Jeder wusste, dass es irgendwann passieren musste. Selbst die kühnsten Optimisten wussten, dass es nicht dauerhaft so weitergehen konnte. Aus einem hässlichen Entlein wird nicht binnen weniger Wochen ein schöner Schwan, allen Hollywoodfilmen zum Trotz. Dass Borussia jedoch so frühzeitig wieder ihr extrem hässliches Auswärtsgesicht zeigen würde, enttäuscht. Werder Bremen war schon vor der Partie die stärkere Mannschaft, mit dem größeren Potenzial. Warum Michael Frontzeck diesem Umstand durch eine defensive Taktik bereits vor dem Anstoß Rechnung trägt, bleibt sein Geheimnis. Im Fußball geht's eben nicht nur um Taktik, sondern auch um viel Psychologie.

 

Trainer, oder Fußballlehrer, wie sie neudeutsch heißen, besitzen ein oft distanziertes, ja, angespanntes Verhältnis zu Journalisten. Daran haben Letztere oft erhebliche Schuld durch Vereinfachung, Überspitzung und Weglassen von Details. In einem jedoch gleichen sich die meisten Trainer: Sie rechtfertigen sich ungern. Vor allem nicht gegenüber außenstehenden Dritten. Hans Meyer, Otto Rehhagel oder Udo Lattek reagierten auf Nachfragen zur gewählten Taktik unwirsch, die jungen Trainer der Bundesliga wählen andere, umschreibendere Worte: Es komme nicht auf die Taktik an, sondern einzig darauf, wie die Spieler dies umsetzten, heißt es oft. Diese Relativierung wird nachfragenden Journalisten zumeist nach Niederlagen in ihre Diktiergeräte gesprochen. Diese Ansicht ist zugleich billig und recht, aber leider auch zu kurz gedacht. Es ist also nicht die Taktik (und noch weniger der Trainer), die über ein Spiel entscheidet, sondern lediglich die Umsetzung. Dass mit einer Aufstellung schon vor Anpfiff ein Signal gesetzt werden kann, wird dabei oft und gerne ignoriert.

Michael Frontzeck wird als Fachmann ausreichende Erklärungen dafür haben, beim Auswärtsspiel im Weserstadion von der bisher gewählten Taktik mit zwei Stürmern abgewichen zu sein: Es galt, Stabilität im Mittelfeld und der Defensive zu haben und die Kreise der Bremer Offensive um Özil und Marin einzuengen. Marx, Bradley und Meeuwis standen sich dabei selber auf den Füßen, Arango und Bobadilla hingen in der Luft. Ohne Frage, den Spielern fehlte es an Laufbereitschaft, Konzentration und Genauigkeit im Spielaufbau. Warum sich die ganze Mannschaft jedoch ängstlich und harmlos präsentierte, ist unverständlich. Sie hatte Grund genug, mit Selbstbewusstsein aufzuspielen.

Es ist müßig zu überlegen, ob Borussia ein anderes Spiel gezeigt hätte, wären Roberto Colautti oder Oliver Neuville neben Raul Bobadilla aufgelaufen. Es wäre zumindest ein Zeichen gewesen, auch bei starken Bremern der Taktik zu vertrauen, die vorher so erfolgreich war. Ein zweiter Stürmer hätte zudem das Duo Naldo und Mertesacker öfter in der Defensive gebunden, so konnte sich Naldo immer wieder in die Offensive einschalten, da der hilflose Bobadilla bei Nationalverteidiger Mertesacker gut aufgehoben war. So zeigte Frontzeck der eigenen Mannschaft und dem Gegner schon beim Anpfiff: Wir sind noch nicht so stark, um hier offensiv aufzuspielen. Verloren wurde trotzdem deutlich.

In Bremen kann man verlieren, hieß es schon vor dem Spiel. Es ist nicht die Niederlage selbst, die für Enttäuschung sorgt. Es ist die Art und Weise. Nach den erfrischenden und weiß Gott nicht fehlerfreien Spielen gegen Frankfurt, Bochum und Hertha machte sich eine gewisse Euphorie breit, selbst die Presse stimmte schon Lobeshymnen an. Das 0:3 gestern war allerdings Borussia in ihrer altbekannten und damit sehr hässlichen Form.

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