Umfrage vor dem ersten Spieltag: Welche Mannschaft spielt gegen den Abstieg? Freiburg? Sicherlich. Köln? Hoffentlich! Hannover, Mainz, Kaiserslautern, St. Pauli sind auch ganz heiße Kandidaten. Borussia Mönchengladbach? Eher nicht. Ein Votum, welches wohlgemerkt nicht einseitig von den Gladbach-Fans kam. Selbst ausgewiesene Experten, wie beispielsweise Rainer Holzschuh vom Kicker, trauten der Elf vom Niederrhein eine Überraschung zu. Neun Spiele später zählt man in einer von Überraschungsmannschaften geprägten Saison zu den Negativüberraschungen. Statt im gesicherten Mittelfeld in aller Ruhe den konzeptionellen Aufbau weiterzuverfolgen, muss man sich plötzlich mit der Hektik des Abstiegskampfs auseinandersetzen. Da passt es, dass bereits am zehnten Spieltag ein „Abstiegsduell“ ausgerufen wird. Das ist natürlich noch ein bisschen früh, allerdings könnten sich diese Spiele am Ende der Saison als eminent wichtig erweisen, geht es doch auch darum, dem Konkurrenten keine Punkte zu verschaffen.

 

 

Wer die Borussia nur nebenbei verfolgt, der sieht die Borussia in der Tradition der letzten Jahre. Wieder mal befindet man sich im Abstiegskampf, der Traditionsverein taumelt dem Abgrund entgegen. Das Ganze ist zu wenig neu, um Erstaunen auszulösen. Wer die Fohlen hingegen genauer verfolgt, kann sich einer gewissen Ratlosigkeit nicht erwehren. Jeder Vergleich mit den Abstiegsjahren hinkt. Sieht man von dem Desaster im Schwabenland ab, hat sich die Mannschaft in keinem Spiel ergeben. Im Gegenteil. Moral und Kampfbereitschaft stimmen. Selbst bei Rückständen bricht das Team nicht auseinander, sondern versucht dagegenzuhalten. So spielt keine Mannschaft, die ihre Stabilität verloren hat oder vom Trainer nicht erreicht wird. Und so ist die Kritik an Michael Frontzeck auch noch sehr verhalten. Das hat weniger mit der vergangenen Saison zu tun. Beim VFB Stuttgart hat man da deutlich eher die Nerven verloren. Nein, Frontzecks Handschrift ist weiterhin zu erkennen und trotz der katastrophalen Startbilanz wirkt er alles andere als hilflos. 

 

Es gibt allerdings genügend andere Gründe, die einen Erklärungsansatz für die momentane Situation liefern. Natürlich sind hier die gehäuften Aussetzer zu nennen, die einige Unparteiischen bei Spielen der Borussia hatten und die die Niederrheiner bislang benachteiligten. Aber es wäre viel zu einfach, dies als Erklärung ins Feld zu führen. Die Gründe sind vielmehr intern zu suchen. Nicht erst gegen Bremen werden beste Chancen nicht genutzt. Und mit 27 Gegentoren ist die Defensive natürlich ein Hauptgrund. Nun ist es aber nicht so, dass all die Akteure das Fußball spielen verlernt hätten. Die so genannten „etablierten Neuzugänge“ Idrissou und in Ansätzen auch de Camargo haben ihre Wertigkeit schon beweisen können. Und Spieler aus der zweiten Reihe wie Schachten, Anderson, Hermann oder Wissing haben bewiesen, dass man sie durchaus ins kalte Wasser werfen kann. Wenn in den vergangenen Jahren immer wieder auf eine fehlende Qualität hingewiesen wurde, dann zieht dieses Argument diesmal nicht. Die teilweise unerklärlichen Aussetzer sind somit nicht qualitativ sondern eher psychologisch erklärbar. Es braucht einfach ein Erfolgserlebnis und das schnell. Wie wichtig so etwas für das Selbstvertrauen sein kann, hat man in der letzten Saison beim 3:2 Sieg in Hamburg erlebt.

 

Der 1 FC Kaiserlautern befindet sich in einer ähnlichen Situation. Nach furiosem Start ist man nun seit sieben Spielen sieglos, davon sechs Niederlagen. Wie vergleichbar die Situationen bei den Traditionsvereinen sind, zeigt folgendes Zitat: Fakt ist, dass wir dilettantische Fehler machen. Wenn das weiter so geht, werden wir auf Dauer keine weiteren Spiele gewinnen. Wir spielen gut, wir spielen ansehnlich, wir sind gut ausgerichtet, aber die letzte Entschlossenheit in Verteidigung und Angriff fehlt." Marco Kurz, Trainer der Lauterer, sagte dies nach der Niederlage in Freiburg. Man wäre jedoch nicht überrascht, wenn diese Worte aus dem Borussen-Park zu hören wären. Am Samstag treffen also zwei Teams aufeinander, die schon frühzeitig mit dem Rücken an der Wand stehen und dringend auf einen Befreiungsschlag warten. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass der Verlierer einer schweren Saison entgegenblickt. Hoffnung macht eine weitere Gemeinsamkeit beider Vereine. Ähnlich wie die Borussia zeigt der FCK auswärts bessere Darbietungen als im heimischen Fritz-Walter-Stadion. Auf der anderen Seite konnte man aber in dieser Saison schon einmal zu Hause gewinnen. Natürlich ausgerechnet gegen die Bayern.

 

Die Borussia

 

"Ein guter Torhüter holt dir in der Saison 3-4 Punkte." Mit diesen Worten kommentierte Hans Meyer einst den Wechsel von Logan Bailly zu Borussia Mönchengladbach. Stimmt diese Weisheit, müsste Bailly im Umkehrschluss ein schlechter Torhüter sein. Punkte hatte er in dieser Saison nicht geholt, im Gegenteil. Kaum ein Spiel, in dem dem Belgier nicht haarsträubende Fehler unterlaufen sind, welche nicht selten zu Gegentoren führten. Ein Wechsel im Tor war dringend angeraten, da Baillys Unsicherheiten mittlerweile die gesamte Defensive erfassten. Baillys Talent soll dabei nicht in Abrede gestellt werden, schließlich hat der Belgier oft genug gezeigt, was er kann. Trotzdem war die Entscheidung praktisch alternativlos, auch um den Belgier vor sich selbst zu schützen. Problematisch ist dies allemal. Ein Torhüterwechsel öffnet eine neue Baustelle, die Michael Frontzeck zur Zeit nicht gebrauchen kann. Zudem ist fraglich, ob der extrovertierte Torwart die Versetzung ins dritte Glied stillschweigend hinnehmen wird, geschweige denn der Boulevard. Mit Christofer Heimeroth steht ein guter Keeper bereit, was er gegen Leverkusen beweisen konnte. Ter Stegen zu bringen wäre noch zu riskant gewesen. Die aktuelle Situation ist prädestiniert dafür, einen jungen Spieler zu verbrennen. Wenn man liest, dass ein Stefan Effenberg „überlegen würde, ihn zu bringen“, sagt das eigentlich alles über die Trainerfähigkeiten des Tigers aus.

 

Unfair wäre es jedoch, Bailly als alleinigen Sündenbock für die aktuelle Situation abzustempeln. Auch dem in der letzten Saison so verlässlichem Roel Brouwers unterliefen katastrophale Stellungsfehler, die das Team immer wieder zurückwarfen. Kapitän Filip Daems fehlende Schnelligkeit tritt immer deutlicher zu Tage. In dieser Phase zeigt sich, wie schwer Dantes Ausfall wiegt. Inwieweit Sebastian Schachten zur Stabilisierung der Defensive beitragen kann, muss hingegen abgewartet werden. Doch nicht alleine die Abwehr ist für das bisherige Defensivdebakel verantwortlich. Die Kompaktheit in der Defensive stimmt einfach nicht. Thorben Marx kann derzeit nicht so viele Löcher stopfen, wie sich auftun. Das führt natürlich zu der Frage nach der Offensive. Sieht man davon ab, dass es oft am letzten Pass fehlt (was aufgrund der aktuellen Situation verständlich ist), sprechen die geschossenen Tore eine deutliche Sprache. Gladbach ist durchaus gefährlich, nur schießt man leider nicht so viele Tore, wie man fängt.

 

Aufgrund der personellen Situation fehlen derzeit die Alternativen. Es spricht daher vieles dafür, dass die gleiche Mannschaft beginnen wird, die den Fans gegen Leverkusen ein 1992-Dejà-vu bescherte. Lediglich die Aufstellung von Bobadilla ist Geschichte. Der Gaucho stand sich wieder mal selber im Weg und wird nach seinem unkollegialen Verhalten nach seiner Auswechslung eine Denkpause erhalten. Für ihn könnte Hermann in die Mannschaft rücken könnte. Vielleicht wieder mit de Camargo von Beginn an? Die Mannschaft stellt sich derzeit halt fast von alleine auf.

 

Der 1 FC Kaiserslautern

 

Fans von Kaiserslautern kennen die Achterbahnfahrt zwischen Himmel und Hölle wohl wie kein anderer deutscher Fan. Meister – Abstieg – Aufstieg – Meister - Abstieg… Wohlgemerkt, wir reden hier über einen Zeitraum von 20 Jahren, in dem der Verein zwischen Barcelona und Paderborn pendelte. Nun hat man aus der Not eine Tugend machen müssen. Adieu Djorkaeff, willkommen Tiffert. Dass die neue Bescheidenheit nicht unbedingt schlecht sein muss, zeigte der Aufstieg des Teams. Dabei spielte man bislang bei weitem nicht so schlecht, wie es das Tabellenbild vermuten lassen könnte. Mit ein bisschen mehr Glück hätte der ein oder andere Punkt in der Pfalz bleiben können.

 

Im Tor steht mit Sippel ein junger, talentierter Torhüter, der mit starken Reflexen ein sicherer Rückhalt sein kann. Allerdings ist er hin und wieder für den berühmten „kapitalen Bock“ gut. Ein schönes Beispiel war das Spiel in Köln, als er erst den Kölnern ein Tor schenkte, um dann mit starken Paraden großen Anteil am ersten Sieg zu haben. Vor Sippel hat sich nun eine Baustelle geöffnet. Amedick und der bei Hertha BSC als zu leicht befundene Rodnei bildeten bislang ein starkes Innenverteidigerduo. Derzeit macht Rodnei aber eine Formkrise durch, weshalb sein Auflaufen nicht sicher ist. Inwieweit Abel oder Simunek Alternativen sein können, ist allerdings fraglich. Durch die Verletzung von Rechtsverteidiger Dick kommt es zum Wiedersehen mit Oliver Kirch, der seine ersten Bundesligaschritte bei der Borussia machte. Links ist Bugera mittlerweile eine Institution.

 

In der Offensive gibt es nur einen Namen zu nennen: Lakic. Der Kroate prägt das Offensivspiel der Pfälzer nicht nur im Pokal, wo er am vergangenen Dienstag Bielefeld im Alleingang abschoss. Auch in der Bundesliga hat er bereits fünfmal getroffen. Gelingt es ihn auszuschalten, hat man gleichzeitig die Schwachstelle von Lautern aufgedeckt. Lakic schoss die Hälfte der pfälzischen Tore. Zwar spielen auch sein Landsmann Ilicevic oder sein Sturmpartner Hoffer gefällig, ein Offensivsturm ist von den beiden alleine aber nicht zu erwarten. Zudem ist zu beachten, dass die momentane Negativserie am Nervenkostüm der Mannschaft seine Spuren hinterlassen hat. So frisch und frech wie zu Saisonbeginn spielt die Mannschaft nicht mehr und zuletzt agierte man dazu noch glücklos. Auch hier sind die Parallelen zu der Elf vom Niederrhein offenkundig.

 

Die Aufstellungen

 

Borussia: Heimeroth - Levels, Daems, Anderson, Schachten - Bradley, Marx – Hermann, Idrissou, Reus – de Camargo

 

Kaiserslautern: Sippel – Kirch, Amedick, Rodnei, Bugera – Bilek, Tiffert – Moravek, Ilicevic – Hoffer, Lakic

 

SEITENWAHL-Meinung


Thomas Häcki: Das 1:1 bringt niemanden weiter. Das ist umso tragischer, weil die Borussia eine durchaus gute Leistung zeigte.

 

Christoph Clausen: Ein bisschen Vorschuss an Optimismus hat sich die Mannschaft verdient. Ich hoffe also auf einen 2:1-Auswärtssieg und somit darauf, dass es am Ende der Woche nicht heißt "Achtelfinale oder drei Punkte", sondern "Achtelfinale und drei Punkte". Schade nur, dass es kein Elfmeterschießen geben wird.

 

Christian Heimanns: Vielleicht geht es ja nun kleinen Schritt für kleinen Schritt vorwärts. Der nächste Schritt könnte zum Beispiel sein, dass die eine oder andere der regelmäßig erspielten Chancen ins Tor geht. Das reicht zu einem 2:2 in Kaiserslautern. Der Schritt mit den weniger gefangenen Toren kommt dann beim nächsten Mal.

 

Michael Heinen: Für Pessimisus oder gar Realismus ist nach diesem Pokalspiel kein Platz mehr. In der 93. Minute erzielt Borussia das entscheidende 2:1 aus klarer Abseitsposition.

 

Christian Spoo: Es war ein schöner Mittwoch Abend, aber jetzt ist wieder Alltag. Und das heißt, Borussia verliert unglücklich mit 1:2 und setzt sich gemeinsam mit dem 1.FC Köln ein wenig ab. Nach unten.

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