Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann war im Hinspiel der Borussia gegen den VfB Stuttgart der Mann des Tages. Der 40-jährige hielt im Borussia-Park, was zu halten war und seinem Team ein 0:0 fest. Unüberwindbar schien der Mann im giftgrünen Trikot an jenem 07. November.
Nun kommt es wieder zum Aufeinandertreffen Borussia-Lehmann, diesmal im Stuttgarter Stadion. Respekt nötigt den Borussen allerdings diesmal nicht nur der seine Karriere beendende Torwart ab, den zu überwinden sich am Samstag die letzte Gelegenheit bietet. Vielmehr haben sich die Vorzeichen, unter denen die Teams aus Gladbach und Stuttgart aufeinandertreffen im Vergleich zur Hinrunde deutlich geändert.


VfB Stuttgart

Im November 2009 stand der VfB am Abgrund. Zwar war das Team noch in der Champions-League dabei, in der Bundesliga aber taumelte es in Richtung Abstiegszone. Platz 15 war es nach dem torlosen Spiel in Gladbach.

Unter Trainer Markus Babbel spielte die Mannschaft oft gar nicht schlecht, war aber vom Pech verfolgt. So griffen nach dem 15. Spieltag die viel zu oft zitierten „Mechanismen der Branche“ und der in der Vorsaison nach dem Erreichen der Champions-League-Qualifikaion noch gefeierte Bayer musste seinen Platz räumen. Für ihn kam Christian Gross, ein Mann, der seit Jahren für fast jeden frei werdenden Trainerstuhl in der Bundesliga gehandelt wurde (mehr als einmal auch bei Borussia). Mit dem Frisurminimalisten aus Zürich kaufte der VfB offenbar auch das Glück ein. Plötzlich gingen die Dinger wieder rein, schob sich Stuttgart Platz um Platz nach oben. Inzwischen stehen die Schwaben auf Tabellenrang sieben und schielen mit einigem Recht sogar noch auf die Qualifikation für den UEFA-Cup (wie wir Traditionalisten sagen).

In dieser Woche war weniger die bisher hervorragende Rückrunde (der VfB ist Rückrunden-Tabellenführer) und der vielfach als sensationell empfundene Sieg beim FC Bayern das Hauptthema in Stuttgart. Vielmehr ging es um Abschiede.

Der erste, der seinen ankündigte, war Jens Lehmann. Zum Saisonende ist nun definitiv Schluss, wenngleich der älteste Bundesligaspieler durchaus noch Spaß an seinem Job hat und ihm mindestens eine weitere Saison auf oberem Bundesliganiveau durchaus zuzutrauen gewesen wäre. Die Partie am Samstag wird nun sein sechstletztes Bundesligaspiel sein und für Borussias Stürmer die letzte Gelegenheit, sich für die Glanzparaden des Hinspiels zu revanchieren.

Abschied Nummer zwei hatte sich ebenfalls angedeutet: Nationalstürmer Cacau geht. Wohin, ist bisher unklar. Entgegen der Spekulation mancher Medien darf man als gegeben hinnehmen, das sein Ziel in der kommenden Saison nicht Mönchengladbach heißt. Für Borussia ist der gebürtige Brasilianer aus einem weiteren Grund derzeit völlig irrelevant: er darf am Samstag wegen seiner fünften Gelben Karte nicht mitspielen.

Christian Gross hat noch weitere namhafte Ausfälle zu beklagen: beim 2:1-Sieg in München verletzte sich Sami Khedira, er wird möglicherweise in dieser Saison nicht mehr spielen können. Und auch Aliaksandr Hleb wird dank einer Oberschenkelzerrung aller Voraussicht nach fehlen. Linksverteidiger Arthur Boka trainiert zwar wieder, kann aber definitiv gegen Gladbach nicht mitwirken.

So stellt sich die Stuttgarter Mannschaft für diesen Samstag fast von alleine auf, es ist dennoch eine gute. Vorne hinterlässt Cacau zunächst keine allzu große Lücke: Ciprian Marica ist in besserer Verfassung,  Pavel Pogrebnyak spielt sehr schwankend, hat aber durchaus seine Qualitäten auch in dieser Saison schon angedeutet.

Im Mittelfeld dürfte der schussgewaltige Zdravko Kuzmanovic Khedira ersetzen, Hleb wird vermutlich von Roberto Hilbert vertreten, wodurch Timo Gebhardt die Seiten wechseln müsste.

In der Defensive musste Nationalspieler Serdar Tasci zuletzt von der Bank aus zusehen. Hier hat Christian Gross noch die meisten Möglichkeiten. Der junge Cristian Molinaro hat Boka auf der linken Verteidigerposition fast vergessen gemacht. Christian Träsch könnte eventuell aus dem Mittelfeld wieder nach rechts hinten rücken, wo Khalid Boulahrouz auch gegen Bayern nicht überzeugte. Innen spricht alles für das Duo Niedermeyer/Delpierre, was für Serdar Tasci erneut die Bank bedeuten würde.

Borussia

Auch in Gladbach wurde in dieser Woche über Abschiede gesprochen. Bei allem Respekt vor den wirklich vorbildlichen Sportsmännern Colautti und Kleine muss man aber konstatieren, dass ihr Verlust weniger ins Gewicht fallen dürfte, als der von Lehman und Cacau bei Stuttgart. Beide waren zuletzt keine klaren Startelf-Kandidaten mehr und beide werden wohl auch in Stuttgart auf der Bank sitzen. Sollte Thomas Kleine zum Einsatz kommen, heißt das womöglich, dass es in den Schlussminuten eine Führung zu verteidigen gilt. Von daher wäre ihm ein Kurzeinsatz von ganzem Herzen zu wünschen.

Viel mehr als die angekündigten Abgänge beschäftigten sich die Fans und die Medien mit der vermeintlich nach dem HSV-Sieg gewährleisteten Planungssicherheit und den erwarteten Zugängen. Dass da bei manchem Schreiber oder Anhänger die Phantasie zu blühen beginnt, ist wohl als normal zu bezeichnen. Und auch wenn es kassandraesk klingen mag: zu echter Planungssicherheit fehlen dann doch noch ein paar wenige Punkte. Umso schöner, dass mit Bamba Anderson ein von mehreren Bundesligisten beobachteter Spieler den Weg nach Mönchengladbach findet.

Dass Michael Frontzeck eine erfolgreiche Mannschaft ungern auseinanderreißt, hat er in dieser Saison vielfach belegt. Dennoch dürfte Borussia in Stuttgart personell anders antreten, als beim Heimsieg gegen den HSV.

Trotz der beachtlichen Leistung von Tony Jantschke wird Tobias Levels, fester Stuhl vorausgesetzt, wieder auf seiner angestammten Position rechts hinten beginnen. Der künftige Torschützenkönig und Weltmeister Roel Brouwers steht ebenso wenig zur Disposition wie Dante. Filip Daems war gegen Hamburg wieder einmal der wackligste Part der Borussendefensive, den Kapitän nimmt Frontzeck aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ohne große Not aus dem Team.

Schwieriger stellt sich die Situation im defensiven Mittelfeld dar. Thorben Marx ist gesetzt, seit er wieder da ist, steht die ganze Mannschaft besser. Nun hat sein etatmäßiger Doppelsechs-Partner Michael Bradley seine Gelbsperre abgesessen, Marcel Meeuwis aber hat am vergangenen Sonntag sein mit Abstand bestes Spiel seit dem Wechsel zur Borussia absolviert. Die Besetzung dieses Postens darf als offen gelten, mit leichten „Gewohnheitsvorteilen“ für Bradley.

Die Borussen-Offensive ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen, sowohl was die Ist-Situation angeht, als auch was künftige Investitionen in diesen Mannschaftsteil betrifft:
Gegen die Formation, die Michael Frontzeck gegen den HSV aufs Feld schickte, spricht nur eins: sie ist nicht sonderlich torgefährlich. Prinzipiell ist die Idee, hinter dem einzigen echten Stürmer Rob Friend drei offensive Männer aufzubieten, die ihre Positionen fast nach Belieben tauschen und bei Bedarf auch in die Spitze aufrücken können, reizvoll. Alle hatten sie auch am Sonntag ihre Momente, die einen (Reus) mehr, die anderen (Arango) weniger. Wirkliche Torchancen sprangen aber verhältnismäßig wenige dabei heraus. Eine für Matmour, eine für Friend und eine durch einen Arango-Freistoß. Ist es vermessen, sich ein bisschen mehr zu wünschen?

Eine Alternative mit Erfolgsgarantie gibt es allerdings nicht. Raul Bobadilla hat sich offenkundig einen neuen Knoten zugezogen, auf dessen Platzen man nun wieder warten kann. Mit seiner Weigerung, sich nach dem Schlusspfiff mit Fans oder Mitspielern abzugeben, solange er nicht von Beginn an spielen und möglichst auch noch glänzen durfte, betreibt Bobadilla zudem schlechtes Selbstmarketing. Gerne würde man die Doppelspitze Friend/Bobadilla noch einmal sehen, allein um ihr Zukuftspotenzial einschätzen zu können. De facto spricht aber im Moment mehr dafür, den Argentinier draußen zu lassen.

Aufstellungen

VfB Stuttgart
: Lehmann – Boulahrouz,  Delpierre, Niedermeyer, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic – Gebhardt, Hilbert (Hleb) – Marica, Pogrebnyak

Borussia
: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Daems – Marx, Bradley – Matmour, Reus, Arango – Friend

SEITENWAHL-Prognose

Christoph Clausen: Stuttgart dürfte in der aktuellen Verfassung zu stark sein. Immerhin hält die Borussia beim 0:2 die Niederlage in Grenzen.

Thomas Häcki: Schön, wenn man den Rest der Saison relativ entspannt genießen darf.
Da fällt die 0:2 Niederlage in Stuttgart nicht schwer ins Gewicht.

Michael Heinen
: Trotz diverser Ausfälle wird Stuttgart wie so oft siegreich bleiben. Borussia schlägt sich beim 1:2 aber achtbar.

Mike Lukanz: Ich glaube, dass Borussia mal wieder ein flottes Auswärtsspiel zeigen wird. Es besteht ein kleiner Funken Hoffnung, dass der VfB nach dem Sieg in München etwas überheblich wird. Dennoch reicht es für die Schwaben, Borussia verliert trotz zweier Tore von Roel Brouwers mit 2:4.

Christian Spoo: Borussias Defensive steht wieder stabiler, abschießen wird der VfB die Gladbacher also nicht. Da aber vorne weiter der Wurm drin ist, endet das Spiel 2:0 für Stuttgart.

Christian Heimanns: Was ist denn hier los? Wenn ich die Tipps über mir sehe, denke ich, wir spielen gegen Barcelona und Edgar Steinborn pfeift. So nicht. 2:1 für Borussia, aus Prinzip.


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