Ein Spiel voller Unwägbarkeiten liegt vor Borussia und ihren Fans. Die Vorbereitung auf die wichtige Partie beim Abstiegskonkurrenten aus Bochum ist in der öffentlichen Diskussion der vergangenen Tage fast ein bisschen in den Hintergrund geraden. Vielmehr prägte die Suche nach dem neuen Trainer die Schlagzeilen und die Gespräche.

In Ermangelung von verwertbaren Informationen aus erster Hand dominierten meinungsfreudige Altborussen die öffentliche Debatte und hielten die Diskussion unter den Fans am Leben bzw. heizten diese noch an. Und während der Boulevard seine Hetzkampagne gegen Präsident Rolf Königs (an dem Kritik sicher berechtigt ist, aber eine gewisse Form sollte man durchaus zu wahren imstande sein) intensiviert, stehen Interims-Trainer Christian Ziege und die Mannschaft ausnahmsweise nicht unter überkritischer Begutachtung der Öffentlichkeit. Zudem hat sich Ziege einige Trainingseinheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausbedungen, so wird es für den externen Beobachter schwierig einzuschätzen, wie das Team am Freitag Abend personell und taktisch aufgestellt sein wird. Das folgende ist daher durchaus spekulativ zu verstehen:

Borussia-Defensive

Die Torwartfrage ist – wohl auch aus Lust an der Torwartfrage an und für sich – von einigen Medien als offen deklariert worden. Der Patzer beim Spiel gegen Köln hat das Standing von Christofer Heimeroth bei Fans und Journalisten sicherlich nicht verbessert. Schon liest man allenthalben, die Stunde des Uwe Gospodarek habe geschlagen. Dass aber Christian Ziege während seines kurzen Interregnums eine so weitreichende Veränderung am Mannschaftsgefüge vornimmt und seinen Nachfolger somit womöglich vor vollendete Tatsachen stellt, erscheint unlogisch. Von daher dürfte auch in Bochum der Mann mit der Nummer 1 auch die Nummer eins sein. Gut so, möchte man hinzufügen, denn neben dem Klops beim 1:0 hatte Heimeroth gegen Köln zahlreiche gute Situationen. Dass manche ihm das 2:1 ankreiden möchten, ist nicht nachzuvollziehen.
In der Innenverteidigung sollte Filip Daems als gesetzt anzusehen sein. Wer daneben verteidigt, ist fast egal. Mit Thomas Kleine, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Roel Brouwers stehen drei gleichartig begabte und ähnlich starke Abwehrspieler bereit. Sein nicht brillanter aber doch beherzter Auftritt gegen Köln und sein Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich könnten den Ausschlag zugunsten von Brouwers geben – zumal der Niederländer und der Belgier Daems noch am ehesten ein eingespieltes Duo abgeben. Von zahlreichen leicht unterdurchschnittlichen Rechtsverteidigern ist Steve Gohouri wohl der, der dem Durchschnitt noch am nächsten kommt. Dass Ziege den Ivorer im Testspiel gegen Kaiserslautern in der Innenverteidigung testete, könnte aber auch darauf hindeuten, dass der Interimscoach das anders sieht, wobei Gohouri wenig Argumente lieferte, warum er innen unverzichtbar sein sollte. Erste Alternative auf der rechten Verteidigerposition kann nach den jüngeren traurig stimmenden Leistungen des Tobias Levels in Pflicht- und Testspielen nur Marcel Ndjeng sein. Auf der anderen Seite der Viererkette hat Jean-Sebastien Jaurès gegen Köln gezeigt, dass der erste Eindruck nicht immer verkehrt sein muss: gerade ausreichend hinten, ein Ausfall im Spiel nach vorne.  Alexander Voigt kann den Job fast nicht schlechter machen als der Franzose, von daher wäre ein Einsatz des Ex-Kölners geboten. Andererseits hat sich Voigt in den Tagen nach dem Köln-Spiel als Lautsprecher gen Presse betätigt, seine markigen Worte von zerstörten Hierarchien und damit seine kaum verhohlene Forderung nach einem Stammplatz allerdings im Test gegen Kaiserslautern nicht durch Taten untermauert. Das blieb auch Christian Ziege offenbar nicht verborgen. Seine Aussage, es hätten sich nicht viele empfohlen, in Bochum in der Startelf zu stehen, darf durchaus auf Voigt und seinen ins gleiche Horn stoßenden Mannschafskameraden Sascha Rösler gemünzt gewesen sein. Eine Überraschung, wenngleich keine Sensation, böte Ziege, stellte er Filip Daems auf seine einstmals erlernte Position und vertraute in der Innenverteidigung auf zwei Spieler der Marke „hüftsteife Kante“
Vor der Abwehr ist wohl abermals die Doppel-Sechs Patrick Paauwe / Gal Alberman zu erwarten. Nicht immer glücklich agierend gegen Köln scheint es angesichts der Abwehrprobleme doch fahrlässig zu sein, auf einen der beiden zu verzichten. Wäre Jos Luhukay noch Trainer, die Doppel-Sechs wäre im anstehenden Spiel in Stein gemeißelt. Wie Christian Ziege im Bezug auf diese Frage tickt, ist allerdings nicht bekannt.

Borussia-Offensive

Im Mittelfeld tut sich durch den wahrscheinlichen Ausfall des verletzten Marko Marin eine Lücke auf, die schwer zu stopfen sein dürfte. Zwar spielte der „Mini“ zuletzt nicht unbedingt am oberen Limit seiner Fähigkeiten, aber seine Schnelligkeit und sein Mut zu unerwarteten Aktionen blitzen doch oft genug auf, dass sein Fehlen eine Schwächung der Borussenoffensive darstellt.
Als Ersatz denkbar wäre Johannes van den Bergh, der zudem mehr nach hinten arbeitet, allerdings ohne Spielpraxis ist. Sharbel Touma, wenn auch von Haus aus im rechten Mittelfeld zuhause, wäre ein anderer möglicher Kandidat für die Marin-Position Sollte Borussia wie gegen Köln mit Doppel-Sechs und zwei Stürmern agieren wollen, könnte man Marin auch durch einen eher zentral agierenden Mittelfeldspieler ersetzen – Alexander Baumjohann oder der schon erwähnte Sascha Rösler wären Kandidaten, Michael Bradley womöglich auch. Einer der drei Letztgenannten wäre wohl auf jeden Fall dabei, wenn Christian Ziege nur einen Stürmer aufzubieten gedenkt.
Rob Friend ist entgegen anderslautender Befürchtungen vorzeitig von seiner Länderspielreise zurückgekehrt und steht am Freitag zur Verfügung. Er wird auf jeden Fall spielen. Als möglicher zweiter Stürmer bietet sich Oliver Neuville an. Roberto Colautti ist ebenfalls wieder fit und brennt – so äußerte er sich unter der Woche – auf einen Einsatz. Die Versuche mit einem Duo Friend / Colautti schrien in der Vergangenheit nicht unbedingt nach einer Wiederholung. Dass aber zwei so begabte Angreifer auf Teufel komm raus nicht miteinander spielen können, möchte man aber doch nicht glauben. Vielleicht gibt Christian Ziege den beiden eine neue Chance. Außenseiterchancen kann sich Moses Lamidi durchaus ausrechnen, gehörte er doch nach seiner Einwechslung gegen Kaiserslautern zu den Aktivposten im Gladbacher Offensivspiel. Er würde auch typmäßig durchaus zu Friend passen.

Der Gegner aus Bochum


Nur drei Punkte mehr als Borussia und nach dem Tabellenstand klar einer der Hauptkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt stellt sich die Fußballwelt beim VfL Bochum doch ganz anders dar als beim VfL Borussia. Trainer Marcel Koller steht nicht zur Debatte, die Stimmung ist gelöst. Dazu entscheidend beigetragen hat der „gefühlte Sieg“ am vergangenen Spieltag. Beim hoch favorisierten FC Bayern gelang den Bochumern das Kunststück, einen 1:3-Rückstand in der Schlussphase noch aufzuholen. Auch bei den Niederlagen gegen Schalke und Leverkusen hat sich der VfL zumindest zeitweise ordentlich präsentiert, lediglich bei der Niederlage beim Karlsruher SC am ersten Spieltag und beim Unentschieden in Cottbus lieferte das Team Anlass zu ernsthafter Kritik. Auch dem VfL Wolfsburg konnte man ein Remis abtrotzen, mit Arminia Bielefeld konnte bochum zudem einen direkten Konkurrenten schlagen.

Bochum Defensive

Mit Daniel Fernandes hat der VfL einen unangefochtenen Stammtorhüter – keine Selbstverständlichkeit in Bochum. Der in Kanada geborene Portugiese kam vor der Saison von PAOK Saloniki an die Ruhr und hat in seinen ersten sieben Bundesligaspielen ausnahmslos eine gute Figur gemacht.
In der Innenverteidigung begann in sechs von sieben Spielen das Duo Marcel Maltritz / Anthar Yahia. Der algerische Nationalspieler Yahia handelte sich allerdings im Spiel gegen Bayer Leverkusen einen Platzverweis ein und ist am Freitag noch gesperrt. Seinen Job übernahm beim 3:3 in München der bis dahin über Kurzeinsätze nicht hinaus gekommene Mergim Mavraj – und tat das tadellos.
Auf der linken Seite der Viererkette dürfte der Österreicher Christian Fuchs wiederum erste Wahl sein. Der Österreicher profitierte dabei zuletzt vom Ausfall des Philipp Bönig. Der kann zwar nach seiner Verletzung wieder trainieren, dürfte aber bestenfalls auf der Bank sitzen. Auf der rechten Abwehrseite wird Marc Pfertzel spielen. Der läuft seiner Form aus der Vorsaison zwar noch hinterher, aber sein Hauptkonkurrent Matias Conchas fällt wohl aus. Der schwedische Nationalspieler laborierte Mitte der Woche noch an den Folgen einer Knieverletzung.
Vor der Abwehr fällt der zu Saisonbeginn gesetzte Daniel Imhof weiter aus. Auch auf Ersatz Nummer eins Thomas Zdebel wird Trainer Marcel Koller wohl gegen Borussia noch nicht zurückgreifen können. Ersatz Nummer zwei ist Oliver Schröder. Der Ex-Berliner hatte seinen Stammplatz schon lange verloren, zeigte aber nach seiner Einwechslung gegen Leverkusen und über die volle Distanz bei den Bayern gute Leistungen. Als zusätzliche Absicherung wäre Christoph Dabrowski als zweiter Sechser denkbar, aber gegen Borussia auf den ersten Blick nicht nötig.

Bochum Offensive

Eben erwähnter Christoph Dabrowski wird trotzdem von Anfang an mit dabei sein – im linken Mittelfeld. Der Ex-Hannoveraner gehört zu den Säulen im Bochumer Spiel und ist nebenbei auch immer mal wieder für ein Tor gut. In der Mitte wird voraussichtlich Mimoun Azouagh auflaufen, rechts daneben Paul Freier. Beide haben in dieser Saison ihre Erwartungen noch nicht vollständig erfüllt, das gilt aber noch mehr für den möglichen Ersatz, den 56fachen japanischen Nationalspieler Shinji Ono. Dennis Grote schließlich war bislang kein Kandidat für die erste Elf, hat aber immerhin den kleinen Bonus, dass ihm bei den Bayern der viel umjubelte Ausgleichstreffer zum 3:3 gelang.
Im Bochumer Sturm hat der Shootingstar der vergangenen Saison, Stanislav Sestak, zwar noch nicht zu alter Stärke gefunden, ist aber dennoch klar Stürmer Nummer eins auch gegen Borussia. Sein etatmäßiger Nebenmann Vahid Hashemian ist verletzt, der Ex-Gladbacher Marcin Miecel in dieser Saison noch nicht recht in Tritt geraten. Den Platz neben Sestak hat sich einstweilen der Türke Sinan Kaloglu erstritten. Gegen Leverkusen erzielte er den Anschlusstreffer, der die letzten Endes erfolglose Bochumer Schlussoffensive einleitete. In München dann war Sinan der beste Mann auf dem Feld, schos eins der drei Bochumer Tore selbst und bereitete die beiden anderen vor.

Bilanz


62 Mal standen sich die beiden VfLs in der ersten und zweiten Bundesliga gegenüber. 24 Mal hieß der Sieger am Ende Mönchengladbach, zwanzig Mal wurden die Punkte geteilt. 18 Spiele gewann Bochum. Im Ruhrstadion allerdings sieht die Bilanz klarer aus: nur sechs Mal konnte Borussia an der Castroper Straße gewinnen, obwohl die Mannschaft dort traditionell von außerordentlich vielen Fans begleitet wird. Immerhin zwölf Mal gab es einen Punkt für Gladbach. Der letzte Punktgewinn datiert vom 03. Mai 2003, beim damaligen 1:1 trafen zwei Stürmer, die in Bochum und Gladbach immer noch nostalgische Erinnerungen hervorrufen: Thomas Christiansen und Mikael Forssell. Den letzten Auswärtssieg in Bochum holte Borussia im Jahr des DFB-Pokalsiegs. Das Spiel am 25. März 1995 endete 2:0, es trafen Thomas Kastenmaier und – wie in jener Saison üblich - Heiko Herrlich.

Schiedsrichter

stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth (Gospodarek) – Gohouri (Ndjeng), Brouwers (Callsen-Bracker), Daems (Gohouri), Voigt (Daems) – Paauwe, Alberman (Bradley) – Matmour,  Bradley (Rösler / Baumjohann), Touma (van den Bergh / Neuville / Colautti), – Friend,
Ersatz: Coulibaly, Svärd, Lamidi
Es fehlt: Marin (verletzt),

Bochum: Fernandes – Pfertzel, Maltritz, Mavraj, Chr. Fuchs – Schröder – Freier, Azouagh, Dabrowski – Sestak, Kaloglu.
Ersatz: Heerwagen, Fabian, Bönig, Grote, D. Fuchs, Ono, Miecel
Es fehlen: Epalle, Hashemian, Imhof, Concha, Zdebel (alle verletzt bzw rekonvaleszent), Yahia (gesperrt)

SEITENWAHL-Meinung

Christian Spoo:
Vielleicht wird alles gut bei Borussia. Aktuell ist aber nichts gut. Jos Luhukay ist weg, das allein macht die Mannschaft aber nicht besser. Die Testspielniederlage gegen Kaiserslautern dürfte dem Selbstvertrauen der Gladbacher Spiele nicht zurträglich gewesen sein. Das Spiel in Bochum geht deswegen genauso aus, wie das im Rheydter Grenzlandstadion. Borussia unterliegt deutlich  mit 0:3.

Hans-Jürgen Görler:
Heute ist der 12.10.2008, es sind mithin (nur) noch fünf Tage bis zur Partie in Bochum. Eine Woche ist bereits seit dem Rauswurf von Jos Luhukay vergangen, doch die Borussia konnte bislang noch keinen Nachfolger präsentieren. Das ist ein Armutszeugnis - ein neuer Coach hätte die Länderspielpause nutzen können, um die Mannschaft kennen zu lernen und einzustellen. Wahrscheinlich hofft man mit Christian Ziege doch auf eine unkomplizierte und preiswerte Lösung. Der VfL Bochum wird es der Borussia danken und sie mit 3:0 wieder heimschicken.

Christoph Clausen: Rotation ist vorerst nur in der Mannschaft zu erwarten. Was der Noch-Interimstrainer da im Geheimen ausprobiert haben mag, gilt es am Freitag zu besichtigen. In der Hoffnung, dass es die Bochumer auch mit zählbarem Ergebnis überrascht, tippe ich optimistisch auf ein 1:1. Wehmütig erinnert man sich an Zeiten, da ein Unentschieden in Bochum eine Enttäuschung gewesen wäre.

Michael Heinen: Nur selten führt ein Trainerwechsel zu einer sofortigen Verbesserung der Situation. So wird es leider auch für Borussia sein, die ihr Spiel in Bochum mit 1:2 knapp, aber verdient verliert. Zwar zeigt man Einsatz und Engagement, aber letztlich setzt sich mit Bochum die bessere zweier ordentlicher Mannschaften durch.

Thomas Zocher: Das Spiel im Bochumer Ruhrstadion wird zeigen, dass ein Trainerwechsel allein kein Heilmittel ist und eine Mannschaft immer auch davon abhängt, wie es um ihr eigenes Nervenkostüm bestellt ist. Deshalb hilft es der Elf, dass wieder viele ihrer Fans mit angereist sind und sie in Bochum, traditionell so etwas wie ein Bonusheimspiel, nicht allein gegen die Krise anspielen muss. Daher reicht es am Ende auch immerhin zu einem Auswärtspunkt, 1:1.

Christian Heimanns: folgt

Mike Lukanz: Es soll für den neuen Trainer nicht zu leicht werden, denn einfach kann jeder. Nach dem 0:2 in Bochum kann es eigentlich kaum schlechter werden. Eigentlich. Haben wir das in der Vergangenheit nicht schon zu oft gesagt?

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