Es mag überraschen, doch kaum ein anderer Verein hat den wechselhaften Verlauf der Borussia in den letzten 15 Jahren so entscheidend begleitet, wie der VfL Wolfsburg. 1995 gewann man gegen die Niedersachsen den letzten nationalen Titel, als dem damaligen Zweitligisten im Pokalfinale nicht der Hauch einer Chance eingeräumt wurde. Nur drei Jahre später waren die Vorzeichen bereits vertauscht. In einem letzten Kraftakt gewannen die Fohlen am letzten Spieltag beim Werksclub mit 2:0 und sicherten sich den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt in einem Herzschlagfinale. Nicht einmal ein halbes Jahr später läutete das 1:7 in Wolfsburg den Niedergang und ersten Abstieg der einst stolzen Borussia ein. 2008 dürfte spätestens bei der 0:3 Niederlage beim damaligen Trainer Hans Meyer die Erkenntnis gereift sein, einen neuen Torhüter zu verpflichten, was letztendlich entscheidend für den (wieder mal nicht für möglich gehaltenen) Klassenerhalt war. Folgt man dieser Logik, dann hat der VfL Wolfsburg am vergangenen Freitag wieder einmal Schicksal gespielt. Die Elf vom Niederrhein schreitet mit großen Schritten in Richtung „Zweite Liga“.


Dabei waren die Vorzeichen alles andere als negativ. Mit dem frischen Wind des Trainerwechsels hatten Arango, Reus, Idrissou und Co. In überzeugender Weise den FC Schalke 04 bezwungen. In Wolfsburg war der Trainerwechsel hingegen wirkungslos verpufft. Zu Hause war man nun seit sechs Spielen sieglos. In den letzten 13 Spielen gab es zudem nur einen Sieg. Dementsprechend engagiert begannen die unverändert spielenden Borussen, doch bereits nach zehn Minuten nahmen die Wolfsburger das Heft in die Hand. Eine Freistoßflanke von Diego köpfte Mbokani an den linken Pfosten, Dante blockte den Nachschuss zur Ecke. Torhüter Bailly wäre machtlos gewesen. In der Folge erhöhte Wolfsburg den Druck und machte geschickt die Räume eng. Die Fohlen kamen mit dem agressiven Pressing der Werkself überhaupt nicht klar und verursachten immer wieder leichte Fehlpässe. Versuche einer Entlastung verpufften nahezu wirkungslos, auch wenn Mo Idrissou als einzige Spitze sehr umtriebig blieb. Besonders im zentralen Mittelfeld kam es immer wieder zu Ballverlusten, Wolfsburg erstickte jeden Ansatz von Aufbauspiel bereits im Keim. Trotzdem dauerte es bis zur 29ten Minute, ehe Wolfsburg wieder zwingend vor das Gladbacher Tor kam. Riether war in den Strafraum eingedrungen und wurde von Arango ungeschickt angegangen. Der Wolfsburger nahm das Geschenk dankbar an und Schiedsrichter Dr. Drees entschied auf Elfmeter. Wolfsburg hatte bislang alle Elfmeter verschossen, Logan Bailly hingegen noch nie einen gehalten. Schütze Diego löste das Problem, in dem er den Strafstoß in den Nachthimmel schoss.

Für einen kurzen Moment wirkte Wolfsburg konsterniert und die Borussen kamen zu ihrer ersten Chance. Nach einer feinen Kombination bediente Reus den in der Mitte völlig frei stehenden Neustädter, welcher sich die Ecke aussuchen konnte, allerdings nahezu kläglich verschoss. Fast im Gegenzug dann das 1:0. Weder Dante noch Daems gingen den ballführenden Riether an, welcher ungestört in den Strafraum spazieren konnte und den in der Mitte freistehenden Diego bedienen konnte. Der Brasilianer ließ sich diesmal das erneute Geschenk nicht nehmen und schob den Ball überlegt zum Führungstreffer ins Tor. Lucien Favre reagierte, indem er den völlig überforderten Roman Neustädter hinausnahm und durch Thorben Marx ersetzte. Trotzdem bestimmte Wolfsburg weiterhin die Partie. Mönchengladbach schien sich in die Pause retten zu wollen, doch musste man in der 45ten Minute einen weiteren Nackenschlag hinnehmen. Nach einem Foul von Stranzl zirkelte Diego den fälligen Freistoß über die Mauer genau neben den linken Pfosten. Bailly reckte sich zwar noch, hatte jedoch keine Chance, den exzellent getretenen Freistoß zu erreichen. So gingen die Autostädter mit einer beruhigenden 2:0 Führung in die Pause.
 Trainer Favre nahm in der Pause eine Systemänderung vor, indem er für den schwachen Patrick Hermann mit Igor de Camargo einen zweiten Stürmer einwechselte.

Doch auch diese Maßnahme verpuffte wirkungslos. Im Gegenteil. Wolfsburg dominierte das Spiel nach Belieben und vergaß lediglich ein weiteres Tor zu machen. Zweimal Mbokani und Diego scheiterten aus aussichtsreicher Position. Der dritte Treffer fiel dann allerdings völlig überraschend. Nordtveit hatte einen Einwurf in den Wolfsburger Strafraum gewuchtet. Polak stützte sich gegen Martin Stranzel unfassbar ungeschickt zum Kopfball auf und lies dem Unparteiischen keine andere  Chance, als auf Strafstoß zu erkennen. Daems nutze das Wolfsburger Geschenk, indem er den Elfmeter in der 74ten Minute sicher verwandelte.  Dies schien bei den Borussen wie ein Weckruf zu wirken. In der Folge kam es zu dem langen vermissten Schlagabtausch. Reus scheiterte zweimal denkbar knapp. Auf der Gegenseite traf Kjaer zum 3:1. Dem Treffer wurde wegen Foulspiel zu Recht die Anerkennung verweigert. Im Gegenzug scheiterte wiederum Nordtveit mit einem Distanzschuss an Torhüter Hitz. Nach der folgenden Ecke erwischte Martin Stranzl den Ball am Fünf-Meter-Raum nicht richtig und schoss über das Tor. Wolfsburg verteidigte nun mit Mann und Maus und tatsächlich schien der Ausgleich in der Luft zu liegen. Letztendlich verdient konnten dann aber die Niedersachsen die Führung über die Zeit bringen. 
 

In Wolfsburg verloren die Fohlen nun bereits das dritte „Sechs-Punkte-Spiel“ gegen einen Abstiegskandidaten. Auch wenn die letzte Viertelstunde durchaus ansehnlich war, erschreckte die Leistung in den ersten 75 Minuten. Dem agressiven Pressing-Spiel der Wolfsburger konnte man zu keiner Zeit Paroli bieten. Wolfsburg kaufte den Gladbachern schlichtweg den Schneid ab. Dabei ist es keinesfalls so, dass sich das Team aufgibt. Einem strukturiert agressiven Gegner scheint man allerdings nichts entgegnen zu können. Mittlerweile scheint auch der Glaube an sich selber so sehr beschädigt zu sein, dass ein Klassenerhalt kaum noch möglich ist. Lucien Favre ist weiterhin gefordert, die richtige Mischung zu finden. Fairerweise sollte jedoch auch die Leistung des VfL Wolfsburg beachtet werden. Man war nahezu perfekt auf den Gegner eingestellt und löste die Vorgaben gut. Beachtenswert ist auch die Bemerkung, man sei auf jeder Position besser besetzt als Mönchengladbach. Dies ist zwar richtig, allerdings stellt sich dann auch Frage, wieso ein Verein mit einem solchen Kader im Abstiegskampf steckt. Bereits vom VfB Stuttgart wurde ähnlich argumentiert, das Ergebnis ist bekannt. Borussia Mönchengladbach verbreitet in dieser Verfassung keinerlei Schrecken und baut die Konkurrenz förmlich auf. Somit scheint nicht nur das Ergebnis, sondern vielmehr der Leistungsabfall gegenüber dem Schalke-Spiel ein Wink des Schicksals zu sein. Wieder mal in Wolfsburg!

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