SV Werder BremenWieder zu Hause, so hieß es nach dem Aufstieg, endlich wieder daheim. Leider müssen wir feststellen, dass es zu Hause ganz schön ungemütlich ist, zugig und kalt. Da hat wohl jemand unser Haus nicht gut gehütet, während wir Urlaub gemacht haben und wir müssen uns komplett neu einrichten. So in etwa kehrt Borussia in die 1. Liga zurück, mit Widrigkeiten an allen Ecken. Zu Buche stehen nun ein Spiel, in dem man ordentlich mitgespielt aber klar verloren hat, und eines, in dem man weitenteils dominiert wurde und das mit einer knappen Niederlage endete.

„Lehrgeld" war das meistgebrauchte Wort vor allem nach dem ersten Spiel und zu Recht. An solchen Spielen zeigt sich, dass es in der 1. Bundesliga nicht reicht, zu 90 % gleichwertig zu sein. Eine Liga höher ist es einfach ein bisschen naiv, dem Gegner die Räume zu gestatten, im Zweikampf mal einen Schritt zu spät zu kommen oder die taktische Ordnung nicht einzuhalten. Aber es waren ja auch erst zwei Spiele, also lassen wir die Panik vorläufig aus dem Spiel. Boulevardeske Schlagzeilen wie „Nur 1 Punkt bis Platz 15" wirken nach zwei Spieltagen jedenfalls ziemlich komisch.

Borussias Defensive

Vielleicht ist es ein bisschen früh für die Vorhersage, dass dieser Bereich Borussia die Saison über mit Problemen begleiten wird. Es ruft aber Bedenken hervor, dass eine mit 2 defensiven Mittelfeldspielern abgepolsterte Abwehr in den ersten zwei Spielen so ins Schwimmen gerät. Für die meisten Diskussionen sorgt dabei der Posten des linken Verteidigers, den Jaurès bisher eingenommen hat, ohne Alexander Voigt richtig vergessen zu machen. Und als rechter Verteidiger müht sich mit Ndjeng ein Spieler, der schon im Mittelfeld seine Qualitäten mehr in der Offensive hatte als darin, dem Gegner den Ball abzujagen. Für den Saisonverlauf ist zumindest Spannung garantiert, was Leistung und Besetzung dieser Positionen angeht.

Christofer Heimeroth ist zumindest erst mal aus der Schusslinie, seine Leistung in Hoffenheim war ordentlich. Hoffentlich gelingt ihm eine lange Reihe an Spielen ohne Unsicherheiten. Zentral vor ihm werden weiter Brouwers und Daems zu Werke gehen. Noch geht das Konzept „einer schnell, einer kopfballstark" noch nicht so recht auf. Sollte es sich nicht sichtbar ändern, wird sich für Gohouri bald ein Platz finden, wenn er wieder voll dabei ist, Callsen-Bracker scheint noch keine schnelle Perspektive zu haben.

Paauwe, Patrick Paauwe: Wenn schon jemand aus der Mannschaft des Zweitligameisters für die erste Liga tauglich schien, dann er. Stellt man ihm noch jemanden zur Seite, dann erst recht. Und doch war bisher nichts von der souveränen Übersicht und dem abgeklärten Stellungsspiel des Niederländers zu sehen, das uns in der 2. Liga dieses Extra gegenüber anderen Mannschaften verschafft hat. Das soll keineswegs heißen, dass Paauwe nicht erstligatauglich wäre; ich bin sicher, dass er es ist. Aber seine Leistungen zeigen, dass es im gesamten Gefüge der Mannschaft noch hapert. 
Solange Borussia mit einem Stürmer und somit 5 Mittelfeldspielern antritt, spielt also noch ein zweiter defensiver Mittelfeldspieler neben Paauwe, und da Svärd einmal mehr verletzt ist, kann Alberman sich weiter einspielen. Auch der israelische Nationalspieler muss noch in die Form kommen, die ihn und die Mannschaft weiterbringt.

Borussias Offensive

Ein Stürmer oder deren zwei, das war vor der Saison die Frage. Vielfach wurde das 4-2-3-1 propagiert, das auch gerade bei der EM wieder recht erfolgreich praktiziert wurde. In den ersten beiden Spielen der Saison nun auch von Borussia, wenn auch nicht erfolgreich. Wir hätten zwar durchaus das Personal für solch ein System, das mit starken Dribblern auf den Aussen effektiv gespielt werden kann, aber die Spieler rücken nicht konsequent in den Strafraum nach, wo sich Friend zu oft alleine gegen zwei oder drei Abwehrspieler findet.

Nach Lage der Dinge und des Personals wird also im Mittelfeld die gewohnte Troika besetzt werden: Rechts Karim Matmour, der offensiv verheissungsvolle Ansätze zeigt, die freilich noch nicht reichen. Man kann wohl die Voraussage treffen, dass der 23jährige algerische Nationalspieler in seine Rolle hineinwachsen wird. Zentral gibt Sascha Rösler den offensiven Mittelfeldmann. Röslers Wert für die Mannschaft ist bekanntlich zweigeteilt: Zum einen seine Bedeutung als Spieler auf dem Feld, zum anderen sein Wert als Anführer der Truppe, der dem Gegner schon zeigt, dass es nicht einfach wird. Es wäre durchaus zu wünschen, dass sein Wert auf dem Platz wieder durch Effektivität gesteigert wird.

Auf links, natürlich, Marko Marin. Die von den Medien so gern angenommenen Bemerkungen von Luhukay zu Marins taktischem Verhalten sind natürlich vollkommen berechtigt. Ob man das einem 19jährigen, von der Nationalmannschaft euphorisierten Spieler öffentlich mitteilen muss, ist etwas anderes. Marin jedenfalls gibt erwachsene, selbstkritische Interviews zum Thema, was die Hoffnung weckt, dass er auch auf dem Platz mit den für ihn vielfältigen Anforderungen dieser Zeit klarkommen wird.
Ganz vorne findet sich Rob Friend in der Rolle des Einzelkämpfers. An Anspielen aus dem Mittelfeld mangelt es nicht, aber das ergibt nicht jedes Mal eine Chance für ihn. Und wenn es keine ist und Friend den Ball abspielen möchte, fehlt in vorderster Linie der Partner, wenn die Kollegen nicht schnell genug vorne einfallen.

Der Gegner aus Bremen


Seit Jahren stellt sich bei den Bremern vor der Saison immer die gleiche Frage: Wird es diesmal reichen, den Bayern wieder Bein zu stellen? Meistens reicht es nicht, selbst in Jahren, in denen die Bayern dazu einladen. Der Grund dafür ist nicht gerade ein Geheimnis - wo die Konkurrenten schwächeln, hat Bayern immer genug personelle Reserven, angeschlagene Spieler locker zu ersetzen, auch ohne überzeugendes fußballerisches System.

Die Bremer ihrerseits zeigen die wohl beste Unterhaltung in der Bundesliga. Sie gewinnen bei weitem nicht jedes Spiel, aber sie können unterhaltsame Unentschieden und spektakuläre Niederlagen präsentieren wie sonst keiner. Sie würden es ja gerne anders machen, und das Ungleichgewicht zwischen oft amateurhafter Verteidigung und begeisternder Offensive verringern, dass zu diesem Unterhaltungswert führt. Es scheint ihnen aber einmal mehr nicht zu gewinnen, wie das Spiel in Bielefeld demonstrierte, das nach zweimaliger Bremer Führung 2:2 ausging. Nur konsequent, dass die Mannschaft durch Prödl mit einem Abwehrspieler verstärkt wurde, dessen hervorstechendste Eigenschaft seine Kopfbälle im gegnerischen Strafraum sind. Und dass die ins Auge fallenden Unkonzentriertheiten in der Abwehr mit einem weiteren Stürmer gekontert wurden. Weiterhin viel Spaß.

Bremens Defensive

Nun haben sie doch wieder einen Nationaltorwart in Bremen. Tim Wiese ereilte die Berufung einigermaßen überraschend. Als Absolvent der Ehrmann-Schule ist er ein echter Klon seines Lehrers: Zu wirklichen Wundern fähig auf der Linie, fußballerisch ein Schrecken. Und da er nicht den geringsten Grund sieht, sich zu ändern, wird das auch genauso bleiben. Zumindest sticht er damit aus der Reihe der Bundesligatorhüter heraus.
Die Abwehrreihe vor ihm vereint die Nationalspieler vierer Länder. Fritz, Prödl, Naldo und Pasanen dürfen versuchen, unter den 45 Gegentoren der Vorsaison zu bleiben. Es lässt sich bisher nicht gut an damit, auch weil Naldo, trotz aller seiner persönlichen Fähigkeiten, damit überfordert scheint, die ganze Abwehrarbeit zu koordinieren. Natürlich wird das anders aussehen, wenn Mertesacker wieder voll und ganz dabei ist, aber auch mit diesem ungewöhnlich begabten Abwehrspieler lief es ja nicht immer dolle.

Ein anderer Grund ist, dass Trainer Schaaf gegenwärtig eher geneigt ist, Thorsten Frings´ offensive Fähigkeiten im Mittelfeld zu nutzen, als ihn direkt vor die Abwehr zu stellen. Dort, als klassischer „6er" liefert Frings in der Nationalmannschaft gewohnte Wertarbeit ab (und von den Bayern floh er, weil Magath ihn nicht dort spielen lassen wollte). Frank Baumann, der die Aufräumarbeit vor der Abwehr übernimmt, hat jedenfalls nicht die Qualität von Frings, und vielleicht schlägt das noch zu Ungunsten der Bremer aus.

Bremens Offensive


Das bekannte Prunkstück, immer für einen Kantersieg gut, wenn der Gegner nicht aufpasst. Nachdem den Bremern endlich aufgefallen war, dass Hugo Almeida trotz Physis, Technik und Schussstärke einfach kein echter Torjäger ist, reagierten sie und liehen ihren einstigen Torjäger Claudio Pizarro von Chelsea aus. Und auch wenn der Schreiber dieser Zeilen sich weiter droben ein wenig drüber mokiert hat, im Sturm macht dieser Vorgang unbedingt Sinn.

Das Mittelfeld bilden somit Frings, Olympia-Rückkehrer Diego und der oft unterschätzte Daniel Jensen, der immer solide Leistungen im Bremer Spiel abliefert aber selten erwähnt wird. Eine Alternative wäre sicher, Frings nach hinten zu ziehen auf den Platz von Baumann und Mesut Özil im rechten Mittelfeld zu bringen. Falls die Mannschaft dadurch nicht völlig ihrer Balance beraubt wird, würde das auch interessante Spiele versprechen und offensiver als im Vorjahr mit Tim Borowski auf dieser Position wäre die Aufstellung auch nicht.

Vorne werden sich dann Markus Rosenberg und eben Claudio Pizarro tummeln. Sollte der Peruaner wieder zu der Form finden, die ihn einst zum Star bei Bremen und dann in München machte, ist er selbstredend eine echte Verstärkung. Von seiner Torgefahr im Strafraum ist vor allem seine Kopfballstärke in Erinnerung, die eine echte Herausforderung für Roel Brouwers sein wird.

Schiedsrichter

Der 34-jährige Berliner Manuel Gräfe wird sein erstes Spiel mit Beteiligung der Borussia seit gut einem Jahr leiten. Der Sportwissenschaftler von Hertha 03 Zehlendorf hatte die Borussia im letzten Herbst beim Zweitrundenspiel im DFB-Pokal beim FC Bayern München mit 1:3 verlieren sehen und auch im Jahr davor, in Osnabrück, in der zweiten Pokalrunde eine Niederlage der Borussia begutachtet - ansonsten war der mittlerweile als FIFA-Schiedsrichter eingeteilte Schlaks in den beiden letzten Spielzeiten ohne Einsatz bei der Borussia.

Seinen letzten Bundesligaeinsatz bei einem Borussenspiel - und damit beweisen die DFB-Schiedsrichter bei der Einteilung für das aktuelle Spiel ein merkwürdig zweideutiges Händchen - erlebte Gräfe im Spätsommer 2005, als er an einem Wochentag zum 6. Spieltag der Saison 2005/06 nach Mönchengladbach reiste. Dort traf eine noch von Horst Köppel beratene Borussenmannschaft auf den SV Werder Bremen des Thomas Schaaf und musste sich in der 1. Hälfte der Begegnung wirklich quer über den Platz scheuchen lassen, ehe ein Eigentor des Frank Baumann nach der Halbzeitpause das Spiel drehte und den erwähnten Horst Köppel zum glücklichsten Menschen im Borussenstadion werden ließ. In derselben Saison pfiff Manuel Gräfe am 1. Spieltag auch ein 0:3 der Borussia beim FC Bayern aus München.

Bilanz

Von bereits 39 Bundesligaspielen am Bökelberg / im Borussiapark gingen 22 an die Borussia, 10 an Bremen. Eine ganz erträgliche Bilanz, zumal uns die Bremer auch gerne in schwächeren Jahren subventioniert hatten, z.B. beim 3:1 2004, mit Vladimir Ivic, oder 2005, beim schon erwähnten 2:1, dass der Siegesserie über 5 Spieltage von Horst Köppel den Anfang gab.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Ndjeng, Brouwers, Daems, Jaurès - Matmour, Paauwe, Rösler, Alberman, Marin - Friend.
Ersatz: Gospodarek - Callsen-Bracker, Voigt, Kleine, Levels, Coulibaly, Touma, Colautti, Neuville, Baumjohann, van den Bergh, Lamidi.
Es fehlen: Svärd, Gohouri (verletzt), Schachten (Reha), Löhe (U23)

Bremen: Wiese - Fritz, Prödl, Naldo, Pasanen - Frings, Baumann, Diego, Jensen - Rosenberg, Pizarro.
Ersatz: Vander, Vranjes, Tosic, Niemeyer, Andersen, Boenisch, Özil, Huseijnovic, Sanogo, Almeida, Harnik, Kruse.
Es fehlen: Hunt (verletzt), Mertesacker (Reha)

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Schiedsrichterassistenten: Felix Zwayer, Markus Häcker
Vierter Offizieller: René Kunsleben

SEITENWAHL-Meinung

Hans-Jürgen Görler: Dass es nicht leicht werden würde, lag auf der Hand. Aber musste es denn gleich so beginnen? Zwei Spiele, zwei Niederlagen - herzlich wilkommen im Tabellenkeller. Und nun tritt auch noch Werder Bremen im Borussia-Park an. Wer da auf einen Sieg setzt, muss schon arg optimistisch sein. Nach dem 0:2 ist erst einmal Pause, und dann rollen wir das Feld von hinten auf.

Christoph Clausen: Werder kommt zur Unzeit und ist für die Borussia im Findungsprozess eine Nummer zu groß. Mit 1:2 fällt die zweite Heimniederlage der Saison immerhin glimpflich aus.

Michael Heinen: Gegen den großen Favoriten aus Bremen ist die Erwartungshaltung im Umfeld mittlerweile so gering, dass Borussia eigentlich nichts zu verlieren hat. Dennoch wird das 1:3 nicht gerade zur Beruhigung beitragen und uns eine sehr intensive Länderspielpause bescheren mit den üblichen Diskussionen, die der (temporäre) Misserfolg automatisch mit sich bringt.

Thomas Zocher: Nach dem Spiel in Hoffenheim, als man einem Team auf Augenhöhe trotz Aufwärtstrend deutlich unterlegen blieb, trifft man jetzt auf ein Team, das noch mehr Qualität hat als der VfB Stuttgart. Der VfB hatte der Borussia schon klar die Grenzen aufgezeigt, Werder wird dann diese Konturen nachziehen und mit 4:1 nach Bremen zurückfahren.

Mike Lukanz: Als vor einigen Wochen der Spielplan veröffentlich wurde, ahnten Pessimisten schon Böses: Zwei Heimspiele gegen spielstarke Gegner, dazu ein Auswärtsspiel (das in Liga 1 per se eine Gefahr darstellt). Am Samstagmittag folgt Teil 3 des Spektakels Bundesliga, auf das wir uns alle so gefreut haben. Die Bremer, bisher auch nicht überragend gestartet, werden nach dem 2:0 im BorussiaPark die Jagd auf Hoffenheim für eröffnet erklären. In Mönchengladbach wird man die Pause dazu nutzen, sich (zu) zerfleischen (zu lassen). Jeder hat nunmal die Presse und das Umfeld, das er verdient.

Christian Spoo: Ausgerechnet gegen Werder Bremen soll die Trendwende gelingen? Das ist illusorisch. Bremen ist Borussia in allen Belangen überlegen. Dass die Niederlage mit 0:2 noch recht moderat ausfällt, ist nicht Gladbacher Stärke zuzuschreiben, sondern der Tatsache, dass Werder früh merkt, dass halbe Kraft an diesem Tag ausreicht.

Christian Heimanns: Noch in der Findungsphase, wird Borussia von den stärker werdenden Bremern ereilt. Was soll´s, man muss auch Trauertage feiern, wie sie fallen, und nach dem 1:2 für Bremen können wir langsam ernsthaft darangehen, Punkte zu sammeln.


Der SV Werder im Internet: http://www.werder.de/, http://www.dasgreenteam.de/, http://www.werdertrikot.de/.

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
  • Die Europa League hat angerufen, sie möchte die #fohlenelf zurück! #UEL
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  • Die Elf vom Niederrhein #Cando #CandosMelodie #CandoLieder
  • @Peter_Ahrens From carlo to cando
  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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