Durch eine klare 1:4-Auswärtsniederlage bei Eintracht Frankfurt hat die Borussia ihrem Gegner am heutigen Samstagnachmittag einen vergleichsweise leichten Heimsieg beschert, der auch in der Höhe vollauf verdient war. Drei Gegentreffer in Folge von simplen Standardsituationen der Heimelf dokumentierten hierbei, wie schlampig die Borussia mit der Sicherung ihres eigenen Torraumes verfuhr. Auf der Gegenseite benötigte sie selbst erst zwei der vier Frankfurter Treffer um dann, Mitte der zweiten Halbzeit, in ihrem eigenen Offensivspiel die vermisste Zielstrebigkeit wenigstens ansatzweise anzudeuten. Dass die damit durchaus kurzfristig wiederbelebte Möglichkeit auf einen sogenannten „schmutzigen Punktgewinn“ am Ende nicht Wirklichkeit wurde, die Elf hat sich diese einfache Wahrheit aufgrund ihres stark in die Dekadenz driftenden Gesamteindrucks vorwerfen zu lassen.

Dabei startete Trainer Hans Meyer in dieses im Vorfeld als eines von zwei wichtigen, aufeinanderfolgenden Bundesligapartien ausgerufene Spiel mit unveränderter Formation im Vergleich zur unglücklichen Niederlage gegen den VfL Wolfsburg in der Vorwoche. Auch Roberto Colautti, der zu Wochenbeginn grippekrank gewesen war, hatte sich rechtzeitig für den weiterhin verletzten Torjäger Rob Friend wieder zurückgemeldet und bildete die vorderste Anspielstation der Borussia. Hierbei war dem israelischen Internationalen das unablässige Bemühen um einen guten Eindruck anzumerken, doch litt der aus Argentinien stammende Angreifer fortwährend unter dem extrem unzureichenden Spiel, das seine Mannschaftskameraden mit dem Ball an ihren Füßen vollzogen.

Dennoch war es die Borussia, die in dieser Partie als erste der beiden Mannschaften zu einer Torgelegenheit kam. Ihr brasilianischer Abwehrspieler Dante Bonfim hatte nach gut einer Viertelstunde einen von der Frankfurter Deckung nicht ausreichend geklärten Flankenball von Borussias linker Abwehrseite vor seinem Gegenspieler aufgekommen und war nach einigen Schritten in Richtung des Frankfurter Tores zu einem Distanzversuch gelangt, den die herausrückenden Frankfurter in Richtung des auf der rechten Seite in den hessischen Strafraum eindringenden Marko Marin abfälschten. Der Nationalspieler war jedoch davon zu überrascht, als dass er den Ball an dem sich in seine Richtung hechtenden Frankfurter Torhüter Markus Pröll vorbei in das Tor bugsieren konnte. Stattdessen prallte der Ball wieder in das Spielfeld zurück.
Diese Situation ließen sich die einsatzfreudigen Hessen eine Warnung sein und verteidigten ihr Tor konsequenter bereits auf Höhe der Mittellinie. Dort gewannen sie in der Folge immer öfter die wichtigen Zweikämpfe und konnten jene vorher offensiv verlorenen, von der Borussia also meist in der Tiefe der eigenen Spielfeldhälfte erlangten Bälle kontinuierlich zurückerobern. Wenn die Frankfurter - die bis zur 20. Spielminute (wie zum Beispiel durch den beachtlichen Volleyversuch von Mittelfeldspieler Alexander Meier) mehrfach in Schusspositionen vor Logan Bailly gelangten - die Borussia doch einmal mit dem Ball am Fuß bis in die eigene Spielfeldhälfte zu begleiten hatten, profitierten sie stetig von der zum wiederholten Male zu beobachtenden Kuriosität, dass insbesondere Borussias Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann mit einer stark aufreizenden Lässigkeit den momentanen Abstiegskampf der Borussia längst mit der imaginären Showbühne (s)eines Fußball-Varietés verwechselt.

Mit so wenig ernsthaft gespielten Angriffen durch die Borussia war es für die Frankfurter mit zunehmender Spieldauer immer öfter möglich sich vor Logan Bailly zu positionieren, wenngleich effektive Tormöglichkeiten für ihre Stürmer um den schlaksigen Griechen Nikos Liberopoulos auch bis in die Schlussphase der ersten Hälfte noch auf sich warten ließen. Um dennoch mit einer Pausenführung die Kabine zu betreten, reichte ihnen allerdings eine Eckballsituation in der 40. Spielminute, die der für einen offensiven Mittelfeldspieler vergleichsweise imposant groß gewachsene Alexander Meier an dem sich auf der Torlinie vergeblich an einer Parade versuchenden Logan Bailly vorbei wuchtete und so die größeren Spielanteile seiner Mannschaft schließlich in einen zählbaren Vorteil umwandelte.

Beide Mannschaften waren gerade unmittelbar aus der Halbzeitpause zurückgekehrt, da hatte der unlängst erwähnte Nikos Liberopoulos die gefühlte Vorentscheidung für die Heimelf auch schon erzielt. Auf Vorlage seines Teamgefährten Martin Fenin erzielte der Grieche in der 47. Spielminute schon das 2:0 für Eintracht Frankfurt. Vorausgegangen war eine Freistoßsituation von Borussias rechter Abwehrseite, von wo aus die Frankfurter an einen nur unzureichend geklärten Ball wesentlich zu schnell und wesentlich zu unbehelligt erneut herangekommen waren. Das kaum als konsequent zu betitelnde Abwehrverhalten der Borussia wurde hierbei, wie schon beim ersten Frankfurter Tor, in seiner ganzen Nachlässigkeit fatal auf den Punkt gebracht: eine in der Offensive harmlose Equipe setzte sich mit ihrem erschreckenden Verteidigungsspiel selbst schachmatt.

Nach dem anschließenden Wiederbeginn der Partie dauerte es noch rund zehn Spielminuten, ehe die Borussia von der nun weniger nachdrücklichen Spielgestaltung der unter dem Strich wesentlich frischer wirkenden Heimelf schrittweise dadurch profitieren konnte, dass sie plötzlich in größer werdenden Sekundenbruchteilen in der Frankfurter Hälfte im Ballbesitz blieb. Zu diesem Zeitpunkt hatte Borussentrainer Hans Meyer die Darbietung des erwähnten Baumjohann bereits mit einer Auswechselung gegen Nachwuchsprofi Moses Lamidi quittiert (54.). Später wechselte Meyer auch noch Ex-Nationalstürmer Oliver Neuville für den blassen Matmour ein, zu diesem Zeitpunkt hatte die Borussia allerdings bereits das vermeintliche Anschlusstor der Partie erzielt - ein Treffer von Tomas Galasek, dem jedoch die Anerkennung verwehrt blieb, weil Schiedsrichter Dr. Brych das unmittelbar vorausgegangene Foul des Frankfurters Chris an dem spielfreudigen Marko Marin im Strafraum bereits mit einer energischen Elfmeterentscheidung geahndet hatte.

In einer für den Spielvortrag der Borussia in den letzten Wochen insgesamt schon symbolträchtigen Manier war es in jener besagten 65. Spielminute allerdings dann Mittelfeldspieler Michael Bradley, der mit diesem Strafstoß an Frankfurts Torsteher Pröll scheiterte. So blieb es beim Zwei-Tore-Rückstand. So blieb es aber auch dabei, dass die Frankfurter sich weiterhin in der Sicherheit glaubten, dass ihnen jetzt erst recht nichts mehr passieren würde.

Diesen Glauben bezahlten die Hessen in der 75. Spielminute mit einem weiteren Elfmeter, diesmal hatte ihr Abwehrspieler Marco Russ gegen Marko Marin im Sechzehnmeterraum Foul gespielt. Diese Entscheidung läutete zunächst jenen sogleich von Mannschaftskapitän Filip Daems in souveräner Manier verwandelten Strafstoß ein, allerdings auch eine Schlussphase, in der die Borussia sich insbesondere vor dem eigenen Tor tölpelhaft und tapsig präsentierte. Zunächst durfte der eben noch am Borussenstrafstoß tatbeteiligte Marco Russ (dank einer Kopflosigkeit des anschließend regelrecht postwendend von Hans Meyer ausgetauschten Dante Bonfim) gänzlich unbedrängt eine Ecke des früheren Bielefelders Michael Fink einköpfen (80.), zwei Minuten vor dem Schlusspfiff assistierte dann Michael Bradley Michael Fink beim Torschuss. Der Ende August 2008 vom niederländischen SC Heerenveen verpflichtete US-Amerikaner stellte sich in dieser Situation hinreißend armselig an, verhedderte er sich doch in der Annahme am eigenen Fünfmeterraum gegenspielerfrei zu sein. Er war nicht ohne Gegenspieler: die hübsche Pirouette (die er bei dem Versuch den Ball aus der Drehung zu spielen) vollzog, sie machte Fink den folgenden Torerfolg sehr leicht.

Es ist im Nachhall der Partie sicher sehr leicht darauf zu verweisen, dass auch mit diesem Resultat die Ausgangsposition der Borussia im Kampf gegen den Abstieg aus der 1. Fußball-Bundesliga dennoch unverändert geblieben ist und in und um die Borussia man etwa zur Winterpause sehr damit zufrieden hätte sein können, sechs Spieltage vor dem Ende der Spielzeit noch eine realistische Möglichkeit auf den ungetrübten Verbleib in der Liga zu haben. Dafür hätte mancher Anhänger an Weihnachten 2008 sehr, sehr, sehr viel gegeben. Dies rüttelt aber wiederum keinen einzelnen Meter an der Erkenntnis, dass die Borussenmannschaft sich seit dem Auswärtserfolg gegen den 1. FC Köln im März auf dem klar absteigenden Ast befindet und insbesondere in diesen letzten vier Begegnungen gegen immerhin doch drei sozusagen direkte Konkurrenten (Bochum, Karlsruhe, Frankfurt) durch die Aneinanderreihung von Nachlässigkeiten einen fatalen Eindruck vermittelte: jene Annahme, allein durch den Auswärtserfolg beim rheinischen Rivalen in Köln-Müngersdorf diese für sie insgesamt eher fast schon klar ungenügende Saison 2008/09 bereits „gerettet" zu haben.

Im Gegenteil. Die Borussenmannschaft hat zwar ein junges Durchschnittsalter und sie ist auch spielerisch beachtlich bestückt, ihr gelingt es allerdings zu selten diese Potenz in eine durchschlagende Tatkraft umzusetzen. So verpufft ein großer Teil ihrer vermeintlichen spielerischen Klasse momentan etwa in der bloßen Sturheit von Mittelfeldakteur Alexander Baumjohann, der noch im März gegen den 1. FC Köln ein phantastisches Spiel abgeliefert hatte und eindeutig die Triebfeder des damaligen Sieges war. Seit der Anfangsviertelstunde im darauf folgenden Spiel gegen den VfL Bochum verliert der ehemalige Gelsenkirchener sich jedoch kontinuierlich darin mit möglichst komplizierten Ballstafetten und -ablagen sein vielbesungenes spielerisches Vermögen nachzuweisen. Dabei bleibt er dann konsequent unter Normalform und unterfüttert damit einen latenten Unmut, der eigentlich nicht notwendigerweise entstehen müsste. Drei Auswechselungen in den letzten drei Spielen mit gleichförmig sinkenden Einsatzminuten zeigen ja, dass auch Trainer Hans Meyer (anders als noch zu Beginn der Rückrunde) Baumjohann neuerdings in engen Schlussphasen für durchaus entbehrlich hält.

Von dieser nun einen Absatz lang eingeschobenen Einzelkritik abgesehen, ist es aber wirklich unwichtig, ob der U21-Internationale seine fußballerischen Fähigkeiten in den zurückliegenden Spielen eingebracht hat. Er und seine Mannschaftkollegen, die heute wiederholt viel Anlass zur vorrangig kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Tun gegeben haben, haben sich durch die jüngsten Resultate gegen Teams „auf Augenhöhe" nunmehr eigenhändig in eine Situation katapultiert, in der das anstehende Heimspiel gegen die Bielefelder Arminia einen wahrhaft vorentscheidenden Charakter bekommt: alles andere als ein Heimsieg gegen die aktuell nur einen Punkt und einen Platz bessere Mannschaft von Michael Frontzeck wird bedeuten, dass die Borussia sich eine Rettung ohne Relegationsspiele bereits abschminken könnte.
Jenes Match gegen Bielefeld ist ein tabellarisches Endspiel, das zu gewinnen der Mannschaft der Borussia eindringlich anzuraten ist. Da gibt es keinen Zweifel. Sollte die Borussia dieses Spiel allerdings wirklich für sich entscheiden, auch dann hätte die Mannschaft weder sich noch die Saison in irgendeiner Form schon „gerettet". Denn auch dann warten noch fünf weitere Spiele. Spiele, die man nur gewinnt, wenn man Ernsthaftigkeit, Zielstrebigkeit und das unbedingte Verlangen einbringt.

Gerade davon hatte die Borussia heute nichts am Start. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass man der Frankfurter Eintracht artig dazu gratuliert, sich den achten Saisonerfolg der laufenden Spielzeit wiederum gegen eine in der Tabelle schlechter positionierte Mannschaft gesichert zu haben. Das ist der Nachweis sich auf den Punkt konzentriert zu haben. Und wer so eingeladen wird, der hat das ehrliche Recht freundliche Geschenke auch in dieser Höhe einfach nur anzunehmen.

Frankfurt: Pröll - Ochs, Russ, Chris, Spycher - Fink, Inamoto - Steinhöfer (Korkmaz 68), Meier, Fenin (Bajramovic 84 (Caio Alves dos Santos 90)) - Liberopoulos.

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante (Kleine 82), Daems - Marin, Bradley, Galasek, Baumjohann (Lamidi 54), Matmour (Neuville 65) - Colautti.

Tore: 1:0 Meier (40.), 2:0 Liberopoulos (48.), 2:1 Daems (75., Foulelfmeter), 3:1 Russ (80.), 4:1 Fink (88.)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer: 51.500

Gelbe Karten (Borussia): Baumjohann

Besondere Vorkommnisse: Bei seinem insgesamt dritten Versuch einen Strafstoß in der Bundesliga zu verwandeln, scheiterte Michael Bradley heute zum ersten Mal. Letztmals einen Strafstoß nicht verwandelt hatte die Borussia am 5. Spieltag der zurückliegenden Spielzeit in der 2. Fußball-Bundesliga, damals auch in einem Auswärtsspiel. An jenem 17.09.2007 brachte Oliver Neuville den Ball nicht im Tor von Gastgeber Erzgebirge Aue unter, jedoch gewann die Borussia damals das Spiel mit 3:2-Toren. Der letzte in der 1. Bundesliga nicht verwandelte Elfmeter der Borussia trug sich am 17. Dezember 2005 zu, damals scheiterte ebenfalls Oliver Neuville. Damals gewann die Borussia das zugehörige Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (4:3), allerdings hütete damals Oka Nikolov das Frankfurter Gehäuse.

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