Im Stadion von Freiburg lieferte Borussia ihre bisher schlechteste Saisonleistung ab. Das 0:3 vom siebten Spieltag ließ bei vielen Fans schon die Alarmglocken angehen - zumal an den folgenden Spieltagen noch zwei Niederlagen folgten. Borussia im Herbst: da spukte das Abstiegsgespenst in vielen Köpfen schon wieder heftig herum. Solche Sorgen liegen aus Gladbacher im Moment weit außerhalb des Vorstellungsvermögens - ganz im Gegensatz zur Lage beim Gegner aus dem Breisgau. Der SC gehört zu den vier Teams, die das Tabellenende zieren und viele glauben, dass der Abstiegskampf sich forthin auf eben jene vier Teams beschränken wird.

Damit das tatsächlich so kommt, und damit endgültig niemand mehr fürchten muss, dass Borussia doch noch in existenzielle Nöte gerät, sollte die Mannschaft von Michael Frontzeck am Samstag tunlichst gewinnen. Mit dann 32 Punkten hätte Borussia einen Punkt mehr auf dem Konto, als nach der kompletten vergangenen Saison. Angesichts der Tatsache, dass die Teams aus dem Tabellenkeller im Vergleich zum Vorjahr nicht besser dastehen, sollte der Klassenerhalt dann als gesichert gelten, auch wenn Berufsskeptiker sicher alle rechnerisch denkbaren Varianten warnend hervorholen werden.

Borussia

In Sachen Mannschaftsaufstellung gibt sich Michael Frontzeck in den vergangenen Wochen deutlich weniger zugeknöpft, als das über weite Strecken der Saison üblich war. So kann man als gesichert betrachten, dass am Samstag die gleiche Mannschaft beginnen wird, die auch beim Spiel in Hoffenheim auflief. Da Thorben Marx weiterhin ausfällt, wird abermals Marcel Meeuwis im defensiven Mittelfeld agieren. War er gegen Nürnberg noch etwas indisponiert, gehörte der Niederländer in Hoffenheim zu den besten Borussen. Steht zu hoffen, dass sich Michael Bradley an seinen neuen Nebenmann gewöhnt haben wird. Am vergangenen Freitag hatte der US-Amerikaner große Probleme, nicht nur im Torabschluss. Im Sturm hat das Duo Bobadilla/Colautti die Nase vor Friend/Matmour. Dass in Stürmerfragen derzeit überhaupt in Duos gedacht wird, ist wohl dem Doppelwechsel aus dem Nürnbergspiel und seiner Folge zu verdanken. Es ist für die Zukunft durchaus denkbar, dass die vier Stürmer (plus Fabian Bäcker) auch noch in anderen Kombinationen miteinander spielen dürfen.

Roberto Colautti genießt weiterhin das Vertrauen des Trainers, muss indes gleichzeitig um das Vertrauen des Sportdirektors buhlen. Widersprüchlich? Nur auf dem ersten Blick. Tore sind das beste Argument bei Vertragsverhandlungen, das wissen beide Parteien. Der Israeli passt zudem sportlich gut zu Raul Bobadilla und Michael Frontzeck ist ohnehin kein Freund großer personeller Veränderungen. Eine Situation, in der Borussia fast nur gewinnen kann.

SC Freiburg

Schon acht Spiele ist der SC Freiburg ohne Sieg. Nach vielversprechendem Start in die Saison steht das Team dort, wo es viele vor der Spielzeit ohnehin erwartet hatten: tief im Tabellenkeller. Angstvoll wird man in Freiburg die sich womöglich abzeichnende Späterholung der Berliner Hertha ansehen. Wenn die Aufholjagd der Hauptstädter anhält, dürfte es für Freiburg eng werden. Der Borussia sollte aber warnend gesagt sein: Freiburg ist auswärts stärker als im eigenen Stadion, holte in der Fremde 13 Zähler und damit vier mehr als die Fohlenelf. An der Dreisam gelang dem SC hingegen genau ein Sieg; der bereits erwähnte am siebten Spieltag, bei dem sogar 60% aller bisherigen Heimtore für die Breisgauer fielen.

Der SC Freiburg hat im Moment ein Stürmerproblem. Es heißt Mohammadou Idrissou und ist mit fünf Treffern der bisher beste Torschütze der Badener. Das Problem ist auch weniger seine Treffsicherheit, sondern seine Stellung innerhalb des Teams. Dem Vernehmen nach trainierte der Kameruner lasch und äußerte sich despektierlich zur Qualität seiner Mannschaftskameraden. Nach nur einem Spiel Denkpause setzt Trainer Robin Dutt aber in Gladbach wieder auf Idrissou. Dutt dürfte wissen, dass er auf den Torjäger in der prekären aktuellen Tabellensituation kaum verzichten kann. Da rücken Gesichtspunkte wie Konsequenz schon einmal in den Hintergrund - was man dem Freiburger Coach kaum verübeln kann. Ein Stammspieler fehlt dem SC Freiburg am Samstag auf jeden Fall. Kapitän und Abwehrchef Heiko Butscher schlägt sich immer noch mit den Folgen eines Muskelfaserrisses herum, für ihn wird Krmas in die Viererkette rutschen.

Ein Blick auf die Tabellensituation der Gäste zeigt die klassischen Zutaten für das Rezept mit Namen "Abstieg": zu wenig eigene Tore, zu viele Gegentore, die schlechteste Tordifferenz, die wenigsten Heimsiege. Wer weiß um diese Umstände mehr als Fans und Verantwortliche der Gastgeber? Doch so richtig vorwerfen kann man dem SC wenig. Sie schlagen sich in vielen Spielen tapfer, sind selten richtig schlecht. Spielerisch liegt einiges im Argen, natürlich. Das wiegt umso schwerer, als speziell die spielerische Leichtigkeit den Freiburgern in der 2. Liga zum Aufstieg verholfen hatte. Zudem "genießt" die Mannschaft aus dem Schwarzwald nicht mehr unbedingt den einstigen Kult-Status unter Trainer Volker Finke. Der SC ist ein normaler Aufsteiger geworden. Und genauso normal werden die Breisgauer auch wieder absteigen.

Aufstellungen

Borussia: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Daems - Bradley, Meeuwis - Reus, Arango - Colautti, Bobadilla
Freiburg: Pouplin - Williams, Krmas, Toprak, Bastians - Banovic, Schuster - Caligiuri. Namouchi, Idrissou - Cissé


SEITENWAHL-Prognose

Mike Lukanz: Es sind die kleinen Unterschiede, die die aktuelle Saison von der letztjährigen unterscheiden: Hier und da ein Unentschieden, wo es sonst Niederlagen setzte und Heimsiege, die sonst oft mit Unentschieden endeten. Das gelang gegen Nürnberg, das gelingt gegen Freiburg. Nach dem 2:0 darf der Klassenerhalt faktisch gefeiert werden.

Christoph Clausen: Natürlich kann es auch blöd laufen: Freiburg gelingt ein frühes Tor, zieht sich dann zurück und kontert die Borussia clever aus. Dass die Breisgauer auswärts gefährlich sein können, haben sie ja zumindest in der Hinrunde des Öfteren nachgewiesen. Dennoch: So wie die Borussia in dieser Saison auftritt, darf man berechtigte Hoffnungen auf einen 3:1-Sieg hegen.

Christian Heimanns: Da ist noch eine Rechnung aus dem Hinspiel auf, und zwar eine dicke. Die Kräfteverhältnisse sollten ausreichen, sie mit 2:0 zu begleichen.

Michael Heinen: Wer nach diesem 2:1-Erfolg über Freiburg noch am Klassenerhalt zweifelt, der wird wahrscheinlich selbst Leverkusen eine Deutsche Meisterschaft zutrauen.

Christian Spoo: Fußball ist ein spannendes Spiel und als Gladbach-Fan weiß man nicht, wie es sich anfühlt, zu gewinnen, ohne zu zittern. Also gewinnt Borussia nach nervenaufreibender Schlussphase mit 3:2.

Thomas Häcki: Nach einem überzeugenden 3:0 wird man in Gladbach auch den dritten Abstiegskandidaten auf Abstand halten. Soviel Ruhe ist dem Gladbach-Fan schon fast unheimlich.

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