Kontinuität. Das war vor einem Jahr noch ein verzweifelter Wunsch. Die Borussia stand als Aufsteiger kurz vor ihrem dritten Abstieg und drohte, sich zur Fahrstuhlmannschaft zu entwickeln. Kontinuität war auch die Forderung, mit welcher sich die Mönchengladbacher Führung immer wieder konfrontiert sah. Und da solche Forderungen gerne mit Beispielen unterlegt werden, fielen (in schöner Kontinuität) zwei Namen, denen man nacheifern sollte: Hannover 96 und Eintracht Frankfurt. Beide Vereine hatten sich nach den letzten Aufstiegen Schritt für Schritt entwickelt und zählten zum Establishment der Bundesliga. Zwar im Mittelmaß, aber wenigstens frei von Sorgen. Genau das wünschte man sich sehnlich am Niederrhein. Stetiger Misserfolg macht eben genügsam.

 

Ein Jahr später sind natürlich alle klüger. Borussias Verantwortliche schrieben sich das Zauberwort Kontinuität in großen Lettern auf die Fahne. Man holte einen Trainer, der eben dies versprach (oder versprechen sollte), ergänzte das Team nach den Abgängen von Marin und Baumjohann zielgerichtet und gab den frühstmöglichen Klassenerhalt als Saisonziel aus. Aus heutiger Sicht darf man sagen, dass dieses Ziel erreicht wurde. Bei neun Punkten Vorsprung in fünf ausstehenden Spielen zweifeln wohl nur noch die schlimmsten Pessimisten am Klassenerhalt. Die Situation bei den „Vorbildern“ stellt sich hingegen unterschiedlich dar. Während sich Hannover derzeit im freien Fall Richtung Zweitklassigkeit befindet, präsentiert sich Frankfurt so stetig wie eh und je. Dabei waren gerade bei den Hessen zu Saisonbeginn Zweifel angebracht. Entnervt von einem kritisch gestimmten Umfeld warf mit Trainer Friedhelm Funkel ausgerechnet die Person die Brocken hin, die wie kein anderer für die solide Weiterentwicklung der Eintracht stand. Mit Michael Skibbe wurde ein Trainer geholt, der den oft hausbacken anmutenden Auftritten der Frankfurter etwas mehr Farbe geben sollte. Und auch hier muss man neidlos anerkennen, dass das Ziel erreicht wurde.

 

Dabei schien besonders in der Hinrunde vieles auf ein Missverständnis hinzudeuten. Frankfurt spielte wie eine Wundertüte. Guten Auftritten folgten oft herbe Enttäuschungen und zwischen Skibbe und dem Präsidium knirschte es allzu oft im Gebälk. Davon kann momentan aber keine Rede mehr sein. Die Hessen spielen eine hervorragende Rückrunde und können sich sogar noch Hoffnungen auf einen Platz im internationalen Geschäft machen. Ein kleines Zwischentief mit drei Niederlagen konnte eindrucksvoll ad acta gelegt werden, als man mit Bayern, Bochum und  Leverkusen nun drei Teams in Folge schlagen konnte. Dass in allen drei Spielen ein Rückstand gedreht werden konnte, rundet das Bild ab. Kein Zweifel – die Eintracht lebt. Es lebe die Kontinuität.

 

Borussia

 

Michael Frontzeck hätte vermutlich die gleiche Mannschaft aufs Feld geschickt, wie in Stuttgart, wenn nicht Rob Friend das Verletzungspech ereilt hätte. Friends Pech wird Bobadillas Glück sein, der Argentinier wird am Freitagabend die Gelegenheit erhalten, mal wieder von Beginn an zu stürmen, nachdem er zuletzt den Spielbeginn von der Bank beobachten musste. Marcel Meeuwis könnte für den zuletzt formschwachen Bradley in die Startelf rücken, erfahrungsgemäß vertraut Michael Frontzeck aber dem "Stamm-Duo" Marx / Bradley.

Die Fohlen profitieren immer noch von einer guten Hinrunde, die Rückrunde fiel mit 13 Punkten in zwölf Spielen eher dürftig aus. Dass in diesen zwölf Spiele ebenfalls nur 13 Tore gefallen sind, spricht nicht gerade von einer durchschlagenden Offensive. Man hat vielmehr den Eindruck, die Mannschaft agiert ohne Sturm. Bobadilla trifft derzeit zielsicher die falschen Entscheidungen, Matmours Tor-Ungefahr ist legendär, Rob Friend war vor seiner Oberschenkelverletzung auch niemand, der eine Abwehr nachhaltig beschäftigt, für Roberto Colautti gilt das Gleiche. Verstärkung tut also dringend Not. Außerdem ist Borussias Anfälligkeit für Schüsse aus der zweiten Reihe auffällig, während man hier selber kaum noch in Erscheinung tritt. Man kann sich glücklich schätzen, dass Roel Brouwers wohl die Saison seines Lebens spielt und Marco Reus einen starken Einstand feiern konnte. Es steht also noch viel Arbeit auf dem Weg zur angestrebten Kontinuität an und jedem sollte klar sein, dass dies nur die ersten Schritte gewesen sein dürften. Übrigens: Ein Blick auf die Auswärtstabelle zeigt, dass die Borussia wieder zu den schlechtesten Teams gehört. Dies ist sicherlich eine Kontinuität, die bald abgeschafft werden sollte.

 

Die Eintracht

 

Es gibt einige Parallelen zwischen der Elf aus der Bankenstadt und den Borussen. Auch der Frankfurter Sturm ist allenfalls ein laues Lüftchen, die Torgefahr geht mit Alexander Meier in erster Linie vom Mittelfeld aus. Zudem besitzt man mit Maik Franz und Marco Russ torgefährliche Verteidiger. Dies war auch der Grund, warum sich die Frankfurter in der Winterpause mit dem Schalker Halil Altintop verstärkten. Seine Bilanz ist aber allenfalls durchwachsen. Auch die Spielsysteme ähneln sich. Wie Gladbach spielt auch Frankfurt mit einer Doppel-Sechs vor einer Viererkette. Und last but not least lebt auch die Eintracht mehr von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit, als von einzelnen Kreativkünstlern.

 

Defensiv verfügt man am Main über mehrere gute Spieler. Marco Russ und Maik Franz geben ein sehr torgefährliches Innenverteidigerpärchen ab. Franz wird aber aufgrund seiner zehnten Gelben Karte nicht im Borussen-Park auflaufen. Für ihn wird Chris in der Innenverteidigung auflaufen. Auf der linken Seite sollte der Schweizer Christoph Spycher nach seiner Muskelverletzung zurückkehren. Komplettiert wird die Viererkette auf der rechten Seite von Eigengewächs Sebastian Jung, der wohl die Entdeckung der Rückrunde bei der Eintracht ist. Durch Spychers Rückkehr würde Benjamin Köhler wieder ins linke Mittelfeld vorrücken. Auf der rechten Seite hat Patrick Ochs einen Stammplatz. Komplettiert wird das Mittelfeld durch Selim Teber und Alexander Meier. Dabei nimmt Meier bei den Mainstädtern eine ähnliche Rolle wie Bradley bei den Fohlen ein. Nur eben wesentlich torgefährlicher. Vorne spielt Caio neben Altintop im Sturm.

 

Die Aufstellungen

 

Borussia: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Daems - Bradley, Marx - Reus, Arango – Bobadilla, Matmour

Frankfurt: Nikolov – Jung, Russ, Chris, Spycher – Meier, Teber – Ochs, Köhler – Altintop, Caio

 

SEITENWAHL-Prognose


Thomas Häcki: Frankfurt spielt zurzeit geschlossen und solide. Das liegt unserer Borussia nicht. Ein 1:2 ist die Folge, was niemanden wirklich von den Sitzen reißt.

Christoph Clausen: Ob allen Fans schon klar ist, dass Eintracht Frankfurt in der aktuellen Form ein ähnlich hochkarätiger Gegner ist wie Werder Bremen oder Borussia Dortmund? Falls ja, wird man nach einem 1:1-Unentschieden keine Pfiffe hören. Vor allem dann nicht, wenn die Mannschaft vorher etwas entschlossener auch den Weg nach vorne gesucht hat als in den letzten Spielen.

Christian Spoo: Nach dem Frankfurt-Spiel will ich Borussia in Sicherheit wissen", so sagte ich zur Saison-Halbzeit. Es gibt keinen Grund, von diesem Begehren abzurücken. Und so tippe ich grund- und grenzenlos optimistisch auf ein hart erkämpftes 3:2 für Borussia.

Christian Heimanns: Muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass Skibbe ein richtig guter Trainer sein könnte? Wenn ja, warum ist er dann mit Völler nicht Weltmeister geworden; nur weil er den nicht aufstellen durfte? Gegen solche Kundschaft holt Borussia ein 2:2 nach abwechslungsreichem Spiel.

Mike Lukanz: Auch in meinem Tipp schwingt - wie beim Kollegen Spoo - mehr der Wunsch mit, dass mit einem dreifachen Punktgewinn der Klassenerhalt auch rechnerisch durch ist. Vielleicht findet sich ein fleißiger Leser, der das mal für mich durchrechnet. Passend zur Saison wird es ein 2:1-Sieg, bei dem bis zur 90. Minute gezittert, danach gefeiert werden darf.

Michael Heinen: Es wird das erwartet schwere Spiel. Nach dem 1:1 muss man noch zwei weitere Spieltage warten, ehe man endgültig den auch rechnerischen Klassenerhalt feiern darf.

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