Am 22. Oktober wird es soweit sein. Endlich kommt es wieder zum großen Derby zwischen Borussia und dem 1.FC Köln. In der Vergangenheit waren diese Spiele oft sehr erfolgreich für uns, so haben wir die letzten 7 Spiele zuhause seit 1995 ausnahmslos gewonnen. Im neuen Zweitligajahr gelten beide Vereine als Topfavoriten für den Aufsteig. Ob diese Einschätzung bei den Kölnern gerechtfertigt ist, soll der heutige SEITENWAHL-Zweitligacheck zeigen.

Ausgangslage:
Die blamable Vorsaison, in der man in Köln zwischenzeitlich gar in den Abstiegskampf abzurutschen drohte, scheint fast schon wieder vergessen. Eine Handvoll teurer und hochkarätiger Neuzugänge und ganz Köln träumt fast schon wieder von der Zukunft in der Champions League. So ist es bei der berüchtigt optimistischen Natur der Rheinländer kein Wunder, dass man sich für die neue Saison bereits als sicherer Aufsteiger wähnt.  

Dabei wies Christoph Daum in der vergangenen Rückrunde nach, dass selbst er aus Kölner Fäkalien kein Gold machen kann. Die Verstärkungen in der Winterpause wurden ihrem Ruf nicht ansatzweise gerecht. So fürchtete man am Geißbockheim gar, dass der große Trainermeister vorzeitig aufgeben und sich würdigeren Vereinen zuwenden könnte. Doch Kämpfer Daum dachte nicht daran, sondern griff in diesem Sommer erst recht an. Manager Michael Meier hat in seiner Karriere bereits nachgewiesen, dass er in der Lage ist, einzukaufen, ohne auf finanzielle Limits Rücksicht nehmen zu müssen. So stellte man sich einen Kader zusammen, für den alles andere als der Aufstieg indiskutabel ist. Ob es Daum aber in dieser Saison besser gelingt, aus 24 individuell hochwertigen Spielern aus 13 verschiedenen Ländern eine echte Einheit zu formen? 
 

Zu- und Abgänge:
Wohl wissend, dass im Vorjahr die Qualität für höhere Ziele fehlte, legte man auf allen Positionen nach. Im Tor steht nun der erfahrene kolumbianische Nationalkeeper Faryd Mondragon zur Verfügung. Und insbesondere in der Abwehr setzte man Ausrufezeichen, um die 50 Gegentore aus der Vorsaison nicht zu wiederholen. Energie Cottbus schnappte man Kapitän und Führungsspieler Kevin McKenna weg, der offenbar glaubt, sich in Liga 2 sportlich besser weiterentwickeln zu können. Geld spielt bei solchen Transfers bekanntlich nie eine Rolle… 

Aus Istanbul kannte Daum Außenverteidiger Ümit Özat, den er nach Deutschland lockte. 41 Länderspiele für die Türkei sind ein Qualitätssiegel des 30jährigen. Andererseits konnte ein Alpay als gar 90facher Nationalspieler in seinen zwei Jahren in Köln bislang nicht nachweisen, wieso mit der Türkei in der näheren Zukunft zu rechnen sein sollte. 
 

Nach langem Ringen gelang es, dem Ligakonkurrenten Freiburg mit Youssef Mohamad den besten Abwehrspieler abzuwerben. Der Libanese brachte es auf 8 Saisontore, von denen er die Hälfte mit dem Kopf erzielte. Trotz seiner „nur“ 1,82 Metern Größe zeigt dies seine Kompaktheit, die ihn zu einem nahezu kompletten Innenverteidiger prädestiniert. 
 

Sein libanesischer Landsmann Roda Antar spielte bereits einige Jahre mit Mohamad in Freiburg zusammen und wechselte jetzt gleichfalls zum FC. In Freiburg deutete Antar immer wieder an, dass er ein ganz Großer werden könnte. Den ganz großen Durchbruch schaffte er aber nicht, so dass man zweifeln darf, ob der inzwischen 26jährige wirklich jemals in der Lage sein wird, sein Potential voll auszuschöpfen. Gelänge ihm dies, hätte der FC einen schnellen, technisch starken Torjäger, der sowohl im Sturm wie im Mittelfeld zum Einsatz kommen kann. 
 

Ähnlich ist Nemanja Vucicevic einzuordnen, der es bei 1860 München im Sturm auf 9 Saisontore brachte. Dies war allerdings sein erstes erfreuliches Jahr nach einer längeren Durststrecke, in der er z.B. bei Lokomotive Moskau für nicht gut genug befunden wurde, und zwischenzeitlich arbeitslos wurde, ehe sich die Löwen 2005 seiner erbarmten. Kaum dort angekommen versuchte er seinen zunehmenden Haarausfall mit einem Medikament zu behandeln, das dummerweise auf der deutschen Dopingliste stand. Folgerichtig kostete er seinem Klub drei Punkte am grünen Tisch und musste selbst für ein halbes Jahr gesperrt aussetzen, was seine erste Saison zu einem Desaster ausarten ließ. Umso erstaunlicher, wie er sich im Vorjahr zurückkämpfte und nun beim 1.FC Köln auf einen Stammplatz hoffen darf.
 

Dass auch beim FC Köln nicht alles nach Plan läuft, bewies der Fall Tico. Der Brasilianer wurde bereits als Neuzugang fürs defensive Mittelfeld vorgestellt, so dass man Lagerblom bedenkenlos an Konkurrent Aachen abgab. Dann entschied sich Tico aber doch für die größere Perspektive beim FC Zürich und gegen die verdutzten Kölner, die jetzt erst den Unterschied zwischen einer Absichtserklärung und einem echten Vertrag erkannt haben. 
 

Neben Lagerblom ist auch Cabanas ein Abgang im zentralen Mittelfeld, wo der FC ggf. noch bis zum Ende der Transferperiode wird nachbessern wollen. Einig ist man sich bereits mit Maynor Suazo,einem 27jährigen Nationalspieler aus Honduras. Mit dessen aktuellem Verein Antalyaspor steht man aber noch in Verhandlungen bzgl. der Ablöse. Lukas Sinkiewicz wollte ein Jahr vor der Europameisterschaft nicht noch ein weiteres Jahr in Liga 2 verbleiben und wechselte direkt zu Bayer Leverkusen. Voraussichtlich erst 2008 wird ihn hierhin Nationalstürmer Patrick Helmes folgen, den man nicht vorzeitig aus seinem Vertrag entließ. 
 

Tor/Abwehr:
Nachdem Stefan Wessels durch diverse Unsicherheiten mit zur schlechten Saisonleistung beitrug, sah man sich dazu gezwungen, auch auf seiner Position nachzubessern. Dabei hatte ihm Daum ursprünglich noch den Posten der Nr.1 versprochen, was er dann aber nach katastrophalem Saison-Finish des Ex-Bayern-Keepers wieder zurückzog. So geht man jetzt in Köln genau den umgekehrten Weg zur Borussia. Anstatt einen alten Keeper auszusortieren und einem jungen Talent die Chance zu geben, setzt man beim FC für den Aufstiegskampf auf die geballte Erfahrung des 36jährigen Mondragon. Der WM-Teilnehmer 1998 war zuletzt sechs Jahre lang Stammkeeper bei Galatasaray Istanbul und entwickelte sich dabei durch seine positive Art zu einem Publikumsliebling. Durch sein spektakuläres Spiel versteht er es aber, sich oft eher durch Showeinlagen denn durch Leistung gut aussehen zu lassen. 

Die Innenverteidigung ist mit Mc Kenna und Mohamad bereits jetzt absolut erstligareif. Ihre Alternativen heißen Alpay und Aleksandar Mitreski, die beide über weite Teile der Vorbereitung hinweg ausgefallen sind. Da sie – neben Sinkiewicz – im Vorjahr nur bedingt überzeugten, werden sie sich gegen die neue Konkurrenz schwer tun. Allerdings bieten sich für sie durch die Probleme im defensiven Mittelfeld Ausweichmöglichkeiten.
 

Ebenso vielseitig sind Marvin Matip und Neuzugang Özat. Ersterer bringt es zwar auf 22 Spiele für die deutsche U21. Aber schon dort deutete sich an, dass sein Talent vermutlich nicht zum ganz großen Wurf reichen könnte. So kam er in seiner Karriere bislang nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus, die ihn mal in die Innenverteidigung und mal ins defensive Mittelfeld verschlägt.
 

Der Türke Özat kann neben der Innenverteidigung auf beiden Außenbahnen eingesetzt werden. Seinen Stammplatz hat er aber auf der linken Seite, wo er mit Fenerbahce große Erfolge feierte. Mit seinem gewaltigen Schuss ist er aus der Distanz gefährlich und wird zu Beginn wohl links seinen Platz finden.
 Hier konkurriert er mit dem Franzosen Fabrice Ehret, der es mit seinen ordentlichen Flanken im Vorjahr auf 7 Assists brachte. Rechts könnte neben Alpay das Kölsche Eigengewächs Kevin Schöneberg seine Chancen erhalten. In den letzten Spielen der alten Saison durfte er bereits reinschnuppern, ohne sich hierbei sonderlich auszuzeichnen. 

Mittelfeld:
Sturm und Abwehr wurden beim FC hochkarätig besetzt und lassen nur noch wenige Fragen offen. Dafür besteht noch eine gewisse Unklarheit, was sich Daum fürs Mittelfeld ausdenken wird.  Defensiv hat man nach den Abgängen von Lagerblom und Cabanas keinen echten 6er. Alpay oder Matip können diese Position zwar ausfüllen, wären hier aber eher als Notlösung anzusehen. 

Salvatore Gambino
wartet seit seiner Dortmunder Zeit darauf, das Etikett „ewiges Talent“ abzustreifen. Das letzte Jahr war ihm hierbei nicht behilflich, wo der schnelle und fallsüchtige Außenspieler maßlos enttäuschte. Thomas Broich setzte in Köln das fort, was ihn bereits bei Borussia auszeichnete. Tolle Ansätze, die er aber viel zu selten in effektives Spiel umzusetzen fähig ist. Stets hofft man, er möge endlich einmal sein großes Potential ausschöpfen. Doch gelingt ihm dies viel zu selten, um eine Führungsrolle bei einem potentiellen Erstligisten zu beanspruchen.

Von Roda Antar wird er in der Spielereröffnung unterstützt. Der Ex-Freiburger kann im offensiven Mittelfeld auflaufen, gefiel sich zuletzt aber auch in etwas defensiverer Rolle, wo er je nach taktischer Ausrichtung z.B. die rechte Halbposition oder den offensiveren Part im Doppel-Sechser-System einnehmen kann. 
 

Von André hält Christoph Daum sehr viel, so dass er diesem Wintereinkauf eine weitere Chance bieten möchte. Der vielseitige Brasilianer ist defensiv wie offensiv einsetzbar und zudem ein gefährlicher Freistoßschütze, was er aber in der vergangenen Rückrunde nicht unter Beweis stellen konnte.
 Ansonsten findet sich im Mittelfeld des FC mit Baykal ein Ergänzungsspieler, der verletzungsbedingt bis November ausfallen wird sowie mit Nickenig und Niedrig zwei Talente, die zuletzt in der Regionalliga schon nur mäßig erfolgreich spielten und kaum ernsthafte Ambitionen haben sollten. 

Sturm:
Patrick Helmes überstrahlt im Angriff alles. Mit seinem langwierigen Ausfall begann im Vorjahr die Krise, was nicht viele Köln-Fans auf einen direkten Kausalzusammenhang schließen ließ. In nur 19 Partien kam er auf 14 Tore, was einen Vergleich mit Lukas Podolski geradezu herausfordert. Genau wie das vorherige Sturmidol des FC gelang es auch Helmes, aus der 2.Liga ins Nationalteam zu drängen, wo er beim ersten Einsatz gegen Dänemark gleich Torgefahr ausstrahlte.  

Findet sich Helmes mit seiner Rolle als Zweitligist ab, obwohl er viel lieber mit Bayer Leverkusen durch Europa ziehen würde, können die Kölner auf einen Torgaranten zurückgreifen. An seiner Seite werden sich Vucicevic und Novakovic um den zweiten Sturmplatz streiten. Novakovic hatte im Vorjahr einen ganz schwachen Start und galt bald als Chancentod. In der Rückrunde schraubte er seine Torausbeute aber noch auf 10 Treffer, was ihn für die Sturmrolle etwas favorisiert. Mit seinen 1,90 Metern ist er eher der Brecher-Typ, während Vucicevic die spielerische Lösung darstellt. Vorstellbar, dass aber auch beide zum Zuge kommen, wenn Daum im 4-3-3 spielen lässt oder den Ex-Löwen hinter die Spitzen beordert. 
 

Als talentiert gilt Adil Chihi, der einst von der Kölner Stürmereuphorie profitierte, durch die er in einem Atemzug mit Podolski oder Helmes genannt wurde. So richtig konnte er diese Vorschusslorbeeren nicht erfüllen, so dass mehr als eine Joker-Rolle für ihn nicht realistisch klingt. 
 

Freuen würde man sich insbesondere bei Borussia, wenn Daum Oldie Matthias Scherz zumindest im direkten Duell mit Borussia noch einmal eine Chance einräumt. Allerdings müsste der FC-Coach schon auf einige bewusstseinserweiternde Mittel zurückgreifen, um uns diesen Gefallen ernsthaft zu gewähren.
 

Taktik:
Christoph Daum dürfte vornehmlich im 4-4-2 agieren. Mit Novakovic, Vucicevic und Helmes wäre auch ein 4-3-3 vorstellbar, bei dem die beiden letzteren um Stoßstürmer Novakovic herum agieren. Klappt es noch mit einer Verstärkung im defensiven Mittelfeld, wäre ebenso die Umsetzung eines 4-2-3-1 vorstellbar. Das Mittelfeld wäre in dieser Formation defensiv mit zwei Sechsern (z.B. Antar, Suazo) und offensiv z.B. mit Helmes, Vucicevic und Broich auf einer Linie denkbar.  

Breite des Kaders:
Im Tor, in der Abwehr und im Sturm gibt es keinen Zweitligisten, der die Kölner in der Spitze und in der Breite übertrifft. Anders sieht es im Mittelfeld aus, wo man skeptisch sein darf, ob die Spielerdecke für die Spitzenrolle in der Liga ausreicht. 

Trainer:
Trotz eines Jürgen Klopp, Uwe Rapolder, Ralf Rangnick oder selbst Guido Buchwald. Der absolute Star unter den Zweitliga-Trainern ist eindeutig Christoph Daum. Über die Vita des einstigen Meistertrainers  müssen nicht viele Worte verloren werden. Wo immer Daum arbeitete, stellte sich der Erfolg ein. In Köln trauerte man ihm jahrzehntelang hinterher, nachdem man ihn 1990 überraschend entließ. Vermutlich waren schon damals Gerüchte über seinen Drogenkonsum der Grund gewesen, die erst ein Jahrzehnt später zum berüchtigten Skandal führten.  

Als Motivator feierte Daum zuletzt in der Türkei Erfolge, so dass es überraschte, wieso er im vorigen Jahr ausgerechnet zu einem durchschnittlichen Zweitligisten wechselte. Doch der 1.FC Köln ist für Daum eine Herzensangelegenheit, den er mit aller Macht wieder nach oben führen möchte. Dies will er nach eigener Aussage mit „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ erreichen, auch wenn die Einkäufe der letzten Zeit eher dafür sprechen, dass der Faktor „Geld, Geld, Geld“ eine mindestens ähnlich große Rolle spielt. 
 

Nachdem am 1.FC Köln in den letzten Jahren einige vormals ambitionierte Trainer wie Uwe Rapolder und Huub Stevens verzweifelten, geht man mit Erfolgscoach Daum aufs Ganze. Wenn es einen Trainer gibt, der den FC wieder nach oben führt, dann wird dies wohl Christoph Daum sein. Aber wenn es einen Verein gibt, bei dem ein Christoph Daum scheitern könnte, dann ist dies gleichfalls der FC Köln. Verpasst man in diesem Jahr die klare Zielsetzung Aufstieg, so wird sich Wolfgang Overath für die kommende Saison mit Sicherheit einen neuen Trainer suchen dürfen. 
 

Mögliche Aufstellung:

Mondragon – Schöneberg, Mc Kenna, Mohamad, Özat – Broich, Antar, Vucicevic, Ehret – Novakovic, Helmes
 

Gesamteindruck/Prognose:
Nominell ist der FC extrem stark besetzt. In der Abwehr und im Sturm sind sie auch unserer Elf personell überlegen. Anders sieht es im Mittelfeld aus, wo verwundert, warum nicht personell stärker nachgebessert wurde. Viel wird von einem guten Start abhängen, da im Negativfall eine explosive Mischung entstehen wird, die nostalgische Erinnerungen an diverse Protestaktionen am einstigen Marathontor wecken würden. Es wird mit Sicherheit eine aufregende Saison, aus der man sich spätestens dann oben festsetzen kann, wenn die Mannschaft aufeinander abgestimmt ist. Am Ende wird es für den Aufstieg reichen, nicht zuletzt weil man im Winter noch immer in der Lage sein wird, bei Bedarf (z.B. im Mittelfeld) nachzulegen. Somit wird der 1.FC Köln als überlegener Zweitliga-Meister in die 1.Liga zurückkehren, nicht ohne endlich mal wieder seine 6 Punkte aus den direkten Duellen brav bei Borussia abzuliefern.


Bisher im Zweitligacheck:

1.FC Kaiserslautern
TSG Hoffenheim
FSV Mainz 05
VfL Osnabrück
Erzgebirge Aue
FC Augsburg
FC St. Pauli
Alemannia Aachen
TuS Koblenz

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