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Was macht eigentlich einen Absteiger aus? Also jenseits von zu wenig Punkten und zu vielen Gegentoren. Stehen am Ende immer die Mannschaften mit den schlechtesten Fußballern auf den unteren Plätzen oder die mit dem kleinsten Etat? Für solche etwas philosophischen Überlegungen haben wir jetzt kurz vor Weihnachten Zeit, denn nach dem letzten Punktspiel der Hinrunde trennen uns 5 Punkte vom 16. Tabellenplatz und der Relegation.

Kein Sieg in neun Heimspielen, da bietet sich der berüchtigte Tasmania-Vergleich so vehement an, dass ich der Referenz fürs Versagen und dem Vehikel für einfallslose Fußballschreiber nicht ausweichen kann. Also Augen zu und durch, hier kommt er: Sogar Tasmania Berlin (!) hatte nach der Hinrunde der Saison 1965/66 einen Heimsieg und ein Unentschieden und war damit besser als Borussia Mönchengladbach anno 2010. (Und hatte trotzdem nur drei Punkte. So.) Wo das hinführt ist allen klar, nämlich zum Derby mit Düsseldorf, falls die es nicht noch vermasseln. Zurück zur Frage nach dem Warum.


Zum Beispiel wie in "Warum haben Mannschaften wie St. Pauli oder Kaiserslautern 17 bzw. 21 Punkte und stehen damit weit vor uns?" Der typische Absteiger sieht nämlich über Jahrzehnte hinweg so aus wie der gerade in die Bundesliga gerutschte Aufsteiger. Mannschaften, die sich im Kämpfen und Rennen der zweiten Liga als die besten Kämpfer und Renner erwiesen haben, die sich dann aber an das höhere Tempo und vor allem an den regelrechten Fußball der ersten Liga kaum anpassen können. Die dann, wenn die Blätter von den Bäumen fallen, ihren verdienten Aufstiegstrainer verabschieden, sich einen Feuerwehrmann holen, dazu einen Stürmer vom slowakischen Tabellenzweiten und einen erfahrenen Abwehrmann von IB Vestmannaeyja, um dann sang- und klanglos wieder abzusteigen, bis zum nächsten Versuch in zwei oder drei Jahren.


Man kennt das ja. Und wenn das vertraute Schema zur Borussia passen würde, müsste keiner über Warums nachgrübeln. Der Verein vom Niederrhein macht aber ein ganz eigenes Abstiegsschema auf: Der erste Abstieg gelang mit einer Mannschaft von Nationalspielern und hochtalentierten Fußballern; die desaströsen Ergebnisse ähneln durchaus denen der laufenden Saison. Der zweite Abstieg wurde erreicht nach einer soliden Saison, nach der man sich punktuell mit einem besonders teuren Einkauf verstärkte. Aktuell lassen sich passende Parallelen zu beiden Jahren finden, und eben auch Unterschiede zum sogenannten genretypischen Absteiger: Borussia 2010 kann Fußball spielen und verliert trotzdem.


Zumindest wenn wir unter Fußball spielen das Spiel auf des Gegners Tor verstehen, das schnelle "vertikale" Passspiel, das planvolle und nicht dem Zufall überlassene Herausspielen von Chancen, überraschende Spielzüge, den Zug zum Tor. Fürs Auge zumindest bietet Borussia mehr als in vielen vergangenen Jahren. Aber wenn das Spiel aus ist, tränt das Auge. Fußballspielen besteht ja nun auch daraus, den Gegner selber nicht so schön spielen zu lassen, wie man es selber tut und da versagt Borussia einfach kläglich. Führung gegen Mainz - zwei lange Bälle aus dem Mittelfeld vors Tor, zwei Gegentore, Niederlage. Ein überlegen begonnenes Spiel gegen Freiburg - dann Flanke, Kopfball, Gegentor, so einfach, noch zwei Tore drauf und Niederlage. Den Ausgleich gegen Hamburg erzielt, nach wieder überlegen begonnener Partie - Doppelpass und Tor, Niederlage.


Wer die letzten Spiele gesehen hat, weiss, die Mannschaft spielt nicht gegen ihren Trainer. Aber auch keinesfalls gegen ihren Abstieg. Natürlich kann man eine Abwehrreihe mit den Namen Schachten - Daems - Callsen-Bracker - Wissing besser an der Klagemauer vortragen als in einem Spielbericht. Natürlich kann man rund um die tragikomischen Personalien (der kaum wiedergenesene Dante scheidet Minuten später verletzt wieder aus, der gerade erst wieder spielende Brouwers erhält gleichzeitig Gehirnerschütterung und Aussenbandanriss) keine Abwehr konstruieren. Und trotzdem zeigt Borussias Team auf dem Platz nicht den letzten Biss, nicht den bedingungslosen Kampf, nicht den puren Willen, einen oder alle Punkte zu holen. Nach Gegentoren gibt sich die Mannschaft manchmal regelrecht auf und in diesen Bereichen liegt auch der Unterschied zu so Teams wie St. Pauli oder Kaiserslautern. Man kann auch mit weniger Fußball in der ersten Liga bleiben, wenn ein Mindestmaß an Teamgeist und Kampfgeist vorhanden ist. Dann wäre es auch für Borussia kein Problem, vor solchen Clubs zu stehen, ganz zu schweigen von den fußballerisch steinerweichenden Kölnern.


Und was nun? Verhandlungen über Neuzugänge scheinen im Gang zu sein; um ernsthaft noch auf eine Chance zu hoffen müssten das mindestens zwei Abwehrspieler sein und ein defensiver Mittelfeldmann. Ein Verteidiger sollte auch ein wirklich guter Innenverteidiger sein, sprich klar besser als Brouwers. Ein neuer Trainer? Selten hat man einen Verein gesehen, in dem solch ein Punktestand zur Hinrunde (und sogar den hat man fast noch nie gesehen) eine solch ruhige und harmonische Arbeitsatmosphäre hinterlässt, jedenfalls nach außen hin. Wenn Eberl anführt, dass auch ein anderer Trainer bei soviel Verletzungspech nichts hätte ausrichten können, trifft er eben nur einen Teil der Wahrheit. Bei Borussia scheint man noch sehr an der Vorstellung zu hängen, die letzte Saison wieder herstellen zu können und setzt auf .. aber das Wort will nicht über die Tastatur.

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