Einen gehörigen Crash hat die Borussia da gestern hingelegt. Es wurde zwar niemand verletzt, aber die Karosserie sieht reichlich demoliert aus. Für die Sachverständigen ist am Tag danach die Zeit, um sich den Schaden genauer anzusehen. Offenbar ist die Karre vom Weg abgekommen, aber sie war schon weit genug voran, dass sie nicht von einer gewissen Autobahn oder durch die Leitplanken geschleudert wurde. Motor und Fahrwerk sehen o.k. aus, vorläufig halten wir fest, dass die Schäden nur im Blech sind.


Und das, obwohl es da ganz schön geknallt hatte. Auch verglichen mit mit den Auswärtsdesastern alter Zeiten (wie wir dachten), zum Beispiel dem letzten 0:5 gegen Leverkusen muss man sagen, selbst da hatte Borussia zumindest eine wesentlich bessere erste halbe Stunde. Direkt nach wenigen Minuten zeichnete sich ab, wohin die Reise gehen würde, als der eigene Spielaufbau kaum die Mittellinie erreichte. Das aggressive Dortmunder Forechecking verursachte bei den Gladbacher Borussen pure Konfusion und in Ballbesitz stießen die schwarzgelben vor wie in einen aufgeregt herumflatternden Hühnerhaufen. Nichts war da von der Kompaktheit der letzten halben Saison und als schlechtestes Zeichen darf man ansehen, dass nicht einmal die Zweikämpfe von Dante die übliche Souveränität hatten. Die Dortmunder kamen zeitweise so oft in Schussposition, dass es nach Scheibenschießen aussah. Es sagt genug aus, dass der normalerweise hektisch herumballernde Zidan die Muße für zwei Treffer hatte.

Auf der Suche nach den Ursachen findet Fan meist schnell griffige Antwort. Je nach Betrachter ist Daems schuld oder Bradley oder Colautti, mal Frontzeck oder gleich alle. Lamidi und Heimeroth scheiden aus. „Alle“ hat zumindest die Wahrheit für sich, dass es die wackelige Mentalität und den nicht vorhandenen Kampfgeist des ganzen Teams von gestern wiederspiegelt, bei dem kaum einer positiv herausstach. Die folgenden Erkenntnisse sind zwar keine bahnbrechenden Erleuchtungen, können dafür aber wenigstens als bescheidene Diskussionsbasis dienen. Zum einen wäre da die Feststellung, dass unsere Form eines 4-4-2 mit „Doppelsechs“ davon abhängig ist, dass die Offensive über die Außen Reus und Arango läuft. Wer diese Wege blockieren kann, hat das Spiel nach vorne der Borussia meist effektiv unterbunden. Dabei hat der zwanzigjährige Reus die Erwartungen bisher weit übererfüllt, wohingegen man bei Arango immer das Gefühl hat, es dürfte noch ein bisschen mehr sein. Und dass er bei Spielen mit aggressiver Gegenweh die Feindseligkeiten früh einstellt.

Der andere Punkt ist, dass unser zentrales Mittelfeld mit Meeuwis holprig in die Saison gestartet ist und auch jetzt nicht gut aussieht. Die Kombination Bradley – Marx hatte mehr Dynamik im Spiel und beackert mehr Raum auf dem Spielfeld. Man darf daher die Hoffnungen formulieren, dass Marx bald gesundet und schnell ins Team findet, dann lässt sich noch mal weitersehen. An dessen Präsenz alleine kann es aber auch nicht liegen, dass die ganze Mannschaft sich so zerkleinern lässt wie gegen Dortmund. Da fehlte einfach der Wille zum Gegenhalten, die unbedingte Entschlossenheit, die Punkte mit Zähnen und Stollen zu verteidigen, alles das, was in Mainz oder München so klar herauskam. Und diese Niederlagen so deutlich von dem Rückfall in alte Zeiten unterscheidet. An dem konzentrierten Spiel mit erfolgreichen Angriffen auf den Gegner hatte Michael Bradley bisher viel Anteil. Sein Einfluss auf die Mannschaft besteht, wenn alles gut geht, weniger im Spielerischen als im Vermitteln einer kämpferischen Mentalität. Oft führt er die Angriffe auf den Ballführenden an und oft zeigt er dem Gegner als erstes, dass Borussia kein Opferlamm ist; da kann man diverse Fehler im Aufbau schon mal verzeihen.

Gestern sah es allerdings böse danach aus, als hätte sich eine fußballerisch schwache Phase auch auf sein Anführertum als Kämpfer niedergeschlagen. Damit soll keineswegs die Niederlage an ihm festgemacht werden; stattdessen soll untermauert werden, wie wichtig sein Einsatz für die bisher so ordentlichen Auftritte bei Auswärtsspielen war. In guter Form kann Bradley das sein, was Auswärtsborussias der letzten zehn Jahre so selten hatten, nämlich ein Anführer, an dem die Mannschaft sich aufrichten kann. Da muss er wieder hinkommen, die Zauberpässe können dann andere spielen. Natürlich ist es erlaubt, das System so in Frage zu stellen und zum Beispiel über einen "Zehner" für die nächste Saison nachzudenken. Konsequenterweise muss man bei solchen Denkspielen dann aber auch Arango ersetzen, wenn man ein halbwegs stabiles Team auf den Rasen stellen will. Das wiederum wäre der umfassende Umbau eines Teams, das eine der besten Saisons seit vielen Jahren spielt.

Wir dürfen von Glück reden, dass Borussia Mönchengladbach zu dieser Zeit der  Spielzeit vergleichsweise gesichert da steht und auch eine solche Klatsche die Saisonpläne nicht gefährden kann. Die ganz hohen Ziele, die bei manchem herumspukten, waren ja nun ohnehin nicht so ernst zu nehmen. Jede höhere Tabellenplatzierung wäre natürlich hochwillkommen und auch finanziell nicht unwichtig, aber eine Katastrophe ist das alles nicht. Die Schäden sehen zwar auf den ersten Blick beträchtlich aus, bei genauerer Betrachtung sind sie aber, wie die meisten Alarmmeldungen dazu, größtenteils Blech.

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