VfL WolfsburgGut, soweit ist es noch nicht. Sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz – danach hätte sich die Borussia in der Vorsaison gierig die Finger geleckt. Damals hatte Hans Meyers Team nach nach einem trostlosen 0:0 beim Tabellenletzten Karlsruher SC am 26.Spieltag genau jene sieben Punkte weniger auf der Habenseite – und stand auf dem Relegationsplatz. Dennoch: Man darf in Mönchengladbach anfangen, sich wieder ein bisschen ernsthafter Sorgen zu machen. Der Versuch, daheim gegen Wolfsburg Wiedergutmachung für den schwachen Auftritt von Dortmund zu leisten, ging restlos daneben. Das 0:4 war auch in dieser Höhe völlig verdient. Selbst über eine noch deutlichere Niederlage hätte man sich am Ende nicht beschweren dürfen.


Borussia macht es nach einer scheinbar komfortablen Vorsprung doch wieder spannend: Das galt in dieser Saison für gleich mehrere Spiele: in Bochum, gegen Hoffenheim, gegen Bremen, in Hoffenheim. Es könnte auch für den Abstiegskampf gelten. Bleibt zu hoffen, dass der endet wie das Spiel gegen Bremen.

  Man soll Parallelen ja nicht überstrapazieren, aber kurios ist es schon, auf welche Weise drei der Wolfsburger Tore fielen: Distanzschüsse und Handelfmeter: Zusammen mit dem Verspielen sicher scheinender Vorsprünge zählen diese zu den Gladbacher Leitmotiven der Saison. Und wie es sich für Leitmotive schickt, wurden alle drei schon in der Ouvertürenpartie exponiert. In Bochum leiteten zwei Weitschüsse Azouaghs die Wende zum Schlechten ein. Und am Ende monierten die Borussia bitterlich einen verweigerten Handelfmeter. Laustark beschweren mochte sich diesmal keiner, aber Michael Frontzeck meldete immerhin ganz leise Zweifel daran an, ob Bradleys Handspiel wirklich einen Elfmeter gerechtfertigt hatte.

Günther Perl lag damit aber ebenso richtig wie damals in Bochum Michael Kempter falsch. In einem lesenswerten Artikel in der DFB-Schiedsrichter-Zeitschrift hat kürzlich Volker Roth einige Irrtümer zur Frage korrigiert, wann ein Handspiel als absichtlich zu werten ist: Nein, die Hand muss dafür nicht zwingend zum Ball gehen. Nein, es gibt keine „Schutzhand. “ Und ja, manchmal kann auch geahndet werden, wenn die Hand aus kurzer Distanz angeschossen wurde. Dann nämlich, wenn die Handhaltung im „fußballspezifischen“ Sinne „unnormal“ war. Ausgestreckte Arme sind, so Roth, „normal“, wenn sie Teil einer fußballtypischen Schwungbewegung sind, beim Grätschen oder beim Kopfball. Für das Schützen des Kopfes dagegen brauche ein Fußballer nicht die Arme - schneller könne man den Kopf einfach wegziehen. Nach diesen Maßstäben waren Pfertzels Handspiel damals in Bochum und Bradleys an diesem Samstag eindeutig.

Kurz vor dem Handelfmeter hatte Raul Bobadilla aus sieben Metern freistehend den Ausgleich verpasst. Damit betreten wir die nächste Großbaustelle: die Offensive. Roberto Colautti macht es denen, die sich eine Vertragsverlängerung vorstellen können, zur Zeit wahrlich nicht leicht. Vom Israeli gingen weder Impulse noch Torgefahr aus. In der Anfangsphase nahm er gar Reus eine gute Schusschance und als er völlig frei vor Hitz zum Kopfball kam, geriet dieser eher zur freundlichen Rückgabe. Raul Bobadilla gelang eine starke Aktion, bei der er in der Mitte ohne Abnehmer blieb. Ansonsten verrannte er sich oft, agierte in einer Situation zu eigensinnig, statt den mitgelaufenen Colautti zu bedienen und vergab seine ohnehin dünn gesäten Chancen. Rob Friend brachte ein wenig mehr körperliche Präsenz auf den Platz, letztlich aber auch zu wenig Effizienz. Als Hitz den Ball nach vorne prallen ließ und Friend aus gut sieben Metern frei zum Schuss kam, agierte der Kanadier zu überhastet. Und als er die Chance hatte, Bradley in exzellente Position zu bringen, geriet die Kopfballabgabe zu ungenau. Oliver Neuville hatte einen Retroauftritt, ohne Argumente für weitere zu sammeln.

Der Spielaufbau lahmte; die Defensive begann ganz ordentlich, wurde aber immer konfuser. Der Tiefpunkt war erreicht, als Dante den Ball aus gut 25 Metern offenbar zu Bailly zurückpassen wollte, und nur etwa zwei Meter weit kam. Dass selbst Dante, in den guten Zeiten dieser Saison teilweise überragend, sich solch groteske Fehlleistungen leistet, ist ein schlechtes Zeichen.

Es ist nicht das einzige: Vor dem rheinischen Derby der Hinrunde hatte die Borussia sechs Pflichtspiele in Folge verloren. Für den, der genau hinsah, hatte Wolfsburg aber die Wende angedeutet, die sich mit dem Sensationssieg in Hamburg zwei Spiele später auch in Punkten auszahlen sollte. Spielerisch gelang es der Borussia damals in vielen Situationen, sich für die schwache Leistung zuvor bei der Heimniederlage gegen Dortmund zu rehabilitieren. Schnelles Umschalten nach Balleroberung, variables Überbrücken des Mittelfelds, und manche im Ansatz hervorragend gedachten Pässe in die Spitze – vor allem an der exzellent organisierten Wolfsburger Abseitsfalle scheiterte damals eine von der Anlage her sehr ordentliche Borussia.

Davon konnte am Samstag keine Rede sein. Bislang konnte man zumindest noch auf das Schneckenrennen im Abstiegskampf hoffen, denn Nürnberg und Hannover verloren beide verlässlich ihre Partien, es sei denn, sie spielten gegeneinander. Seit den letzten zwei Spieltagen ist aber auch diese Gewissheit dahin.

Da auch die Kölner die jüngsten Siege Nürnbergs und Hannovers mit Sorge betrachten werden und ihrerseits gegen zehn Mainzer wenig zustande brachten, darf man ein nervöses Derby erwarten. Nervös wird im Vorfeld die Polizei sein – ihr und allen Zuschauern sei ein Freitag mit möglichst niedrigem Idiotenfaktor gewünscht. Nervös aber werden auch beide Teams den Rasen betreten. Denn wer nächsten Freitag verliert, hat sich in der Tombola der Abstiegsränge ein ganzes Losbündel eingehandelt. Der Sieger aber darf das erste und das letzte Wort in der Überschrift dieses Artikels vertauschen. Wenigstens für eine Woche.

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