Es gab nicht viel, was Borussia und der 1.FC Köln an diesem wunderschönen 14. März 2009 gemein hatten. Eins aber gilt nach dem verdienten 4:2-Auswärtserfolg für beide: Sie sind wieder da! Borussia hat den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze endgültig geschafft, während sie gleichzeitig den rheinischen Erzrivalen in den Abstiegskampf zurückholen konnte.  

Wenn man nach 22 Spieltagen erst 16 Punkte auf dem Konto und bereits 14 Partien verloren hat, dann klingt es wie das berühmte Pfeifen im Walde, wenn so etwas wie eine Siegesserie eingefordert wird. Nach zwei höchst überzeugenden Dreiern gegen weit höher platzierte Teams und mit Spielen gegen Bochum und Karlsruhe vor der Brust scheint man im Borussia-Park aber dicht dran, den angekündigten Zwischenspurt tatsächlich zu verwirklichen. 

Die Art und Weise, wie man den damaligen Tabellenzweiten aus Hamburg vor einer Woche aus dem Stadion geschossen hatte, ließ den Optimismus unter der Woche ins nahezu Unermessliche steigern. Ein Abstieg, der zuvor für viele noch unausweichlich schien, wirkte auf einmal unvorstellbar. Da kam das Derby genau recht.
 

Noch vor wenigen Wochen wurde an dieser Stelle die Frage aufgeworfen, woher Borussia angesichts des schwächelnden Angriffs die Offensivgefahr für eine Aufholjagd nehmen möchte. Hans Meyer beantwortete dies eindrucksvoll damit, dass ein Gewinn an defensiver Stabilität automatisch auch dem Angriffsspiel die nötige Sicherheit geben sollte. 8 Tore aus zwei Spielen beweisen, dass über 40 Jahre Trainererfahrung manchmal dann doch mehr wert sind als 10 Jahre Internet-Berichterstattung über unseren Verein. 6 verschiedene Torschützen deuten zudem an, dass es Borussia gelungen ist, die Torgefahr auf viele Schultern zu verteilen. 
 

Auch an diesem Spieltag war es besonders die Mittelachse, die den Unterschied ausmachte. Während bei den Kölnern ein Petit ziemlich verloren auf weiter Flur steht, hat sich Borussia hier in der Rückrunde enorm gesteigert. Michael Bradley ist nicht nur wegen seiner beiden Tore, die sein Trefferkonto auf 5 hochschrauben, endgültig in Mönchengladbach angekommen. Seit Wochen überzeugt er und strahlt darüber hinaus eine Torgefahr aus, wie man sie im Gladbacher Mittelfeld in Liga 1 seit Jahren nicht mehr gesehen hat. 
 

Hinter ihm saugt Tomas Galasek unauffällig vieles weg, während der beste Borusse an diesem Nachmittag Alexander Baumjohann hieß. Weltklasse seine Ballbehauptung und -behandlung, dank derer er drei Tore brilliant einleitete. Wenn die Medien in der Vorwoche Marin zum beinahe alleinigen Matchwinner krönten, so müssten sie dieses Mal kaum weniger überschwänglich über den baldigen Münchener schreiben, der in seiner zentralen Position immer wichtiger für das Borussen-Spiel wird.
 

In der 1. Halbzeit teilte er sich die verdienten Lorbeeren noch mit Marko Marin, der seine gute Leistung in der 25. Minute mit einer perfekten Torvorlage krönte. Brecko und Geromel ließ er wie Schuljungen stehen, zog zur Außenlinie und passte dann noch genau in die Mitte, wo Michael Bradley schneller reagierte als der wie so oft indisponierte Marvin Matip.
 

Wie schon gegen den HSV profitierte Borussia von der exzellenten Effizienz, mit der ersten richtigen Torchance in Führung zu gehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der FC leichte Feldvorteile und mit Vucicevic (4.) und Novakovic (15.) die besseren Möglichkeiten besessen. Nach einer temporeichen Anfangsviertelstunde gelang es den Gästen aber, die Partie zu beruhigen bis zu eben jenem Turboantritt des Zauberzwergs. 
 

In der 34. Minute hatte dieser seinen nächsten großen Auftritt, als er Rob Friend mit einer wunderbaren Flanke auf den langen Pfosten bediente, und dieser aus zwei Metern und spitzem Winkel nur knapp am Außennetz scheiterte. Köln wirkte nach dem Rückstand geschockt und fand kein Mittel mehr gegen die massive Gladbacher Abwehr. Immer wieder versuchte man sich per Standards, die aber regelmäßig wirkungslos verpufften. Besonders in der Luft gehörte die Hoheit eindeutig der Borussia.
 

So kam es kurz vor der Pause sogar noch zum zweiten Treffer mit der dritten Chance, als Karim Matmour einen tödlichen Pass von Baumjohann aufnahm, Mondragon umkurvte und souverän einschob. Ausgerechnet Matmour, den die meisten Fans schon lange am liebsten auf die Bank verbannt hätten und der vor einiger Zeit versprochen hat, nach seinem ersten Treffer würde er mit Sicherheit weitere folgen lassen. 
 

Davor bewahrte die Kölner zunächst einmal der Halbzeitpfiff. Christoph Daum reagierte durch die Einwechselung von Ishiaku und Radu, die aber beide genauso überflüssig über den Platz stolperten wie ihre Vorgänger Sanou und Vucicevic. Einmal mehr bestätigte sich, dass der FC über eine kleine Handvoll überragender Einzelspieler verfügt, die den unterdurchschnittlichen Rest über Wasser halten. Wenn sich aber z.B. ein Novakovic wie aktuell eine Krise nimmt, bekommt die viel gerühmte Achse einen empfindlichen Riss, der die Schwächen in der Rückrunde gut erklärt. 
 

Beinahe wäre die Krise des Kölner Sturmführers nach 55 Minuten beendet worden, denn nach einem Pezzoni-Aufsetzer, den Bailly nur noch an den Pfosten lenken konnte, prallte der Ball von Novakovic ins Tor. Doch zum Glück hatte der Assistent gut hingesehen, dass der Stürmer zuvor deutlich im Abseits gestanden war. Dennoch wachten die Kölner mit dieser Szene wieder aus ihrer Lethargie auf. Es ging doch noch was, denn der Gast aus Mönchengladbach hat von der Papierform her immer noch die zweitschlechteste Defensive der Liga.  

Einen indirekten Freistoß aus 8 Metern setzte Petit nach 57 Minuten in die Mauer. Möglich geworden war dies dadurch, dass Schiedsrichter Kinhöfer wahrscheinlich zum ersten Mal seit etlichen Jahren in der Bundesliga ein zu langes Ball halten eines Torhüters monierte. Kaum auszudenken, wenn so ein überpenibler Pfiff das Spiel gedreht hätte. 
 

So dauerte es bis zur 64. Minute bis sich die Kölner den Anschlußtreffer verdienten. Hans Meyer hatte kurz zuvor mal wieder seinen umstrittenen „Neuville für Marin“-Wechsel vorgenommen, der aber angesichts der spürbar nachlassenden Leistung des Jung-Nationalspielers in Halbzeit 2 nachvollziehbar war. Marin wirkte nach dem kraftraubenden Beginn etwas platt und konnte kaum noch Akzente setzen. 
 

Ausgerechnet sein Gegenspieler war es, der die folgenden Umstellungsprobleme bei der Borussia gnadenlos ausnutze. So stand Miso Brecko nämlich völlig frei bei seinem Schuss aus 20 Metern, den er von Bradley abgefälscht an den linken Innenpfosten und schlußendlich ins Tor setzte. Der zur Halbzeit sicher gewähnte Derbysieg schien urplötzlich wieder in Gefahr, die aber schon drei Minuten später fürs erste gebannt werden konnte. 

Bradley, Friend, Baumjohann, Stalteri und wieder Friend zeigten in der 67. Minute eine Kombination, wie man sie in der Vorrunde kein einziges Mal bei unserer Mannschaft erleben durfte. Und nur eine Minute nach dem 3:1 hätte Oliver Neuville per Konter den Sack endgültig zumachen müssen. Er brauchte aber zu lange und konnte so seinen Vorsprung gegenüber Mohamad nicht nutzen, der ihm den Ball am Strafraum wegspitzelte.
 

Wie schon in Halbzeit 1 war es wieder das erste Borussen-Tor, dass jeglichen Elan bei den Gastgebern abwürgte. Köln fiel zurück in seinen ratlosen Trott und alles schien darauf hinauszulaufen, dass Borussias Fans die letzten 20 Minuten ihren 20. Derby-Auswärtssieg genüsslich bejubeln durften.
 

Völlig aus dem Nichts wurde es dann aber nach 82 Minuten doch noch einmal spannend. Wieder war es Brecko, dem ein verstolperter Ball von Ishiaku vor die Füße fiel und dessen Schuss wieder ins lange Eck einschlug. Das Horrorszenario eines verschenkten Sieges ausgerechnet in diesem so wichtigen Spiel manifestierte sich in die Köpfe der Borussen-Fans. Aber zum Glück nicht in den der Spieler. Denn die blieben souverän und ließen in den letzten 8 Minuten nichts mehr anbrennen.  

Ganz im Gegenteil. Als der eingewechselte Gal Alberman nach 86 Minuten zentral gegen drei Kölner durchbrach und frei auf Mondragon zulief, gelang es ihm geschickt, sein Bein in jene von Kevin Pezzoni einzufädeln. Schiedsrichter Kinhöfer stand sehr gut und hätte eigentlich sehen müssen, wie gewollt dieser Strafstoß gewesen ist. Immerhin blieb er damit aber seiner Linie treu, denn die Entscheidung war ähnlich der vom Derby des Vorjahres, als Novakovic genauso dankbar einen Kontakt mit Brouwers suchte und fand. 
 

Es war eine Ironie des Schicksals, dass Borussia die letzten Zweifel am Sieg durch einen fragwürdigen Elfmeter beseitigte, nachdem die Kölner im gesamten Spiel immer wieder bemüht waren, durch ständiges Hinfallen Pfiffe des Schiedsrichters zu provozieren. Insbesondere Sanou, Brecko und Radu wirkten, als würden sie mit Turnschuhen ohne Bodenhaftung spielen. 
 

So endete der Nachmittag für die Kölner wie er begonnen hatte, nämlich tränenreich. Die Borussen-Fans andererseits durften sich über den zweiten Gala-Auftritt in Folge freuen, eine Konstellation wie man sie in Liga 1 schon ewig nicht mehr erlebt hat. Wer nach der Vorrunde noch an den Fähigkeiten eines Hans Meyer gezweifelt haben mag, der sollte langsam aber sicher Abbitte leisten. Der Trainerfuchs schickt sich an, mit seiner Borussia dasselbe zu tun, was ihm zuvor bereits in Nürnberg und Berlin eindrucksvoll gelang: Mit einer totgesagten Mannschaft eine kaum für möglich gehaltene Serie zu starten und den Klassenerhalt zu bewältigen. 

Noch ist Borussia aber soweit nicht. Noch ist man mittendrin im Abstiegskampf und es ist noch immer ein weiter Weg bis dieser erfolgreich bestritten ist. Es steht außer Frage, dass sich die Lage erheblich aufgehellt hat durch die beiden letzten Spiele. Borussia hat es zuletzt hervorragend verstanden, gleich mit der ersten Chance in Führung zu gehen und die folgenden Gegentore kaltschnäuzig zu kontern. Dies zeugt von einem Charakter, wie man ihn bei einer Mannschaft auf den Abstiegsrängen selten sieht. Doch die Elf muss diese neue Stärke jetzt konstant weiter führen. Am kommenden Freitag kommt dafür mit dem VfL Bochum eine Mannschaft, gegen die ein Heimsieg fest eingeplant wird, die aber in der Rückrunde ähnlich erfolgreich auftritt wie unsere Elf. 
 

Köln:
Mondragon - Brecko, Geromel, Mohamad, Matip - Petit, Pezzoni – Sanou (Ishiaku 46), Vucicevic (Radu 46), Ehret (Broich 76) – Novakovic.

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Daems, Levels - Matmour (Alberman 68), Galasek, Bradley, Baumjohann (Kleine 89), Marin (Neuville 63) – Friend.

Tore: 0:1 Bradley (25.), 0:2 Matmour (44.), 1:2 Brecko (64.), 1:3 Friend (67.), 2:3 Brecko (82.), 2:4 Bradley (87., Foulelfmeter).

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)

Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia): Levels, Galasek

Besonderheiten: Zwei Bundesliga-Siege in Folge gab es für Borussia zuletzt im September/Oktober 2005, als man den Erfolgen gegen Bremen (2:1) und in Bielefeld (2:0) anschließend noch den gegen Mainz (1:0) folgen ließ. 8 Tore in zwei Spielen sind die beste Quote für Borussia in Liga 1 seit Mai 1997 (3:1 in St. Pauli, 6:2 gegen Bochum). Im dritten Spiel nacheinander wurde der Borussia ein Strafstoß zuerkannt, was seit dem ersten Wiederaufstieg der Borussia in die 1. Fußball-Bundesliga zur Saison 2001/02 in keiner Saison zuvor der Fall gewesen ist. Der Erfolg beim 1. FC Köln war für die Borussia der erste Erfolg in Köln-Müngersdorf seit dem 2:0 vom 19. August 2001. Im 37. Aufeinandertreffen beider Teams in der Geschichte der 1. Fußball-Bundesliga in Köln erzielte Borussias seinen 20. Sieg. Letztmalig vier Tore in der Domstadt erzielte die Borussia am 13. November 1993 beim 4:0. Die Treffer erzielten damals Martin Max (3) und Peter Wynhoff. 4 Auswärtstore in der 1. Bundesliga gelangen zuletzt am 7. März 1998 bei einem 5:2 in Karlsruhe (Tore: Paßlack (2), Effenberg (2), Juskowiak).
  

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