Lange Linien von Polizisten, Polizei soweit das Auge reicht. Immer neue Einheiten treffen ein, manche geschlossen im Laufschritt und alle in der kompletten Kampfausrüstung. Von der Schienbeinpanzerung, die unter den Hosen herausguckt, dem Schlagstock an der Seite und den „Plastikhandschellen“ an der Schulter bis zum Helm mit Nacken- und Kinnschutz, der so sehr an Star Wars erinnert.  Ein Wasserwerfer thront mitten in der Szenerie und über allem hört man in jedem Moment den ständig kreisenden Hubschrauber durch das Geheul der Sirenen. Und das alles für keinen G8-Gipfel oder einen Castor-Transport, sondern für ein Fußballspiel. Nochmal einen recht herzlichen Dank an alle, die dieses Schauspiel möglich gemacht haben.

 

 

Inzwischen hat es ja jeder gesehen und gehört – nachdem sich der Schwachsinn anlässlich der Derbys zwischen Mönchengladbach und Köln seit fast 2 Jahren ständig weiter aufgeschaukelt hat, hat die Polizei dieses Mal kräftig mitgeschaukelt. Eine geführte Wanderung mit den Ordnungshütern, hunderte von Stadtverboten, abgeriegelte Bahnhöfe, die die aus Rheydt abfahrenden Fans der Borussia noch bis in den Abend festhielten und – für viele der Gipfel des Verwaltungsfaschismus – ein Alkoholverbot um die Bahnhöfe und um das Stadion. Auch wenn die Polizei das ganze optisch liebevoll gestaltet und aufwendig in Szene gesetzt hat, darf man sich doch nach dem Sinn vieler Aktionen fragen. Zum Beispiel war es offenbar immer noch lächerlich einfach, Feuerwerkskörper mit in den Kölner Block zu bringen. Und das Schauspiel des „wandernden Kessels“ war eine reine Machtdemonstration ohne praktischen Nutzen. Was so etwas hilft, wird sich zeigen.

Mit dem Verglühen des letzten Bengalos war dann aber auch jedes Feuerwerk beendet. Beide Teams machten den Eindruck, als wollten sie einträchtig an einer Beruhigung der Lage mitarbeiten. Dabei war der 1. FC Köln mit seinem gesamten Stürmerkontingent angetreten, wobei Podolski in Abwesenheit von Maniche einen offensiven Mittelfeldpart spielen sollte. Da der Nationalspieler ein völliger Ausfall war, war das Kölner Spiel fast die ganze Zeit von bestechender Harmlosigkeit. Was hingegen gut funktionierte, war die solide Abwehrreihe. Dabei bleibt es wohl eine Sache persönlicher Ansicht, ob es eine gute Leistung des 20jährigen Christopher Schorch war oder eine schlechte von Juan Arango; im Ergebnis war Borussias vermeintliche Hauptstraße für das Spiel nach vorne gesperrt.

Aus Sicht der Borussia ist es bedauerlich und kaum verständlich, dass die Versuche zum schnellen und direkten Spiel die erste Viertelstunde nicht überlebten. Nur so lange gab es gezielte Versuche, den Ball direkt vors Tor zu transportieren und auch wenn Bobadilla nachher im Zentrum vieler Kritiken stand, bis dahin war er zumindest aktiv im Geschäft. Danach gab es kaum Versuche, schnell zu spielen. Die erste Halbzeit war nur noch als Mittel gegen Schlafstörungen zu gebrauchen, was Ishiaku nach Podolskis einziger guter Szene fast bestraft hätte.

Die zweite Halbzeit führte zumindest dazu, dass man auf Gladbacher Seite der Mannschaft nicht völlig den Willen absprechen wollte. Michael Bradley konnte endlich mal wieder zeigen, dass er den Willen hat, etwas zu reissen und seine Mannschaft mitzuziehen. Das war zwar nicht überwältigend, aber man ist ja für jede positive Kleinigkeit dankbar. Die Variante mit Marx und Bradley im zentralen Mittelfeld scheint eine Wiederholung wert zu sein, auch wenn dieser Gegner den defensiven Bereich nie gefordert hat. Durch das Fehlen spielerischer Mittel taten die Borussen noch das Vernünftigste, in dem sie sich auf die Suche nach Freistößen vorm Kölner Tor begaben, um Arango in Schussweite zu bringen. Nur bei einem dieser Versuche musste Mondragon sich einige Mühe geben. Danach musste man erst auf die Einwechselung eines 36jährigen warten, damit das Spiel etwas konkreter in Richtung Kölner Tor ging. Das Gefährlichste war dann aber noch ein Kölner Fast-Eigentor, das aufregendste Podolskis Zeitspiel vor der Nordkurve und Mondragons Zeitspiel auf der anderen Seite. Letzteres führte zu einem bemerkenswerten Dialog bei der Pressekonferenz nach dem Spiel, als der Korrespondent der  "Aachener Zeitung" den Kölner Trainer Soldo nach dem Befinden seines Torhüters fragte. "...wie bitte?" "Ihr Torwart - geht es dem gut?" "Ja, schon." "Nun ja, er war ja mehrfach schwer verletzt".


Die Kölner müssen über das Ergebnis glücklich sein, mit dem Spiel so gar nicht. Die Borussen können mit ihrem Spiel nicht mal halb, so gerade ein Viertel zufrieden sein, mit dem Ergebnis überhaupt nicht. Man kann mit Muße die positiven Punkte aufzählen, neben Bradleys Willen z.B. Reus´ Aktivität und Jaurès´ solide Leistung und mit den negativen verrechnen, dem wirkungslosen Arango oder dem unsichtbaren Colautti. Entscheidend ist aber etwas anderes, nämlich dass Borussias Team kaum einmal das Feuer hat spüren lassen, mit dem man so ein wichtiges Spiel gewinnen kann. Und „wichtig“ hat hier überhaupt  nichts mit irgendwelchen Derbyschlagzeilen zu tun, sondern mit den Tabellenplätzen der Kontrahenten. Und dass wir dazu gezwungen sind, unsere Punkte aus solchen Heimspielen zu holen, wenn wir die Klasse halten wollen.

Leider ist die offensive Wirkung der ersten Saisonspiele ziemlich verpufft. Frontzecks Hauptaufgabe wird es sein, Arango wieder zu voller Wirkung zu bringen, am besten im Verbund mit einem nach vorne ziehen von Bradleys Aktivitäten. Im Sturm scheint es fast wahlfrei, ob man Bobadilla eine Pause gönnen soll oder einen neuen Nebenmann, oder besser zwei andere Stürmer. Der derzeitige Zustand ist eine Bedrohung für den Klassenerhalt.

Was hingegen das Umfeld angeht, möchte man registrieren, dass viel Aufregung drumherum offenbar zu einem besonders ruhigen Spiel führt. Und den Vorschlag unterbreiten, es beim nächsten Mal mit dem Gegenteil zu versuchen.

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