Während sich der Winter aus Deutschland nur zögerlich verabschiedet, ist in Mönchengladbach seit Samstag gefühlt schon Frühling. Der 4:3-Sieg gegen Werder Bremen, so wenig souverän er gewesen sein mag, beendete das Gerede vom Fehlstart in die Rückrunde. Wie leider schon fast üblich, ist für große Teile von Fans und Medien nach einem solchen Spiel alles rosarot, was vorher noch in tiefdunklen Farben gemalt wurde. Dass in einigen sonst gerne zur gnadenlosen Hetze bereiten Publikationen plötzlich vom Europapokal die Rede ist, sollte der Borussenfan getrost unter „Idiotie“ verbuchen.

Dennoch bleibt festzustellen, dass der Optimismus vor der Reise nach Mainz erstaunlich groß ist. Erstaunlich deswegen, weil der Aufsteiger bis dato eine noch bessere Saison spielt, als Borussia, weil Mainz sehr heimstark ist und – ein bisschen Aberglaube ist ja gern dabei – weil Borussia am Bruchweg in der Bundesliga noch nie ein Spiel gewonnen hat. Sollte diese Serie reißen, Borussia zöge in der Tabelle an Mainz vorbei.

 

 


Borussia

 

In dieser Saison ist vieles anders, als sonst. Borussia gewinnt auswärts, sieht gegen vermeintlich bessere Mannschaften gut aus (und tut sich gegen Abstiegskandidaten schwer), schießt gelegentlich mehr als zwei Tore in einem Spiel etc.pp. All das gibt wirklich Anlass zur Hoffnung – oder zumindest zur Annahme, in Mainz könnte für das Team wirklich etwas zu holen sein.

 

Die Mannschaft von Michael Frontzeck zeigte beim Heimspiel gegen Bremen zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten. In den ersten 45 Minuten stimmte in der Hintermannschaft nicht viel. Die Verteidiger standen tief, der Gegner kam immer wieder bis weit in den Strafraum hinein. Nach vorne dagegen sorgten Aufmerksamkeit und Präzision im Konterspiel für vier Tore aus sechs Großchancen. Im zweiten Durchgang war das Offensivspiel nicht mehr so effektiv, dafür trat die Abwehr wieder so auf, wie in weiten Teilen der Hinrunde, stand „kompakt“ um das Lieblingswort fast aller Fußballtrainer der Neuzeit zu verwenden. Der Gegner hatte aus dem Spiel heraus kaum noch Chancen.

 

Um künftig noch erfolgreicher zu agieren, müsste Borussia im Prinzip „nur“ das Defensivspiel der zweiten mit dem Offensivspiel der ersten Halbzeit kombinieren. Dass aber ein Gegner so konsequent aufs Verteidigen verzichtet, wie Werder Bremen bei den Gladbacher Toren, ist nicht zu erwarten – schon gar nicht bei Mainz 05.

 

So sollte Borussia sich nicht aufs Konterglück verlassen sondern vor allem dafür sorgen, dass der Defensivverbund seine Aufgaben absprachegemäß verrichtet. Kompakt eben. Dass sich dabei personell etwas ändert, scheint ausgeschlossen. Zwar hatten weder Filip Daems noch die beiden defensiven Mittelfeldspieler am Samstag einen Sahnetag, keiner war aber andererseits so indisponiert, dass das nach Konsequenzen schreien würde.

Wichtiger, als über Wechselspiele nachzudenken, ist, über 90 Minuten die Konzentration hoch- und die Mainzer vom eigenen Strafraum fernzuhalten.

 

In der Offensive ist zwar mit Afrika-Cup-Rückkehrer Karim Matmour ein Stammspieler der Hinrunde wieder zurück in Gladbach. Es gibt aber keinen Grund, die Kombination des nunmehr vermeintlich entknoteten Raúl Bobadilla mit dem fleißigen Roberto Colautti aufzulösen.


FSV Mainz 05

 

Abstiegskandidat Nummer eins waren die Mainzer für viele vor der Saison. Auch in der Seitenwahl-Redaktion hätte niemand erwartet, dass sich die Rheinhessen dauerhaft so präsentieren, wie sie es bis heute getan haben.

Die Mannschaft steht auf dem achten Tabellenplatz, hat zwei Punkte mehr auf dem Konto, als Borussia.

 

Angesichts der erfolgreichen Hinrunde, während der die Mainzer zudem großenteils recht ansehnlichen Fußball spielten, darf man die Transferaktivitäten bei 05 während der Winterpause als ungewöhnlich bezeichnen. Gleich sechs Neuzugänge nahm der Verein unter Vertrag. Vier Spieler verließen Mainz.

 

Von den Neuen werden einige auch am Sonntag auf dem Platz stehen: Sein Debut für Mainz wird Malik Fatih geben. Der zweimalige deutsche Nationalspieler hatte vor der Saison Hertha BSC in Richtung Moskau verlassen und kehrt nun in die Bundesliga zurück – auch mit der Hoffnung, sich noch für den WM-Kader von Joachim Löw zu empfehlen. Einem Löw ist es auch zu verdanken, dass es überhaupt zu diesem Transfer kam. Der etatmäßige Mainzer Linksverteidiger Zsolt Löw muss am Sprunggelenk operiert werden und fällt lange aus.

 

Auch auf der anderen Abwehrseite dürfte ein Debütant spielen: der slowakische Nationalspieler Radoslav Zabavnik war bis Anfang des Jahres noch in Russland bzw. Tschetschenien aktiv. Die „regulären“ Rechtsverteidiger sind anderweitig im Einsatz: Florian Heller im Krankenbett,  Tim Hoogland vermutlich im offensiven rechten Mittelfeld, so dass Zabavnik zu seinem Einstand kommt.

 

Neben den Neulingen außen verteidigen innen die bewährten Nikolce Noveski und Bo Svensson. Der Ex-Borusse ist in Mainz offenbar glücklicher, als in Gladbach. Er verlängerte seinen Vertrag gerade um weitere zwei Jahre.

 

Auch sein früherer Borussenkollege Eugen Polanski ist inzwischen in Mainz angekommen. Nachdem ihn zu Saisonbeginn eine Verletzung außer Gefecht setzte, hat sich der Viersener den erwarteten Stammplatz erkämpft. Zuletzt gab seine Leistung Anlass zu leiser Kritik, seinen Platz in der Anfangsformation dürfte er aber auch gegen seinen Heimatverein sicher haben, wie gewohnt an der Seite des slowakischen Routiniers Miroslav Karhan.

 

Trainer Thomas Tuchel lässt sein Team im 4-2-3-1 auflaufen, hinter dem einzigen Stürmer, der am Sonntag entweder Aristide Bancé oder Adam Szalai heißen dürfte. Neuzugang Szalai konnte in zwei Einsätzen von Anfang an noch nicht vollends überzeugen. Bancé hat nach starkem Start in die Saison zusehends abgebaut.

 

Im zentralen Mittelfeld steht mit Jan Simak ein weiterer Neuzugang. Der hochbegabte Tscheche hofft, nach seinem unglücklich zuende gegangenen Gastspiel in Stuttgart wieder Fuß in der Bundesliga zu fassen. Seine Verpflichtung sorgt für einige Verschiebungen in der Mainzer Offensive, so rückte Andreas Ivanschitz zuletzt zu Gunsten von Simak auf die rechte Seite.

 

Dieser Andreas Ivanschitz war so etwas wie der Star der Hinrunde in Mainz. Seine Gelbsperre sollte gute Kunde für Borussia gewesen sein. Die Leistung des österreichischen Nationalspielers gilt vielen Beobachtern als Sinnbild des Mainzer Höhenflugs. Dank der fünften Gelben Karte muss Tuchel Ivanschitz nun ersetzen – vermutlich, wie oben schon angedeutet, mit Tim Hoogland. Der künftige Schalker rückt damit wieder auf die Position, auf der er in der Hinrunde schon verschiedentlich seine Gefährlichkeit unter Beweis gestellt hat – unter anderem mit einem Doppelpack im Spiel gegen den SC Freiburg.

 

Auf der linken Seite im offensiven Mittelfeld steht der zweite Spieler, dem die Bezeichnung „Star der Hinrunde“ gebührt. Der gerade erst 19 Jahre alt gewordene André Schürrle hat fast alle Partien mitgemacht und war zuletzt beim Heimsieg gegen Hannover 96 stärkster Mainzer und Schütze des einzigen Tores.

 

Aufstellungen

 

Mainz 05: Müller – Zavavnik, Noveski, Svensson, Fatih – Karhan, Polanski – Hoogland, Simak, Schürrle – Szalai

 

Borussia: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Daems – Marx, Bradley – Reus, Arango – Colautti, Bobadilla

 

SEITENWAHL-Prognose

 

Christoph Clausen: Eine Fortsetzung der Bobadilla-Gala vom letzten Wochenende wäre höchst willkommen. Heimstarke Mainzer werden der Borussia aber wohl nicht den Gefallen tun, sich defensiv so grotesk offen zu präsentieren wie Werder. Wenn die Borussia ihrerseits aber wieder geordnet auftritt, könnte am Ende ein 1:1 stehen.

 

Thomas Häcki: Heute hui, morgen pfui. Derzeit sind sowohl Defensive als auch Offensive immer wieder größeren Tagesschwankungen unterworfen. Nun geht es nach Mainz, die sich bislang als gefestigtes Team und dazu sehr heimstark präsentieren konnten. Die Borussia tut sich mit dieser Mischung schwer. Mainz gewinnt völlig ungefährdet 4:2.

 

Christian Heimanns: Im Hinspiel konnte man dem seinerzeitigen Bayerndemütiger aus Mainz einen Schuss vor den Bug geben. In der Rückrunde werden die bayernbesiegten 05er zeigen, warum sie eine positive Überraschung der Liga sind; trotzdem reicht es zu einem 1:1 für die Borussia.

 

Mike Lukanz: Ein Sieg in Mainz wäre ein großer Schritt Richtung vorzeitigem Klassenerhalt, in den letzten Spielen gab es am Bruchweg allerdings regelmäßig Klatschen. Insofern einigen wir uns auf ein sehr unspektakuläres 0:0.

 

Christian Spoo: Die Disziplin in der Defensive ist in Mainz der Schlüssel zum Erfolg. Das wird Michael Frontzeck seiner Mannschaft vermutlich sehr deutlich gemacht haben. Weil nicht damit zu rechnen ist, dass die Mainzer Defensive Borussias Konterversuchen ebenso aufgeschlossen gegenübersteht, wie die Bremer Abwehrkarikatur, wird das Spiel 1:1 ausgehen.

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