Mit 8:1 hat die Borussia am heutigen Nachmittag ihr Erstrundenspiel im diesjährigen DFB-Pokalwettbewerb gewonnen. Beim VfB Fichte Bielefeld aus der siebtklassigen westfälischen Landesliga spielte sich die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay bereits in den ersten 45 Spielminuten einen glasklaren Torevorsprung heraus und nutzte die zweite Spielhälfte nahezu komplett zur aktiven Regeneration. In diesem zweiten Spielabschnitt gelang den in das Stadion der Bielefelder Arminia ausgewichenen Gastgebern der umjubelte Ehrentreffer, als der eingewechselte Önen ein Mißverständnis zwischen Christofer Heimeroth und Jean-Sebastien Jaurès zu nutzen wusste.

Vor mehr als 8.000 Zuschauern begann die Borussia mit einer Aufstellung, in der Neuzugang Jean-Sebastien Jaurès (links) zusammen mit Marcel Ndjeng (rechts) die Außenverteidigung neben dem Innenverteidigerduo Filip Daems und Roel Brouwers bildete. Im Mittelfeld agierte Sebastian Svärd zusammen mit Marko Marin, Sascha Rösler, Alexander Baumjohann und Karim Matmour. In der Spitze hatte Jos Luhukay Roberto Colautti aufgeboten, während unter anderem der vierte Neuzugang der Borussia, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, zunächst auf der Auswechselbank verblieb.

Bereits in der elften Spielminute der Partie war die Begegnung im Grunde entschieden, da gelang Marko Marin auf Zuspiel von Alexander Baumjohann ein für seine Körperlänge außergewöhnliches Tor: er erzielte es mit dem Kopf. Dieser Treffer war gleichbedeutend mit einem Vorsprung von drei Toren, denn zuvor konnte die Borussia eben durch Marin in der siebten und Roberto Colautti in der neunten Spielminute schon zwei Jubler gegen Torhüter Holger Peterhanwahr verbuchen. Im Anschluß an das zweite Tor von Marko Marin entwickelte sich auch weiterhin das aus den ersten Minuten gewohnte Bild, während die Gastgeber sich so teuer wie möglich zu verkaufen versuchten, kombinierte sich die Borussia munter bis an (und in) den Strafraum der Westfalen. In der siebzehnten Spielminute war es dennoch ein Strafstoß, der das nächste Borussentor brachte. Fichtes Abwehrspieler Güven Aydin hatte ein Dribbling des auffälligen Marko Marin mit einem robusten Dazwischengehen unterbrochen und den nicht geforderten Referee Babak Rafati damit zu einem Foulelfmeter gezwungen; entgegen der alten Weisheit mit dem gefoulten Schützen trat hier dennoch Marin zum Elfmeter an und verwandelte diesen nicht minder souverän.

Exakt zwei Minuten später war der Torwart von Fichte Bielefeld, Peterhanwahr, erneut dazu gezwungen den Spielball aus dem Netz zu fischen, denn Sascha Rösler hatte auf Zuspiel von Marcel Ndjeng bereits Borussias fünften Treffer der Begegnung erzielt. Auch dieses Resultat hielt nicht lange vor, denn noch in der 24. Spielminute war es erneut die Borussia, die vor ihrem mitgereisten Anhang jubeln durfte, da Roberto Colautti zum zweiten Mal an diesem Tag den Ball über die Torlinie bugsiert hatte. Mit einer Führung von nunmehr 6:0 widmete sich die Borussia den folgenden 66 Spielminuten, von denen noch einundzwanzig in der ersten Spielhälfte stattzufinden hatten. Selbst ein siebter Treffer glückte der Borussia in dieser extrem einseitigen ersten Halbzeit noch, nach 36 Spielminuten war es der aufgerückte Innenverteidiger Roel Brouwers mit einem Abstauber, nachdem in Folge eines Eckballs Stürmer Colautti aussichtsreich einen Versuch gestartet hatte.

Ohne personellen Wechsel starteten beide Teams den zweiten Spielabschnitt. In diesem ließ die Borussia die Zügel etwas schleifen und spielte nicht mehr derart konsequent in Richtung Tor des VfB Fichte wie noch zuvor. Dies erlaubte ihrem unterklassigen Gegner wesentlich besser in das Spiel zu kommen, auch wenn diese Umschreibung letztlich sicher zu hoch gegriffen ist. Die Amateure, in der ersten Halbzeit lediglich durch mutiges Zweikampfverhalten in den Vordergrund geraten, durften jetzt aber immerhin während längeren Passagen den Ball in der Hälfte der Borussia führen. Ein Erfolg, den das Publikum im Stadion auf der Alm zu würdigen wusste. Einzig bei einem zwielichtigen Einsatz von Fichtes Abwehrmann Aydin gegen Marko Marin im Strafraum der Gastgebermannschaft, als Babak Rafati großzügig auf Weiterspielen entschied, verirrten sich vereinzelt Pfiffe in das doch weite Stadionrund. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Borussia ihrerseits längst ihr achtes Tor der Begegnung erzielt, Sascha Rösler staubte im Zuge eines durch Alexander Baumjohann initiierten Angriff über Roberto Colautti dessen unfreiwillige Vorlage ab und wenn Rösler denn Ball nicht aus wenigen Metern halbhoch in das Netz geschossen hätte, Referee Rafati wäre auch hier zu einem Elfmeterpfiff veranlasst gewesen. Denn Colautti war seinerseits durch ein robustes Zweikampfverhalten der entblößten Bielefelder Verteidigung zu Fall gekommen.

Die etwas weniger straffe Spielführung der Borussia schlug sich dann auch im Ehrentor für die Ostwestfalen nieder, das der eingewechselte Önen in der 67. Minute erzielte. Hierbei profitierte der Eingewechselte von einer nicht völlig optimalen Absprache zwischen Christofer Heimeroth und Jean-Sebastien Jaurès, wobei der neuverpflichtete Franzose den Ball abdecken wollte und Heimeroth der Fehleinschätzung aufsass, dass der Linksverteidiger den Ball vielleicht noch wegschlagen könnte. Diese beidseitigen Annahmen führten dazu, dass Heimeroth nicht beherzt genug zugriff und der erwähnte Önen mit seinem Fuß dazwischenschnellen konnte und den Ball entscheidend in Richtung Borussentor ablegen konnte. Im Nachfassen war der 20-jährige Türke schließlich schneller am Ball als einer seiner aufgerückten Mitspieler und verursachte den gebotenen Zuschauerapplaus, der immer angebracht ist, wenn eine tapfer agierende Amateurelf gegen einen Profiklub zu einem Tor kommt. Fünf Minuten vor dem Ende der Begegnung hätte Fichte sogar noch ein zweites Tor erzielen können und somit noch ein bisschen mehr Ergebniskosmetik betreiben können, doch Roel Brouwers mit einem Befreiungsschlag und Christofer Heimeroth mit einem Reflex konnten dieses Tor noch gerade so verhindern. Diesen Treffer hätte sich der 21-jährige Mittelfeldmann Geceli auf die Fahnen schreiben können, weil er es war, der sich bei einem Halbfeld-Freistoß aus rechter Position geschickt aus dem Spielerpulk gelöst und mit seinem Hinterkopf den Ball gefährlich in Richtung Heimeroth abgelegt.

Mit dem Schlußpfiff gratulierte Borussentrainer Jos Luhukay, der mit Jan-Ingwer Callsen-Bracker einen weiteren Neuzugang im Verlauf der zweiten Halbzeit eingewechselt und später noch den dreifachen Torschützen Marko Marin gegen Johannes van den Bergh ausgetauscht hatte, dann dem Spielertrainer des Landesligisten, Mark Sawkill, zu einer in der Tat ordentlichen Vorstellung des VfB Fichte, der der Luhukay-Elf natürlich nur im Rahmen seiner Möglichkeiten Paroli bieten konnte. Luhukay selbst hatte allerdings auch zur Kenntnis genommen, dass seine um zwei Neuzugänge verstärkten Zweitligameister der letzten Saison nicht gewillt gewesen waren sich der Blamage hinzugeben und dementsprechend eine passende Marschroute befolgt hatten. So agierten sie zunächst - und bis die Führung in erkleckliche Höhen ausgebaut war - äußerst konzentriert und konsequent. Diese Konsequenz drückte sich auch im Torabschluß aus, denn schließlich stand es nach 24 Minuten bereits 6:0 für sie; dass die Mannschaft danach nicht mehr in dieser Weise zu Werke ging, sollte und dürfte überhaupt nicht in irgendein Gewicht fallen, es sei denn der Beobachter ist allzu kanibalistisch angehaucht und findet richtig argen Gefallen daran einen schon von Haus aus klar unterlegenen Gegner mit einem exorbitanten Resultat regelrecht zusammenzuschießen.

Für die Borussia, die immerhin sozusagen standesgemäß mit 8:1 gewann, konnte es am Wochenende vor dem Bundesligaauftakt in diesem Spiel einzig um das möglichst souveräne Vordringen in die nächste DFB-Pokalrunde gehen. Dies hat die Elf mit einer ansehnlichen Portion Fußball erreicht und dabei über weite Strecken der Partie mit Toren ihre Möglichkeiten zum Ausdruck gebracht. Darüber hinaus sollte man allerdings vorsichtig mit den überaus nassforschen Schlüssen sein, die diese Partie seinem Betrachter sicherlich auch angeboten haben dürfte: die Borussia, bei der sich in vorderster Front Marko Marin als sehr spielfreudig erwies, wird ihr primärstes Saisonziel nicht nach oben korrigieren müssen, bloß weil sie einen klaren und nie gefährdeten Erstrundenerfolg im Pokalwettbewerb bei einem Verein aus der siebthöchsten Liga erzielen konnte.

VfB Fichte: Peterhanwahr - Fritz (Gerke 52), Kaniuth, Aydin, Schröder - Scardino, M. Bobaj, Gliniars (Ay 72) - Geceli, Sawkill (Önen 61) - Smith

Borussia: Heimeroth - Ndjeng, Brouwers, Daems (Callsen-Bracker 72), Jaurès - Svärd, Rösler - Matmour (Touma 61), Baumjohann, Marin (van den Bergh 77) - Colautti.

Tore: 0:1 Marin (7.), 0:2 Colautti (9.), 0:3 Marin (11.), 0:4 Marin (17., Foulelfmeter), 0:5 Rösler (19.), 0:6 Colautti (24.), 0:7 Brouwers (36.), 0:8 Rösler (54.), 1:8 Önen (66.).

Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover)

Zuschauer: 8.100

Gelbe Karten (Borussia): Baumjohann

Besondere Vorkommnisse: Der Erfolg über den VfB Fichte war Borussias zweithöchster Sieg im deutschen Vereinspokalwettbewerb, den höchsten erzielte sie am 29. Juli 1977 in der 1. Runde des Wettbewerbs 1977/78, als sie gegen den 1. FC Viersen aus der unmittelbaren Nachbarschaft mit 8:0 gewann (Torschützen: Simonsen (2), Wohlers, W. Schäfer, Klinkhammer, Wittkamp, Kulik und Lienen). Für den Marko Marin war es erstmals in seiner Karriere, dass er in einem Pflichtspiel für die Borussia drei Treffer erzielen konnte.

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