Spiele gegen Mainz 05 waren in der jüngeren Vergangenheit selten ein Grund zu großer Freude für die Fans von Borussia. Vor der Auftaktpartie des vierten Bundesligaspieltages stehen die Zeichen abermals nicht unbedingt gut: Der große Sieger des vergangenen Wochenendes reist zum großen Verlierer.
Zwei Mannschaften, die die Saison zunächst besser begonnen hatten, als allseits erwartet, spielen morgen Abend im Borussia-Park gegeneinander. Die noch ungeschlagenen Mainzer kommen mit einem vielfach als sensationell gewerteten Heimsieg gegen Bayern München im Rücken nach Gladbach. Die Borussia hat in Bremen ein unerwartet schlechtes Spiel abgeliefert, dessen einzig positiver Aspekt ist, dass die Erwartungen von Fans und Funktionären nicht ins Unermessliche wachsen konnten.

FSV Mainz 05

Geradezu grotesk mutete das an, was der FSV Mainz 05 dem interessierten Publikum zum Saisonauftakt bot. Zunächst schied der Aufsteiger als einer von zwei Erstligisten in der Auftaktrunde zum DFB-Pokal aus. Das Spiel beim Regionalligisten Lübeck konnten die Mainzer auch in der Verlängerung nicht für sich entscheiden. Wenige Tage später, noch vor dem ersten Bundesliga-Spieltag trennte sich der Verein von Aufstiegstrainer Jörn Andersen. Galt der FSV ob des wenig schillernd besetzten Kaders und des enormen Verletzungspechs ohnehin schon als Abstiegskandidat, schien er sich auf den ersten Blick nun auch noch zum Chaos-Club zu entwickeln.

Wie trügerisch aber können erste Blicke sein, Mit dem verhältnismäßig unbekannten, wenngleich im Jugendbereich enorm erfolgreichen Thomas Tuchel setzt Mainz 05 seither auf einen völlig anderen Trainertyp, als ihn der spröde und offenbar zunehmend disziplinversessen und beratungsresistent agierende Andersen darstellte. Der neue Mann scheint dem Verein etwas zurückzubringen, das seit den Tagen des immer noch kultisch verehrten Jürgen Klopp womöglich gefehlt hat: eine Identifikationsfigur die Emotionalität und Intellekt gleichermaßen verkörpert. Mit Tuchel spielt Mainz bislang einen ansehnlichen Angriffsfußball, hat noch kein Bundesligaspiel verloren, konnte zuletzt gegen Bayern München einen vielumjubelten und durchaus verdienten Heimsieg feiern und hat nach drei Spieltagen einen Zähler mehr auf dem Konto, als die nicht minder für ihren vermeintlichen neuen Stil gelobten Borussen.

Das Verletzungspech, das die Mainzer vor der Saison zu schwächen schien, fällt bis dato nicht ins Gewicht. Im Tor ist Wache-Ersatz Heinz Müller binnen kürzester Zeit zum Publikumsliebling avanciert, sicherte in Leverkusen und München mit seinen Leistungen drei Punkte fast schon im Alleingang.

Die als Stammspieler eingeplanten Polanski und Trojan fallen weiterhin aus, auf der Polanski-Position vor der Abwehr erlebt stattdessen zum einen Miroslav Karhan einen zweiten Frühling, gegen Bayern reüssierte auf dieser Position gar der Ex-Borusse Bo Svensson (den zu seiner Gladbacher Zeit nicht wenige Fans gerne einmal auf dieser Position gesehen hätten). Der Österreicher Andreas Ivanschitz, Last-Minute-Einkauf infolge der Verletztenmisere, hat die Erwartungen im offensiven Mittelfeld bisher mehr als erfüllt und im Sturm erweist sich der in der Abstiegssaison auch in Gladbach diskutierte Aristide Bancé bislang als durchaus erstligatauglich. An seiner Seite macht der 18-jährige Andreas Schürrle - von Tuchel aus der Jugend „mitgebracht" bisher ebenfalls eine gute Figur.

Der Sieg gegen Bayern kam womöglich genau zur rechten Zeit, um Borussia auf der Hut sein zu lassen, vor einem erstaunlich spielstarken und gefährlichen Gegner.

Borussia

Erstaunlich spielstark und gefährlich - diese Beschreibung trifft auch auf Borussia zu, wäre nicht das Spiel am vergangenen Samstag in Bremen gewesen. Trotz Arango und Bobadilla, die viel zu früh schon zu den Protagonisten eines kleinen Borussenwunders hochgeschrieben wurden, zeigte die Mannschaft eine Leistung, die den schwächeren Spielen der vergangenen, nur allzu gern schon verdrängten, Fast-Abstiegssaison.

Gehen wir fürs erste davon aus, dass diese - laut Michael Frontzeck abgehakte - Partie ein Ausrutscher war, und die wahre Borussia 2009/10 tendenziell eher die aus den Spielen in Frankfurt, gegen Hertha und eine Halbzeit lang in Bochum ist. So sollte Michael Frontzeck den Versuch mit einer defensiven Auswärtstaktik vorerst zu den Akten legen. Im Heimspiel gegen Mainz wäre die wohl ohnehin nicht in Frage gekommen. Dieses Spiel sollte Borussia gewinnen, um nicht doch wieder frühzeitig Unruhe im Umfeld, durchaus auch im engeren, aufkommen zu lassen.

So spricht viel dafür, am Freitag Abend weitgehend die Mannschaft auflaufen zu lassen, die auch gegen Hertha BSC begann. Oliver Neuville hat sich mit seiner - von vielen so kaum noch erwarteten - Leistung für einen erneuten Startelfeinsatz empfohlen, wenngleich auch Roberto Colautti schon gezeigt hat, dass er mit Arango und Bobadilla gut harmoniert. Im Mittelfeld sollte von drei nicht vollends überzeugenden „Sechsern" (das waren sie, auch wenn Michael Frontzeck dieser Darstellung nach dem Spiel energisch widersprochen hat) Michael Bradley weichen. Er hat weder in Bochum noch in Bremen überzeugt und genügt der ihm zugedachten Führungsrolle im Moment nicht ansatzweise. Bisweilen scheint ihm selbst nicht klar zu sein, was und wie genau er zu spielen hat - daran müssen Trainer und Spieler arbeiten.

Die einzig sichere Änderung gegenüber dem letzten Heimspiel wird es in der Abwehr geben. Dante hat seine Sperre nach der roten Karte von Bochum abgesessen, für ihn rutscht Thomas Kleine aus dem Team. Dass Paul Stalteri den in Bremen erstmals in dieser Spielzeit etwas enttäuschenden Tobias Levels auf der Position des rechten Verteidigers verdrängt, ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Es ist aber ob des Standings von Levels bei Trainer, Kollegen und Publikum und seiner exzellenten Leistungen in den ersten drei Pflichtspielen eher unwahrscheinlich.

Eine weit reichende Veränderung könnte es auf der Ersatzbank geben. Die Leidenszeit des Rob Friend ist offenbar vorbei, der Kanadier hat sich fit gemeldet. Michael Frontzeck schließt nicht aus, dass er den einstigen Einzelkämpfer im Borussensturm in den Kader nimmt.

Besonderes

Der letzte Sieg der Borussen gegen Mainz ist fast vier Jahre her - damals gewann das Team von Trainer Horst Köppel im Borussia-Park durch einen Kopfballtreffer von Innenverteidiger Zé Antonio mit 1:0 gegen die Klopp-Elf. Es war ohnehin der einzige Erfolg gegen die Rheinhessen in der ersten Liga. Danach gab es sowohl in der ersten als auch in der zweiten Liga bestenfalls Unentschieden. Schmerzlich im Gedächtnis ist den Gladbachern das 1:1 durch einen Last-Minute-Gegentreffer in der Abstiegssaison sowie die unverdiente 0:1 Heimniederlage in der Aufstiegssaison, in der Borussia fast 90 Minuten erfolglos das Mainzer Tor berannte.

Gerne erinnern sich Borussias Anhänger aber an zwei Heimspiele am Bökelberg: das ereignisreiche 6:4 im Pokal-Achtelfinale 1994/95, Borussia sollte in jener Spielzeit den Pokal gar gewinnen, legte den Grundstein für eine Freundschaft zwischen Mainzer und Gladbacher Fans. In der Saison 1999/2000 hießt es am vorletzten Spieltag der zweiten Liga gar 6:1. Nun ist gut Freund sein, wenn die jeweils favorisierten Teams entweder in unterschiedlichen Ligen oder in derselben wenigstens an unterschiedlichen Tabellenenden zu finden sind. Werden beide aber, wie im Falle Borussia und Mainz, zu Dauerkonkurrenten um dasselbe Ziel (Klassenerhalt bzw. Aufstieg), geht die Fanfreundschaft schnell den Weg alles Irdischen. Zwar sieht man vereinzelt noch Schals mit den Logos beider Vereine, das Verhalten beider Fangruppen bei den Aufeinandertreffen in jüngerer Vergangenheit war aber nicht mehr und nicht weniger freundschaftlich als bei allen anderen Gegnern - mit Ausnahme vielleicht beim 1.FC Köln, wo es dann doch noch deutlich weniger herzlich zugeht.

Aufstellungen

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Dante, Jaurès - Meeuwis, Marx - Arango, Matmour - Bobdailla, Neuville
Mainz: Müller - Heller, Bungert, Noveski, von der Heyden - Svensson, Karhan - Hoogland, Ivanschitz - Schürrle, Bancé

SEITENWAHL-Meinung

Christoph Clausen: Ob in erster oder zweiter Liga: Borussias Heimspiele gegen Mainz waren in der Vergangenheit meist torarm, mit einem 1:1 als höchstem der Gefühle. Rühmliche Ausnahme ist das 6:1 vom Mai 2000. Ganz so hoch wird es am Freitag nicht werden, aber wenn das Gladbacher Offensivspiel weniger sediert daher kommt als in Bremen, dann könnte es zu einem über die Zeit gezitterten 2:1 reichen.

Thomas Häcki: Gladbach ohne Chance in Bremen, Mainz kämpft den Rekordmeister nieder. Irgendwie hat diese Konstellation Charme, besonders dann, wenn plötzlich niemand mehr darüber redet, den Aufsteiger wie selbstverständlich aus dem Stadion zu schiessen. Es wird wie in den letzten Jahren ein Schweinespiel, aber eines welches mit 2:1 siegreich ausgeht.

Christian Heimanns:

Michael Heinen: Auch wenn die Bilanz gegen Mainz durchwachsen ist. Am Freitag wird der Rekordmeisterbezwinger keine Chance haben und mit 1:2 im Borussia-Park verlieren.

Mike Lukanz: Es wird schon orakelt im Fanlager: Gewinnt Borussia, wird's eine gute Saison, verliert sie, geht's gegen den Abstieg. Ein Hoch auf die Schwarz-Weiß-Malerei und auf ein relativ unspannendes 1:1 durch Ausgleich Mainz in der 90.

Christian Spoo: Bremen war gestern, die Borussia 2009/10 ist eine andere, als die der vergangenen Saison, auch wenn man das am vergangenen Sonntag nicht recht bemerkt hat. Borussia drückt Mainz nach kurzen Stottern zum Start ihr Spiel auf und gewinnt deutlich und verdient mit 4:1.

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