Die 90. Minute im bisher letzten Heimspiel gegen Schalke 04 gehört zu den Momenten, die, wer dabei war, wohl nicht mehr vergisst. Ein Konter, ein Pass, ein Tor und der Borussia-Park explodierte förmlich. Wäre das Tor von Roberto Colautti zum 1:0 nicht gefallen, an dieser Stelle stünde am heutigen Tage vermutlich der Vorbericht zum Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen.

 

 

Stattdessen geht es für Borussia weiter gegen die Großen im deutschen Fußball, und deutlicher als in der vergangenen Saison gehört Schalke zur Zeit tatsächlich zu diesen Großen. Die Mannschaft von Felix Magath präsentiert sich derzeit als ernsthafter Titelanwärter.  Aber auch Borussia steht zumindest temporär besser da, als beim letzten Aufeinandertreffen. Vier mal in Folge nicht verloren, zwei Auswärtssiege hintereinander: im Moment scheint das Erreichen des Saisonziels „nicht Zittern müssen“ durchaus realistisch.

Dennoch: dass Felix Magath behauptet, sein Team sei in Gladbach nicht der Favorit, ist Understatement pur. Borussia wäre wohl je nach Spielverlauf auch mit einem Punkt durchaus zufrieren.

 

Borussia

 

Filip Daems fällt bis auf weiteres aus. Dass diese Meldung unter der Woche von den meisten Fans recht regungslos aufgenommen wurde, spricht für das Vertrauen, dass sich die Mannschaft in den vergangenen Partien erarbeitet hat. Einen Ausfall wie den des Kapitäns scheint das Team kompensieren zu können.

 

So dürfte sich an der Aufstellung im Vergleich zu den vergangenen Spielen nichts ändern. Der Defensivverbund, in dem Jean-Sébastien Jaurès die Daems-Position befriedigend übernommen hat, steht gut. Die Innenverteidiger Dante und Brouwers sind augenscheinlich im Formhoch und sorgen nicht nur für Ruhe vor dem eigenen sondern auch für Gefahr vor dem gegnerischen Tor.

 

Den offensiven Mittelfeldspielern Reus und Arango gelang beim Sieg in Frankfurt nicht so viel, wie in den Partien zuvor. Vor allem Juan Arango ist zu wünschen, dass er noch etwas deutlicher demonstriert, was seine Qualitäten sind.

 

Im Sturm läuft es trotz der Genesung von Raul Bobadilla wieder auf den Zweiersturm Rob Friend/Karim Matmour hinaus. Die beiden ergänzen sich recht ordentlich. Die Torgefahr, die sie ausstrahlen, könnte – was auch für das Alternativduo Bobadilla/Colautti gilt – allerdings deutlich größer sein.

 

FC Schalke 04

 

Gebeutelt, aber glücklich. So lässt sich die aktuelle Situation beim FC Schalke 04 beschreiben.

Die Finanzprobleme sind groß, die Rettung trotz der geplanten 20-Millionen-Finanzspritze eines Tochterunternehmens der Stadt Gelsenkirchen und der erwarteten Verlängerung des Sponsorenvertrags mit Gazprom noch keineswegs ausgemacht.

 

Schon vor der Saison musste sich Schalke entgegen der Vereinspolitik der vergangenen Jahre auf dem Transfermarkt spürbar zurückhalten. Geld für echte Stars war nicht da, mit einer Ausnahme: mit Felix Magath holte Schalke den vielleicht einzigen deutschen Trainer, den man angesichts seiner Erfolge in jüngerer Vergangenheit getrost als Superstar bezeichnen kann.

Nicht wenige hatten Zweifel, ob Magath in Schalke zurechtkommen würde. Seine Fähigkeiten und Talente sind unzweifelhaft, ob aber das Wirtschaften mit knappen Mitteln auch dazu gehört, war nicht abzusehen.

 

Wie wir heute wissen, scheint Felix Magath es hinzubekommen. Schalke steht nach 13 Spieltagen auf Tabellenplatz drei mit Sichtkontakt nach oben. Die Mannschaft spielt konstant und sie spielt gut Fußball. Keinen Hurra-Stil, aber im Vergleich zur vergangenen Saison doch ansehnlich. Das gelingt mit einem Team aus einigen Stars und einer erstaunlichen Anzahl an jungen, vor dieser Saison gar nicht oder kaum bekannten Spielern. Am vergangenen Wochenende gegen Hannover 96 bildeten vier dieser 18 bis 21-jährigen das komplette Schalker Mittelfeld.

 

Felix Magath lässt Schalke in dieser Saison oft im klassischen 4-4-2 mit einem Sechser und einem Mittelfeldspieler zentral hinter den Spitzen agieren.

Im Schalker Defensivverbund stehen mit Bordon und Westermann gestandene Nationalspieler, dazu kommt der vor der Saison schon so gut wie verkaufte Rafinha, der je nach Taktik als Rechtsverteidiger oder im rechten Mittelfeld aufläuft. Der 20-jährige Peruaner Carlos Zambrano kann nach Gelbsperre wieder in der Innenverteidigung mitmischen. Wahlweise als Verteidiger oder im Mittelfeld setzt Magath mit Benjamin Höwedes und Lukas Schmitz auf zwei  weitere der oben erwähnten inzwischen bewährten Nachwuchskräfte.

Einen weiteren No-Name zog Felix Magath dann am vorletzten Spieltag aus dem Hut. Das Spiel bei Bayern München wurde zum Debüt von Noel Matip, der 18-jährige machte ein Tor und eine tolle Partie auf der wichtigen Sechserposition. Auch gegen Hannover durfte Matip 90 Minuten lang mitmachen.

 

Im Mittelfeld hat sich mit Christoph Moritz ein 19-jähriger fest etabliert. Moritz kam im Paket mit dem gleichaltrigen Lewis Holtby von Alemannia Aachen. Ersterer war nur Experten ein Begriff, Holtby dagegen galt als der kommende Mann. Der Ex-Gladbacher brauchte allerdings länger, um sich im Team zu etablieren. Inzwischen dürfte das aber als gelungen gelten, Holtby scheint derzeit erster Kandidat für die Position hinter den Spitzen. Die Alternative wäre Ivan Rakitic, der mit 21 Jahren ebenfalls noch als Nachwuchskraft gelten muss. Der Kroate hat es allerdings bis dato nie geschafft, die immensen Erwartungen einmal konstant über mehrere Spiele hinweg zu erfüllen.

Zwei weitere Jungprofis haben im Schalker Mittelfeld von sich Reden gemacht: der Georgier Levan Kenia und der Grieche Vasilis Pliatsikas. Beide allerdings werden gegen Borussia verletzungsbedingt nicht spielen können.

Routine sollte Mineiro bringen, den Magath zu Saisonbeginn aus Chelsea holte. Der frühere Berliner machte seine Sache, wenn er spielte, ordentlich, meist aber war sein Platz auf der Bank. Das gilt auch für Levan Kobiashwili, dessen Zeit bei Schalke viele vor der Saison schon als abgelaufen betrachteten.

 

In der Schalker Offensive sind Kevin Kuranyi und Jefferson Farfan die zwei Konstanten. Halil Altintop ist Leidtragender des „Systemwechsels“. Er kam zuletzt nur noch von Beginn an zum Zuge, wenn Magath auf 4-3-3 umstellte, gleiches gilt für Vicente Sanchez und Gerald Asamoah.

 

Aufstellung

 

Borussia: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Jaurès – Marx, Bradley – Reus, Arango – Friend, Matmour

Schalke: Neuer – Rafinha, Bordon, Zambrano, Westermann – Höwedes – Moritz, Schmitz – Holtby – Farfan, Kuranyi

 

SEITENWAHL-Prognose

 

Christoph Clausen: Schalke steht defensiv für die Borussenstürmer zu gut und kontert mindestens einmal für die Borussendefensive zu effizient. Das ergibt zusammen eine 0:1-Heimniederlage.


Thomas Häcki: Ordnung und gefällige Kombinationen erfreuen zur Zeit die Herzen der Fans. Doch wenn ein Gegner in der Defensive gut sortiert ist, ist man (noch) mit seinem Latein schnell am Ende. Schalke ist eine solche Mannschaft - daher 0:0.


Christian Heimanns: Für die Fortsetzung der guten Spiele ist Magaths Truppe etwas zu stark. Ein 1:1 zu Hause kann man angesichts des Gegners als brauchbares Ergebnis verbuchen.

 

Michael Heinen: Borussia spielt zwar ordentlich, hat aber gegen die Effizienz der Schalker keine Chance. Am Ende steht eine 0:1-Heimniederlage, die man aber als neue Auswärtsmacht schon in einer Woche in München wird wettmachen können.

 

Mike Lukanz: Schalke macht den Auftakt in den Duellen gegen die "Großen" dieser Liga. Warum die falsche Bescheidenheit? Borussia nutzt den Rückenwind der vergangenen Wochen und stutzt den zurzeit gehypten Schalker Trainer Felix Magath auf den Status eines Normalsterblichen zurück. 2:1 für die Elf vom Niederrhein.

 

Christian Spoo: Die gut organisierte Schalker Defensive lässt Borussias Angriffsbemühungen harmlos erscheinen. Vorne gelingt bei uns nichts, hinten fast alles, aber nur fast. Borussia unterliegt mit 0:1

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