Was haben Borussia Mönchengladbach und der frühere Leiter der Schulterchirurgie am Universitätsklinikum in Bochum gemeinsam? Die Antwort gibt es hier.

 

Vor zwei Jahren wurde Christoph Gekle, damals Oberarzt an besagter Bochumer Uniklinik, vom Wirtschaftsmagazin Brandeins als Beispiel im Artikel „Mutige arbeiten Teilzeit“ angeführt.  Dort hieß es, der Mediziner habe den Anspruch, in seinem Fachgebiet „in der Bundesliga mitzuspielen“. Das ist die erste Parallele. Weiter in der Bundesliga mitspielen würde die Borussia auch gern. Ferner wurde berichtet, Gekle arbeite Teilzeit. In gewissem Sinne ist das die zweite Parallele.

 

Denn wenn sich ein roter Faden durch diese Saison zieht, dann ist es der Gladbacher Hang zur Teilzeitarbeit. In Freiburg arbeiteten die Borussen zwanzig Minuten lang mit dem Anspruch, in der Bundesliga mitzuspielen, dann hatte dieser Anspruch mentalen Dienstschluss. Auf Schalke und in Hoffenheim ging die Defensivordnung in der Halbzeit nach Hause, in Nürnberg machten alle Entlastungsangriffe nach sechzig Minuten Schluss. In Frankfurt hatte die Kreativität Spätschicht und erschien erst zur zweiten Hälfte.

 

Natürlich ist Gekle gegenüber der Vergleich mit dem Tabellenletzten hochgradig unfair. Gehen wir davon aus, dass der Arzt während seiner gesamten Arbeitszeit fantastische Arbeit leistet, also eine Art medizinisches Äquivalent zu Borussia Dortmund in der Form dieser Saison ist. Dass er in Bochum nur eine 80%-Stelle bekleidete, um an einem Tag in der Woche ganz für seine Kinder da sein zu können, ist ein so sympathischer wie für Führungskräfte seltener Zug, zumal für männliche.

 

Anders als bei denen, deren Teilzeit vertraglich fixiert ist, werden die Borussenspieler auch während ihrer Auszeiten noch bezahlt. Dabei hätte die erste Halbzeit von Frankfurt zumindest Abschläge gerechtfertigt. Dem Anspruch, in der Bundesliga mitzuspielen, wurde da allenfalls die Defensive gerecht und selbst die mit mancherlei Abstrichen, vor allem auf der neu formierten Doppelsechs. Für das Gladbacher Offensivspiel der ersten 45 Minuten aber bietet sich Phlogiston als Metapher an.

 

Nach dem Seitenwechsel waren dann alle zur Arbeit erschienen: Mut, Kreativität, Torgefahr, Präsenz im Mittelfeld, alle plötzlich auf dem Platz. In der Form der zweiten Hälfte war die Borussia uneingeschränkt bundesligatauglich, in manchen Szenen begeisterte sie sogar. Bei Matmours Großchance gleich nach Wiederbeginn, beim von Idrissou herrlich eingeleiteten Führungstreffer, bei den riesigen Gelegenheiten, mit denen de Camargo und Reus jeweils den Vorsprung hätte ausbauen können – Momente der Inspiration, alle vier.

 

Beide Teile der Überschrift dieses Artikels stehen also zusammen für die aktuelle Lage. Die Borussen in dieser Saison sind dummerweise nur Teilzeitkönner. Weil sie das immer wieder sind, ist der Ligaverbleib auch nach dem zweiten Auswärtssieg in Folge in akuter Gefahr. Wer nur phasenweise konkurrenzfähig spielt, braucht viel Glück zum Gewinnen: Glück, das die Gladbacher in Nürnberg und Frankfurt hatten, in vielen anderen Spielen aber nicht. Hoffen können die Borussen, weil sie andererseits eben auch Teilzeitkönner sind. Ob das Abenteuer Klassenerhalt am Ende gelingt, wird entscheidend davon abhängen, welcher Teil der Überschrift in den verbleibenden Spielen in den Vordergrund rückt.

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