Weiter geht´s mit dem SEITENWAHL-Ligacheck, bei dem wir bereits am 4. Spieltag angekommen sind. Mit dem VfL Osnabrück wird ferner unser allererster Pflichtspielgegner dieser Saison untersucht, auf den wir bereits in 1 ½ Wochen im DFB-Pokal treffen werden.  

Der 1.FC Kaiserslautern im Zweitliga-Check

Die TSG Hoffenheim im Zweitliga-Check
Der FSV Mainz 05 im Zweitliga-Check

Ausgangslage:
So wie der 1.FC Köln oder der MSV Duisburg als Fahrstuhlmannschaften zwischen Liga 1 und 2 gelten, sind Mannschaften wie Rot-Weiß Essen oder der VfL Osnabrück offensichtlich zu schlecht für die 2., aber zu gut für die 3.Liga. So pendelt man zwischen den Welten, stets in der Hoffnung, dass irgendwann der Durchbruch nach oben gelingt. Dazu unternimmt man in Osnabrück nun einen neuerlichen Anlauf, nachdem der Aufstieg 2001 und 2004 jeweils nur zu einem Jahr in der Zweitklassigkeit führte.  

Die jüngere Historie des Klubs sowie der vorhandene Kader stempeln unseren Pokalgegner zu einem der größten Außenseiter der Liga. Gerade hier wird Trainer Pele Wollitz die eigene Chance sehen, denn größere Vereine wie unsere Borussia könnten den verheerenden Fehler begehen, die kampfstarken Osnabrücker zu unterschätzen. In der letzten Zweitligasaison galt z.B. der FC Carl-Zeiss Jena als sicherer Absteiger, konnte sich am Ende aber dennoch retten.
 

Verlassen kann sich der VfL dabei auf seine Heimstärke. So blieb man in der vergangenen Saison im Stadion an der Bremer Brücke ungeschlagen, während man auswärts Schwächen offenbarte, die uns Borussen nur allzu bekannt sind.
 

Zu- und Abgänge:
Trotz aller Bedenken eines neuerlichen Direktabstiegs und des Abgangs von Torjäger Menga, blieb der VfL Osnabrück seiner Linie treu, für Neuzugänge keine Ablöse zu zahlen. So konnte man den Kader lediglich mit den erfahrenen Ehlers und Heidrich verstärken, die von ihren vorherigen Vereinen (Aue sowie Aachen) ausgemustert worden waren, sowie mit einigen aufstrebenden Talenten, auf deren Entwicklung man hofft (Manno, Thomik, de Wit, Schuon, Grieneisen). Aus Dresden kehrte der einstige Stammkeeper Tino Berbig zurück. 

250.000 Euro – also genauso viel wie Borussia für A-Jugend-Spieler Mitroglou einnahm – kassierte der VfL für Addy-Waku Menga, der bei Hansa Rostock gleich einen Sprung über 2 Ligen wagt. Der Borussen-Schreck, der uns im Vorjahr mit 2 Toren aus dem Pokal schoss, kam in der Regionalliga auf 15 Tore und wird von Wuppertals Gaetano Manno nur schwer zu ersetzen sein. 
 

Tor/Abwehr:
Im Tor kommt es zu einem interessanten Zweikampf. Bis zur vorigen Saison war Tino Berbig die unumstrittene Nr.1, entschied sich dann aber überraschend zum Ligakonkurrenten aus Dresden zu wechseln. Ersetzt wurde er von Frederik Gößling, der einige Zeit brauchte, ehe er aus den Fußstapfen seines Vorgängers herausgewachsen war. Der ehemalige Münsteraner trug in der ersten Saisonhälfte mit Schwächen in der Strafraumbeherrschung zu Diskussionen bei. In der Rückrunde dann steigerte er sich zum absoluten Rückhalt und war ein Garant für den Aufstieg. Jetzt ist Berbig zwar reumütig nach Osnabrück zurückgekehrt, indem er es als „großen Fehler“ bereute, den Verein vormals verlassen zu haben. Vorläufig wird er sich aber hinten anstellen müssen, da zu Beginn der Aufstiegskeeper den Vorzug erhalten wird. 

Geballte Erfahrung spiegelt die Innenverteidigung wider. Das Duo Uwe Ehlers und Thomas Cichon bringt es zusammen auf über 400 Spiele in den beiden höchsten Spielklassen. Cichon war nach seiner Zeit in Köln und Oberhausen zum jetzigen Klub von Ewald Lienen gewechselt. Doch nach nur 3 Monaten bei Panionios Athen kehrte er in die Heimat zurück und schloss sich im Januar 2006 Osnabrück an, was ihm ein Zusammenspiel mit Marcelo Pletsch in der Folgesaison ersparte.
 

Uwe Ehlers
war bei Erzgebirge Aue zwar über weite Strecken hinweg Stammspieler. Trotzdem schien man keinen Bedarf zu sehen, den auslaufenden Vertrag des 32jährigen Innenverteidigers zu verlängern, so dass man ihm den Wechsel zum Ligakonkurrenten ermöglichte. Während Cichon eher der elegantere, spielerische Verteidigertyp ist, verkörpert Ehlers den bullig-kampfbetonten, der sich in den Spielen gegen Borussia z.B. mit Rob Friend auseinandersetzen könnte. Erste Alternative ist Neuzugang Schuon. Weniger gute Karten besitzen Oliver Beer und Dominique Ndjeng, die sich im Vorjahr vehement um den Platz neben Cichon stritten. Beer war als Außenverteidiger ohnehin nur aushilfsweise in die Mitte gerückt, während Trainer Wollitz mit Ndjeng nicht mehr allzu ernsthaft zu planen scheint. Zudem fällt der Bruder des einstigen Luhukay-Schützlings Marcel Ndjeng wegen einer Schulteroperation noch für längere Zeit aus.
 

Größere Probleme könnten sich auf den defensiven Außenpositionen ergeben, wo rechts Marko Tredup schon in der Regionalliga eher dürftige Leistungen ablieferte. Sein Alter von 33 Jahren bringt es mit sich, dass er aber nicht mehr der schnellste ist und er zudem fast die komplette Rückrunde verletzungsbedingt ausfiel. Die talentiertere und offensivere Variante heißt Paul Thomik, der in Unterhaching ironischerweise gleich die komplette Rückrunde verletzt fehlte. Der gebürtige Pole kommt aus der Nachwuchsschule des FC Bayern München und ist zigfacher Nationalspieler bei den deutschen Junioren. Beim Zweitliga-Absteiger wurde er meist auf der rechten Außenbahn eingesetzt, so dass er auch dort eine Alternative darstellt. 
 

Links ist Andreas Schäfer bislang gesetzt, weil es für seine Position kaum Alternativen gibt. Er gilt als unbeständiger Akteur, der taktisch und im Zweikampf mit begrenzten Fähigkeiten ausgestattet ist. Beer könnte ihn ggf. ersetzen, aber auf beiden Außenverteidigerposition besteht noch dringender Handlungsbedarf, so dass sich der VfL hier noch um zusätzliche Optionen bemüht.
 

Mittelfeld:
Das defensive Mittelfeld dürfte gegenüber der Vorsaison ausgetauscht werden. Der Amerikaner Joe Enochs ist zwar als Kampftier bei den Fans beliebt und verkörpert in etwa die Alex Voigt-Rolle. Mit 35 Jahren ist er aber nicht mehr der jüngste. Mit Matthias Heidrich wurde ein erfahrener, aber erst 29jähriger Spieler verpflichtet, der sich auf der 6er Position durchsetzen sollte. Alternativ kann der Ex-Stuttgarter Marcel Schuon hier eingesetzt werden, der in der Regionalliga-Elf des Meisters konstant solide Leistung abgeliefert hat  

Matthias Surmann
war im Vorjahr mit der Empfehlung von 192 Zweitligaspielen gekommen, konnte aber u.a. aufgrund diverser Verletzungen nie sein volles Leistungsvermögen abrufen. 
 

Große Stücke hält Wollitz auf das einstige Hannoveraner Talent Hendrik Großöhmichen, dem er mit Sicherheit Einsatzchancen bieten wird. In der Regionalliga war er meist Ersatz für Alexander Nouri, der im offensiven Mittelfeld etwas zu unkonstant auftritt und sich wird steigern müssen, um seinen Stammplatz zu behalten.  
 

Mit Henning Grieneisen verpflichtete man vom Regionalligisten Holstein Kiel eine weitere Alternative für die zentrale Offensivposition im Mittelfeld. Auch Grieneisen verfügt über eine solide technische Grundausbildung, ist aber nur bedingt torgefährlich (2 Tore in 22 Spielen). 
 

Mit Pierre de Wit hat man fürs offensive Mittelfeld oder eine der Halbpositionen einen talentierten Spieler für ein Jahr ausgeliehen. Bei Bayer Leverkusen konnte sich der gebürtige Kölner unter Michael Skibbe nicht in die erste Elf vorspielen, weshalb er jetzt den Weg in Liga 2 gewählt hat. Mit seinen 19 Jahren verfügt er über eine sehr gute Technik, aber es bleibt fraglich, ob er in diesem Alter für den Abstiegskampf in Liga 2 gewappnet sein wird. 
 

Für eine der Halbpositionen in der Mittelfeld-Raute ist neben de Wit auch Bilal Aziz ein aussichtsreicher Kandidat. Der Libanese gilt als großes Talent, das im vorigen Jahr aber nicht wirklich entscheidend nach vorne gekommen ist. Aziz besticht durch eine beeindruckende Technik, mit der er den Gegner an guten Tagen marin-like schwindelig spielen kann. Leider ruft er diese Tage aber noch zu selten ab. 
 

Jan Schanda ist eine solide, verlässliche Alternative, der in der Defensive sehr flexibel einsetzbar ist und auch in der Verteidigung zum Einsatz kommen kann. Durch entsprechende Verschiebungen in der Viererkette könnte so z.B. Thomik ins halbrechte Mittelfeld vorrücken.
 

Sturm:
Egal für welche Taktik sich Wollitz entscheidet. Thomas Reichenberger wird seinen Stammplatz zu Beginn sicher haben. Der 32jährige wurde zuletzt zweimal in Folge mit 17 Treffern Torschützenkönig in der Regionalliga. In seinen 3 Jahren bei Osnabrück brachte er es insgesamt auf 54 Treffer, was seine unumstrittene Rolle im Sturm erklärt. Angesichts solcher Zahlen verblüfft es, warum der Spieler es bei all seinen Stationen im Profifußball (Leverkusen, Frankfurt, Cottbus) nie über Durchschnitt hinausbrachte.  

Wie schlimm es ansonsten um den Angriff des Aufsteigers bestellt ist, beweist der Fakt, dass man die Rückkehr des zur Zeit verletzten Markus Feldhoff herbeisehnt. Borussias Abstiegs-Stürmer aus dem Jahre 1999 ist inzwischen seit fast einem Jahr kontinuierlich verletzt, könnte zum Pokalspiel aber mit etwas Glück (ob für uns oder Osnabrück sei dahingestellt) wieder fit sein. Über die Joker-Rolle wird er zu Saisonbeginn alleine schon mangels Spielpraxis nicht hinauskommen. Seinen Status hat er sich bei den Osnabrück-Fans 2004/05 im Verbund mit Reichenberger erobert, als die beiden es in der Regionalliga auf gemeinsam 36 Tore brachten, zu denen Feldhoff 16 beitrug. Bei Uerdingen war er im Jahr zuvor sogar auf 22 Treffer in nur 27 Partien gekommen, was man sich als Borussen-Fan kaum vorstellen kann. Während seine Torausbeute in der Bundesliga bekannt dürftig ist (25 Tore in 158 Spielen), bringt er es in der 3. Liga auf einen Schnitt von 0,53 Toren pro Spiel. In der 2.Liga spielte er bislang nur zu Beginn seiner Karriere für ein Jahr (6 Tore), so dass man gespannt sein darf, wie er in dieser Spielklasse zurechtkommt.
 

Solange Feldhoff verletzt und/oder außer Form ist, kann Gaetano Manno als eher hängende Spitze eingeplant werden. Der 12fache Torschütze der Vorsaison ist gleichfalls ein Kandidat für ein 4-4-2 neben Reichenberger wie er im 4-3-3 auf der rechten Außenbahn einsetzbar wäre. Gegenüber Daniel Chitsulo, der mit seinen 1,69 Metern einer der kleinsten Spieler in Liga 2 ist, sollte er sich in jedem Fall durchsetzen können. 
 

Eher schlechte Aussichten hat Nico Frommer. Der Ex-Borusse war im Januar 2007 erst aus Unterhaching gekommen, wo nicht mehr mit ihm geplant wurde. Kaum in Osnabrück angekommen, riss sein Syndesmoseband, so dass er zur neuen Saison quasi als weiterer Neuzugang bei Null startet. Seine Schnelligkeit sollte uns noch in ebenso guter Erinnerung sein wie seine latenten Probleme mit dem Torabschluss. 
 

Eine weitere Alternative für die linke Offensivseite deutet sich an, da ein Ausleihgeschäft mit dem HSV anvisiert wird. Deren 19jähriges Sturmtalent Rouwen Hennings (zuletzt 8 Tore in 29 Regionalligaspielen) sollte in den nächsten Tagen auch offiziell beim VfL als Neuer vorgestellt werden.
 

Taktik:
Pele Wollitz ist klarer Verfechter des Offensivspiels und hat seine Mannschaft bislang immer entsprechend aufgestellt. Es wird sich zeigen, wie stark er dies in der 2. Liga wird beibehalten können und ob er z.B. auch am 4.Spieltag im Borussia-Park auf eine offensive Ausrichtung setzt. Der Sturm ist für ein 4-4-2 quantitativ wie qualitativ sehr dünn besetzt, da hinter den Langzeitverletzten Feldhoff und Frommer Fragezeichen stehen. Dennoch dürfte dieses System mit einer Raute im Mittelfeld präferiert werden. Alternativ wäre ein 4-3-3 mit zwei Außenstürmern denkbar. 

Breite des Kaders:
Wie für einen Aufsteiger nicht anders zu erwarten, kann es sich Osnabrück nicht leisten, alle Positionen gleichwertig zu besetzen. Ein Ausfall von Reichenberger z.B. würde logischerweise nur schwer zu kompensieren sein. Im Mittelfeld sowie in der Innenverteidigung ist man noch am breitesten besetzt, während die defensiven Außenbahnen als Schwachstellen auszumachen sind. 

Trainer:
Claus-Dieter Wollitz begann seine Trainerlaufbahn beim KFC Uerdingen, wo er im April 2004 auf Platz 7 in der Regionalliga liegend entlassen wurde, nachdem er seinen Wechsel zum VfL angekündigt hatte. Mit seinem neuen Verein schaffte er jetzt im dritten Jahr den Aufstieg. Als Spieler galt er bereits als positiv verrückter Heißsporn, so dass er jetzt in seiner Funktion als Trainer ebenfalls zu den Motivatoren gezählt wird. Sein Talent als Coach wird er aber erst noch höherklassig unter Beweis stellen müssen. Ein Klassenerhalt mit dieser Osnabrücker Mannschaft könnte ein Meilenstein auch für seine eigene Karriere werden.  

Mögliche Aufstellung:

Gößling – Thomik, Ehlers, Cichon, Schäfer – Heidrich, Aziz, Nouri, de Wit –Reichenberger, Manno 

Gesamteindruck/Prognose:
Ein Großteil der Spieler, auf denen beim VfL Hoffnungen ruhen, haben in der Vergangenheit in oberen Ligen eher schwache Leistungen gebracht. Ob Frommer, Feldhoff, Heidrich, Cichon oder Ehlers. Nur wenn ihnen der Sprung zurück in den Profifußball ordentlich gelingt, erscheint der Klassenerhalt realistisch. Angesichts der Routine dieser Spieler und der Torgefährlichkeit eines Thomas Reichenberger besteht kein Grund für uns, diesen Verein zu unterschätzen, der nicht so schwach wirkt wie 2003, als man aussichtslos als Tabellenletzter abstieg. Dennoch spricht vieles dafür, dass unsere Kollegen vom VfLog in der Saison 2008/09 wieder einen Zwei-Klassenunterschied zwischen ihren beiden Hauptvereinen vorfinden werden.
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