Es wäre die Untertreibung des Jahres zu behaupten, dass Borussias Chancen auf den Klassenerhalt nach der 1:1-„Niederlage“ im Abstiegsduell gegen Arminia Bielefeld einen herben Dämpfer erlitten haben. Die gleichzeitigen Sensationssiege des Karlsruher SC und von Energie Cottbus rundeten ein schwarzes Wochenende ab, das eigentlich dazu prädestiniert schien, die so lange ersehnte Wende herbeizuführen und endlich mal wieder die Abstiegsränge zu verlassen.

 

Ein Heimspiel gegen den statistischen Lieblingsgegner der letzten Jahre, der vier Spiele in Folge verloren hatte und auf seinen mit Abstand wichtigsten Spieler verzichten musste. Nachdem selbst diese Ausgangsbasis nicht genutzt werden konnte, fällt es schwer, noch irgendwelche Argumente für einen Klassenerhalt zu finden. Schon der VfL Bochum, Energie Cottbus und Eintracht Frankfurt haben sich nach Belieben im Borussia-Park bedient, ehe jetzt auch Michael Frontzeck bei seiner Rückkehr in die Heimat ein gefühlter Sieg gelang, der die Fans der Borussia konsterniert und kopfschüttelnd zurück lässt.
 
Die Partie begann bereits bei der Präsentation der Mannschaftsaufstellungen mit einem Paukenschlag. Hans Meyer reagierte pragmatisch darauf, über keinen halbwegs brauchbaren Stürmer zu verfügen. So verzichtete er einfach komplett auf den Angriff und versetzte Karim Matmour ins Zentrum, was der zumindest eine Halbzeit lang gar nicht so schlecht umsetzte. Vielleicht war es aber auch reine Fairneß dem geschätzten Trainerkollegen gegenüber, der ebenso auf seinen Ein-Mann-Sturm in Person von Artur Wichniarek verzichten musste. So dürfte das erste Bundesliga-Spiel aller Zeiten stattgefunden haben, bei dem zu Spielbeginn kein echter Angreifer auf dem Platz gestanden ist. 

Nach 13 Minuten schien dieser Schachzug von Meyer aufzugehen, denn ausgerechnet dem quirligen Matmour gelang mit der ersten guten Aktion des Spiels nach toller Vorarbeit von Alexander Baumjohann die 1:0-Führung durch einen platzierten Schuss aus 20 Metern ins rechte untere Eck. Borussias Welt schien in Ordnung und im Grunde hätte nun alles seinen erwarteten Gang nehmen sollen. 
 

Doch anstatt das Spielgeschehen jetzt weiter zu kontrollieren, ließ man sich mehr und mehr zurückdrängen und brachte die harmlosen Bielefelder völlig unnötig ins Spiel zurück. Gefahr entstand nur bei den sich mehr und mehr häufenden Standards. Das Trainingslager unter der Woche schienen die Arminen aber nicht gut genug genutzt zu haben, denn richtig zwingend wurde es auch bei diesen Aktionen selten. 
 

Das sich dennoch anbahnende Gegentor in der 32. Minute fiel dann erst unter starker Mithilfe von Borussia. Paauwe versuchte im Mittelfeld zu klären, indem er in einen Ball grätschte und diesen damit herrlich auf Robert Tesche vorlegte. Brouwers und Dante wurden davon so sehr überrascht, dass sie den Arminen im rechten Strafraum allein ließen, und dieser Logan Bailly tunneln konnte. Der verzweifelte Rettungsversuch von Tomas Galasek kam anschließend zu spät.
 

Fortan war Borussia für einige Minuten von der Rolle und man muss den Gästen ein wenig vorwerfen, in dieser Phase aus der Konfusion des Gegners nicht mehr gemacht zu haben. Erst kurz vor dem Seitenwechsel kam wieder etwas mehr Ordnung ins Spiel der Borussia, und wenigstens war man nun darum bemüht, das Spiel halbwegs vernünftig in die Kabine zu retten.
 

Zur zweiten Halbzeit änderte sich nichts, ehe Meyer dann aber doch nach und nach die nominellen Stürmer einwechselte. In knappen Zehn-Minuten-Abständen durften Moses Lamidi, Oliver Neuville und Roberto Colautti versuchen, die trostlose Harmlosigkeit irgendwie noch abzuwenden. Doch über das Bemühen kamen sie alle drei nicht hinaus. Speziell dem jungen Lamidi merkte man an, dass er mit der Bundesliga-Welt (noch) arg überfordert ist, während die anderen beiden den zuletzt gewonnenen Eindruck nicht beseitigen konnten, dass ihre Zeit vorbei ist (Neuville) bzw. dass ihre Qualitäten für eine höherwertige Liga nicht ausreichen (Colautti).
 

Es ist eine Sache zu kritisieren, dass die Stürmer hinter Rob Friend nicht in der Lage sind, den Kanadier auch nur halbwegs gleichwertig zu ersetzen. Wenn man aber dermaßen wenig Vertrauen in ihre Qualitäten besitzt, dass man zunächst ganz auf sie und einen Sturm verzichtet, um ihnen dann einen Oberliga-Durchschnittskicker vorzuziehen, dann stellt sich die bereits im Winter gestellte Frage, wieso man damals nicht auch in diesem Bereich irgendwie reagiert hat. Sicher, die Optionen für einen Transfer auf dieser Position waren nicht allzu viel versprechend. Aber gar nicht erst reagiert zu haben, kann sich nunmehr als eine Wiederholung des tragischen Fehlers aus der letzten Abstiegssaison entpuppt haben. Wenn man bei der Verletzung eines einzigen Akteurs dermaßen alternativlos da steht, dann ist das eben auch ein Zeichen für fehlende Bundesligareife.
 

Über die zweite Halbzeit sei sonst nicht viel mehr gesagt, denn mit Ausnahme einiger weniger netter Aktionen plätscherte das Geschehen vor sich hin und es hätte wohl noch Stunden so weitergehen können, ohne dass von Borussia irgendetwas Zwingendes zu erwarten gewesen wäre. 
 

Vor dem Seitenwechsel wusste Matmour halbwegs zu gefallen. Filip Daems war auf der linken Außenbahn offensivstärker als ein Marin und von daher einer der wenigen, der sich gegen den Abstieg wehrte. Auch dem zuletzt so derbe kritisierten Dante kann man an diesem Tag nicht viel vorwerfen. 

Michael Bradley hingegen wusste seine Rolle im offensiven Mittelfeld überhaupt nicht zu nutzen. Er ging wie schon in den letzten Spielen völlig unter, und ist meilenweit von der Form entfernt, die ihn in den Spielen gegen Hamburg und Köln so wertvoll machte. Marko Marin wird sich nach solch einer schwachen Partie die Diskussionen gefallen lassen müssen, ob in der aktuellen Situation Verhandlungen mit anderen Vereinen nicht vehementer verhindert werden sollten. Alexander Baumjohann war dieses Mal effektiver, wobei seine per Schwalbe abgeholte Gelbe Karte kurz vor Schluss, und die damit verbundene Sperre gegen die Bayern, erklärungsbedürftig erscheint.
 

Die Einzelkritik ist aber eh müßig, denn im Kollektiv erscheint Borussia in dieser Saison zu schwach. Die Wintereinkäufe haben zwar die Qualität auf den einzelnen Positionen leicht angehoben, aber insgesamt nicht in dem Maße, das für eine bessere Rückrunde erforderlich gewesen wäre. Einzig der ebenso schwachen Konkurrenz ist es zu verdanken, dass überhaupt noch ein Funken Hoffnung auf den Nicht-Abstieg besteht. Nicht einmal so sehr wegen des reinen Ergebnisses, als vielmehr aufgrund der armseligen Un-Leistung glimmt dieser aber nicht einmal mehr auf Sparflamme. Die Art und Weise, wie man sich in sein Schicksal zu ergeben scheint und wie man den bedingungslosen, absoluten Willen vermissen lässt, ist für eine Mannschaft in einer solch prekären Situation unerklärlich und unentschuldbar. Den Fans kann man da keinen Vorwurf machen, wenn sie dies mehr und mehr mit Frustration und Wut zur Kenntnis nehmen und diesen Emotionen auch verbal Luft verschaffen. Bedingungslose Unterstützung hat diese Mannschaft genug erhalten in den letzten Jahren, ohne dass dies allzu viel genutzt hätte. Jetzt steht sie endlich einmal in der Pflicht, den Fans etwas zurückzugeben, aber leider hat man kaum den Eindruck, als wenn die Spieler daran ein übermäßig großes Interesse hätten.
 

Der Rückfall auf Platz 17 und die beiden Spiele in München und gegen Schalke im Blick lassen nicht allzu viel Spielraum für verbleibenden Optimismus. Doch nützt nichts anderes als sich in die Floskel zu retten, dass eine Selbstaufgabe erst dann Sinn macht, wenn rechnerisch überhaupt nichts mehr geht. Vielleicht hilft es ja, sich einen knappen Monat zurück zu erinnern, um doch noch einmal einen Ansatz von so etwas wie Mut zu fassen. Damals hatte man mit einer engagierten Leistung den HSV besiegt und anschließend das Derby souverän nach Hause gefahren. Hoffnung besteht nur noch dann, wenn es der Mannschaft irgendwie gelingt, dieses kurze Zwischenhoch in den letzten Spielen noch einmal neu zu beleben. Denn wie schwer das Restprogramm auf dem Papier auch aussehen mag. Die Erfahrung lehrt, dass gerade in den letzten Wochen einer Saison das Tippen der Restprogramme durch Experten oder Fans ähnlich treffsicher gelingt wie die aktuellen Wachstumsprognosen bei den deutschen Wirtschaftsinstituten.
 

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante Bonfim, Daems - Baumjohann, Bradley (Neuville 69), Galasek, Paauwe (Lamidi 52), Marin - Matmour (Colautti 77).

Bielefeld: Eilhoff - Lamey, Bollmann, Mijatovic, Schuler - Marx, Kauf (Kucera 75) - Kirch, Tesche (Janjic 90), Munteanu (Halfar 75) - Katongo.

Tore: 1:0 Matmour (13.), 1:1 Tesche (32.)

Schiedsrichter:
Manuel Gräfe (Berlin)

Zuschauer: 50.108 (92,67 %)

Gelbe Karten:
Stalteri, Baumjohann (5, im nächsten Spiel gesperrt)

Rote Karten:
Fehlanzeige

Besondere Vorkommnisse: Erstmals in einem Spiel an der Hennes-Weisweiler-Allee kam Arminia Bielefeld zu einem Torerfolg. Das letzte Bielefelder Ligator in einem Punktspiel bei der Borussia erzielte Arne Friedrich am 27. April 2001 beim 1:0 in der 2. Bundesliga. Am 13.11.1981 erzielte Karl-Heinz Geils bei einem 1:3 der Arminia letztmals für Bielefeld ein Erstliga-Tor in Mönchengladbach. Durch das heutige 1:1 ist die Borussia seit insgesamt 5 Spielen sieglos, ihren letzten Erfolg feierte sie im Rheinderby beim 1. FC Köln am 14. März 2009. Während sie in jenem und dem diesem Spiel vorausgehenden Heimspiel gegen den Hamburger SV am 07. März jeweils vier Tore in einem Spiel erzielte, so waren es in den 5 Spielen seitdem insgesamt nur noch drei. In den fünf Spielen, in denen Borussia insgesamt in dieser Saison auf ihren Toptorjäger Rob Friend (7 Saisontore) verzichten musste, gelangen der Mannschaft nur drei Remis (Bremen, Karlsruhe, Bielefeld), jedoch nie mehr als maximal ein Tor. Mit Alexander Baumjohann, der die 5. Gelbe Karte erhielt, und damit im kommenden Spiel bei seinem neuen Arbeitgeber Bayern München der Borussia nicht zur Verfügung stehen wird, haben mittlerweile vier Borussenspieler in dieser Saison eine Gelbsperre erhalten (außerdem: Daems, Friend, Marin).

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  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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