Nach der Entlassung von Michael Frontzeck in der Vorwoche gab es einige kritische Kommentare, Borussia habe mit dieser Maßnahme das Scheitern ihres so hoch gehängten Konzepts der bedingungslosen Kontinuität eingestanden. Selbst die so sturen Gladbacher, so die gängige Meinung, mussten letzten Endes einsehen, den „Gesetzen des Marktes“ nicht entkommen zu können.



Dieser Ansicht lässt sich nur teilweise folgen. Richtig ist, dass eine „bedingungslose“ Kontinuität nicht der richtige Weg sein kann, was nach dem Spiel auf St. Pauli auch dem letzten endlich bewusst werden musste. An einem Trainer allein aus Prinzip festzuhalten, kann kein Konzept darstellen. Der SV Werder Bremen dient allen Anhängern der Kontinuitätstheorie als leuchtendes Vorbild. Doch in der Phase zwischen den erfolgreichen Langzeit-Trainern Otto Rehhagel und Thomas Schaaf wurden vier weitere Übungsleiter nach einer relativ kurzen Zeit vor die Tür gesetzt. Dixie Dörner, Aad de Mos, Wolfgang Sidka und Felix Magath wurden jeweils nach spätestens 1 ½ Jahren entlassen, weil sie sich als die falschen Trainer entpuppten. Die Nachhaltigkeit, mit der man später an Thomas Schaaf festhielt, lag in erster Linie darin begründet, dass sich unter seiner Leitung relativ schnell Erfolge einstellten, mit denen er Verantwortliche, Fans und sonstiges Umfeld vollständig von sich und seinen Qualitäten überzeugte. Wenn ein solcher Trainer einmal gefunden ist, der einen Nachweis seiner Fähigkeiten erbracht hat, dann sollte man diesen tatsächlich nicht bei jeder erstbesten Krise entlassen. Das Stuttgart-Syndrom, nach jeder kleineren Niederlagenserie auf den neuen Trainereffekt zu setzen, ist zweifelsohne der falsche Weg und es ist den Verantwortlichen bei Borussia zumindest zugute zu halten, dies erkannt zu haben.

Das übliche Gerede von den ach so hilfreichen „Feuerwehrmännern“ wird ohnehin überbewertet. Die meisten Trainer werden erst im Anschluss an eine erfolgreiche Rettung mit diesem Titel „geschmückt“. Ein Hans Meyer z. B. entsprach ursprünglich nicht wirklich dem typischen Bild eines Feuerwehrmanns. Gleichfalls gibt es aus den vergangenen Jahren genügend Beispiele von vermeintlichen Motivationskünstlern, die in ihrem Versuch scheiterten, einen gefährdeten Klub vor dem Abstieg zu bewahren. Bruno Labbadia wurde vom VfB Stuttgart bestimmt nicht aus langfristig-konzeptionellen Überlegungen verpflichtet, sondern weil er auf seinen ersten beiden Bundesliga-Stationen in Leverkusen und Hamburg zu Beginn relativ erfolgreich arbeitete.

Borussia ist mit Lucien Favre einen anderen Weg gegangen und hat auf einen Trainer gesetzt, der in seiner bisherigen Karriere für eher langfristiges, strategisches Arbeiten stand. Daraus wurde von manchem abgeleitet, dass man mit ihm bereits automatisch für die 2. Liga plane. Es wäre für einen Verein, der 7 Punkte hinter der Musik herläuft, geradezu fahrlässig, wenn er diese Option bei einer solch wichtigen Entscheidung völlig unbeachtet ließe. Nichtsdestotrotz muss dies nicht heißen, dass nicht auch ein Konzepttrainer wie Favre schon kurzfristigen Erfolg haben kann. Andersherum gesagt: Selbst ein Trainer vom Typ Berger, Schafstall oder Neururer würde keine (größere) Garantie für einen Klassenerhalt bieten können, wie aktuell das Beispiel Labbadia zeigt. Ob ein neuer Besen gut kehrt, hängt von vielen Faktoren ab, von denen die Motivationsfähigkeit des Trainers nur einer ist. Es hängt insbesondere davon ab, wie es dem neuen Trainer gelingt zu erkennen und abzustellen, was vorher falsch gelaufen ist. Da gab und gibt es bei Borussia offensichtlich viel zu tun, denn es steht außer Frage, dass im bisherigen Saisonverlauf aus verschiedenen Gründen einiges an Potential ungenutzt geblieben ist.

Lucien Favre hat einen Teil dieses Potentials zumindest im ersten Spiel wecken können, indem er eine positivere Stimmung erzeugte und den Glauben an einen möglichen Klassenerhalt wieder ein Stück weit zurück brachte. Zudem lag er mit seinen Personalentscheidungen richtig, indem er Juan Arango eine neue Chance bot und Mo Idrissou zurück in die von ihm bevorzugte Angriffsreihe beorderte. Die beiden gehörten nicht ganz zufällig zu den besten Akteuren gegen Schalke.

Favre hat gegenüber seinem Vorgänger den großen Vorteil, in seiner bisherigen Trainerkarriere schon auf einige Erfolge zurückblicken zu können. In seinen 14 Jahren als Trainer hatte er 13 Jahre lang Erfolg, war je 2x Meister und Pokalsieger in der Schweiz und schaffte dort 2x den Aufstieg. Richtig schlecht lief es für ihn bislang nur 2009, und das auch nur für 7 Spieltage, als ihn eine allzu ungeduldige Hertha vorschnell entließ. Wenngleich man abwarten muss, ob der Schweizer Topf auf den niederrheinischen Deckel passt, begründet sich das Vertrauen in Favre auf mehr als seine sympathische Ausstrahlung. Mit endgültigen Wertungen sollte man nach einer gespielten Partie aber vorsichtig sein, denn die aktuelle Euphorie um den neuen „Wundertrainer“ ist natürlich genauso übertrieben wie es die Hexenjagd auf Frontzeck war.

Ebenso ist es in unserer aktuellen Situation kontraproduktiv, wenn nach dem Trainer jetzt mit dem Manager die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird. Die Kampagne, die von einer bestimmten Boulevardzeitung dieser Tage betrieben wird, um die ihnen nahestehende Initiative an die Macht zu bringen, ist allzu leicht durchschaubar. Und es ist absehbar, dass im Falle einer tatsächlichen Entlassung des Managers im nächsten Schritt der Präsident als nächstes Bauernopfer in die Mangel genommen würde. Mit einer sachlichen Diskussion der Ursachen für unsere schlechte Saisonleistung hat dies leider nichts zu tun. Wir würden gut daran tun, wenn wir uns in den nächsten Monaten bis zum Mai ausschließlich auf den sportlichen Bereich und einzig und allein auf die Unterstützung der Mannschaft im Abstiegskampf konzentrieren würden. Die Absetzung des Managers macht in dieser Phase der Saison wenig Sinn.

So negativ, wie von einigen dargestellt, ist die Transferbilanz von Eberl mitnichten. Mit Reus, Dante und Galasek hat er in seinen 2 Jahren als Borussen-Manager drei absolute Volltreffer für wenig Geld verpflichtet, von denen zwei nicht unwesentlich zum aussichtslos scheinenden Klassenerhalt 2009 beitrugen. Die einzigen Einkäufe, die sportlich uneingeschränkt enttäuschten, waren Marcel Meeuwis und Bamba Anderson. Letzterer kam als vermeintlich bester Zweitligaverteidiger aus Düsseldorf und überraschte so einige Experten ob seiner Schwächen, die sich in Liga 1 offenbarten. Stranzl, Nordtveidt, Idrissou, Neustädter, de Camargo und Stalteri haben allesamt ihre Wertigkeit nachgewiesen und können kaum als Fehleinkäufe bezeichnet werden. Es verbleiben mit Hanke, Fink und Wissing drei Spieler, die bislang zu wenig gespielt haben bzw. zu kurz im Verein sind, um sie jetzt schon einschätzen zu können. Dazu Thorben Marx, der eindeutig Michael Frontzeck anzurechnen ist und der in der vorigen Saison ordentlich spielte. Und zu guter letzt die umstrittenen Arango, Bailly und Bobadilla, denen in erster Linie charakterliche Defizite im Weg stehen. Kaum jemand wird bestreiten, dass diese Akteure einen Verein wie Borussia sportlich voranbringen können, wenn sie sich auf das Wesentliche konzentrieren und ihre Höchstleistung abrufen. Arango und Bailly haben gegen Schalke eine neue Chance bekommen und diese zunächst einmal positiv angenommen. Auch für Raul Bobadilla könnte es im kommenden Jahr unter Lucien Favre durchaus noch eine Zukunft geben, wenn es ihm gelingt, die Entwicklungen der letzten Monate als lehrreichen Warnschuss zu verstehen.

Wenn man zusätzlich bedenkt, dass Eberl Spielern wie Marko Marin und Patrick Herrmann ihren Weg in die 1. Mannschaft ebnete, dann mutet es absurd an, ihn als ahnungslosen Blinden hinzustellen. Man kann und muss ihm einiges vorwerfen, insbesondere im Bereich der Kaderzusammenstellung und bei der Bewertung des Charakters diverser Spieler und dessen Auswirkungen. Seine bisherige Transferpolitik ist aber besser als jene seiner Vorgänger und vieler seiner Kollegen in der Liga und sie lässt darauf schließen, dass er ein durchaus geschultes Auge für gute Fußballer hat. Ob dieses Auge ausreicht, um seine ebenso offensichtlichen Fehler in dieser Saison zu kompensieren, die voraussichtlich zu unserem dritten Abstieg nicht unwesentlich beigetragen haben, diese Frage darf zu gegebener Zeit offen gestellt und diskutiert werden. Allerdings nicht in der Form, wie die Debatte in den letzten Wochen von einigen Demagogen geführt wird.

... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa
... lade FuPa Widget ...
Borussia Mönchengladbach auf FuPa

Twitterfeed

  • Da hat es sich für #PSG ja gelohnt, die Gruppe gewonnen zu haben. #Bayerndusel #UCLDraw
  • @12Mannbmg Stege, man(n)!
  • @guek62 Unentschieden ist das neue Gewinnen?
  • @guek62 Der Siegertrainer darf sich aussuchen, ob er in München oder Dortmund unterschreibt. #S04FCA #endspiel
  • Petersen mag sich dumm fühlen. So blöd wie der #effzeh wird er aber selbst nach 20 Jahren Profifußball nie werden können. #KOESCF
  • @Pilzeintopf Er wirft immer alles rein!
  • @fums_magazin Laufweganalysen, die nicht von Erik Meijer gezeichnet werden, sind ungültig!

Folge uns auf Twitter