bayer04   Es gibt sie noch, die Fußballfans mit systembedingten Aversionen gegen Bayer 04 Leverkusen. Wenn über einen solchen gesprochen wird, wissen die Zuhörer direkt, dass es sich nicht gerade um einen Heranwachsenden handeln kann, diese Neigung bzw. Abneigung gehört zu einer älteren Generation. Das Hoffenheim der früheren Jahre, die gesponsorte Werkself, die Industrie im Fußball, das was viele Fans so leidenschaftlich ablehnen, alles das hat Leverkusen über die Jahre hinweg so langsam im Profifußball etabliert. Und sich selber. Wenn Borussia am Sonntag in der Chemikantensiedlung antritt, werden viele Leute im Stadion und so einige auf dem Rasen sein, die eine Bundesliga ohne Bayer Leverkusen nie erlebt haben.


Seit 31 Jahren ist Bayer 04 Leverkusen nun Bestandteil der Bundesliga. Eine lange Zeit, in der es sich von der grauen Maus Anfang der 90er Jahre zum Spitzenclub gemausert hat und zu einem der Clubs mit der engsten Anbindung an den DFB. Und was noch so viele Argumente nicht bewirken, erledigt die Zeit. So kann es heute passieren, dass man im Gespräch mit Anhängern welchen Vereins auch immer pure Verachtung zu hören bekommt, wenn sich das Gespräch um Hoffenheim dreht, Ablehnung für den Verein aus Wolfsburg und sobald es um den gleichgelagerten Fall aus Leverkusen geht, Erstaunen: „Nee, die doch nicht, die gehören doch dazu.“

Es ist ja auch nicht leicht, einen Club für nichtdazugehörig zu erklären, der zumindest seit der Ära Thom & Kirsten für große Spiele gesorgt hat und besonders für sprichwörtliche Misserfolge und legendäre Dramen des Verpassens. Sie haben Pokalsiege aufzuweisen und zig Nationalspieler; zwar noch keine Meisterschaft, und möge sie ihnen noch 100 Jahre verwehrt bleiben, aber dafür einen internationalen Titel, was nur wenige deutsche Clubs von sich sagen dürfen. Durch ihre Erfolge und mehr noch Misserfolge haben sie sich untrennbar zum Teil der deutschen Fußballgeschichte gemacht, aller Aufweichung und Umgehung der 50 + 1 Regel zum Trotz. Wer sich je gefragt hat, was dieser Intellektuellenspruch von der normativen Kraft des Faktischen denn verflixt noch mal heißen soll, das ist es: Wenn sein kann, was nicht darf, solange es einigermaßen gut aussieht.

Was aktuell sein kann, könnte sogar besonders gut aussehen, zum Leidwesen der Anhänger der Borussia aus Mönchengladbach. Die Bilanz gegen die vermeintliche Werkself (kann sich eigentlich jemand Kießling als Mechatroniker vorstellen oder Ballack als chemisch-technischen Assistenten?)  lässt sich salopp  zusammenfassen in „die liegen uns nicht“. Während daheim eine merkwürdige Serie von 2:2 Ergebnissen dominiert, unterstreichen gerade die Auftritte auswärts, dass da wirklich etwas nicht liegt. Vielleicht hätten die Bayer-n in der Saison 2008-9 keines ihrer Quasiheimspiele in Düsseldorf gewonnen, wenn nicht bei der letzten Gelegenheit Borussia vorbeigeschaut hätte. So aber schafften es die Niederrheiner, das Spiel zu einem Fest für Bernd Schneider zu gestalten und 25.000 eigenen Anhängern den Tag richtig zu versauen.

Und während Borussias Auftakt mit „Startschwierigkeiten“ noch schonend beschrieben ist, hat Leverkusen zum Auftakt direkt mit einem kühlen 2:0 Sieg in Dortmund eine Marke gesetzt. Die Effizienz, Nervenstärke und spielerische Potenz der Bayerelf gab dabei ein klares Zeichen, wohin die Reise diese Saison gehen wird. Nach oben. Das einzig unerwartete war, dass der medial stärkste Einkauf in Gestalt von Ballack von seinen jungen Mitspielern gestützt und durchgezogen werden musste, statt umgekehrt. Allerdings hat der zukünftige Ex-Kapitan der Nationalmannschaft ja auch eine Verletzung hinter sich und könnte obendrein zusammen mit Hyppiä sein Team zum Pekip schleppen. Über die Dauer der Saison dürfte es interessant werden, zu beobachten, wie Ballack seinen Posten gegen Vidal und Rolfes verteidigen will. Mit oder ohne ihn hat Leverkusen jedenfalls immense spielerische Möglichkeiten, zumal das Team praktisch unverändert weiter zusammen spielt und von Bayern München vielleicht nur durch Selbstbewusstsein und die vielen Titel im Rücken getrennt ist.

Das bietet der Borussia denkbar wenig Spielraum für das Spiel am Sonntag. Die Unterschiede in den Spielerkadern könnten durch die Unterschiede in der Form voll zum tragen kommen. Bei der Borussia piekst immer wieder das Verletzungspech hinein und lässt de Camargo weiter zuschauen, zudem ist Baillys Einsatz zweifelhaft. Die Formstärke von Mo Idrissou sieht als Gegengewicht zum drohenden Unheil aus wie eine Sandburg gegen eine Sturmflut und die Tipps unter den Anhängern haben schon die Marke von 4 Toren Unterschied gerissen.

Das ist der Stoff, aus dem Überraschungen gemacht werden.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth; Levels, Dante, Brouwers, Daems; Reus, Marx, Bradley, Arango; Idrissou, Bobadilla

Leverkusen: Adler Kadlec, Reinartz, Hyppiä, Castro; Renato Augusto, Vidal, Ballack, Barnetta; Kiessling, Derdiyok

SEITENWAHL-Meinung:

Christoph Clausen:

Leverkusen hat beeindruckend, Borussia eher enttäuschend begonnen. Nimmt man dazu erstens die notorisch schlechte Bilanz gegen den Werksclub und zweitens die Gladbacher Auswärtsbilanz der letzten Jahre, bleibt nicht viel Raum für Optimismus. Borussia unterliegt mit 1:3.

Thomas Häcki:

Es ist nicht so, dass Gladbach so schlecht gewesen wäre. Aber irgendwie wirkt es, als wäre da Sand im Getriebe. Aus fussballerischer Sicht ist das noch nicht dramatisch. Nur leider wird der Boulevard nach der 0:4-Klatsche genüsslich Öl ins Feuer gießen. Und leider gibt es genug dumme Lämmer, die das für bare Münze nehmen.

Michael Heinen:

In Leverkusen gibt es für Borussia leider nicht viel zu holen. Die erste halbe Stunde hält man noch ordentlich mit. Dann setzt sich aber die Klasse des Meisterschaftsanwärters durch, der am Ende sogar mit 3:0 siegreich bleibt.

Christian Spoo:

Ganz unabhängig vom Ausgang des Auftaktspiels: Leverkusen spielt zwar in der gleichen Liga, wie Borussia, aber doch gefühlt in einer ganz anderen Liga. Ich halte Bayer für die einzige Mannschaft, die den Bayern in dieser Saison ernsthaft gefährlich werden kann. So wird Borussia in der Bayarena wenn alles normal läuft ohne Siegchance sein. Das Spiel endet 1:3 aus Gladbacher Sicht.

Christian Heimanns:

Ich würde ja gerne die Überraschung aus dem letzten Satz des Vorberichtes tippen. Dieses Mal kann ich mich aber nicht zu einem Tipp gegen den Trend aufraffen und prophezeie ein 2:0 für die Gastgeber.



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