Das voraussichtlich entscheidende Spiel der Saison für unsere Borussia findet an diesem Freitag abend in der aktuellen Hochstätte europäischer Kultur statt – und das ganz ohne eigene Beteiligung. Sollte es dem VfL Bochum nicht gelingen, sein Heimspiel gegen den VfB Stuttgart zu gewinnen, so wäre der Elf von Michael Frontzeck der Klassenerhalt endgültig nicht mehr zu nehmen. Aber auch ein ausbleibender Erfolg des 1.FC Nürnberg oder des SC Freiburg würde die allerletzten Zweifel bereits an diesem Wochenende beseitigen. Am aller leckersten würde die Sicherstellung des gesetzten Saisonziels jedoch schmecken, wenn sie durch einen eigenen Punktgewinn gegen den FC Bayern München gelänge.



Wer hätte es sich vor 30 Jahren vorstellen können, dass ein Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München als eine Art Sandwich-Match in der öffentlichen Wahrnehmung gegenüber zwei Begegnungen der Bayern mit Olympique Lyon derart verblasst? Vielerorts wird die Pflichtaufgabe Mönchengladbach als lästiges Übel des eh unschlagbaren Rekordmeisters gesehen. Alles andere als ein Auswärtssieg des kommenden Deutschen Meister steht für die vermeintlichen Experten des Landes nicht zur Debatte. Stellvertretend hierfür steht die arrogante Prognose des Krombacherrunden-Mitglieds Udo Lattek, dass die Elf aus München keinen Punkt mehr abgeben werde. 
 

Es wäre verwunderlich, sollten die Bayern die Partie auf eine ähnlich leichte Schulter nehmen. Immerhin konnte der Gegner vom kommenden Samstag in den vergangenen Monaten Werder Bremen, Schalke 04 und den HSV im heimischen Stadion besiegen. Der VfB Stuttgart kam zu einem für ihn sehr glücklichen 0:0. Von den sieben bestplatzierten Bundesligisten war bislang einzig der BVB in der Lage, alle Punkte aus dem Borussia-Park zu entführen. Und auch den vermeintlich so unschlagbaren Bajuwaren gelang dies in den letzten sieben direkten Aufeinandertreffen nur ein einziges Mal.  

Doch noch weitere Zahlen stehen der öffentlichen Wahrnehmung konträr gegenüber: Der FC Bayern konnte nur eines seiner letzten 5 Auswärtsspiele in der Meisterschaft für sich entscheiden. Borussia holte aus den vergangenen 6 Heimpartien hingegen 4 Siege und 1 Remis. Angesichts dieser Statistiken fragt sich, wer tatsächlich als Favorit in die Partie gehen sollte.

Louis van Gaal wird jene Zahlen ebenso kennen wie die Gefahren, die in diesen letzten, so vermeintlich leichten Meisterschaftsspielen lauern. Schon im Hinspiel konnte Borussia über lange Zeit hervorragend beim damals etwas schwächelnden FC Bayern mithalten. Erst die Einwechselung eines gewissen Arjen Robben führte zu einem versöhnlichen 2:1-Abschluss des großen Favoriten. 
 

Borussia 

Viel wird davon abhängen, ob es Borussia gelingt, sich in den letzten Spielen noch einmal richtig zu motivieren. Gegen Schalke gelang dies nur über 44 Minuten. Der Doppelschlag vor und nach der Halbzeit brach die Gegenwehr und dem Vizemeister wurde ein gemütliches Ausklingen in Hälfte 2 ermöglicht. Dies sollte sich gegen den FC Bayern keinesfalls wiederholen, wenn man eine bislang so erfreuliche Saison nicht auf der Ziellinie noch in Verruf bringen möchte. Selbst eine Niederlage wäre verzeihlich, wenn sie mit entsprechendem Kampf einhergeht. Doch wie oben beschrieben besteht kein ernsthafter Grund, sich der öffentlichen Meinung voreilig anzuschließen und die Partie abzuschenken.  

Es ist Michael Frontzeck zu wünschen, dass er den Mut hat, die Gelbsperre von Karim Matmour nicht mit einer defensiven Variante zu beantworten. Ein Marcel Meeuwis könnte als dritter Sechser (bei einem dann formal offensiver ausgerichteten Michael Bradley) die Angriffe des Gegners einzuschränken versuchen. Der Borussen-Coach äußerte aber völlig korrekt auf der Pressekonferenz, dass es Borussia nicht nötig hat, sich im eigenen Stadion derart nach dem Gegner zu richten – selbst wenn dieser ggf. in dieser Saison das Triple aus Meisterschaft, Champions-League und DFB-Pokal holen könnte. Daher spricht vieles für den zweiten Starteinsatz von Youngster Patrick Herrmann, der die durchaus anfällige linke Abwehrseite der Bajuwaren beschäftigen könnte. Alternativ könnten mit Bobadilla und Friend die beiden Stürmer gemeinsam auflaufen, denen vor Saisonbeginn gute Stammplatz-Chancen eingeräumt worden waren, die dann aber tatsächlich nur selten zusammen auf dem Feld standen.  

Eine zweite Baustelle bietet sich dem Trainer in der linken Defensive, wo Filip Daems mit Grippe auszufallen droht. Ausgerechnet also jener Spieler, der den gefährlichsten Mann des Gegners in die Schranken weisen sollte. Aber ob dies dem Belgier besser gelingen kann als einem Jean-Sebastien Jaures, darf doch eher bezweifelt werden. Fakt ist, dass Arjen Robben zu jeder Zeit und gegen jeden Gegenspieler in der Lage ist, eine Partie im Alleingang zu entscheiden. 

FC Bayern  

Hinter der Verpflichtung jenes Niederländers verblasst mittlerweile sogar ein Weltklasseakteur wie Franck Ribery. Dessen Rote Karte wird nicht nur Borussias allerletzte Hoffnungen auf einen Europapokalplatz über die Fairplay-Wertung zunichte gemacht haben. Die Aussicht, ausgerechnet im Halbfinale der Königsklasse in seinem Heimatland nicht dabei sein zu dürfen, wird Ribery mindestens ebenso zusetzen wie das Bekanntwerden seiner jüngsten privaten Auswärtsauftritte. 
 

Dennoch ist der Franzose aufgrund seiner Klasse ebenso ernstzunehmen wie Robben auf der Gegenseite oder aber auch Spieler wie Schweinsteiger, Olic oder Müller. Eine von Borussias größten Schwächen dieser Saison waren Weitschuss-Gegentore, die sämtliche oben genannten Akteure in ihrem Repertoire haben. Für Borussias Defensive sollte es eine ganz besondere Motivation sein, gegen die beste Offensive des Landes zu bestehen und an eben jenen Defiziten zu arbeiten.  

Die Schwächen der Bayern liegen bekanntlich ebenso hinten, wo am Mittwoch etwas überraschend der junge Contento wieder eine Chance von Beginn an bekam. Von Lyon wurde er wenig gefordert, so dass er evtl. eine weitere Bewährungschance erhält. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Schütze des Siegtores aus dem Hinspiel, Holger Badstuber, wieder ins Team zurückkehrt. Den gelbgesperrten Mark van Bommel dürfte – wie schon gegen Lyon – der Kroate Danijel Pranjic ersetzen.  Gegen die manchmal etwas schwerfälligen Innenverteidiger sollten die schnellen Konterangriffe über Reus, Bobadilla und ggf. Herrmann ein probates Mittel darstellen.  

Aufstellungen 

Borussia:Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Daems – Herrmann, Marx, Bradley, Arango – Reus, Bobadilla

Bayern:
Butt – Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber – Schweinsteiger, Müller, Pranjic – Robben, Olic, Ribery 

SEITENWAHL-Prognose 

Michael Heinen: Borussia wird – wie angekündigt – die Meisterschaft entscheiden. Während der FC Schalke in Berlin über ein Unentschieden nicht hinauskommt, gewinnt der FC Bayern mit 2:1 und kann damit den Sekt für das kommende Wochenende kalt stellen.

Christoph Clausen:
Gegen einen Robben in Galaform wird Borussias Defensive es schwer haben. Die 1:2-Heimniederlage fällt gleichwohl erheblich glimpflicher aus als Hannovers Debakel vom letzten Wochenende. 

Mike Lukanz: 21 Grad, die Freunde aus Liverpool in der Nordkurve, ausverkauftes Stadion und ganz Deutschland guckt zu und drückt die Daumen: Wenn es Borussia schafft, den Bayern ein "Schweinespiel" aufzudrücken, in dem sie hart arbeiten müssen, ist was drin: Mit viel Optimismus sage ich ein 2:1 voraus, das den Schalkern allerdings trotzdem nicht reichen wird. 

Thomas Häcki: Wer soll Robben stoppen? Das ist eine Frage, die sich bei jedem Spiel gegen die Bayern wiederholt - wobei der Namen beliebig austauschbar ist. Ob Ballack, Klose, Makaay, Pizarro, Scholl, Klinsmann, Salihamidzic ... so richtig dominieren konnten die Bayern bei uns nur in den Abstiegsjahren. Und da wir nicht absteigen heißt es: Sorry Bayern, holt euch die Schale gefälligst erst in Berlin. 2:2 

Christian Spoo: Ganz Deutschland setzt auf einen Sieg der Bayern. Ganz Deutschland? Nein. Ein Seitenwahl-Redakteur widersetzt sich dem Meinungs-Mainstream. Die Bayern haben Lyon in den Beinen und vor der Brust. Van Bommel fehlt, Ribéry hat Trouble mit der Justiz - und haben wir gegen die Bayern nicht immer ganz gut ausgesehen? Borussia macht mit einem 2:1-Sieg die Meisterschaft noch einmal richtig spannend. 

Christian Heimanns: Am besten spielt man gegen die Bayern vor einem Championsleague-Spiel. Ihre Statistik für diese Ansetzungen dürfte ziemlich grau ausehen. Obendrein erwischen wir sie nach einem Championsleaguespiel und unter diesen Umständen ist ein 2:2 für uns drin.

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