Nicht jedes 0:0 kommt durch Unzulänglichkeiten der beiden Kontrahenten zustande, und lässt den Betrachter schon nach kurzer Zeit das unvermeidlich trostlose Resultat vorhersehen, ehe er sich die übrige Spielzeit bis hin zum erlösenden Abpfiff über die Zeit langweilen muss. Das 0:0 zwischen dem Karlsruher SC und Borussia Mönchengladbach gehörte aber definitiv zu den typischsten seiner Sorte.

Zu jeder Zeit war zu erkennen, dass sich der Tabellen-18. und 16. gegenüber standen. Zwei Mannschaften, die nicht ohne Grund auf zusammen gerade einmal 39 Punkte aus 50 Partien gekommen sind und die bereits sicher für die 2. Liga planen könnten, wenn nicht noch einige andere Mannschaften ähnlich erbärmlich durch die Saison stümpern würden. 

Die echten Torchancen der Partie lassen sich kurz zusammenfassen, beschränkten sie sich doch in Halbzeit 1 auf die beiden Lattenschüsse, die einen Großteil der Zuschauer aus dem Sonntagsschlaf hochrissen. Zunächst bekam Borussia in Minute 36 seine Chance, als Roberto Colautti die einzig richtig gute Offensivkombination über Baumjohann und Matmour aus 10 Metern per Kopf abschloss. 5 Minuten darauf ließ Filip Daems seinem Gegenüber Alexander Görlitz zu viel Raum zum Flanken. Stalteri unterlief den langen Ball, so dass Freis aus 7 Metern abzog und sein berüchtigtes Schusspech unter Beweis stellte.
 

In der 78. Minute hätte Saglik das erste Karlsruher Tor nach über 10 Stunden Bundesliga erzielen müssen. Trotz der Offensivarmut Borussias konnte Karlsruhe in dieser Situation allen Ernstes einen Konter ansetzen, an dessen Ende der Ex-Wolfsburger 10 Meter vor dem Tor frei stand. Wie er dann aber den Schuss verzog und ihn meterweit am rechten Tor vorbei beförderte, dürfte auch dem letzten KSC-Anhänger die Hoffnung auf einen erfolgreichen Klassenerhalt genommen haben. 
 

Dies ist zugleich die positivste Nachricht des Tages, denn die Badener dürften nach diesem Spieltag als erster Absteiger so gut wie feststehen. Zwar sind 5 Punkte Rückstand 8 Spieltage vor Schluss kein Grund, um bereits komplett aufzugeben. Aber wenn man sieht, wie verunsichert die Mannschaft von Ede Becker in der Defensive auftritt und wie harmlos man sich im Torabschluss präsentiert, dann ist das selbst gegen die schwache Konkurrenz im Abstiegskampf nicht ausreichend.  

Aus diesem Blickwinkel darf sich der Borussen-Fan wiederum fragen, ob bei solch einem Gegner nicht mehr zu holen gewesen wäre als nur ein Punkt. Es ist anschließend immer etwas müßig, aber ein bißchen mehr Engagement im Offensivspiel hätte womöglich ausgereicht, um die Gastgeber zu erlegen, die zwar über 90 Minuten engagiert zu Werke gingen, aber unterbewußt nur bedingt an ihre eigenen Qualitäten zu glauben schienen.
 

Ebenso müßig ist es darüber nachzudenken, welches Spiel sich ergeben hätte, wenn Borussias bester Vorlagengeber und Torschütze auf dem Platz gestanden wären. Mit Roberto Colautti und Oliver Neuville bekamen stattdessen zwei Spieler ihre Chance, die von vielen Fans in den letzten Monaten immer wieder für die Startelf gefordert wurden. Die Harmlosigkeit lag sicher nicht nur an ihnen. Dennoch lieferten beide kaum zwingende Argumente, warum sie in der nächsten Woche unbedingt wieder auflaufen sollten.  

Neuville war defensiv sehr eifrig und ging weite Wege. Colautti wurde u.a. dadurch vorne aber auch viel zu sehr allein gelassen. Neben dem Lattenkopfball hatte er in der 71. Minute beinahe seine Riesen-Chance, ein besseres Zeugnis ausgestellt zu bekommen. Als Baumjohann ihm den Ball an zwei Karlsruhern vorbei durchsteckte und der Israeli frei auf KSC-Keeper Miller durchlaufen wollte, wurde er wegen vermeintlichem Abseits zurückgepfiffen. Eine schlimme Fehlentscheidung, die Gladbach evtl. darum gebracht hat, wie zuletzt Bielefeld in Karlsruhe oder Bochum im Borussia-Park zu einem glücklichen 1:0-Auswärtssieg zu kommen. 
 

Darüber zu hadern würde dem Spielverlauf aber nicht gerecht, denn für einen Sieg hat Borussia viel zu wenig getan. Zwar erfüllte man Hans Meyer den Wunsch, ohne Rob Friend auf das planlose „Hoch und Weit“ zu verzichten. Dummerweise hatte man aber kein Alternativkonzept ausgearbeitet, wie man stattdessen zu eigenen Torchancen kommen konnte. Ab und zu mal eine geniale Aktion von Baumjohann oder ein engagiertes Durchwurschteln von Matmour. Das war alles, was der Mannschaft offensiv einfiel. Und das war definitiv nicht genug, um selbst die schwachen Badener ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. 
 

Ein gelungenes Debüt feierte immerhin Dante, der bei seinem Startelf-Debüt gleich die Rolle des Abwehrchefs souverän einnahm und zum ersten zu Null der Rückrunde beitrug. In vielen Situationen ließ er seine Klasse aufblitzen, mit der er viele Aktionen spielerisch gut zu lösen verstand. Seine Leistung und die dadurch zusätzlich stabilisierte Defensive bieten einen Hoffnungsschimmer für die kommenden Wochen.
 

Ein weiterer ist in der Offensive die Rückkehr von Marko Marin und Rob Friend, wenngleich nicht übersehen werden darf, dass auch mit den Beiden gegen Bochum ein ähnliches Spiel stattgefunden hat. Die Hochphase aus den Spielen gegen Hamburg und in Köln hat uns immerhin auf den Relegationsplatz getragen, ist jetzt aber vorbei und ein jeder sollte erkannt haben, dass es in den nächsten 8 Wochen nur noch um reinen Abstiegskampf gehen wird. 
 

Der 5:1-Sensationserfolg des kommenden Gegners aus Wolfsburg kann Hans Meyer eigentlich nur Recht sein. Denn anders als in Karlsruhe wird nun keiner ernsthaft davon ausgehen, dass ein Dreier gegen den Tabellenführer selbstverständlich ist. Die Mannschaft von Felix Magath wird vielmehr einen Ausbau ihrer beeindruckenden Siegesserie voraussetzen, was unterschwellig dazu führen kann, dass man den Abstiegskandidaten unterschätzen wird. Borussia muss dies ausnutzen, indem man unter Beweis stellt, dass man gegen mitspielende Mannschaften in der Offensive besser zurecht kommt. Aber egal ob dies gelingt oder nicht. Das Abstiegsgespenst wird sich so schnell nicht aus dem Borussia-Park vertreiben lassen und wird uns einen hoch dramatischen April und Mai bescheren. 

Karlsruhe: Miller – Görlitz (Celozzi 68), Drpic, Langkampf, Eichner – Federico, Aduobe, Mutzel (Stindl 68), da Silva – Freis (Saglik 70), Kapllani 

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante, Daems – Bradley, Galasek – Matmour, Baumjohann (Lamidi 80), Neuville (Paauwe 75) – Colautti.

Tor
: keine

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)

Zuschauer: 29.380 (98,93 %)

Gelbe Karten (Borussia): keine

Besondere Vorkommnisse: Borussia blieb das erste Mal seit dem letztem "echten" Auswärtssieg im November in Bielefeld ohne Gegentor. Insgesamt gelang dies in dieser Saison sonst nur noch in den beiden Spielen gegen den KSC. Den 8 eigenen Toren in den beiden ersten Partien des März folgten zuletzt zwei torlose Spiele gegen direkte Abstiegskonkurrenten.

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