Abpfiff des Spiels Borussia Mönchengladbach gegen die TSG Hoffenheim. Borussia hat soeben zum allerersten Mal den Retortenklub aus dem Kraichgau besiegt. Dieser Sieg war keine Sekunde in Gefahr, die Gladbacher haben den Gegner beherrscht und zur rechten Zeit zugeschlagen. Das sonst im Borussia-Park fast obligatorische Schluss-Zittern fiel aus. Abpfiff also – und was ist: fast nix. Natürlich freuen sich Spieler und Fans, aber ausgelassen ist niemand. Die Nordkurve fordert keine Welle und keine Humba, schnell sind die Akteure in der Kabine. Noch zwei Wochen zuvor, beim Erfolg gegen Schalke, war das anders. Der zweite Heimsieg in Folge, er wird bei Borussia fast achselzuckend zur Kenntnis genommen.



Es hat den Anschein, als sei der Realismus eingekehrt. Als ahnten alle Beteiligten, dass dieser Sieg, so überzeugend er ausgefallen sein mag, vermutlich nichts daran ändert, dass der Weg am Ende dieser Spielzeit in die Zweite Liga führt. 
 

Und in der Tat: schon der Bundesliga-Sonntag minimierte die Chancen Borussias auf den Klassenerhalt. Die gerade noch in Schlagweite auf Rang 17 rangierenden Bremer gewinnen in Freiburg und setzen sich damit wieder ein wenig ab. Nach dem späten Punktgewinn gegen Leverkusen zeigt Werder nachhaltig, dass die Mannschaft den Kampf aufgenommen hat. Borussia bleibt ein solches Signal bislang noch schuldig.

Der Knackpunkt, der Grund, warum die Hoffnung auch nach dem Sieg vom Samstag nicht so recht wieder aufleben möchte, ist das Spiel in Wolfsburg. Glaubten viele nach dem Erfolg gegen Schalke noch an die Wende, an den „Neue-Besen-Effekt“ durch den Trainerwechsel, wissen nach dem indiskutablen Auftritt vom vorletzten Freitag alle: Borussia ist immer noch Borussia, die Mannschaft mit den „zwei Gesichtern“, wie danach allerorten konstatiert wurde. Und so ist das Vertrauen, dass der Erfolg gegen Hoffenheim nun den Startpunkt einer Aufholjagd markieren könnte, eher gering ausgeprägt. Niemand, aber wirklich niemand, würde sich mehr wundern, wenn Borussia in Bremen das Engagement eines 15-jährigen Hundes beim Apportieren zeigt, die Leidenschaft eines Wallachs, den Mut einer Rotwildrotte.  

Oder ist Borussia am Ende gar nicht die Mannschaft mit den zwei Gesichtern? Die Erfahrung in dieser Saison zeigt: wie die Gladbacher ins Spiel finden, hängt fast immer vom Auftreten des Gegners ab. Borussia ist eine Mannschaft, die sich enorm leicht den Schneid abkaufen lässt. Gegner, die aggressiv und engagiert auftreten, haben die Borussen rubbeldiekatz auf dem Rücken liegen. Teams, die abwartend agieren und Borussia das Feld überlassen, geraten in Schwierigkeiten.  

Schon am ersten Spieltag, als Borussia voller Hoffnung auf bessere Zeiten in die Saison startete, waren die Spieler geradezu verdattert, dass Nürnberg mitzuspielen, ja das Spiel zu machen gedachte. Und bei den wenigen Siegen, die die Gladbacher in dieser Saison landen konnten, zieht es sich wie ein roter Faden durch die Spielberichte: die Gegner überließen Borussia das Feld, ließen die Gladbacher gewähren. Einzige Ausnahme bildet das Spiel in Köln, als der FC zumindest in der ersten Halbzeit engagiert dagegen hielt – aber dieses Spiel bildet ohnehin eine Ausnahme. Immerhin traf Raul Bobadilla zweimal ins gegnerische Tor.  

Nun mag man einwenden, dass die Frage, wer wen gewähren lässt in etwa so eindeutig zu klären ist, wie die nach Henne und Ei. Belegen lässt sich die These nicht, diskutieren schon: ist Borussia allein mit Engagement und Leidenschaft einfach beizukommen? Wenn dem so ist, dann sollten wir uns in der Tat keine allzu große Hoffnung mehr leisten. Teams, für die es um nichts mehr geht, gibt es nicht genug, als dass sich die für den Klassenerhalt nötigen Punkte so sichern lassen. Womöglich tun Borussias Fans gut daran, sich über den Hoffenheim-Sieg nur auf Sparflamme zu freuen.

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