Jupp HeynckesOhne Auswärtspunkt kehrt die Borussia vom heutigen 30. Spieltag der 1. Fußball-Bundesliga heim. Die Mannschaft von Trainer Hans Meyer bot im Münchener WM-Stadion über zwei Spielhälften eine ordentliche Defensivleistung, ihr unterliefen allerdings vor dem Halbzeitpfiff in zwei Situationen Fehler, die die gastgebenden Bayern von Jupp Heynckes zu zwei Toren nutzen konnten. Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und der türkische Auswahlspieler Hamit Altintop trafen dabei für den Deutschen Meister, Filip Daems war bei der 1:2-Niederlage für die Borussia per Foulelfmeter erfolgreich.

 

Ohne den gelbgesperrten Alexander Baumjohann, der ja in der kommenden Saison dem Kader des FC Bayern München angehören wird, reagierte die Borussia mit Umstellungen auf die seit dem Remis gegen Arminia Bielefeld am letzten Wochenende zum Schlechten veränderte Ausgangssituation im Abstiegskampf. Trainer Hans Meyer entschied sich gegen den ehemaligen Verein des in der Vorwoche geschassten Jürgen Klinsmann mit einer massiv defensiven Grundausrichtung anzutreten: für den erwähnten Baumjohann rückte Tobias Levels in die Startelf, Marko Marins Platz in der Anfangsformation übernahm Jan-Ingwer Callsen-Bracker, der im Kalenderjahr 2009 erstmals von Beginn an auflaufen durfte. Borussias defensiver Mittelfeldspieler Tomas Galasek verschob sich hierbei zugunsten Callsen-Brackers auf eine Spielposition neben und teilweise auch hinter die Innenverteidigung. 

Gleich von Spielbeginn an wurde somit deutlich, wie sich die Borussia das Auswärtsspiel bei ihrem ihr längst über den Kopf gewachsenen alten Rivalen von der Isar angehen wollte: sie probierte solide zu verteidigen, den durch den vollzogenen Trainerwechsel gewiss euphorisierten Bayernspielern in Borussias eigener Hälfte möglichst wenig Raum zu bieten. Nicht allein direkt im Zentrum vor Logan Bailly sollten die Bayernspieler keinen Raum haben, die Außenbahnen blieben gleichermaßen defensiv besetzt.
Dort sollte, was im Spielverlauf jedoch nur auf der linken Abwehrseite ausreichend genug gelang, vor allem die Gefahr der nachrückenden Außenverteidiger eingedämmt werden. Mit Karim Matmour in vorderster Front, der wie gegen Bielefeld sich unermüdlich um den Gewinn und den Erhalt des Spielgeräts mühte, hatte Hans Meyer seiner Elf die Anspielstation nicht verwehrt, die sie auch einmal mit einem sogenannten langen Ball auf die Reise schicken konnte.

Die Taktik der Borussia funktionierte in beachtlichem Maße, den gastgebenden Bayern gelang es in den ersten fünfzehn Minuten allenfalls durch einen Freistoß des Lukas Podolski eine Tormöglichkeit zu erhalten (9.). Abgefälscht von Tomas Galasek sprang für den FC Bayern bei dem Versuch des zukünftigen Kölners sogar noch eine Eckballsituation heraus, auf der Gegenseite hatte sich Karim Matmour zwischenzeitlich mehrfach vergeblich um die Aufrechterhaltung des kurz zuvor erzielten Ballbesitzes bemüht und Jan-Ingwer Callsen-Bracker köpfte bei Borussias erstem Eckball (12.) zu ungenau.
Erstmals ein wenig Unordnung in die geordnet verteidigenden Borussenreihen brachte eine zweite Freistoßsituation für die Gastgeber in der 32. Minute, von der rechten Angriffsseite des FC Bayern kam so ein tückisch fliegender Ball in den Sechzehnmeterraum der Borussia, den Filip Daems mit seinem Abwehrversuch beinahe in das eigene Tor geköpft hätte. Die wenige Situationen später ausgeführte Ecke der Gastgeber zeigte sich dem Borussentor schon erheblich näher: Abwehrspieler Lucio traf den Pfosten. Die Borussia konnte den Abpraller zwar aufnehmen, rückte aber in der Konsequenz zu weit mit auf und fing sich dadurch vor Torwart Bailly zu viele freie Räume ein, in die ein Ball auf Luca Toni und dessen Torschussflanke auf den am langen Pfosten gegen Paul Stalteri siegreich grätschenden Schweinsteiger dem Favoriten dieses Spiel die 1:0-Führung ermöglichte.

Wie aus manchem Spiel bekannt, so zog sich auch jetzt in dieser Begegnung die in Führung liegende Elf (die in der ersten halben Stunde der Begegnung zweifelsfrei einen hohen Aufwand betrieben hatte) ein wenig vor das eigene Tor zurück. Der Borussia gelangen so mehrere Ballstafetten, die bei einzelnen Beobachter einen Eindruck hinterlassen konnten. Viel wichtiger aber noch, die Bayern ermöglichten der Borussia in der 37. Spielminute durch ein ihrem Strafraum bedenklich nahes Foulspiel einen Freistoß, den Michael Bradley ausführte und Bayerntorwart HansJörg Butt nur unzureichend abwehren konnte. Der aufgerückte Roel Brouwers, der sich um den Abpraller bemühte, wurde von dem früheren Leverkusener Schlussmann anschließend noch gefoult und so blieb Schiedsrichter Babak Rafati keine andere Möglichkeit: Strafstoß für die Borussia.
Anders als im vorherigen Auswärtsspiel in Frankfurt, kümmerte sich in dieser Situation gleich Mannschaftskapitän Filip Daems um diese Chance. Und der belgische Nationalverteidiger enttäuschte die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht (37.), er erzielte den von Borussenseite vielumjubelten Ausgleich.

In den an dieses Tor anschließenden Minuten suchte der gastgebende FC Bayern von Trainer Heynckes dann zunächst den soliden Ballbesitz, die Borussia probierte hier und da einen eroberten Ball in Richtung Bayerntor zu lancieren. Dies gelang ihr nicht in einer nachdrücklichen Art und Weise. Und weil Jan-Ingwer Callsen-Bracker in der 42. Minute ein Zuspiel von Lukas Podolski auf den durchstartenden Hamit Altintop nicht unterbinden konnte, war es den Gastgebern schließlich doch möglich am Ende der 1. Halbzeit mit einer Pausenführung in die Katakomben zu entschwinden. Diese war ganz gewiss dem Spielverlauf entsprechend, dennoch aus Borussensicht eben sehr unnötig und ausnahmslos vermeidbar.

Unverändert kamen die Bayern und die Borussia aus der Pause. Die Borussia konzentrierte sich auch im Anschluss an den Wiederbeginn des Spiels zunächst in vollem Umfang auf die Verteidigung des eigenen Tores und ihr gelang dies in der Anfangsviertelstunde des zweiten Spielabschnitts auch. Erst in der 60. Spielminute zeigte sie in der Abwehrbewegung einen Schnitzer, den Luca Toni fast genutzt hätte. Doch Paul Stalteri war noch rechtzeitig und klärend zur Stelle. Zwei Minuten später war es erneut der italienische Stürmer, der vor einem Torerfolg zu stehen schien, doch vergab der ehemalige Angreifer des AC Florenz in jener Szene die Chance per Kopf in ebenso kläglicher Form wie später es ihm nicht gelang ein aussichtsreiches Zuspiel von der rechten Angriffsseite (gewinnbringend) in Richtung Borussentor zu berühren; würde sich der FC Bayern in Abstiegssorge befinden und hätte er nicht seine Tauglichkeit schon längst nachgewiesen, der bei den Schiedsrichtern so gern lamentierende und reklamierende hätte sich von den Zuschauern und den Sportjournalisten der Bundesrepublik damit bestimmt das ein oder andere abschätzig gemeinte Gesamturteil gesichert.

Die erwähnten Minuten zwischen der 60. und der 70. Spielminute blieben die offensivfreudigsten der Gastgeber nach dem Seitenwechsel. Sie beschränkten sich ansonsten auf das Nötigste und hofften mit fortschreitender Spieldauer von der Borussia zu Tempogegenstößen und vergleichbaren Situationen eingeladen zu werden. Die Borussia, die über 65 Minuten und mit den gewohnten Aussetzern beachtlich verteidigt hatte, tat den Bayern diesen Gefallen in der erhofften Form jedoch nicht. Dennoch zeigte sie selbst mit fortschreitender Spieldauer, dass auch die konsequente Verteidigung des Tores am eigenen Kräftehaushalt nagen kann. Als ihr Trainer nämlich beginnend mit der Einwechselung von Roberto Colautti in der 65. Spielminute sukzessive von seinem Recht des Spielerwechsels Gebrauch zu machen begann, ebbte ihr zwischenzeitlich durchaus forscher Offensivgeist schrittweise ab.

Als sie mit Marko Marin (74., für Callsen-Bracker) und Oliver Neuville (80., für Levels) schließlich ihr Auswechselkontingent dann ausgeschöpft hatte, bewies sich zeitgleich, dass es eben nicht die Anzahl an Offensivspielern auf dem Platz ist, die generell eine offensive Ausrichtung belegt. Zwar kam die Borussia gerade nach der Hereinnahme von Marko Marin gleich zu drei erwähnenswerten Situationen (von denen insbesondere der Kopfball Michael Bradleys auf Flanke von Tobias Levels in der 78. Spielminute zu erwähnen bleibt), doch zwingend war die Borussia vor dem Tor nicht mehr - erst recht nicht zwingender als etwa in all den Minuten ohne Marin oder Colautti und/oder Neuville.
Somit war es konsequent, dass der Borussia der so genannte „lucky punch", auf den sie natürlich dennoch weiter gehofft hatte, eben nicht doch noch plötzlich über den Weg lief. Dafür spielte sie insbesondere in den Schlussminuten zu wenig zielstrebig, so blieb sie gemessen an der zum Schluss auf dem Spielfeld stehenden Offensivspieler gerade in jener Phase offensiv zu harmlos und uninspiriert.

Unter dem Strich muss man natürlich die Berechtigung anerkennen, mit der der um die Meisterschaft mitspielende Gastgeber, der FC Bayern, diese Begegnung im Endergebnis für sich entscheiden konnte. Unter dem Strich muss man allerdings trotzdem sagen, dass die Borussia aufgrund ihrer soliden Abwehrarbeit einen Auswärtszähler dennoch hätte bekommen können, wenn sie die in großen Phasen der Begegnung bewiesene Konsequenz im Defensivzweikampf nicht mit zwei Fehlern quasi gegen sich selbst gerichtet hätte. Damit lässt sich dann auch in einem von den Kräfteverhältnissen von vornherein völlig ungleichen Kampf zweier in der Liga unterschiedlich aufgestellter Mannschaften eben kein positiv zählbares Ergebnis gewinnen. So nüchtern muss man da in der Bilanzierung schon bleiben.

Aufgrund der anderen Resultate an diesem Spieltag bleibt die Borussia in der Rangelei um den Relegationsplatz trotzdem mit von der Partie. Das Heimremis der Bielefelder gegen den VfB Stuttgart vergrößert zwar den Abstand auf Rang 16 auf jetzt zwei Zähler und ein Tor, aber das torlose Remis zwischen den in der Vorwoche jeweils siegreichen Mitbewerbern aus Karlsruhe und Cottbus war ja vor dem Spieltag ohnehin so etwas wie ein Wunschresultat für die Borussenfans unter den knapp 70.000 im Münchener WM-Stadion. Allein bleiben solche Blicke auf die parallelen Resultate der ebenso um das pure Überleben kämpfenden Mannschaften dann in den letzten 4 Spielen Makulatur, sollte es der Borussia nicht mehr gelingen in ausreichendem Maße zu punkten. Das ist deutlich.

Bayern: Butt - Lell (Oddo 46), Lucio, Demichelis, Lahm - van Bommel - Hamit Altintop (Ottl 81), Schweinsteiger - Zé Roberto - Toni, Podolski (T. Müller 78).

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante Bonfim, Daems - Levels (Neuville 80), Galasek, Bradley, Callsen-Bracker (Marin 74), Paauwe (Colautti 65) - Matmour.

Tore: 1:0 Schweinsteiger (33.), 1:1 Daems (38., Foulelfmeter), 2:1 Hamit Altintop (42.).

Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover)

Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia): Brouwers, Stalteri, Matmour (4)

Rote Karten: Fehlanzeige

Besondere Vorkommnisse: Der der Borussia am heutigen Spieltag zuerkannte Elfmeter war Borussias dritter Elfmeter innerhalb ihrer letzten beiden Auswärtsspiele. Zweimal trat dazu Filip Daems an und traf, Michael Bradley vergab in Frankfurt einen dieser drei Strafstöße. Insgesamt hat die Borussia nach 30 Saisonspielen jetzt sechs Strafstöße zuerkannt bekommen und fünf davon erfolgreich verwandelt (Bradley (2), Daems (2), Marin). Durch ihre heutige Niederlage wartet die Borussia weiterhin auf ihren ersten Auswärtssieg in München beim FC Bayern seit dem 13.10.1995 (2:1). Von ihren 15 Auswärtsspielen im bisherigen Saisonverlauf gewann Borussia zwei und spielte in drei weiteren Remis. Jupp Heynckes bestritt heute sein erstes Pflichtspiel seiner zweiten Amtszeit als Trainer des FC Bayern München. Dabei traf er auf seinen letzten Arbeitgeber, die Borussia. Bei seinem bisher letzten Bundesligaspiel als Cheftrainer hatte Heynckes mit der Borussia gegen einen vom heutigen Borussentrainer Hans Meyer trainierten 1. FC Nürnberg torlos Remis gespielt. Wie an jenem 30.01.2007, so hieß der Schiedsrichter der heutigen Partie ebenfalls Babak Rafati.

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