FC Schalke 04Hans Meyer auf Tournee. Schon bei der Bielefelder Arminia, bei Arminias Cheftrainer Michael Frontzeck. Seinem ehemaligen Assistenten. An diesem Spieltag wird Borussias Übungsleiter wieder einen Besuch machen können, bei seinem ehemaligen Vorgänger, Assistenten und Nachfolger Fred Rutten. Und es steht außer Frage, dass der Niederländer für den Kuchen zu sorgen hat. Wie jeder gute Gastgeber. Als ein solcher betätigt sich SEITENWAHL dieses Mal auch, unseren leckersten Kuchen verspeist der geschätzte Michael Koll, der als Schalker mit seinen Zeilen zu S04 den kommenden vierzehnten Spieltag mit einzuläuten hilft.

Borussias Defensive

„Unser Spiel kostet so viel Kraft!". Dies war ein fester Standard von Ex-Trainer Dick Advocaat zu seiner Zeit an der Hennes-Weisweiler-Allee. Und trotz fast vier Jahren, die in der Zwischenzeit vergangen sind, passt auch diese Kurzzusammenfassung hier wie die Faust auf das Auge. Der Aufwand, den die Borussia in der Abwehrbewegung betreiben muss, ist enorm. Unverzichtbar ist er überdies, weil die Mannschaft ohne ihn das Prädikat „konkurrenzfähig" nicht auf den Trikots mitführen darf.

Mit seiner misslungenen Fußabwehr gegen seinen Ex-Verein hatte Torwart Uwe Gospodarek zwar keinen Glanztag am vergangenen Spieltag, allerdings auch keinen schlechten. So dürfte der Mann aus Straubing weiterhin das Vertrauen der Verantwortlichen genießen und Christofer Heimeroth bei dessen Rückkehr an die alte Wirkungsstätte die Reservistenrolle übrigbleiben. Auf der rechten Abwehrseite hat sich Tobias Levels in die Mannschaft zurück gerobbt, das Eigengewächs machte mit zwei kämpferischen Darbietungen in den letzten beiden Partien deutlich, dass bei der gravierenden Unterbesetzung der Position rechts in der Verteidigung vorläufig kaum ein Weg an ihm vorbeigehen sollte. Und links könnte ein weiteres Eigengewächs seine Chance verdient haben, denn nach starker Leistung im linken Mittelfeld in Bielefeld hatte Johannes van den Bergh auch eine zufriedenstellende Leistung gegen die Bayern in seinem Angebot. Hans Meyer wird schon festgestellt haben, dass der Waldnieler außer Filip Daems im Aufgebot eigentlich keinen anderen Linksverteidiger als Konkurrent fürchten muss - wenigstens, wenn es allein um das Zusammenwirken von fußballerischem Potential und Perspektive geht.

Daems dürfte ja, frisch zurückgekehrt von der Nationalmannschaft, jedenfalls bis zum Winter von Meyer in den zentralen Verteidigung eingeplant sein, in der er sich über die Saison hinweg als der bisher beständigste Profi des Kaders bewiesen hat. An seiner Seite verteidigte am letzten Wochenende nach der Halbzeitpause Steve Gohouri, der fernab seines Elfmeterfouls eine Leistung zeigte, auf die man auch in diesem Spiel wieder zählen möchte. Der mehrfache Nationalspieler ist den meisten seiner Konkurrenten um den vakanten Platz in der Zentrale allein durch seine Physis und seine Kopfballstärke überlegen, zu Borussias Gunsten paaren sich diese noch mit einer Schnelligkeit, die der Borussia gerade in Defensivzweikämpfen hervorragend zu Gesicht steht. Und die anzeigt, welche Vorzüge notwendig sind, damit ein Spieler der Borussenabwehr in ihrer aktuellen Mischung hilft.

Es ist wenigstens wahrscheinlich, dass die vordergründige Defensive von Gal Alberman und Patrick Paauwe komplettiert wird, natürlicherweise einer so genannten Doppelsechs. Zu dieser könnte sich Michael Bradley gesellen, dessen Tor zum 2:2 gegen Bayern München sicherlich für Auftrieb gesorgt hat und den US-Amerikaner dazu animiert ein wenig flotter und präziser bei Ballbesitz das Passspiel zu forcieren. Vielleicht hilft es dem für teures Geld erstandenen Nordamerikaner auch seinen Torabschluss besser zu justieren, bei seinen kommenden Schussversuchen den Ball sauberer zu treffen und damit den kaum noch aus Leder bestehenden Ball klarer auf das Gegnergehäuse zu jagen.

Borussias Offensive

Tannenbaum! Oh, Tannenbaum! Durch die Defensivschwächen der Borussia, die auch Hans Meyer vorläufig nur notdürftig übertünchen kann, kommt bei der Borussia zur Stunde ein System zum Einsatz, das dampfplaudernde Taktikfetischisten gewöhnlich als „Tannenbaum" in Deutschland populär gemacht haben. Nebst drei defensiven Mittelfeldspielern vor vier Abwehrspielern bleiben der Offensive einer Mannschaft dabei lediglich drei Planstellen: Gegen Bayern München am vergangenen Spieltag besetzten diese Positionen Alexander Baumjohann, Marko Marin und der unverwüstliche Rob Friend.

Es ist schon wahrscheinlich, dass dieses Trio auch an diesem Spieltag zum Einsatz kommen dürfte. Dabei wird es dann für Baumjohann die Chance geben, sich an alter Wirkungsstätte zu beweisen, wenngleich der Waltroper in seiner königsblauen Phase lediglich zweimal eingesetzt worden war. Allerdings wird er hoffen, für die Borussia den Schalker Verantwortlichen zeigen zu können, was Jan Schlaudraff seit seinem Abschied von der Borussia in bisher jedem Spiel gegen die Borussia gelang. Dafür wird der offensive Mittelfeldspieler, bei dessen Borussenvertrag in Bälde die finale Phase anbricht, natürlich eine so laufintensive & engagierte Darbietung anbieten müssen wie gegen den FC Bayern. Sollte er sich auf eine maue und laue Leistung wie gegen Frankfurt beschränken, müsste Karim Matmour insgesamt wieder bessere Möglichkeiten für die Rückkehr in die Startelf haben.

Weil eine ganze Nation sich dieser Tage das weitläufig unkundige Maul über Marko Marin zerreißt, ist es zuvorderst einmal angebracht Stürmer Rob Friend zu erwähnen. Er allein ist der primäre Leidtragende der Defensivschwächen im Kader. Denn durch sie ist er dazu verdammt in vorderster Front stetig den Alleinunterhalter zu geben. Der Fußballer verkommt in dieser Rolle und es ist löblich, den Kanadier darüber nicht in der Pose des Schmollenden zu sehen. Denn natürlich könnte er viel effektiver spielen, wenn er mit einem kompatiblen Nebenmann ausgerüstet wäre. Aber gerade dies lässt die durch die Saisonplanungen vor der Spielzeit in Kauf genommene Anfälligkeit der Borussia in der Defensive halt derzeit nicht zu, da die DFL dem innigen Bitten Hans Meyers hinsichtlich der Erweiterung einer Elf zu einer „Zwölf" weiterhin zutiefst skeptisch gegenübersteht.

Deshalb ist es an vielen Bematschten im Umfeld Friend derzeit etwas abzusprechen, was er weit mehr als sie besitzt: Tauglichkeit!

Der Gegner aus Gelsenkirchen

... redet sich seit Saisonbeginn gern ein, dass sich seit dem Trainerwechsel unheimlich viel getan hat. Und das stimmt! Wir stehen jetzt nämlich NOCH weiter von der erstrebten Pole-Position entfernt, als in den zweieinhalb Jahren unter Mirko Slomka. Vielerorts liest und hört man, dass es ja Zeit braucht, bis das Rutten'sche System greift und dass es so einen tollen Fußball unter Slomka nie gegeben hätte. In partieller Amnesie war er schon immer gut, der Schalker. Und da es ein Niederländer war, der die jüngere Schalker Geschichte auf dem Trainerstuhl der Knappen geprägt hat, bekommt Fred Rutten qua Nationalität schon einmal einen Vertrauensvorschuss, den Mirko Slomka nie hatte. Sicher, Arschkrebsfußball gab es reichlich unter Mirko. Den gab es trotz dreier Titel aber auch unter Stevens und den gibt es aktuell auch unter Rutten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine derart unbeholfene Mannschaft in königsblau gesehen zu haben, wie bei der 0:1-Niederlage in Köln. Und ich habe die 40 bereits überschritten.

Aber es gab auch in dieser Saison, das kann und will der Chronist gar nicht verschweigen, wirklich schöne Spiele. Das Derby in Dortmund mit Lutz -Heimschiri- Wagner als Hauptperson, das Spiel gegen die Seppels war auch sehr okay, und im UEFA-Cup schlägt man sich ja auch gleichermaßen achtbar wie ansehnlich. So muss man nach einem guten Drittel der Saison vermutlich realistisch einen Platz zwischen 3 und 5 anpeilen. Für 1 bis 2 wird's mangels Qualität in allen Bereichen (und da verschweigen wir die mäßige Transferpolitik unseres Managers nicht) nicht genügen, ein sechster Platz hingegen dürfte Planstellen an geeigneter Stelle freimachen.

Schalker Defensive

Mit Heiko in der IV: Pander-Westermann-Bordon-Rafinha. Mit Heiko im MF: Pander-Höwedes-Bordon-Rafinha. Nur so. Hat zwar ein bisschen gedauert bis auch der Trainer zu der Einsicht gelangt ist, dass Mladen Krstajic bestenfalls noch als Notnagel fungieren kann, aber immerhin. So oder so, Heiko Westermann ist seit Jörg Böhme der erste Spieler im S04-Kader, dessen Name ich mir auf mein Trikot pappen würde. Und ehrlich, ich hasse Personenkult! Darüber hinaus ist (der dieses Mal gelbgesperrte) Rafi in der Form seines Lebens. Stinkstiefel? Mir egal. Lieber Stinkstiefel und die Leistung stimmt, als nur einen der ganzen Batterie an Schwiegersöhnen des Trainers, die lediglich mit dem Strom schwimmen und denen Leaderqualitäten völlig abgehen. Es gibt keinen Zweifel, dass man sich auf Schalke nicht wegen der Defensivabteilung schämen muss. Ganz im Gegenteil, die geringe Anzahl an Gegentoren kommt nicht von ungefähr. Vor den genannten Vieren spielen im fliegenden Wechsel zwischen der 6 und der 8 die Herren Ernst, Jones und Engelaar. Und von denen ist nur einer unangefochten in der Stammelf, nämlich Jermaine Jones. Womit? Mit Recht.

Schalker Offensive

Oh, keine Rubrik "Schalker Mittelfeld"? Schön, das erspart mir bissige Kommentare bzgl. des gespielten Systems. Und die Geschichte der Schalker Offensive ist schnell erzählt. Ein offensives oder gar kreativ-offensives Mittelfeld gibt es nicht. Die ganze Schalker Auto-Suggestion, dass ein Spieler der Marke Lincoln uns fehle, ist schlicht nur noch eines, nämlich ermüdend. Der Wappenknutscher spielt bei Skibbe, und das ist auch gut so.
Klassischer Fall von zu dösig. Alles Talent dieser Erde genügt nicht, wenn es kopfmäßig nicht reicht. Erwähnte ich übrigens in diesem Zusammenhang, dass ein gewisser Herr Mpenza inzwischen bei Plymouth ein Reservistendasein fristet? Vorne rechts spielt Jefferson Farfán auf relativ konstant hohem Niveau, mittig Herr Kuranyi mit wechselndem Erfolg, und auf links stümpern im Wechsel Ivan Rakitic und Halil Altintop. Wenn Rutten lustig sein will, wechselt er Gerald Asamoah oder Vicente Sanchez ein. Sollte dies der Fall sein, Glückwunsch zu drei Punkten.

Schiedsrichter

stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest

Bilanz

Kasper Bögelund hat nicht viele Tore in seiner Karriere bei der Borussia geschossen, dennoch waren diese Treffer immer sehenswert. Der Treffer, der ihm im August 2005 in Gelsenkirchen gegen den FC Schalke gelang, war einerseits das Tor jenes Jahres in der ARD-Sportschau, andererseits der Treffer, der Borussia zuletzt etwas gewonnen hat in der Stadt im Ruhrgebiet: ein Remis unter Horst Köppel. Ansonsten sind die Borussenspieler in den letzten Jahren oft umsonst in eine Stadt gefahren, die einst von dem Wiener Kabarettisten Georg Kreisler mit einem durchaus makabren Chanson gleichen Namens besungen worden war. So datiert der letzte Erfolg einer Borussia beim FC Schalke noch in Zeiten, als die Schalker in ihrem Parkstadion glücklich waren. Neunzehnzweiundneunzig (2:1) war das, der Borussentrainer hieß Jürgen Gelsdorf und der Schalker hörte auf den Namen Lattek. Zwar nicht „bei Fuß", aber mit Ballonseide und Käppi. Der schnauzbärtige Frank Schulz, heutzutage Trainer des viertklassigen BV Cloppenburg und zu seiner Zeit bei der Borussia stets der rustikal-ehrlichen Fraktion zuzurechnen, erzielte damals den Siegtreffer für die Borussia gegen eine (um den von Referee Amerell des Feldes verwiesenen Günter Schlipper) deziemierte Schalker Elf, die im Jahr zuvor aufgestiegen war und deren Stars eben Trainer Lattek und der schillernde Präsident Günter Eichberg hießen.

Aufstellungen

Schalke 04: Neuer - Westermann, Höwedes, Bordon, Pander - Jones, F. Ernst - Rakitic - Farfan, Kuranyi, Halil Altintop.
Ersatz: Fährmann, Schober - Krstajic, Zambrano, Engelaar, Heppke, Kobiashvili, Streit, Zé Roberto de Oliveira, Asamoah, Lövenkrands, Sanchez.
Es fehlen: Kenia (verletzt), Grossmüller (freigestellt), Varela (freigestellt), Rafinha (Gelbsperre)

Borussia: Gospodarek - Levels, Gohouri, Daems, van den Bergh - Baumjohann, Bradley, Paauwe, Alberman, Marin - Friend.
Ersatz: Heimeroth - Stang, Voigt, Dorda, Ndjeng, Schachten, Svärd, Brouwers, Lamidi, Colautti, Matmour.
Es fehlen: Jaurès, Neuville, Callsen-Bracker, Kleine (alle verletzt), Rösler, Coulibaly, Touma (alle Training mit der U23).

Schiedsrichter: stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest
Schiedsrichterassistenten: stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest
Vierter Offizieller: stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest

SEITENWAHL-Meinung

Thomas Zocher: Eine wiederholte Leistungssteigerung in besten Ehren, das Spiel geht verloren. Das sieht schließlich auch Hans Meyer so, der letztlich Filip Daems und Rob Friend vor einer Spielsperre bewahrt und somit dafür sorgt, dass das Duo beim 0:2 in Gelsenkirchen während der Schlussphase bereits straffrei unter der warmen Dusche steht.

Mike Lukanz: Immerhin ist der allgemeine Frust wieder einer grundsätzlichen positiveren Stimmung gewichen. Die spielerischen Probleme indes dürfte das nicht weiter beeinflussen. Sowohl in Bielefeld als auch gegen München wäre eine Niederlage wohl verdienter gewesen, aber seit wann ist im Fußball etwas verdient? Daher setzt es in Gelsenkirchen auch eine verdiente 0:2-Niederlage.

Christoph Clausen: Die famose Aufholjagd vom letzten Samstag nährt leise Zuversicht, die letzten Ergebnisse des kommenden Gegners tun es ebenfalls. Allerdings: Die Schalker Stärke bei Standardsituationen ist eine schwere Hypothek, bedenkt man das Tohuwabohu, das bei gegnerischen Eckbällen und Freistößen in Gladbachs Strafraum regelmäßig ausbricht. Kann die Borussia das am Samstag nicht abstellen, wird sie mit 1:2 verlieren.

Christian Spoo: Wunder gibt es immer wieder - aber zwei Mal in Folge geschehen sie eher selten. Nach der furiosen Aufholjagd gegen Bayern präsentiert sich Borussia in Schalke ganz ordentlich, verliert aber letzten Endes verdient mit 0:2.

Hans-Jürgen Görler: Auch wenn Schalke nach und nach abzubauen scheint und die Borussia plötzlich wieder Fußball spielt, dürfte ein Punkt für das Team von Hans Meyer in der Gelsenkirchener Turnhalle wohl kaum drin sein. In der Hoffnung auf ein weiteres unerwartetes Unentschieden wiederhole ich meinen Bayern-Tipp: Die Borussia unterliegt auf Schalke mit 1:3.

Michael Heinen: Auf Schalke gibt´s nicht viel zu holen. Mit dem 0:2 ist Borussia am Ende noch gut bedient.

Christian Heimanns: In Schalke war für die Borussia selten etwas zu holen, da hat es bereits in der ersten Ära Meyer saftige Niederlagen gegeben. Aber heutzutage ist ja einfach nichts mehr sicher und auch diese Tradition beugt sich dem Wechsel mit einem 2:2.

Der FC Schalke 04 im Internet: http://www.schalke04.de

... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa
... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed

  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
  • Die Europa League hat angerufen, sie möchte die #fohlenelf zurück! #UEL
  • @doerpm Geheimtipp: #stepontoe
  • Die Elf vom Niederrhein #Cando #CandosMelodie #CandoLieder
  • @Peter_Ahrens From carlo to cando
  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

Folge uns auf Twitter