin, Baumjohann, van den Bergh (Dorda 46) - Friend  

Tore
: 1:0 Altintop (17.), 2:0 Farfan (24.), 2:1 Friend (30.), 3:1 Altintop (45.)

Schiedsrichter
: Dr. Jochen Drees (Münster)

Zuschauer: 61.673 (100 %)

Gelbe Karten (Borussia)
: van den Bergh, Levels, Dorda


Besondere Vorkommnisse:
Die Zahl der gegen Borussia ausgesprochenen Elfmeter erhöhte sich für diese Saison bereits auf 9 (inklusive jener 3 im Pokal). Dies ist ebenso Negativrekord wie die 27 Gegentreffer, die man in der Liga bislang kassierte. Einzig die notorisch abwehrschwachen Hannoveraner bringen es auf die gleiche Anzahl kassierter Tore.
 

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