Hurra, wir leben noch! Nach dem mühsamen und hart erkämpften 3:2 Sieg über Hannover 96 ist Borussia ein erster Schritt gelungen, um die Hoffnung am Klassenerhalt weiter aufrecht zu erhalten. In einem hin und her wogenden Spiel konnte man zunächst eine 2:0-Halbzeitführung nicht aufrecht erhalten, um dann in der Schlußphase aber doch noch mit toller Moral zum umjubelten Siegtreffer zu gelangen. Spätestens mit dieser Partie hat die heiße Phase des Abstiegskampfs für Borussia begonnen. Es werden aber noch viele Begegnungen von ähnlicher Qualität auf uns zukommen und ein jeder sollte sich bewusst sein, welch weiter und harter Weg noch vor uns liegt, damit wir uns in den kommenden 13 Partien aus den Tiefen des Tabellenkellers vollends befreien können.

 

Angefangen hatte das Spiel, wie erwartet, mit viel Engagement und Einsatz auf beiden Seiten. Die heimschwachen Gladbacher und die neuen Auswärtsdeppen aus Niedersachsen zeigten in der Anfangsphase hohen Respekt vor der schwierigen Ausgangslage. Einzig Michael Bradley konnte in der ersten Viertelstunde einen Ansatz von Torgefahr entwickeln, als er nach 11 Minuten Robert Enke mit einem unplatzierten Kopfball unterforderte.

Insgesamt war das Offensivspiel jedoch wie gewohnt wenig zwingend und eher auf Zufälligkeiten ausgerichtet. Die Taktik, hohe, weite Bälle auf Friend zu schlagen, ging nicht wirklich auf und sollte auch für die Zukunft hinterfragt werden. Doch zunächst waren es die Gäste, die mit zunehmender Spieldauer besser zur Geltung kamen und nach 17 Minuten ihre erste große Möglichkeit hatten. Wie im Vorbericht bereits befürchtet, hatte Hannover unsere linke Abwehrseite als Schwachpunkt ausgemacht, wo Jiri Stajner mit Christian Dorda allzu leichtes Spiel hatte. Der Youngster ließ einen Ball mit dem Kopf vor die Füße des Routiniers abtropfen, der prompt aufs Tor zog, dort aber soeben noch von Daems und Bailly gestoppt werden konnte.  

2 Minuten später eine ähnliche Situation, in der Stajner wieder die Oberhand behielt, dieses Mal aber in die Mitte passen konnte. Der gerade in Halbzeit 1 bärenstarke Steve Gohouri rettete soeben vor dem einschussbereiten Mikael Forssell. Hans Meyer reagierte auf die zunehmende Überlegenheit der Hannoveraner, indem er Dorda erlöste und durch Tobias Levels ersetzte. Der gebürtige Rechtsverteidiger musste fortan auf der linken Seite ran, was er aber erstaunlich gut löste. Fortan war diese Problemstelle beseitigt und Stajner hatte im weiteren Verlauf der Begegnung kaum noch positive Szenen zu vermelden. Nach der ebenso gelungenen Maßnahme in der Vorwoche, Tony Jantschke frühzeitig zu opfern, darf sich Hans Meyer einmal mehr für sein entschlossenes Handeln gelobt wissen. 
 

Borussia hatte noch nach 35 Minuten keine echte Torchance vorzuweisen. Zwei gefällige Kopfbälle von Bradley und einer von Gohouri boten Ansätze, die aber für ein solch eminent wichtiges Heimspiel gegen einen lösbaren Gegner erschreckend geringfügig ausfielen. Dass es nur 10 Minuten später dennoch mit einem 2:0 in die Halbzeit ging, ist eine der gewohnten Kuriositäten unseres Fußballsports. Zwei tolle Einzelaktionen unserer Mittelfeldstars reichten aus, um das Spiel vermeintlich vorzuentscheiden. 
 

Zunächst war es Alexander Baumjohann, der sich in der 36. Minute an Hoffenheim zurück erinnerte. Erneut stand er 25 Meter vor dem gegnerischen Tor frei in zentraler Position. Erneut zog er einfach mal ab und erneut traf er, dieses Mal allerdings unhaltbar ins linke, obere Toreck. Ein Traumtor zum genau richtigen Zeitpunkt. Fortan schien Hannover ein wenig geschockt, trotz leichter Überlegenheit in solch einen unglücklichen Rückstand geraten zu sein. Karim Matmour hätte dies nach einem Fahrenhorst-Patzer schon ausnutzen müssen, offenbarte aber einmal mehr seine Ungefährlichkeit vor dem Tor.
 

Besser machte es Marko Marin in der 43. Minute, als er sich in seiner unnachahmlichen Manier in den Strafraum dribbelte, um dort aus 12 Metern den Ball gekonnt ins lange Eck zu schlenzen. Hannover deutete in diesen Szenen an, wieso man die schlechteste Auswärtsmannschaft und zudem die schlechteste Defensive der Liga stellt. Wer Baumjohann und Marin so viel Platz lässt, darf sich nicht wundern, wenn er nach 45 Minuten selbst gegen einen durchschnittlichen Gegner nahezu hoffnungslos zurückliegt.
 

Doch dass man die Hoffnung nie ganz aufgeben darf, sollte man als Borusse wissen. Ganz offensichtlich weiß man dies auch in Niedersachsen, denn nach dem Seitenwechsel setzte man dort noch mal auf Offensive, indem man Jan Schlaudraff für den defensiven Hanno Balitsch einwechselte. Zunächst deutete nicht viel darauf hin, dass diese Maßnahme von Erfolg gekrönt sein könnte, denn Borussia behielt das Geschehen recht ordentlich im Griff. Bis zu jener unglückseligen 53. Minute, die dem Spiel richtig Würze geben sollte. 
 

Da kam nämlich Sergio Pinto im Mittelfeld an den Ball und hatte so viel Platz, dass er diesen sogar verspringen lassen konnte, ohne ihn zu verlieren. Als Gegenspieler wies Marin in dieser Szene seine Defensivschwächen nach, denn auch nachdem Pinto per Doppelpaß erneut an den Ball gekommen war und gemächlich Richtung Strafraum zog, trabte der Zauberzwerg allzu halbherzig nebenher. Zur Strafe zeigte ihm Pinto, dass  auch Hannover Spieler hat, die aus der zweiten Reihe schießen können und setzte das Leder an den linken Innenpfosten, von wo aus er zum völlig unnötigen 1:2 ins Netz kullerte. Hannover war wieder im Spiel, ohne dass man so recht wusste, warum überhaupt.  

Es entwickelte sich fortan ein offener Schlagabtausch, der allen potentiellen Ergebnissen Tür und Tor öffnete. Ein Fahrenhorst-Kopfball nach 66 Minuten war der erste Warnschuss, gefolgt von der einzig guten Aktion von Schlaudraff, der nach 73 Minuten Forssell mustergültig bediente. Wie auch immer der Finne bei diesem Spielstand völlig frei 5 Meter vor dem Borussen-Tor stehen konnte. Er tat es, agierte aber wie so oft an diesem Tag – ungeschickt und ungelenk. Fast glaubte man, er wolle sich mit seiner Leistung noch einmal bei den Borussen-Fans für die einst so herzliche Behandlung bedanken. 
 

Borussias Offensivaktionen blieben im Vergleich weniger deutlich. So konnte Bradley einen Friend-Ableger nicht kontrollieren (69.), wie Neuville ebenfalls nicht richtig hinter den Ball kam und somit keine Chance gegen Enke besaß (73.). Von daher war es nicht unverdient, als Hannover in der 77. Minute den Ausgleich erzielte. Eine Ecke von der rechten Seite landete auf dem Kopf von Schulz, der Bradley überstieg und ins linke obere Eck einnetzte. Stalteri reckte sich vergebens und für Borussia schien die Messe gelesen. In einer solchen Situation eine 2:0-Führung aus der Hand zu geben. Psychologisch kann nicht viel Schlimmeres passieren. Und im Grunde wäre der endgültige Knock-Out in Form einer Niederlage jetzt die logische Konsequenz gewesen.
 

Aber Hannover versäumte es nachzusetzen und stärker auf dieses Szenario zu drängen. Stattdessen bewies die Mannschaft von Hans Meyer Moral und kämpfte sich noch einmal zurück. Paul Stalteris Schuss in Minute 79 wurde zwar verzogen. Und Michael Bradley kam aus vollem Lauf aus 5 Metern nicht mehr gut genug unter den Ball, um ihn besser zu platzieren. Dann aber folgte die 83. Minute und ein weiter hoher Ball auf eben jenen US-Amerikaner, der ebenso wie anschließend der Kanadier Friend von Hannovers Abwehr abgeblockt werden konnte. Mit der Konsequenz allerdings, dass der Ball vor die Füße von Oliver Neuville prallte. Der Oldie war 10 Minuten zuvor unter den Pfiffen der Fans für Marko Marin eingewechselt worden. Eine Maßnahme, die sich nun auszahlte. Denn der von vielen bereits abgeschriebene Alt-Internationale zog direkt ab und versenkte den Ball unhaltbar ins Tornetz zur erneuten Borussen-Führung. Eine Führung, die man sich in der Zeit nach dem Ausgleich verdient hatte, die über die gesamte Partie gesehen aber eher schmeichelhaft ausfiel. 
 

Knappe 8 Minuten musste anschließend gezittert werden, doch Hannover besaß nicht mehr die Moral, das Borussen-Tor noch einmal ernsthaft zu gefährden. Vielmehr gelang es der Heimmannschaft, den Vorsprung relativ souverän über die Zeit zu retten und mit hohem eigenen Ballbesitz auszuspielen. Mit etwas mehr Zielstrebigkeit hätte Friend in der 89. Minute sogar erhöhen können. Aber anstatt aus 5 Metern aufs Tor zu köpfen, legte er den Ball für die Hannoveraner Abwehr zurück. Eine von vielen unglücklichen Aktionen unseres Sturmführers, der immer mehr unter der Isolation im Angriff zu leiden scheint. 
 

Angesichts von drei Toren erscheint es wenig sinnvoll, das Offensivspiel zu kritisieren. Und solange die Treffer irgendwie fallen, gibt es dort wenig zu bemängeln. Doch darf nicht übersehen werden, dass sich ingesamt nur wenige wirklich zwingende Tormöglichkeiten ergaben, und sich insbesondere die beiden ersten Treffer aus schönen Einzelaktionen unserer beiden Super-Techniker ergaben. Ob es Baumjohann aber auch in den kommenden Heimspielen stets gelingen wird, kurz vor dem Seitenwechsel mit einem Sonntagschuss unsere Führung zu erzielen, ist wohl eher unwahrscheinlich. 
 

Defensiv zeigten Levels und Gohouri erstaunliche Leistungen, die ihnen nicht jeder zugetraut hätte. Filip Daems war die gewohnt sichere Bank, wie sich auch Stalteri und Galasek als wertvolle Verstärkungen bestätigten. Läuferisch sehr stark und immer in Bewegung war Karim Matmour, dessen penetrante Ineffizienz aber die Geduld der Fans oft genug strapaziert. 
 

Trotz der erneut ärgerlichen Bonuspunkte, die Cottbus in letzter Minute gegen Bremen gewinnen konnte, liest sich das Tabellenbild nach diesem Wochenende wieder etwas angenehmer. Zumindest der Anschluss an die übrigen Abstiegskandidaten ist geschafft, was aber nur der Anfang sein kann. Mit 3 Spielen ohne Niederlage hat man immerhin eine Mini-Serie gestartet, die kommendes Wochenende beim Spiel in Berlin auf eine harte Probe gestellt werden wird. In jedem Fall sind aber all jene widerlegt, die nach den Ergebnissen der letzten Wochen bereits das Hoffen auf den Klassenerhalt eingestellt hatten, und sich stattdessen auf Nebenschauplätzen ausließen. 
 

Es ist geradezu abstrus, wenn es in unserer Situation Borussia nahestehende Personen gibt, welche die Trainerfrage überhaupt nur im Ansatz stellen. Nachdem Hans Meyer im Winter sein Konzept für das Projekt Klassenerhalt nach eigenen Vorstellungen durchziehen durfte und in den ersten Wochen der Rückrunde zumindest brauchbare Ansätze einer Besserung andeutete. Sollte auch nur irgendjemand im Verein für einen Moment an solch ein Szenario gedacht haben, müsste sich dieser angesichts der eigenen Inkompetenz und Konzeptlosigkeit vielmehr selbst in Frage stellen. Spätestens mit diesem Sieg sollten derlei Gedanken aber endgültig den Herren vom Boulevard exklusiv überlassen bleiben.
 

Borussia:
Bailly – Stalteri, Gohouri, Daems, Dorda (Levels 24) – Matmour (Brouwers 89), Galasek, Bradley, Baumjohann, Marin (Neuville 70) - Friend.

Hannover:
Enke – Pinto (Cherundolo 86), Fahrenhorst, C. Schulz, Tarnat – Balitsch (Schlaudraff 46), Andreasen - Stajner, Bruggink, Krzynowek (Zizzo 62) - Forssell.

Tore: 1:0 Baumjohann (36.), 2:0 Marin (43.), 2:1 Pinto (53.), 2:2 Schulz (78.), 3:2 Neuville (83.).

Schiedsrichter: Günter Perl (München)

Zuschauer:
36.166 (66,83 %)

Gelbe Karten (Borussia): Dorda, Galasek

Besondere Vorkommnisse: An diesem Karnevalssamstag erzielte Borussias Stürmer Oliver Neuville mit seinem 91. Bundesligator seinen ersten Treffer der laufenden Saison. Dies war gleichzeitig Neuvilles erstes Erstligator seit dem 11. November 2006 beim 1:1 gegen den Hamburger SV. Der 2:2 Ausgleich durch Schulz stellte bereits Gegentreffer Nr. 15 nach einer Standardsituation dar, was Liga-Höchstwert ist. Die Begegnung wurde umrahmt von der Ausgabe von grünen Armreifen des Schlachtrufs „Halt Pohl, Borussia“ der Mönchengladbacher Karnevalisten, die damit ihre Verbundenheit zur Borussia ausdrückten. 36.166 Zuschauern verfolgten das heutige Spiel, das war der geringste Besuch bei einem Heimspiel der Borussia in dieser Saison (zuvor: 36.454 gegen Energie Cottbus am 29.11.2008) und bei einem Samstagnachmittagspiel seit Stadioneröffnung (zuvor: Energie Cottbus, 29.11.2008). Erstmals nach dem Abschluß seines Leihvertrags als Stürmer der Borussia spielte Hannovers Mikael Forssell wieder in Mönchengladbach Fußball; Forssell hatte in der Spielzeit 2002/03 mit 7 Toren in der Rückserie erheblichen Anteil am Klassenverbleib des VfL in der 1. Bundesliga und sich dadurch den Status eines Publikumslieblings ergattert. Mit Robert Enke, Jan Schlaudraff und Trainer Dieter Hecking waren drei weitere ehemalige Borussenspieler für Hannover im Einsatz.
 

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