Eines haben die Chaoten in Köln und Mönchengladbach erreicht: Mit jedem Derby scheint das Sportliche immer mehr in den Hintergrund zu treten. Wie schon in der Vorrunde sahen sich beide Vereine auch in dieser Woche genötigt, eine gemeinsame Erklärung herauszugeben, in der sie an die Vernunft der Fans appellieren. Das gegenseitige Aufschaukeln unter Einbeziehung der vergangenen Vorkommnisse entwickelt sich zu einem Fass ohne Boden - aus Köln sind ernste Sorgen zu hören, dass FC-Anhänger sich für die aberwitzigen Attacken mit Leuchtraketen vor dem Hinrundenspiel „rächen" wollen.
Die unbegreiflichen und sinnlosen Ereignisse in Winnenden verdeutlichen dabei leider noch mehr die Absurdität der im Vorfeld dieses Derbys geführten Diskussionen um mögliche Ausschreitungen und Gewalt, um Ehre, Stolz und Rache zwischen Fans beider Vereine. Zur Erinnerung: Am Samstagmittag wird nur ein Fußballspiel (!) ausgetragen!

Zum Sportlichen: Der 4:1-Heimsieg gegen den Hamburger SV wirkte wie ein Befreiungsschlag für Borussia und ihre Anhänger. Dabei waren es weniger die drei Punkte, die dieser Erfolg zwangsläufig nach sich zog. Vielmehr überwog die Gewissheit, guten und erfolgreichen Fußball auf Bundesliganiveau spielen zu können. Eine Erkenntnis, die noch vor wenigen Wochen - zum Beispiel nach den Heimspielen gegen Cottbus oder Frankfurt - als naive Träumerei unverbesserlicher Optimisten abgetan worden wäre. Dennoch: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein überzeugender Sieg gegen eine Spitzenmannschaft bedeutet nicht zwangsläufig die Wende in einer bis dato katastrophalen Saison. Schon in der Hinrunde wähnten sich viele Anhänger der Fohlenelf nach dem nicht minder berauschenden 3:2-Heimsieg gegen Werder Bremen im Aufwind. Es folgte das peinliche und desaströse 1:5 in Hannover. Ein weiterer guter Auftritt beim rheinischen Rivalen, garniert mit einem oder gar dreifachem Punktgewinn, könnte für den endgültigen Ruck und zum weiteren Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans sorgen.

Borussias Defensive

Über Logan Bailly ist in den vergangenen Wochen ausreichend gesprochen worden. Bis zum heutigen Tag ist seiner Verpflichtung ein voller Erfolg. Ein positiver „Typ", der am Samstag in der lauten und hitzigen Atmosphäre des Rhein-Energie-Stadions beweisen kann, dass ihn eine solche Kulisse zusätzlich motiviert. Beim Gegentor vergangene Woche durch Petric machtlos, ansonsten von den Hamburgern kaum ernsthaft geprüft.

Der überraschendste Auftritt gelang zweifellos Tobias Levels. Auf ungewohnter Position links in der Viererkette überzeugte Borussias Eigengewächs durch erfreulichen Offensivdrang und Zweikampfstärke. Für ihn gilt jedoch das Gleiche wie für die ganze Mannschaft: Um von einer dauerhaften und positiven Entwicklung sprechen zu können, genügt ein gutes Spiel pro Halbserie nicht. In der Innenverteidigung muss Hans Meyer gezwungenermaßen eine Änderung vornehmen, denn Steve Gohouri wird verletzungsbedingt in Köln fehlen. Dies mag man bedauern, ist Gohouri aufgrund seiner Präsenz und seines Charakters förmlich geschaffen für Duelle wie das, was Borussia am Samstagmittag erwartet. Andererseits bleiben den Anhängern der Borussia auch die obligatorischen Aussetzer erspart, die sich der Ivorer in wirklich jedem Spiel leistet. Ivica Olic hätte seinen HSV gleich zu Beginn mit ein, zwei Toren in Führung schießen können, profitierte er diverse Male von Stock- und Stellungsfehlern Gohouris. Dass er schon Mitte der ersten Halbzeit für Roel Brouwers ausgetauscht werden musste, erwies sich im Laufe der Partie als glücklicher Umstand, denn der Niederländer zeigte eine überdurchschnittlich gute Leistung und sorgte mit seinem zwischenzeitlichen 3:1 für die Vorentscheidung zugunsten Borussias. Brouwers wird zudem erneut auf Milivoje Novakovic treffen, an den er sicher mit gemischten Gefühlen denkt. Im letzten Auswärtsspiel Borussias in Köln war es Novakovic, der in der letzten Minute der Nachspielzeit einen Elfmeter gegen Brouwers herausholte, wobei der Niederländer in dieser Szene nicht wirklich glücklich agierte. Und der gleiche Novakovic erzielte im Hinspiel dieser Saison kurz vor Schluss mit einem direkt verwandelten Freistoß den Siegtreffer für den 1.FC Köln. Immerhin: Das erste seiner beiden Saisontore erzielte Brouwers im gleichen Spiel im Oktober 2008, damals traf er nach einer Ecke zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

Ob es nun an der Rückkehr Tomas Galaseks lag, dass Borussia gegen den HSV insgesamt sicherer in der Defensive stand, ist so nicht eindeutig zu bestimmen. Fakt ist, dass der Tscheche gewohnt souverän und cool seine Position auf dem Feld ausfüllte, auch wenn die der einstige Tabellenführer aus der Hansestadt speziell in der zweiten Halbzeit eine Leistung darbot, die keine Abwehrreihe der Bundesliga vor allzu ernste Probleme gestellt hätte. Galaseks Aufgabe ist klar: Bei den oft zu offensiv ausgerichteten Baumjohann, Matmour oder Marin muss er die Lücken im defensiven Mittelfeld schließen. Diese Aufgabe dürfte gegen den FC noch viel wichtiger werden, entwickelten die Domstädter speziell in dieser Saison ein durchaus gefälliges Konterspiel, das Ihnen unter anderem überraschende Auswärtssiege in Stuttgart oder München einbrachte. Auf einen direkten Gegenspieler wird Galasek nicht treffen, agiert der FC mit einer ähnlichen Grundausrichtung wie Borussia, also ohne zentralen Spielmacher hinter den Spitzen. Interessant wird zudem der direkte Vergleich mit Galaseks Pendant auf Kölner Seite, dem Portugiesen Petit, dessen Rolle innerhalb der Mannschaft von ähnlicher Wichtigkeit ist.

Borussias Offensive

Marko Marin und Alexander Baumjohann. Borussias dribbelstarke Mittelfeldspieler werden mehr und mehr zur Lebensversicherung ihres Arbeitgebers. Beide bestimmen seit geraumer Zeit das Auf und Ab des Gladbacher Offensivspiels. Nahezu alle gefährlichen Situationen vor des Gegners Tor haben ihren Ursprung an den Füßen der beiden Talente. Die ersten zwei Tore gegen Hamburg vergangenen Samstag haben dies eindrucksvoll unterstrichen. Und das, obwohl zu Beginn der Saison noch Skepsis herrschte, dass es beide nebeneinander auf dem Spielfeld überhaupt geben wird, da sie sich in ihrer Spielanlage ähneln. Überhaupt entwickelt sich das Mönchengladbacher Mittelfeld zum stärksten Mannschaftsteil. Das liegt zum einen an den schon genannten Marin und Baumjohann, zum anderen an Galasek und Michael Bradley. Der US-Amerikaner rechtfertigt in den vergangenen Wochen nicht nur seine vergleichsweise hohe Ablösesumme, sondern auch die Vorschusslorbeeren, die ihm bei seinem Wechsel vorauseilten. Bradley zeigt sich enorm laufstark, sucht Zweikämpfe und übernimmt immer mehr Verantwortung. Im Zusammenspiel mit Galasek bildet er den stabilisierenden Gegenpol zu den jungen und defensiv oft ungeschickten Marin, Baumjohann und Matmour. An Letzterem scheiden sich seit vielen Wochen die Geister. Matmour hat unzweifelhaft Qualitäten, er ist schnell und technisch versiert. Mangelnden Einsatz ist ihm ebenso wenig vorzuwerfen. Einzig die Effektivität geht ihm ab - doch auch hier gab der Auftritt gegen den HSV zumindest Anlass zur Hoffnung. Die Art und Weise, wie er beide Hamburger Verteidiger mit einem beherzten Antritt unmittelbar vor dem Elfmeter zum 4:1 düpierte, entsprach dem, was man sich bei seiner Verpflichtung vom SC Freiburg versprach. Gegen die mitunter wackligen Kölner Außenverteidiger sollte Matmour diese Duelle öfter suchen.

Dass Borussias Mittelfeld in dieser Fünferkonstellation seine größte Stärke entwickelte, ist für Rob Friend nicht zwangsläufig ein Segen. Als einzige Sturmspitze hat er seit Saisonbeginn einen schweren Stand. Das schöne Führungstor gegen den HSV wird Balsam für seine geschundene Stürmerseele gewesen sein, dennoch muss nüchtern konstatiert werden, dass Friend die anfänglichen Erwartungen bisher kaum erfüllen konnte. Er arbeitet viel, wirft sich in Zweikämpfe und scheut kein Kopfballduell. Seine mitunter erschreckende Grundschnelligkeit und die oft gezeigte Abschlussschwäche stellen die wesentlichen Faktoren dar, die ihn auch von Novakovic auf Kölner Seite unterscheiden. Ob Roberto Colautti eine bessere Wahl zum Kanadier sei, halten viele Beobachter für möglich. Der Israeli bekommt allerdings wenige Chancen, sich für einen Stammplatz zu empfehlen. In Bremen, wo Colautti aufgrund einer Sperre Friends von Beginn an auflaufen durfte, wären wohl auch Ibrahimovic oder Henry im Gladbacher Dress sprichwörtlich „verhungert". Im Spiel ist Oliver Neuville meist die erste Alternative bei Einwechslungen. Der Routinier fügt sich in diesen Tagen in seine Rolle als Edeljoker und bewies zuletzt gegen Hannover, wie wichtig er (noch immer) sein kann.

Der Gegner aus Köln

Es geschah irgendwann während der Hinrunde, als Christoph Daum in einem Interview launisch beklagte, dass die Medien die bis dato gute Saison seines 1.FC Köln nicht ausreichend honorierten. Grund dafür war laut Daum der Höhenflug des Mitaufsteigers Hoffenheim, der in der Hinrunde mit begeisterndem Offensivfußball die Nation überraschte und die so nicht erwartet gute Saison der Domstädter in den Hintergrund rückte. Dass Daum diese medialen Streicheleinheiten einforderte, ist ihm nicht zu verdenken. Lange genug hat er Prügel einstecken müssen, nachdem er „seinen" 1.FC Köln in der 2. Bundesliga übernahm, im ersten Jahr das Ziel Aufstieg klar verpasste und auch im zweiten Anlauf vergangene Saison erst durch einen Schlussspurt die Rückkehr ins Oberhaus schaffte. Souverän agierte der FC im Unterhaus freilich nicht. Dennoch: In der vergangenen Sommerpause wurden am Geißbockheim die Hausaufgaben gemacht. Daum und Manager Michael Meier analysierten ihren Kader und erkannten die Schwachstellen. Mit Geromel und Petit wurde die Mannschaft an entscheidenden Stellen gezielt verstärkt, die Taktik aufs vorhandene Spielermaterial ausgerichtet. In der Außenwirkung zeigen sich die Geißbock-Elf und der gesamte Verein ungewohnt ruhig, sachlich und professionell. Sicherlich auch eine Folge der bis zum heutigen Tag zufriedenstellenden Saison. Nie schlecht genug, um in akute Abstiegsgefahr zu geraten und nie gut genug, um Fans und Umfeld vom internationalen Geschäft träumen zu lassen. Die von den Kölner Verantwortlichen langersehnte „ruhige" Saison scheint sich abzuzeichnen am Rhein.

Mit der Verpflichtung von Lukas Podolski zur neuen Saison ist den Verantwortlichen zudem ein echter Coup gelungen, der allerdings finanziell und strukturell nicht risikolos ist. SEITENWAHL erfuhr aus Kölner Kreisen, dass der mediale Hype rund um die Verpflichtung Podolskis in der Winterpause innerhalb der Mannschaft wenig Begeisterung ausgelöst hat. Zudem geht der Verein auch finanziell ein nicht unerhebliches Risiko ein. Lukas Podolski wird nicht nur den Spielraum für weitere nötige Transfers extrem einengen, sondern auch das Gehaltsgefüge der zurzeit homogen auftretenden Mannschaft durcheinanderwirbeln. Speziell in Mönchengladbach weiß man, dass eine solche Ausnahmestellung eines einzelnen Spielers nicht nur Vorteile bringt. Neidlos muss man jedoch anerkennen, dass sich der FC nach den bitteren Jahren seit 1998 und vier Abstiegen zu konsolidieren scheint. Ob in der kommenden Saison mit Lukas Podolski der nächste Schritt gemacht werden kann, ist ungewiss. Die „Skandale" um Roda Antar oder Pierre Womé belegen, dass wirkliche Ruhe in Köln wohl nie einkehren wird. Denn schon immer war die Medienstadt Köln mit ihren begeisterungsfähigen Menschen für die Geißbockelf Fluch und Segen zugleich.

Kurz vor Redaktionsschluss zeichnete sich im Fall Roda Antars eine Lösung ab. Wie einige Medien berichteten, steht der Libanese, der vor einigen Wochen überraschend und frei verkündete, nicht mehr für den 1.FC Köln spielen zu wollen, eine Lösung ab. So reist Antar zur sportmedizinischen Untersuchung zum Shandong Luneng Football Club nach China. Ob es zu einem Wechsel noch während der Rückrunde kommt, ist ungewiss. Gewiss hingegen ist, dass Antar, eigentlich ein Leistungsträger im Team, nicht mehr im Trikot des 1.FC Köln auflaufen wird.

Aufmerksame Leser werden bemerken, dass der Gegner beim Vorbericht aus der Hinrunde noch weit weniger gut weggekommen war. Es muss indes fairerweise konstatiert werden, dass der 1.FC Köln auf dem besten Wege ist, die anfangs kühn klingenden Ziele ihres Cheftrainers Christoph Daum („gesicherter Mittelfeldplatz") auch zu erfüllen. Gleichwohl liegt es am Samstag auch an Borussia, einen weiteren potenziellen Mitstreiter um den Klassenerhalt noch einige Tage länger schwitzen zu lassen ...


Kölner Defensive

Faryd Mondragon ist der Logan Bailly des FC. Wie Borussias Neuzugang aus Belgien ist auch der Kolumbianer Mondragon ein extrovertierter Typ, mit zum Teil überragenden Reflexen auf der Linie. Und ähnlich wie Bailly schaffte es Mondragon, sich binnen weniger Wochen in die Herzen der eigenen Fans zu spielen. Blickt man indes in dieser Saison in die Fan-Foren des 1.FC Köln, verstummen die Kritiker nicht. Denn neben zum Teil spektakulären Paraden fängt sich Kölns Schlussmann hin und wieder das ein oder andere „Ei", zumal werden seine punktrettenden Spiele merklich weniger. Dass die Verantwortlichen mehr oder weniger offen unter anderem Interesse an KSC-Keeper Miller zeigten, zeugt zwar von vernünftiger mittelfristiger Planung, denn Mondragon ist nicht mehr der Jüngste, doch fühlte sich der stolze Kolumbianer ob der Gerüchte gekränkt.

Das Prunkstück der Kölner Defensive steht in der Innenverteidigung. Pedro Tonon Geromel, der zu Beginn der Saison vom portugiesischen Erstligisten Vitoria Guimaraes an den Rhein gelotst werden konnte, zeigte keinerlei Anpassungsschwierigkeiten und avancierte binnen kürzester Zeit zu einem der besten Abwehrspieler der Bundesliga. Ihm zur Seite steht mit Youssef Mohamad ein weiterer spielstarker Verteidiger. Im Hinspiel sah Rob Friend speziell gegen Geromel keinen Stich und war dem Italiener in nahezu jedem Zweikampf unterlegen. Der Portugiese Petit, der zentral vor der Abwehr agiert, komplettiert diese zentrale Abwehreinheit, die nominell und qualitativ sicherlich zum gehobenen Bundesliganiveau zählt. Doch ist natürlich auch beim FC nicht alles Gold, was glänzt. Die Außenverteidiger gelten als Schwachstelle, was nicht zuletzt auf fehlende Breite im Kader zurückzuführen ist. Miso Brecko ist zwar seit Saisonbeginn Stammspieler als Rechtsverteidiger, aber eine unüberwindbare Größe stellt der Slowene nicht dar. Hier dürfte vor allem Marko Marin seine Chancen suchen, da er im direkten Duell klare Vorteile hat. Der etatmäßige Linksverteidiger Pierre Womé fällt zurzeit verletzungsbedingt aus, was Christoph Daum auch zu Experimenten zwang. So musste Marvin Matip zuletzt auf Womés Position aushelfen, was ihm in den Spielen gegen Bayern München und Arminia Bielefeld ganz gut, gegen Karlsruhe und Schalke weniger gut gelang. Da Matip auf keiner Position gehobenes Bundesligaformat darstellt, sollten sich auch hier für Borussias Offensivspieler Raum und Möglichkeiten ergeben, Chancen zu kreieren.

Zu Petit fielen schon ausreichend Worte. Der Portugiese war in dieser Woche angeschlagen, wird aber zum Derby in der Startelf stehen. Dass Petit einen Stammplatz haben wird, hatte zu Beginn der Saison wenige überrascht. Dass ein gewisser Kevin Pezzoni seit inzwischen 18 Spielen an der Seite des routinierten Nationalspielers steht, wohl umso mehr. Der 19-jährige Pezzoni, im vergangenen Sommer von den Blackburn Rovers an den Rhein gewechselt, stand erstmalig beim 1:0-Heimsieg der Kölner gegen den FC Schalke 04 am 6. Spieltag in der Startelf und seither bekleidet er die zweite Position im defensiven Mittelfeld. Er spielt sicher keine überragende Saison, doch für einen so jungen Spieler erstaunlich konstant.

Kölner Offensive

Milivoje Novakovic. Eigentlich könnte der Absatz an dieser Stelle enden, denn nach, neben oder gar vor dem slowenischen Stürmer kommt in Kölner Reihen nicht sonderlich viel. Novakovic, dessen Knoten nach anfänglichen Schwierigkeiten in der vergangenen Saison platzte, zeigt sich auch in der höchsten deutschen Spielklasse als treffsicher und abgebrüht. 12 Saisontore konnte der Kapitän des kommenden Gegners bereits erzielen, dazu verbuchte er eine direkte Torvorlage. Bei insgesamt 25 erzielten Toren ist der Slowene demnach für mehr als die Hälfte aller Kölner Tore verantwortlich. Dass mit Petit ein defensiver Mittelfeldspieler der zweitbeste Schütze ist, verrät viel über die Probleme des viermaligen Absteigers. Die Rechnung ist einfach: Ist Novakovic aus dem Spiel, erlahmt die Offensive. Er ist Vorbereiter, Vollstrecker und Anspielstation in Personalunion. Nach dem Abgang von Nationalspieler Helmes, mit dem er in der 2. Liga ein kongeniales Duo bildete, lastet noch mehr Verantwortung auf den Schultern des schlaksigen Angreifers.

Die vor Saisonbeginn getätigten Einkäufe (Radu, Ishiaku, Sanou) für die Offensive können bis zum heutigen Tag als Enttäuschung bewertet werden. Ishiaku verletzte sich kurz nach seinem Wechsel vom MSV Duisburg und fiel fast die komplette Hinrunde aus. Bisher ist es Christoph Daum nicht gelungen, einen zweiten torgefährlichen Spieler innerhalb des Kaders zu formen. Am Samstag wird Sanou wohl die Chance erhalten und auf der rechten, offensiven Mittelfeldseite zum Einsatz kommen. Im zentralen Mittelfeld wird Nemanja Vucicevic erneut versuchen, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Eine vage Hoffnung, die selbst unter Kölner Anhängern kaum noch Nahrung findet. Durchaus mit technischem Talent gesegnet, schafft es der Serbe selten, effektiv zu agieren. In 19 Einsätzen in dieser Saison gelang ihm kein einziges Tor, immerhin vier konnte er vorbereiten. Mit ihm sollte Tomas Galasek in Normalform weniger Mühe haben. Der Einsatz von Fabrice Ehret auf der linken Mittelfeldseite ist ungewiss, da den Torschützen zum 0:1 aus dem Hinspiel eine Angina plagt. Es ist die wohl größte Baustelle im Kader des FC: Neben der ersten Elf stehen wenig Alternativen zur Verfügung. Adi Chihi, Thomas Broich, Thomas Brosinski oder Taner Yalcin heißen sie im Falle Ehrets. Dies verdeutlicht, dass die Kölner wahrlich keine Übermannschaft besitzen.

Mit der zentralen Achse Geromel, Mohamad, Petit und Novakovic verfügt der 1.FC Köln über gehobenes Bundesliganiveau. Speziell Novakovic und Petit müssen aus dem Spiel genommen werden. In Heimspielen tun sich die Kölner in dieser Saison sehr schwer, wenn sie das Spiel selber machen müssen. Spielt der Gegner mit und schafft Räume, ist der FC in der Lage, über schnelle Konter für Torgefahr zu sorgen. Doch erst neun erzielte Tore in 11 Heimspielen (bei drei Siegen) sprechen eine deutliche Sprache.

Schiedsrichter

Thorsten Kinhöfer leitet in dieser Saison zum zweiten Mal ein Spiel Borussias. Am 2. Spieltag der laufenden Saison zeigte er bei Borussias 0:1-Niederlage gegen Hoffenheim eine akzeptable Leistung. Bemerkenswerter ist allerdings der Treppenwitz des DFB, Kinhöfer bereits zum dritten Mal zum rheinischen Derby zu kommandieren. Schon die Ansetzung bei Borussias Auswärtsspiel in Köln der vergangenen Zweitligasaison wurde von beiden Seiten mit Unverständnis aufgenommen, da er bereits im Hinspiel (2:2) mit einigen strittigen Entscheidungen den Zorn der Beteiligten auf sich zog. Der fast schon groteske Elfmeterpfiff für Köln im Rückspiel (1:1) in der Nachspielzeit ist bis heute wohl allen Gladbachern schmerzhaft in Erinnerung. Das Foul Brouwers' an Novakovic in der 93. Minute verlegte der 40-Jährige großzügig um einige Meter in den Strafraum, so dass Helmes zum damals unverdienten Ausgleichstreffer für den FC kam.

Bilanz

Eigentlich immer der aus Gladbacher Sicht angenehmste Absatz in Vorberichten gegen Köln. Wobei die chronisch gute Bilanz in letzter Zeit einige Risse bekommen hat. Fakt ist nämlich, dass man in Mönchengladbach schon seit einigen Jahren auf einen Auswärtssieg in Köln wartet, zuletzt gelang dies am 4. Spieltag der Saison 2001/02. Beim damaligen 2:0 im Müngersdorfer Stadion trafen Bernd Korzynietz und Arie van Lent, Trainer war damals: Hans Meyer. Insgesamt liest sich der direkte Vergleich mit den rheinischen Nachbarn nach wie vor glänzend: In insgesamt 90 Pflichtspielbegegnungen aus 1. und 2. Liga, DFB-Pokal, UEFA-Cup und aus der Oberliga West gewann Borussia exakt die Hälfte (45) und konnte 17 weitere mit einem Unentschieden begleiten, bei 28 Niederlagen. Auswärts in Köln verließ man in 43 Partien 20-mal als Sieger den Platz und musste sich lediglich in 15 Spielen geschlagen geben (bei 8 Unentschieden).

Aufstellungen

1.FC Köln: Mondragon - Brecko, Geromel, Mohamad, Matip - Petit, Pezzoni - Sanou, Vucicevic, Chihi - Novakovic
Ersatz: Varvodic, Broich, Brosinski, Radu, McKenna, Yalcin, Ishiaku
Es fehlen: Ümit, Womé, Kessler (alle verletzt), Antar (disziplinarische Gründe)

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Daems, Levels - Galasek, Bradley - Matmour, Baumjohann, Marin - Friend
Ersatz: Heimeroth, Kleine, Colautti, Neuville, Paauwe, Lamidi, Dorda
Es fehlen: Gohouri, Dante, Jaures, van den Bergh, Gohouri (alle verletzt, bzw. im Aufbautraining)

SEITENWAHL-Meinung

Thomas Zocher: Nein, einen Sieg wird die Borussia in Köln nicht einfahren, dennoch ist das 1:1 ein wichtiger Punkt auf dem Weg zu ihrem Klassenziel. Da kann sie verschmerzen, dass sie auch im zweiten Spielabschnitt der zeitigen Kölner Führung nur noch einen Ausgleichstreffer entgegensetzen konnte. Immerhin vermeidet sie einen späten Gegentreffer aus einem Standard, wie durch den unberechtigten Elfmeter im letzten Frühjahr oder dem berechtigten Freistoß in der Hinserie.

Hans-Jürgen Görler: Gegen den Hamburger SV hat die Mannschaft unter Beweis gestellt, dass sie das Fußballspielen doch nicht verlernt hat. Das System "Meyer" scheint nun - gerade noch rechtzeitig - zu greifen. Damit noch mehr Bewegung in den Tabellenkeller kommt, muss gegen den 1. FC Köln ebenfalls ein Sieg her, vermutlich wird das Derby jedoch am Ende keinen Gewinner sehen. Die Zuschauer werden aber sicher viel Freude am 2:2 haben.

Michael Heinen: Nach der wiedergefundenen Heimstärke muss jetzt auch auswärts endlich der Bock umgestoßen werden. Dies gelingt unserer Borussia durch einen hart umkämpften, aber verdienten 2:1-Derby-Sieg.

Mike Lukanz: Ich bin unschlüssig. Auf der einen Seite spricht einiges für ein erfolgreiches Derby aus Gladbacher Sicht: der Aufwind nach dem Heimsieg gegen Hamburg oder die Kölner Heimschwäche. Dennoch traue ich dem Braten nicht. Der FC wird wie gewohnt loslegen wie die Feuerwehr und schnell in Führung gehen. Borussia wird noch in der ersten Halbzeit ausgleichen und sich am Ende der Schlussoffensive des FC erwehren müssen. Es bleibt beim 1:1.

Christoph Clausen: In der zweiten Hälfte in Berlin und vor allem gegen den HSV bewies die Borussia eindrucksvoll, dass sie selbst gegen Spitzenteams der Liga bestehen kann. Wenn - und das ist ein großes Wenn - WENN man es also schafft, in Köln von Anfang an mit der gleichen Konzentration, der gleichen Leidenschaft und dem gleichen Siegeswillen anzutreten, dann sollte einem 2:1-Auswärtssieg nichts im Wege stehen.

Christian Spoo: Ja ja, alle betonen, "wir bleiben auf dem Teppich", schon klar. Trotzdem kann man das, was seit Samstag rund um den BorussiaPark und unter den Fans herrscht wohl reinen Gewissens als Euphorie bezeichnen. Und die kommt zu früh. Beim 1.FC Köln legt Borussia abermals einen engagierten Auftritt hin, wird aber nicht mit Zählbarem belohnt. Das Traditionsduell endet 3:1 für die Bösen.

Christian Heimanns: Die Atmosphäre wird hitziger, das Wasser und die Vorfreude steigen: Es ist Derbyzeit. Es wäre zwar schöner, sie ohne den absoluten Existenzdruck im Nacken zu genießen, aber daran kann man ja auch in diesem Spiel arbeiten. Und muss es auch, zwingend. Daher wird Borussia in einem wie üblich packenden, nervösen, fehlerreichen Derby am Ende die Oberhand behalten und mit 2:1 gewinnen.

Thomas Häcki: Keine Frage, der Sieg gegen den HSV hat ein Füllhorn an Hoffnung über die Borussia ausgeschüttet. Keine Frage, es werden auch wieder Zeiten der Ernüchterung kommen. Aber nicht an diesem Wochenende. Die Borussia tritt auch in Köln selbstbewusst auf und entführt bei ihrem 2:1 Sieg alle drei Punkte aus der Wasserbier-Metropole.

Der Gegner im Internet: www.fc-koeln.de  ; FC / BMG-Kolumne im Kölner Stadtanzeiger

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