HSVMan kommt an Roel Brouwers nicht vorbei – Ruud van Nistelrooy nicht, vielleicht Bert van Marwijk nicht, ein Spielbericht schon gar nicht. So viel war im Vorwege zu lesen davon, vor welcher Herkulesaufgabe Brouwers gegen seinen berühmten Landsmann mit der legendären Abschlussstärke stünde. Der tatsächliche Spielverlauf wirkte vor diesem Hintergrund geradezu unwirklich konstruiert. Hätte sich Hollywood das Spiel als Schlussszene einfallen lassen, man hätte etwas belustigt quittiert, dass das Motiv „Duell der Niederländer“ am Ende eine Spur überreizt wurde.

Nicht genug damit, dass Brouwers van Nistelrooy zur völligen Wirkungslosigkeit verurteilte. Brouwers stahl seinen Landsmann auch auf dessen ureigenstem Terrain die Show. Durch sein Tor entschied er nicht nur das Spiel, er übernahm auch die alleinige Führung in der Torjägerliste – in diesem Fall der der Abwehrspieler der Liga. Muss man noch erwähnen, dass es van Nistelrooy war, der beim Versuch, Brouwers' Siegtor zu verhindern, zu spät kam? Zu der Szene wäre es freilich nicht gekommen, hätte nicht David Rozehnal zuerst einen dämlichen Freistoß verursacht und nach der anschließenden Flanke den Kollegen Aogo angeköpft, wodurch Brouwers erst an den Ball kam. Rozehnal ist kein Niederländer – gut, man kann nicht alles haben.

Ansonsten aber passte auch diese Fehlerkette ins Bild. Der Tscheche gilt vielen HSV-Anhängern seit langem als Hauptverantwortlicher für die in der Rückrunde oft so konfuse Abwehrleistung. Natürlich sind solche einseitigen Schuldzuweisungen zu einfach, zweifellos aber lieferte Rozehnal seinen Kritikern am Sonntag neue Munition. Die Szene, die zum Gegentor führte, war keineswegs seine einzige unglückliche Situation. Hätten die Hamburger keinen Frank Rost zwischen den Pfosten, so hätte nach einer Stunde ein zweiter von Rozehnal unnötig verursachter Freistoß für den zweiten Gladbacher Treffer gesorgt, natürlich wieder durch Roel Brouwers. Rost aber lenkte Arangos Freistoß zur Seite ab, so dass Brouwers, der im Stile eines Mittelstürmers auf den Abpraller spekuliert hatte, diesmal umsonst herangesprintet war.

Man könnte noch weitere Strophen des Loblieds auf Brouwers singen und müsste sich dabei nicht auf jene Szene in der 50. Minute beschränken, als er Zé Robertos Schuss aus gefährlicher Position in letzter Sekunde abblockte. Aber so wie weder Rozehnal noch van Nistelrooy für die Hamburger Niederlage allein verantwortlich waren, so war Brouwers es auch nicht für den Gladbacher Sieg. Die Mannschaft, die schon in Köln viel kompakter agiert hatte als bei den beiden herben Niederlagen zuvor, ließ dem HSV fast keine Anspielmöglichkeiten in die Spitze. So mussten die Gäste sich auch in ihrer minimal verbesserten zweiten Hälfte mit einer Scheinüberlegenheit begnügen – viel Ballbesitz, wenig Torchancen. Erfreulich, wie stabil der nach Levels' Erkrankung kurzfristig eingesprungene Tony Jantschke die rechte Seite verschloss – mit leichten Abstrichen bei einzelnen Aktionen Pitroipas. Beeindruckend, wie viel Halt Thorben Marx dem defensiven Mittelfeld verlieh, so dass auch Marcel Meeuwis sich stark verbessert präsentierte. Vorbildlich, wie fleißig Karim Matmour und Marco Reus mit nach hinten arbeiteten.

Die Partie zeigte, dass Borussia zu Recht im zweiten Tabellendrittel steht. Sie zeigte aber auch, wie weit der Weg zum ersten noch ist. Nach den zwei Großchancen in den ersten zehn Minuten, beide in herzerwärmender Weise herausgespielt, hätte man noch glauben können, die Borussia würde den HSV auch spielerisch in die Schranken weisen. Davon war später nicht mehr viel zu sehen. Die Frage, ob Marko Reus als hängende Spitze oder auf dem Flügel agieren würde, wurde zwar mit einem entschiedenen Sowohl-als-auch beantwortet, denn Reus und der in die Startelf zurückgekehrte Matmour wechselten häufig die Positionen. So zukunftsweisend diese variable Anlage prinzipiell ist, diesmal kam das Offensivspiel über Ansätze kaum hinaus.

 

In der neuen Saison, die Borussia mit großer Wahrscheinlichkeit wieder als Bundesligist bestreiten wird, wird man sich hier weiterentwickeln müssen – auch mit neuem Personal. Sollte sich darunter ein Torphänomen finden, das nicht hauptberuflich als Abwehrspieler beschäftigt ist, so hätte Roel Brouwers sicher keine Einwände.

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