Eintracht FrankfurtEin Tor und ein Punkt aus den letzten drei Spielen. Von Cottbus eingeholt und der Tabellenvierzehnte Bochum vier Punkte entfernt. Vor dem siebtletzten Spieltag der Saison scheint sich die Lage am Tabellenende zuzuspitzen und auf nur noch vier Vereine für zweieinhalb Abstiegsplätze zu beschränken. Zwar dürfte es Gewissheit sein, dass Borussia 40 Punkte weder erreichen kann noch brauchen wird, dennoch sind nun dringend wieder Siege gefordert, wenn die Zukunft nicht wieder in Scherben liegen soll.

Nachdem die Mannschaft sich gegen Köln und Hamburg aus dem dicksten Sumpf nach oben gezogen hatte, kam die Ernüchterung gegen schwächer eingestufte Gegner und die inzwischen einkalkulierte Pleite gegen den Tabellenführer. Auch wenn man positiv festhalten möchte, dass Borussia das Spiel bestimmen oder mithalten konnte – knappe Niederlagen haben uns schon in der vorletzten Spielzeit nicht weit gebracht.

Borussias Defensive

Mittlerweile ist auch der letzte Neuzugang der Winterpause angekommen. Innenverteidiger Dante bereicherte die Abwehr im Spiel gegen Wolfsburg auf seine Weise, indem er das erste Gegentor durch Abwesenheit verschuldete, den Ausgleich selbst erzielte und den erneuten Rückstand ebenfalls, obwohl der Treffer Sascha Riether zuerkannt wurde. Von diesen auffälligsten Szenen abgesehen, deutete er an, dass er die erhoffte Verstärkung sein kann, aber die fehlende Eingewöhnungszeit könnte sich nun böse rächen. In Folge seiner ständigen kleinen Verletzungen seit der Winterpause fehlt es jetzt an der Eingespieltheit in dem Mannschaftsteil, der am dringendsten drauf angewiesen ist.

Zumindest auf dem Papier ist die Abwehr jetzt auf dem Stand angelangt, den man sich Anfang des Jahres erhofft hatte. Es ist nicht gerade selbstverständlich, dass die drei Neuzugänge Stalteri, Bailly und Galasek so einschlagen mussten, wie sie es bisher getan haben. Sollte Dante sich ebenfalls auf dem Niveau einfinden können, und daran bestehen bisher wenig Zweifel, dann hätte zumindest die Einkaufskampagne des Winters alles erbracht. Wenn es dann letzten Endes doch nicht reichen sollte, wäre die Ursache woanders zu suchen.

Borussias Offensive

Nämlich hier, in dem Mannschaftsteil, der Tore vorbereiten und erzielen soll, sofern man die Aufgaben der einzelnen Bereiche überhaupt so deutlich trennen kann. Das Positive: An Stelle der laschen Vorstellungen der Hinrunde, aus denen nur einzelne Marin-Soli herausragten, gibt es nun ein für die erste Bundesliga taugliches Spiel zu sehen. Endlich wird die Herausforderung richtig angenommen; die Partien werden seit dem regelrechten Urknall gegen Hamburg auch spielerisch bewältigt. Baumjohanns oft starke Vorstellungen prägen ein Spiel aus dem offensiven Mittelfeld heraus, das auch für die Torgefahr verantwortlich zeichnen muss. Auch Michael Bradley interpretiert seine Rolle zentraler, als es seine scheinbar defensive Position vermuten lässt. In Abwesenheit eines zweiten Stürmers ist seine Präsenz im gegnerischen Strafraum eine wichtige Voraussetzung für hinreichende Torgefahr, deswegen ist auch sein Formaufschwung seit der Winterpause wichtig für den Klassenerhalt.

Denn in der vordersten Spitze besteht ein Problem. Rob Friend hatte bereits seine Zeit gebraucht, um sich in der ersten Liga zurecht zu finden. Da er nicht die Vollstreckerqualitäten von z.B. Edwin Dzeko hat, muss sich der Kanadier in jedem Spiel noch mehr verausgaben, um die gegnerische Abwehr mit seinem physischen Spiel unter Druck zu setzen. Und als das endlich funktioniert hatte, kam seine Verletzung dazwischen, von der noch nicht klar ist, wie lange sie ihn ausfallen lässt. Nun kam genau, was auf keinen Fall kommen durfte: Der Ersatzmann Roberto Colautti kann seine Chance bisher nicht nutzen.

Der Argentinier mit israelischem Pass ist ein ganz anderer Stürmer als Friend. Dessen intensivem Laufspiel setzt Colautti eine Art klassische Stürmerfigur gegenüber, ein Strafraumstürmer, der mit Technik und Timing die Chancen verwertet. So war der Plan.

Nur, dass er in der Realität nicht funktioniert. Allenfalls in Ansätzen lässt sich erkennen, dass Colautti zumindest per Kopf gefährlich ist, aber zählbar wurde das noch nicht. Seine beste Szene der ganzen Saison bleibt immer noch die Vorbereitung des 2:2 gegen Bayern München aus der Hinrunde. Es lässt sich gegenwärtig schwer sagen, ob Colautti bei mehr  Eingewöhnungszeit zum Niveau für die erste Liga findet, möglich ist es. Und bei fairer Betrachtung muss man sagen, dass auch Friend über ein halbes Jahr gebraucht hat, um zu echtem  Wert für die Mannschaft zu finden, nicht nur ein paar Spiele. Nur ist die Lage leider so, dass faire Betrachtungen uns am siebtletzten Spieltag nicht viel nützen.

Der Gegner aus Frankfurt

Wenn man den Medien glauben darf, hat Eintracht Frankfurt am letzten Wochenende eine große Chance verpasst. Das Spiel in München war von vielen zum „Endspiel" für Jürgen Klinsmann bei den Bayern ausgerufen worden, ein Plan mit Paul Breitner als Notlösung bis zum Ende der Saison soll bereitgestanden haben. Auch wenn man davon nicht mehr glauben muss, als von anderen Horoskopen auch, liessen die Frankfurter dieser Vision keine Chance und verloren bei den angeschlagenen Bayern wehrlos mit 4:0.

In der Folge kam es wieder einmal zu Ärger in Teilen der Frankfurter Fanszene über den Trainer Friedhelm Funkel. Selbiger ist bei Frankfurt bald fünf Jahre im Amt. Eine ordentliche Zeit für einen Trainer in der Bundesliga und für die Eintracht eine Kontinuität, die es mal Anfang der siebziger Jahre unter Ribbeck gab. Dabei scheint der Neusser mit dem biederen Habitus gar nicht zu der „launischen Diva" zu passen und seine vorsichtige Spielweise ebenso wie seine vorsichtigen Visionen von Tabellenplätzen finden oft keinen Anklang beim Anhang. Dafür beim Vorstand, der seine Vertragsverlängerung als reine Formsache betrachtete.

Frankfurts Defensive

Schwerer als der mit Gleichmut hingenommene Verlust der Partie in München wog der Verlust von Benjamin Köhler. Der vielseitige Verteidiger fällt mit einer Bänderzerrung aus und als Ersatz kann Funkel zwischen Petkovic wählen, den Köhler wegen schlechter Form von der Position des linken Verteidigers verdrängt hatte, oder Spycher, der nach Verletzung noch nicht ins Team zurückgefunden hatte. Der fittere Petkovic dürfte von Anfang an spielen.

Ernster als der Ausfall von Köhler wog in München auch die Leistung von Oka Nikolov im Tor. Der 34jährige mit der Erfahrung von 170 Bundesligaspielen demonstriert seit Jahren, dass man auch in der ersten Liga zwischen den Pfosten stehen kann, wenn man nicht signifikant besser ist, als zum Beispiel ein Heimeroth. Allerdings hat der Mazedonier immer wieder um seinen Stammplatz zu kämpfen und in München hat er ihn durch mit Mitwirkung an den Gegentoren gefährlich aufs Spiel gesetzt. Dennoch wird er wohl auch gegen Borussia den Vorzug vor Ersatzmann Pröll erhalten.

Frankfurts Offensive

Die mit großem finanziellen Aufwand aufgestellte Offensivabteilung der Eintracht hinkt hinter den Erwartungen her. Das liegt zum einen am verletzungsbedingten Ausfall des wichtigsten Stürmers Amanatidis, zum anderen daran, dass die jungen Spieler Fenin und Caio die Erwartungen noch nicht ganz erfüllen. Ein Tor weniger als die Borussia hat Frankfurt bisher erzielt, dabei sollte das Mittelfeld höheren oder zumindest mittleren Ansprüchen genügen. Momentan darf dafür Ümit Korkmaz beweisen, dass man in Österreich das Fußballspielen nicht völlig verlernt hat. Der einsatz- und dribbelstarke Mittelfeldspieler dürfte Stalteri einige Beschäftigung geben.

Alexander Meier im zentralen Mittelfeld wird die ganz großen Hoffnungen, die sich mit seinen ersten Einsätzen für Frankfurt verbanden, wohl nicht mehr erfüllen können. Der mittlerweile 26jährige galt einmal als Kandidat für die Nationalmannschaft, diese Perspektive rückt langsam ausserhalb des Erreichbaren. In der Bundesliga bringt der technisch starke und körperlich große Spielmacher aber durchaus Torgefahr in den gegnerischen Strafraum.

Die vorderste Sturmspitze hält in Abwesenheit von Amanatidis Nikos Liberopoulos. Friedhelm Funkel lässt seit Jahren gerne mit einer Sturmspitze vor einem fussballerisch gefälligen Mittelfeld spielen und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Der schnelle Liberopoulos ist zwar ein anderer Stürmer als der Rammbock Amanatidis und hat mit 8 Toren seine Bundesligatauglichkeit nachgewiesen. Das Wechselspiel mit einem nominellen Stürmer und nachrückenden Mittelfeldspielern bringt nicht unbedingt den äussersten Druck auf das gegnerische Tor, verlangt dafür von der Abwehr erhöhte Konzentration bei der Zuordnung der wechselnd auftauchenden Spieler. Darin liegt Gefahr für Borussias noch nicht eingespielte Innenverteidigung. Nur Zeit kann Koordination zwischen Dante und Kollegen erhöhen und ob eine Woche sich bemerkbar macht, sehen wir dann am Samstag.

Borussia ist jetzt in der Situation, die man noch vor drei Wochen zu vermeiden hoffte: Spiele um jeden Preis gewinnen zu müssen, um den Abstieg zu vermeiden. Das harte Restprogramm mit Spielen gegen Bayern, Schalke und Leverkusen lässt nichts gutes erhoffen und jedenfalls keine Punkte, die einfacher zu holen wären als in Frankfurt. Auch bei der Eintracht ist ein Sieg nicht unmöglich, schließlich hat die Borussia in fremden Stadien eine bessere Bilanz als beispielsweise Werder Bremen.

Schiedsrichter

Die Ansetzung des Unparteiischen hat uns Dr. Felix Brych beschert, mit den Assistenten Robert Hartmann und Marco Achmüller sowie dem vierten Offiziellen Marco Fritz. Bei seinem letztzen Einsatz mit Beteiligung der Borussia in der Bundesliga, am 5. Spieltag der laufenden Saison, musste sich der Münchener mit keinem gravierender Fehler seinerseits beschäftigen, jedoch wurde ihm etwa von einem Fachmagazin eine bisweilen pedantische Spielleitung vorgeworfen. Die Borussia verlor jene Partie gegen die Hertha in Mönchengladbach mit 0:1.

Bilanz

19 Niederlagen, 9 Unentschieden und 7 Siege stehen im Archiv. Dabei gehört Frankfurt zu den wenigen Orten, wo der letzte Borussensieg noch keine zweistellige Anzahl an Jahren zurückliegt, sondern erst drei. Von dieser Mannschaft stehen genau null Spieler in der zu erwartenden Startelf, wobei Oliver Neuville immerhin im Lauf des Spiels auf den Platz finden könnte.

Aufstellungen

Frankfurt: Nikolov - Ochs, Russ, Bellaid, Petkovic - Chris, Fink, Steinhöfer, Meier, Korkmaz - Liberopoulos
Ersatz: Pröll, Mahdavikia, Spycher, Fenin, Caio, Inamoto, Ljubicic, Krük, Jung, Kweuke, Bajramovic
Es fehlen: Preuss, Vasoski, Köhler, Amanatidis, Tsoumou, Toski (alle länger oder kürzer verletzt)

Borussia: Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante, Daems - Matmour, Galasek, Bradley, Baumjohann, Marin - Colautti
Ersatz: Heimeroth, Löhe, Gohouri, Kleine, Callsen-Bracker, Lamidi, Paauwe, Alberman, Levels, Dorda, van den Bergh, Neuville, Schachten
Es fehlen: Friend, Jaures (verletzt), Jantschke (mit Trainingsrückstand), Coulibaly, Gospodarek, Touma (nicht im Kader)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Schiedsrichterassistenten: Robert Hartmann, Marco Achmüller
Vierter Offizieller: Marco Fritz

SEITENWAHL-Meinung

Hans-Jürgen Görler: Langsam, aber sicher gehen mir die Optimismusschübe aus. Meist ausgerechnet dann, wenn ich an die Borussia und deren nächste Partie denke. Gegen Frankfurt könnte das Team überraschen - und einmal ohne zahlreiche Torchancen verlieren. Das wäre doch auch mal wieder eine interessante Variante. Eine Woche später folgt das Spiel gegen den nächsten Konkurrenten. Und wenn da der große Wurf gelingt, geht das Trauerspiel im August in die nächste Runde. Da war doch noch was? Ach ja, die Eintracht gewinnt leider 2:1.
 
Christian Spoo: Borussia gewinnt 3:1. Ich kann diesen Tipp nicht stichhaltig begründen und ich weiß auch, dass man dazu drei Tore schießen muss und wer soll das...Aber trotzdem! 3:1.

Thomas Zocher: Wenn die Borussia am Samstagabend mit einem 1:1 im Gepäck von ihrem Auswärtsspiel in Mönchengladbach ankommt, dann steht ihre Fangemeinde vor dem Problem sich wieder einmal ad hoc entscheiden zu müssen, ob sich in diesem Resultat ein Erfolgserlebnis wiederspiegelt. Das kann der Mannschaft aber egal sein. Ein Punkt, es ist ein Punkt mehr als bisher.

Christoph Clausen:Was dem einen seinen Marin, ist dem anderen sein Holtby? Das wird sich noch erweisen müssen. In Frankfurt jedenfalls wird man sich am Wochenende noch einmal kräftig darüber ärgern, Marins Potenzial einst nicht erkannt zu haben. Dieser nämlich erwischt gegen seinen erklärten "Traumverein" einen Zuckertag und trägt maßgeblich zum Gladbacher 3:1-Sieg bei.

Michael Heinen: Jetzt ist es doch wieder Zeit für Zweckpessimismus. Wobei man den Tipp eines Frankfurter 1:0-Sieges auch guten Gewissens als Realismus bezeichnen kann. Sicher, in unserer aktuellen Situation sollte man Spiele wie in Frankfurt eigentlich nicht verlieren. Aber leider steht die Eintracht nicht ganz ohne Grund einige Plätze besser als unsere Borussia, die trotz zuletzt 4 Punkten in 2 Spielen noch immer alles andere als eine Auswärtsmacht ist.

Christian Heimanns: Solange ich noch auf Sieg tippen kann, tue ich das. 2:1 für Borussia. Bösere Tippzeiten kommen noch früh genug.

Mike Lukanz: Schon seit einigen Jahren fallen die Namen "Frankfurt" oder "Mönchengladbach" in den Sportteilen des deutschen Qualitäts-Journalismus auch dann, wenn die Redakteure Synonyme für den grauen Ligaalltag suchen, der so oft als das krasse Gegenteil der glänzenden Champions League dargestellt wird. Am Samstag werden sowohl die Eintracht als auch die Borussia leider beweisen, dass die Kollegen der Süddeutschen Zeitung, der taz oder der Frankfurter Allgemeinen gar nicht so unrecht haben. In einem schrecklichen Spiel trennen sich die chronisch Abstiegsgefärdeten 1:1. 

Thomas Häcki: Zur Zeit lese ich "Fever Pitch" von Nick Hornby. Dabei kommen Erinnerungen hoch, wie mich seinerzeit zu Beginn der Achtziger das Fussballfieber packte und mich nicht mehr loslies. In dieser Zeit waren die Spiele gegen die Eintracht leicht zu tippen, mit 1:1 lag man eigentlich immer richtig. Warum sollte es diesmal anders sein? Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.

Eintracht Frankfurt im Internet: www.eintracht.de

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