Mönchengladbacher Spiele in Bremen pflegen seit bald einer Generation einem bestimmten Muster zu folgen. Dieses sieht vor, dass die in den Abstiegskampf verstrickte Borussia vom Meisterschaftsanwärter aus Bremen eine Lektion in Spielkultur und Offensivgeist erhält und eine ordentliche Packung dazu. Ganz nach Drehbuch lief es dieses Mal nicht ab, denn mit einem Ausgleich in der Nachspielzeit holten sich die Gladbacher noch einen Punkt, auf den man nach diesem Spielverlauf kein bisschen hoffen durfte und Spieler und Fans werden sich erleichtert sagen - dann geht es eben einmal so herum.

Und weil Erleichterung aus vorhergehender Anspannung resultiert, fiel sie recht groß aus. Bis kurz vor Schluss war das Spiel nur in eine Richtung gegangen (bzw. für Berufsgeographen natürlich in zwei, Seitenwechsel berücksichtigt).


Nach so einem Spiel stellt sich gerne die Versuchung ein, die Sache positiv sehen zu wollen mit Hinweis darauf, dass Borussia in Bremen regelmäßig torreiche Niederlagen kassiert und man sich dafür doch ganz gut gehalten hat, dazu einen Punkt geholt. Allerdings sind wir dieses Jahr nicht bei einem Meisterschaftskandidaten angetreten sondern sondern bei einem regelrechten Konkurrenten um den Klassenerhalt, bei einer der Mannschaften mit dem schlechtesten Lauf aktuell und in einer Situation, in der zum ersten Mal seit Gründung der Bundesliga der Trainerposten von Schaaf öffentlich in Frage gestellt wird. Und dafür geriet das Spiel der Borussia einfach zu schlecht.


Bereits nach drei Minuten musste Bailly die erste große Parade zeigen, überhaupt war seine Leistung ganz entscheidend für den Punkt. Aber er konnte sie auch nur deswegen präsentieren, weil das Spiel seiner Vorderleute böse an jenes in Wolfsburg erinnerte und ihm jede Menge Gelegenheit zur Auszeichnung brachte. Und da die Begründung "war doch Bremen" dieses Jahr gestrichen ist, werden die Sorgen um den Klassenerhalt trotz des Unentschiedens nicht kleiner. Erst in der 85. Minute musste Tim Wiese eine Parade auf Bailly-Höhe zeigen und wie in Wolfsburg war erst ab da war der Wille zu sehen, die Niederlage abzuwenden. Noch in der 89. Minute hätte das 2:0 fallen müssen; ohne Bailly hätte es da schon mindestens 3:0 stehen können. Und man kann argumentieren, dass ohne die Einwechslung des desorientierten Wesley der Ausgleich nicht gefallen wäre.


Es braucht keine Wahrsager für die Feststellung, dass das in den meisten Fällen nicht reichen wird. Eine Mannschaft, die ihre letzte Chance auf den Klassenerhalt wahrnehmen will, muss sich auswärts einfach anders präsentieren, mit mehr Biss und mit mehr Signalen an den Gegner, dass ein Sieg nicht einfach wird.


Es bleiben noch acht Spiele, um fünf Punkte aufzuholen. Das Restprogramm sieht zwar machbar aus, aber gegen Dortmund und in Bayern dürfte die Aufholjagd Bremsungen erfahren und gegen direkte Mitbewerber um den Abstieg hat Borussia dieses Jahr kaum etwas geholt. Dazu holt wieder einmal das Verletzungspech die Mannschaft heim, denn Igor de Camargo, der nicht nur sieben Mal getroffen hat sondern auch zuletzt ansprechend gespielt hat, wird noch einige Spiele ausfallen. Das Experiment mit Neustädter im vorderen Mittelfeld dürfte so schnell nicht wiederholt werden, sinnvoller ist es, Reus dort einzusetzen. Dann müsste aber Hermann auf der rechten Seite mehr Präsenz entwickeln als bisher. Mike Hanke dürfte das ohnehin tun, ob in der Startelf oder nach Einwechslung. Jantschke mag eine Alternative zu Levels werden, fällt bisher aber nicht sensationell auf.


Aber in Zeiten, wo ein Blick in die Nachrichten schon wahrhaftig genug Katastrophen beschert, wollen wir an dieser Stelle noch eine kleine Hoffnungsperspektive bieten: Der unübersehbare Unterschied zur Hinrunde liegt darin, dass dort so einige Partien der Borussia fußballerisch ordentlich aussahen, trotzdem aber mit kleinen oder großen Niederlagen endeten. In der Rückrunde gelingt es endlich, auch aus völlig unansehnlichen Spielen noch etwas herauszuholen. Und wenn auf diese Weise der Abstieg doch noch vermieden werden kann, dürfte die allgemeine Schlußfolgerung lauten - dann eben so herum.

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